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VanessaB
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Post 1 im Thema

Beitrag von VanessaB »

Hallo,

ich bin jetzt vier Wochen Post-OP, wie man so schön sagt und seit Mittwoch wieder zu Hause. Es zwickt und zwackt und alles ist noch anstrengender als ich dachte. Dazu kommt eine große Enttäuschung und eine große Freude. Ein Herzensmensch hat sich mit meiner Rückreise von mir abgewendet, ein andere dafür eher unerwartet zugewendet. Gerade die Person, die mich in den letzten Monaten am intensivsten begleitet hatte (oder ich eher sie?) verweigert mir momentan Zuneigung und Freundschaftsdienste indem sie sich in völliges Schweigen zurückgezogen hat. Aber genau diese Person hatte mich gebeten, nach meiner Transition ein Buch über das Ankommen zu schreiben, quasi als Abschluss einer lyrischen Triologie über meinen Weg.

In dieser persönlichen Konstellation habe ich nun hier den Beitrag über Angst gelesen. Ich habe mehrfach versucht in dieses Thema einzusteigen, habe aber gemerkt, dass ich dazu keinen richtigen Bezug finden kann. Und das, obwohl mir doch einige Punkte aus meiner eigenen Geschichte wohl bekannt sind bzw. waren.

So kreisen seit einigen Stunden die Gedanken um diese Themen: Angst und Ankommen. Bei mir steht Angst für den Anfang meiner Transition und Ankommen für das Gefühl beim Aufwachen im Aufwachraum nach der OP. Ängste lähmten mich und versuchten mich in meiner alten Rolle und in meinem gefestigten sozialen System zu halten. Ich kam mir vor wie an Gummiseilen in einer Kugel zu sein. Kaum wollte ich in die eine Richtung aufbrechen, wurden die Ängste so groß, dass es mich immer wieder in die Mitte zog. Die Folge war Stillstand und damit verbunden Verzweiflung, Depression und sogar der Gedanke an einen Suizid, um aus dem System entfliehen zu können. Man könnte es auch gut mit Hoffnungslosigkeit beschreiben. Wer meine Geschichte etwas kennt, weiß, dass es letztlich mein Körper war, der mir sagte, es geht nicht so weiter. Ironischerweise war es ein Nervenzusammenbruch, der mich wachrüttelte und im Moment dieser absoluten Schwäche, die Kraft gab, den so undenkbaren Schritt in die "Freiheit" zu gehen und mich von meiner Familie zu trennen. Dass dies ganz andere Probleme und negativen Emotionen auslöste, brauch ich wohl niemanden zu erklären. Und trotzdem war es der entscheidende Moment mich endlich anzunehmen und zu mir zu stehen. Keine Veränderung ohne Schmerz, sagte mal mein Psychologe zu mir und so leid es mir tut, es scheint ein Naturgesetz zu sein.
In den Monaten nach der Trennung, ging es dann Schlag auf Schlag: Outing in Beruf und Gesellschaft, Hormonersatztherapie, Namens- und Personenstandsänderung, bis zu der angleichenden Genital-OP zwei Jahre später. Für mich ein gute und befreiende Zeit, nicht ohne Schmerz und Zweifel. Ein Weg der Persönlichkeitsentwicklung. Ich habe vor etwa einem Jahr erkannt, dass die Probleme der Transition die gleichen Grundmuster haben, wie alle anderen Probleme, die Menschen so haben können. Trans zu sein ist mit Nichten etwas besonderes, sondern nur eines von vielen Dingen, was Menschen "erfahren" können und dann leider oft als Last und Bürde mit sich schleppen und darauf herumkauen, wie auf einem alten, ausgelutschen Kaugummi, der immer bitterer wird, statt ihn einfach irgendwann auszuspucken. Vielleicht mache ich mich gerade nicht besonders beliebt mit dieser Meinung und dem Vergleich, unterschlägt er doch etwas die Schwierigkeiten, die definitiv für viele Trans*Personen existieren können. Angefangen bei der Akzeptanz in der Familie bis hin zu Mobbing und Diskriminierung am Arbeitsplatz oder generell in der Gesellschaft. Ich möchte das nicht klein reden oder verschweigen, aber "wir" sind da eben nicht die einzigen, denen es so ergehen kann. Vielleicht passt hier der Spruch: "Jeder ist seines Glückes Schmied, aber nicht jeder Schmied hat Glück"

