Patricia_cgn hat geschrieben: Di 17. Nov 2020, 02:46 Liebe Mara,
auch wenn ich teilweise mit Dir übereinstimme was die Selbstbestimmung angeht, so sehe ich die Alltagserprobung keineswegs als Gängelung an, im Gegenteil. Was können die Hormone denn so großartiges schon ändern dass wir nicht bereits davor in der Lage sind das Leben zu führen welches wir anstreben? Was ist wenn die Hormone kaum was an Erscheinungsbild ändern? Wie oft kann man in irgendwelchen Gruppen lesen dass Menschen mit dem Druck nicht klarkommen welcher von der Gesellschaft kommt? Man sollte diesen Alltagstest ernst nehmen denn so oder so macht ihn jeder Transsexuelle Mensch früher oder später und zwar dann wenn man endlich im gewünschten Geschlecht lebt. Es gibt aber Menschen die glauben dass die Hormontherapie oder die Operationen ein Wunder bewirken werden bei dem sich alle Probleme in Luft auflösen. Das ist aber ein sehr grosser Trugschluss. Nicht die Hormone oder die Operationen sind das was uns endgültig den Inneren Frieden schenkt sondern der psychische Prozess der während der Transition und somit auch während des Alltagstests in unserem Inneren stattfindet. Die Hormone oder die Operationen sind nur Hilfsmittel. Denn das Leben im Wunschgeschlecht wird oft nicht einfacher, sondern eher komplizierter. Wir finden in unserem wahren Ich aber meist mehr Kraft dazu diesen Weg zu gehen. Das ist leider nicht jedem Menschen gegeben.
Liebe Grüße
Patricia
Hallo liebes Forum,Helga hat geschrieben: Mo 16. Nov 2020, 21:26Hallo Mara,Mara hat geschrieben: Mo 16. Nov 2020, 21:07 Ich bin nun seit geraumer Zeit in Therapie und habe mittlerweile die Diagnose F 64.0.
es ist 4 ja mal gerade 4 Wochen her, dass du uns vom Ende der probatischen Sitzungen berichtest hast.
Erstaunlich wie schnell eine so weitreichende Diagnose gestellt werden kann. Wieviele Sitzungen hat deine Therapeutin dafür gebraucht?
Magst du vom Verlauf der Therapie berichten?
Vielleicht solltest du deiner Familie etwas mehr Zeit lassen.
Liebe Grüße
Helga
liebe Helga
liebe Patricia,
ich habe mal die (Eure) beiden Texteile aus Maras Posts herausgezogen, weil ich diesen nicht sprengen möchte und hoffe, dass dies OK für Euch ist.
Außerdem glaube ich, dass es sinnvoller sein kann mal diese Themen separat zu diskutieren und nicht auf eine individuelle Person zu beziehen, da ich der Meinung bin, das nur jeder für sich selbst entscheiden kann, was in dem Moment geht oder nicht und was für denjenigen gerade richtig oder falsch ist.
Zu Helgas Beitrag möchte ich schreiben: Bei manchen Menschen ist es klarer, weil sie klarer über sich selbst sind, als bei anderen. Daher ist zwar eine psychologische Begleitung (aus meiner Sicht sinnvoll), bedarf aber keines genauen Zeitrahmens. TransKinder sind hier vielleicht ein gutes Beispiel, sie wachsen (wenn zugelassen) einfach natürlich in ihre eigene Rolle hinein. Und wenn ich als ältere Person mich schhon viele Jahre als "Trans" im öffentlichen Raum bewegt habe, brauche ich im Grunde diesen Alltagstest so gar nicht.
Das "der Familie Zeit lassen" sehe ich auch zwiespältig. Ich kann nachvollziehen, was Du meinst, aber als ich in die Transition "geraten" bin, war das wie ein katalytische Reaktion: explosionsartig und unaufhaltsam. Je mehr ich mich selber für die Familie eingebremst hatte, desto mehr habe ich gelitten ... und je mehr ich gelitten habe, desto verbauter wurden die Wege in der Familie. Daher ist meine Meinung: Realitäten kann man nicht aufhalten ... sie müssen auf den Tisch. Und in diesem Fall geht es um die Gesundheit und das Leben der TransPerson und nicht um die Befindlichkeiten der Familie - mal im Extrem andersherum gedacht.
"Wer mich liebt, will dass ich glücklich bin" Ich habe ein Grundrecht auf mein Geschlecht ... das steht in den ersten Paragraphen des Grundgesetzes.
Bei Patricias Beitrag, den ich übrigens gut und im Gedanken richtig finde, bin ich über das Wort Wunschgeschlecht gestolpert. Das scheint vielleicht wirklich die Sichtweise vieler Außenstehender zu sein: dass man sich sein Geschlecht wünschen könnte und wir bei einem Kaffee gesessen haben und uns mal dachten, es wäre doch schön, die zweite Hälfte unseres Lebens als Frau zu verbringen .... (ich übertreibe jetzt mal bewusst).
Nein, für TV/CD und vielleicht auch DWT mag das zutreffen, dass man mal den Wunsch hat, das Geschlecht (zeitweise, gedanklich) zu wechseln und viele Frauen äußern ja auch den Wunsch, einmal Mann sein zu können ... das hat aber nichts mit F64.0 zu tun! Wir suchen es uns nicht aus und ich persönlich habe mir das auch nicht gewünscht. Ich hätte nach wie vor auf den ganzen TransKram verzichten können ... ging aber nicht, weil ich eben eine TransFrau bin und kein Mann.
Auch habe ich eine etwas andere, ergänzende Meinung zu den Maßnahmen. Natürlich ist der Prozess der Persönlichkeitsfindung/-entwicklung in erster Linie einer der Selbsterkenntnis und der Selbstannahme und ich stimme zu, dass die Wirkung von Hormonen überschätzt wird. Auch die Vorstellung durch eine GAOP mehr Frau zu sein ist Quark. Beides ist risokobehaftet, kann durchaus gesundheitsschädlich sein und führt in eine lebenslängliche Abhängigkeit, die sich auch auf das Alltagsleben auswirkt! Und trotzdem: Hormone haben meinem weiblichen Wesen mehr Freiheit durch eine verändertes Körpergefühl und veränderte Emotionalität gegeben. Auch die GAOP hat mich tatsächlich noch mehr ankommen lassen, was ich so vorher nicht erwartet hatte.
Der Transitionsprozess hatte mich völlig auseinandergenommen und mich neu zusammengesetzt (das ist wohl die psychische Auseinandersetzung gewesen), aber Hormone und genitale GAOP habe ich dann doch gebraucht, um endgültig wieder in meine Mitte zu gelangen. Ich freue mich aber über jeden, der es schafft, diese Hilfsmittel wegzulassen. Busen und Stimme sind übrigens beides Körpereigenschaften mit denen ich ohne weitere Maßnahmen bislang meinen Frieden finden konnte.
Ich hoffe das kam jetzt nicht zu massiv rüber und es ging mir nicht darum irgendjemanden anzugreifen oder dessen Meinung in Frage zu stellen. Ich wollte nur mal diese spezielle Thema an einen neuen Ort packen und meine Erfahrung und Meinung als olle Kuh
Ich bin gespannt, ob und wie die Diskussion weitergeht. Namasté.
Alles Liebe
Van
PS:
ohne Dich will ich nicht sein
ohne mich kann ich nicht sein
denn was man ist
will man auch sein ...
denn was man ist
muss man auch sein ...
daher ist es wie es ist
wenn dann aber richtig falsch
gibt es nicht