Kernpunkte meines Prozesses waren Selbsterkenntnis, Selbstakzeptanz und Selbstliebe. Insofern stimme ich den Erfahrungen anderer hier zu, dass wir mit unserer persönlichen Einstellung vieles bewegen können und mit einer reduzierten Erwartungshaltung an andere deutlich besser fahren und weniger oft in Konflikte geraten. Absichtslosigkeit ist hier ein wichtiger Begriff, der nicht meint, keine Absicht zu haben, sondern für die Dinge die man tut, keine Gegenleistung einzufordern. Naja, zumindest sich bewusst sein, dass man das Verhalten und Denken anderer nicht bestimmen kann. Ich finde daher auch immer wieder diese Begrifflichkeit "missgendern" grenzwertig. Meist werde ich nicht (absichtlich) missgeadert, sondern fühle mich missgeadert, weil ich eine Erwartungshaltung habe, die in dem Moment nicht erfüllt wird. "Selbsterfüllende Prophezeiung" fällt mir dazu ein und: "Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus".

Ein langes Ausschweifen und Darstellen meiner persönlichen Meinung, entschuldigt. Ich denke aber es ist notwendig gewesen, um mein heutiges Erlebnis zu schildern ... Es geht nämlich auch um das Thema bei sich "ankommen" und natürlich "Angst"
IMG_9723.jpg
Da ich angeschlagen bin, und es mir noch immer nicht gut geht, bin ich heute im bequemen sportlichen Dress zur Apotheke gegangen. Wie man sieht, erfüllt das nur wenig die klischeehaften Vorstellungen von Männern, wie ein Frau auszusehen hat. Mein Besuch war notwendig, weil ich fälschlicher Weise eine Intimdusche Station einer Vaginaldusche gekauft hatte. Der freundliche Apotheker kannte den Unterschied selbst auch nicht und so habe ich es ihm dann erklärt. Da viel dann der Satz: "Naja, woher sollen wir auch wissen, was unsere Frauen da brauchen" und er lächelte mich dabei an. Ich lächelte innerlich zurück und erwiderte: "Ich bin die Frau, die das braucht". Im folgenden entwickelte isch ein etwa 20 minütiges Gespräch rund um das Thema Trans, Akzeptanz und die OP-Methoden. Alles völlig locker, offen und interessiert. Nach dem Gespräch wusste ich, dass ich angekommen bin. Ich muss nicht mehr um Räume kämpfen ... ich fülle sie einfach aus ... ich bin einfach da und gehe natürlich mit mir und den anderen um. Es gibt nichts mehr zu beweisen ... ich bin einfach eine Frau. Und tatsächlich muss ich mir eingestehen, dass die OP doch viel wichtiger für mich selbst war, als ich es mir die ganze Zeit eingestehen wollte.

Natürlich werde auch ich immer wieder in Konflikte geraten und mich über geglotze der Menschen ärgern ... aber als Frau, nicht als TransFrau, so scheint es mir momentan. Vielleicht ist das mein Ankommen und das Resultat, wenn man seine Ängste ablegen kann. Namasté.

Vielleicht hilft diese kleine Geschichte, vielleicht löst sie auch nur Kontroverse und Achselzucken aus, aber unter dieser Überschrift würde ich gerne meine Erfahrungen und Gefühle nach der angleichenden OP mit Euch teilen.

Alles Liebe
Vanessa
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Re: an(ge)kommen ...

Post 2 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 »

Vielen Dank Vanessa für deinen Bericht über an(ge)kommen.
Ich finde mich in vielen deiner Sätze wieder.
Habe ich doch häufig genauso gefühlt, tue es heute noch.
Ein für mich wichtiges abschütteln war das Trans,
Ich bin Frau, Punkt!
Allerdings brauchte ich um einiges länger für diese Erkenntnis.
Auch das misgendert werden spielt bei mir meist eine untergeordnete Rolle.
Ist meist Situationsabhängig.

Ich wünsche dir weiter alles gute, du wirst jede Woche einen Aufwärtstrend spüren.

LG Tatjana
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Das Bauchgefühl gibt Rat.
Doch das Herz spricht, höre auf dein Herz!
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Re: an(ge)kommen ...

Post 3 im Thema

Beitrag von Céline »

Danke Vanessa,
Danke für einen der Wunderbarsten und schönsten Post die ich hier im Forum bisher gelesen habe. Ein Post der sogar mich sprachlos und nachdenklich macht da er auf so wunderbare Weise sehr viele Facetten unseres Weges und den jedes Menschen hinterfrägt und beleuchtet.
Ich wünsche Dir von Herzen weiterhin alles Gute und hoffe auf weitere solche Posts.
Liebe Grüße
Céline
"Sprache und Worte können mich nicht verletzten...nur der Mensch und seine Absicht dahinter"
C.B.
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Re: an(ge)kommen ...

Post 4 im Thema

Beitrag von JuLa67 »

Liebe Vanessa,
vielen lieben Dank für deine Worte.
Leider habe ich sie erst heute gelesen - hatte in den letzten Wochen viel um die Ohren und ich habe nur sporadisch gelesen was los war!
Ich bin ganz berührt von deinen Worten. Mir ergeht es ganz ähnlich. Nur kann ich das nicht so schön ausdrücken wie du.

Wenn wir "erleuchtet" wurden, sollten wir ruhig da raus marschieren und der Welt zeigen, dass es uns gibt. Und dass wir glücklich sind unseren Weg gefunden zu haben. Und anderen zeigen, dass das Leben mehr für uns bereit hält, wenn wir es denn selber begreifen und uns trauen. (cow)

Larissa
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Re: an(ge)kommen ...

Post 5 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

VanessaB hat geschrieben: Sa 29. Aug 2020, 16:38 Hallo,

...Nach dem Gespräch wusste ich, dass ich angekommen bin. Ich muss nicht mehr um Räume kämpfen ... ich fülle sie einfach aus ... ich bin einfach da und gehe natürlich mit mir und den anderen um. Es gibt nichts mehr zu beweisen ... ich bin einfach eine Frau. ...

Alles Liebe
Vanessa
Liebe Vanessa,
danke für den wie so oft bei Dir bewegenden und offenen Bericht.
Du weißt ja, dass unsere Geschichten so ganz anders verlaufen sind und doch immer wieder Brührungspunkte haben.

Für mich als Menschen, der noch nie eine andere nackte Frau berührt hat und lange als schwuler überkompensierender Mann gelebt hat stellt sich besonders die Erfahrung des misgenderns anders, von der anderen Seite kommend, dar.
Ich habe, als ich mir meine Weiblichkeit zu- und eingestand zunächst immer gesagt es ist nicht wichtig wie mich die anderen lesen. Ich merke aber immer stärker, dass dies mich doch verletzt. Ich merke, dass es immer mehr Menschen in meinem Umfeld wichtig wird, mir mitzuteilen, wie sie mich lesen und das dies nicht meiner Außendarstellung entspricht.
So werde ich in Geschäften oder Lokalen oft nicht gefragt "Was möchten Sie/ möchtest Du haben?" sondern die seltsame Formulierung benutzt "Was möchte Er denn haben?".
In schwulen Kreisen, wo oft ironisch die weibliche Anrede benutzt wird, unterthalten sich Leute über mich, so dass ich es hören muss, "Marlene hat... er, Marlene, meint damit...". Vor meiner Teiltransition war dies immer Marlene/sie...

Mich würde interessieren, ob andere ähnliche Erfahrungen haben und wie Du/Ihr solche Dinge für Euch einsortiert...

Wie gesagt, ich finde es schön, wie Du zu Dir gefunden hast und danke Dir für die Mut machenden Worte
Alles Liebe
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
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Re: an(ge)kommen ...

Post 6 im Thema

Beitrag von Engelchen »

VanessaB hat geschrieben: Sa 29. Aug 2020, 16:38 Und tatsächlich muss ich mir eingestehen, dass die OP doch viel wichtiger für mich selbst war, als ich es mir die ganze Zeit eingestehen wollte.
Liebste Vanessa,
ich habe mir heute zum 4 mal deinen Bericht durchgelesen.
Ich lasse diese Worte in mir wirken und sacken und stelle fest es tut mir unheimlich gut.
Auch bei mir musste ich feststellen das die Op, auch wenn ich damit gerade Kummer habe, nochmals einen Schub des ankommens ausgelöst wurde.
Ich fühle mich endlich vollständig und sehr wohl in meinem Körper.
Danke für deinen wunderschönen Bericht - er hat mich wieder nach vorne gebracht.

In Liebe

Lisa (he)
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... oder dann doch nicht?

Post 7 im Thema

Beitrag von VanessaB »

Hallo Ihr Lieben,

es war jetzt lange ruhig um mich und natürlich hatte dies Gründe oder besser hat.
Seit dem letzten Beitrag ist schon wieder so vieles geschehen, was ich dann kurz zusammen fassen kann unter: "Die Euphorie war dann schnell vorbei"
Dabei geht es nicht um die OP selbst und das Ankommen dadurch - immer wieder höre ich von Menschen um mich herum, wie ausgeglichen ich denn in der letzten Zeit sei - und tatsächlich fühle ich mich wundersam zentriert und kann seit so langer Zeit wieder schlafen (wenn auch noch nicht durch) ... aber dann doch nur auf der Ebene der geschlechtlichen Identität. Andere Themen sprießen wie Pilze aus dem Boden oder besser treiben wie Leichen an die Oberfläche. An Ankommen ist wohl nicht zu denken ... es geht ohne Unterbrechung weiter. Tatsächlich brechen Themen, wie Sexualität und Beziehung auf, aber noch viel Intensiver geht es um meine persönliche Zukunft. Das alles ist über mich hineingebrochen und wurde dadurch verstärkt, dass mein Hormonwert statt bei 60 Plötzlich nach der OP auf 254 hochgeschnellt war. Kein Wunder, dass ich voller Verzweiflung nach Halt durch die Gegend getorkelt bin. Derzeit geht es jedoch wieder besser und meine Endo schickt mich in die Menopause (menno!).
Ich war einfach kraftlos und völlig blockiert, so dass ich die Notbremse gezogen habe. Ich habe mich von fast allem zurückgezogen. Zumindest allem, was meinen Denk- und meine Gefühlsprozess so sehr beschäftigt hatte, dass ich wie gelähmt war. Alle sozialen Medien sind abgeschaltet und zum großen Teil die Accounts dauerhaft gelöscht. Zurück zur Basis, zum Kern ... zurück zu mir. Zurück in mein Leben als Mensch. Das mag für außenstehende verrückt klingen und nicht nachvollziehbar sein, aber mich haben die letzten Jahre so viel Kraft gekostet, dass ich mich auf mich fokussieren musste. Und es wirkt!
Ich habe seit wirklich langer Zeit an meinem Fernstudium etwas arbeiten können und ich habe eine berufliche Veränderung zumindest ins Auge gefasst. Ich habe im Büro die Ärmel hochgekrempelt und bin energiegeladen, wie schon lange nicht mehr ... gönne mir dafür aber auch ab und zu tatsächlich ein Power-Napping zur Mittagspause. Ich komme langsam wieder in den Flow, wie man so schön sagt. Das ist ein zartes Pflänzchen und ich werde weiterhin gut auf mich aufpassen, denn ich bin tatsächlich noch lange nicht wieder da, wo ich mal angefangen habe, Kräfte zu verlieren.
Mein Fazit .... ich bin nicht angekommen, wie ich es gesagt habe .. die Transition war nur ein Teil meines Weges und nun kommt vielleicht ein noch schwierigerer Teil: nämlich frei zu leben.

Namasté und alle Liebe Ihr Lieben
Vanessa
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Re: an(ge)kommen ...

Post 8 im Thema

Beitrag von Aria »

Huhu Vanessa,

ehrlich gesagt konnte ich verstehen, was du im ersten Beitrag mit "angekommen" meintest. Trotzdem dachte ich mir immer, dass doch eigentlich so viel mehr dazu gehört als einfach nur am Ziel der körperlichen Transition zu sein. Ich frage mich manchmal ob ich die einzige bin, die in Bezug zu "angekommen" viel mehr sieht oder ob andere einfach nur nicht davon erzählen weil es doch recht unterbewusst abläuft. Was ich damit meine, ist die soziale Transition, die mir als mindestens genau so wichtig vorkommt - wenn nicht noch wichtiger - als die körperliche. Ich kann jedenfalls sagen, dass die mich ganz schön beschäftigt und ziemlich oft auch an die Grenzen bringt. Im ersten halben Jahr der HET merkte ich, wie ich meine alte Identität so langsam ablegte und mich zunehmend nicht mehr an den Kerl erinnern konnte, der ich zuletzt gewesen bin. Langzeiterinnerungen okay, Kurzzeiterinnerungen no way. Und so wie ich die alte Identität verlor, begann ich eine neu zu entdecken - meine richtige. So weit so gut. Doch zeitweise hat mich das ganz schön überfrachtet und ich war, um es mit dem Jugendwort des Jahres 2020 auszudrücken manchmal ganz schön lost.

Trotzdem ist und bleibt jeder neue Tag ein Abenteuer und es geht auch in dieser Beziehung Babyschritte voran. Ich weiss nicht mehr genau ob ich es dir gesagt habe aber ich werde darüber auf jeden Fall noch ein Beitrag im geschl. Bereich aufmachen, sobald ich mich dazu etwas gesammelt habe. Denn wie ich schon sagte, erscheint mir dieses Thema extrem wichtig. Und wenn ich so darüber nachdenke, gehören die beiden Transitionen - sozial und körperlich - fest zusammen, um sich wirklich angekommen zu fühlen. Ich muss zugeben, dass ich mit der ersten schon recht weit bin und mir meine Aufschieberei in puncto OP nun auf die Füsse fällt. Denn ist der Kopf schon weiter als der Körper, ist das echt schwer auszuhalten und ich komme mir beinahe schon in Pre-HET Zeiten versetzt vor. Und gerade die wollte ich doch nie nie nie nie mehr erleben....

LG Aría
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Re: an(ge)kommen ...

Post 9 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Aria hat geschrieben: Fr 16. Okt 2020, 19:22 mir meine Aufschieberei in puncto OP nun auf die Füsse fällt. Denn ist der Kopf schon weiter als der Körper, ist das echt schwer auszuhalten und ich komme mir beinahe schon in Pre-HET Zeiten versetzt vor. Und gerade die wollte ich doch nie nie nie nie mehr erleben....
Oh..wow Aria...

hat ich das hier schon mal geschrieben? Keine Ahnung, denn grade habe ichs vergessen..

genau so ist es-ich hab es umschrieben mit mein Geist ist schon ganz weit vorgelaufen und
mein Körper hat es sich irgendwo auf einer Parkbank bequem gemacht-das ist sogar mein
running sentence wenn mich jemand fragt wies mir grade geht..

ich kanns soooo extrem gut nachvollziehen was in dir los ist...aber wir schaffen das!

Alles Liebe Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
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Re: an(ge)kommen ...

Post 10 im Thema

Beitrag von Aria »

!EmmiMarie! hat geschrieben: Fr 16. Okt 2020, 19:42 genau so ist es-ich hab es umschrieben mit mein Geist ist schon ganz weit vorgelaufen und
mein Körper hat es sich irgendwo auf einer Parkbank bequem gemacht-das ist sogar mein
running sentence wenn mich jemand fragt wies mir grade geht..

ich kanns soooo extrem gut nachvollziehen was in dir los ist...aber wir schaffen das!
Also ich habe das hier noch nicht gelesen aber genau so fühlt sich das an!
Ehrlich, manchmal denke ich echt, dass ich das nicht schaffe.
Die textilfreien Zeiten (in bestimmten Bereichen) sind für mich gerade sehr sehr schwer auszuhalten.
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Re: an(ge)kommen ...

Post 11 im Thema

Beitrag von VanessaB »

Aria hat geschrieben: Fr 16. Okt 2020, 19:22 ... Was ich damit meine, ist die soziale Transition, die mir als mindestens genau so wichtig vorkommt - wenn nicht noch wichtiger - als die körperliche. Ich kann jedenfalls sagen, dass die mich ganz schön beschäftigt und ziemlich oft auch an die Grenzen bringt. Im ersten halben Jahr der HET merkte ich, wie ich meine alte Identität so langsam ablegte und mich zunehmend nicht mehr an den Kerl erinnern konnte, der ich zuletzt gewesen bin. Langzeiterinnerungen okay, Kurzzeiterinnerungen no way. Und so wie ich die alte Identität verlor, begann ich eine neu zu entdecken - meine richtige. So weit so gut. Doch zeitweise hat mich das ganz schön überfrachtet und ich war, um es mit dem Jugendwort des Jahres 2020 auszudrücken manchmal ganz schön lost.
... Bereich aufmachen, sobald ich mich dazu etwas gesammelt habe. Denn wie ich schon sagte, erscheint mir dieses Thema extrem wichtig. Und wenn ich so darüber nachdenke, gehören die beiden Transitionen - sozial und körperlich - fest zusammen, um sich wirklich angekommen zu fühlen. ...
Nur wer geht, kann ankommen ... ansonsten ist er vielleicht einfach schon da ...

Liebe Aria,

körperlich Transition und soziale Transition sind natürlich miteinander verwoben ... aber letztlich zwei ganz unterschiedliche Dinge. Gerade was die GAOP angeht, muss ich sagen, ist es eine eher innerer Druck und hat wenig mir sozialer Umgebung zu tun. Als Frau leben wäre auch ohne OP in meinem sozialen Umfeld möglich gewesen. Hier geht es wohl eher um Selbstannahme, als um Akzeptanz von außen. Was mich zur Frau macht, hat jedoch mit meiner Neovagina wenig zu tun. Die ist eh extrem pflegebedürftig und damit zeitaufwendig, noch viel zu eng und ganz sicher nicht mit einer Vagina einer CIS-Frau zu vergleichen. Aber, sie gibt mir persönlich Ausgeglichenheit auf einer gewissen Ebene, ich würde es mal inneren Frieden nennen. Doch alles andere, was ich in der Transitionszeit ausgeblendet hatte, rückt nun wieder in den Vordergrund ... das Leben.

Aber natürlich hast Du Recht, das wir auf beiden ebenen unseren frieden finden müssen ... sozial und innerlich (mental/körperlich) ...

Bei mir hat die Transition aber sehr viel andere Risse in mein Leben gebracht, die ich jetzt anfange zu sanieren. Manches wird auch abgerissen und neu gebaut.

Alles Liebe und Gute für Euch
Vanessa
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Re: an(ge)kommen ...

Post 12 im Thema

Beitrag von Eudokia »

Hallo Ihr Lieben,

ich habe mir alles durchgelesen. Gerade wegen dieser angekommen Geschichte bin ich hier gelandet. Ich dachte das mit meiner OP alles abgeschlossen wäre, ist es aber nicht. Ich vergleiche mich oft mit Bio Frauen
und muß mir auch eingestehen das ich das nicht erreichen kann. Weil! ich bin nicht so geboren.Also kommt man an dieses Level nie heran. Aber ich bin durchaus angekommen in mir und kann täglich das leben was ich mir früher in den kühnsten Träumen nicht vorstellen konnte. So kann ich sagen mit jedem erreichten Schritt bin ich irgendwo angekommen. Aber zu Ende ist der Weg irgendwie gefühlt nie, es gibt immer etwas zu werkeln an Körper und Geist.
Ich freue mich auf den Austausch mit Euch.
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Re: an(ge)kommen ...

Post 13 im Thema

Beitrag von Kathi87 »

Aria hat geschrieben: Fr 16. Okt 2020, 19:22 Und wenn ich so darüber nachdenke, gehören die beiden Transitionen - sozial und körperlich - fest zusammen, um sich wirklich angekommen zu fühlen. Ich muss zugeben, dass ich mit der ersten schon recht weit bin und mir meine Aufschieberei in puncto OP nun auf die Füsse fällt. Denn ist der Kopf schon weiter als der Körper, ist das echt schwer auszuhalten und ich komme mir beinahe schon in Pre-HET Zeiten versetzt vor. Und gerade die wollte ich doch nie nie nie nie mehr erleben....
Liebe Aria,

ich kann dich so gut verstehen. Ich habe vor etwas mehr als einem Jahr in den Spiegel geschaut, so wie ich es oft tue, aber irgendwas war anders. Es schaute mich nicht eine trans Frau an sondern eine Frau. Ich war mit einem Schlag angekommen und es war ein unbeschreibliches Gefühl. Vorher war immer noch irgendwie was vom alten ich da, jetzt war da nur noch Katharina.
Die Sozialetransition denke ich ist bei mir beendet und dennoch, seit diesem Blick im Spiegel, bin ich als Frau angekommen ich sehe mich so und verstehe mich so und seit dem ist die alt Last zwischen meinen Beinen präsenter als jemals zu vor. Vorher dachte ich, ich könnte so bleiben, aber ich habe mich geirrt.

Mittlerweile bin ich emotional an einem Punkt angekommen das es einfach weg kann und auch meine Frau merkt wie sehr ich unter dem kleinen Rest leide, auch wenn sie das bisschen vermissen wird, weiß sie warum ich es mache. Ich möchte körperlich fertig werden. Leider habe ich keine Aufschieberei, viel mehr eher riesige Berge die ich noch überwinden muss, ich hoffe das ich es so lange ertragen werde, bis ich dann endlich zu der Op kann und ich selbst körperlich ankomme.

Liebe Grüße
Katharina
Es ist besser, für das was man ist, gehasst,
Als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden.
Aria
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Re: an(ge)kommen ...

Post 14 im Thema

Beitrag von Aria »

Kathi87 hat geschrieben: Mi 4. Nov 2020, 22:35 Die Sozialetransition denke ich ist bei mir beendet und dennoch, seit diesem Blick im Spiegel, bin ich als Frau angekommen ich sehe mich so und verstehe mich so und seit dem ist die alt Last zwischen meinen Beinen präsenter als jemals zu vor. Vorher dachte ich, ich könnte so bleiben, aber ich habe mich geirrt.

Mittlerweile bin ich emotional an einem Punkt angekommen das es einfach weg kann und auch meine Frau merkt wie sehr ich unter dem kleinen Rest leide, auch wenn sie das bisschen vermissen wird, weiß sie warum ich es mache. Ich möchte körperlich fertig werden. Leider habe ich keine Aufschieberei, viel mehr eher riesige Berge die ich noch überwinden muss, ich hoffe das ich es so lange ertragen werde, bis ich dann endlich zu der Op kann und ich selbst körperlich ankomme.
Huhu Katharina 👋🏻
Wenn ich so darüber nachdenke, gleicht die Transition einer umgekehrten Matroschka. Irgendwann gelangt man an einen Punkt an dem es einfach nicht mehr geht und man öffnet einen neuen Abschnitt, eine neue Phase, eine neue Stufe. Entwicklungsstufen die die Frau in uns einfordert oder nicht mehr gewillt ist die zu besetzen: Zuzulassen sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Der Gang zum Psy. (An)Erkennen wer man ist. Die HET starten. Outing. Toilette wechseln. VÄ/PÄ. GaOP.

Nur blöd, dass manche Stufen nicht so einfach zu bewältigen sind, zB wegen formellen Angelegenheiten, Wartezeiten, oder einfach wegen der eigenen Bequemlichkeit und Fehleinschätzung was den Fortschritt der Frau in uns angeht. Ich könnte mir wirklich in Arsch beißen mich nicht schon um die GaOP gekümmert zu haben als Vanessa vor ca 1 Jahr sagte ich soll mich damit schon weil mal beschäftigen. Keine Ahnung was deine Berge sind (kannst du mir ja via PN erklären - wenn du magst), bei mir war es einfach nur diese verdammte Fehleinschätzung, dass die letzte Matroschka-Puppe - die größte - mich nun im Spiegel anschaut und mich fragt, was zur Hölle die mit dem Teil da unten soll. Das löst eine Dysphorie aus, die ich so schon ewig nicht mehr hatte. Und wenn ich sehe, wie gerade OP um OP aufgeschoben wird, wird mir bei dem Gedanken, dass es womöglich erst in 1-2 Jahren soweit sein wird schlecht.

LG
Aría ✌🏼😃
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Re: an(ge)kommen ...

Post 15 im Thema

Beitrag von Eudokia »

Hallo Katharina, es ist so wie Du schreibst und es ging mir genauso vor der OP. Wenn man erstmal auf dem OP Tisch liegt, dann tritt Ruhe ein. So war es jedenfalls bei mir.
Hallo Aria, der Vergleich mit der Matroschka ist super. (ap)
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