Sprache ist das Demokratischste, was es überhaupt gibt: sie wird vom Volk durch unmittelbaren, täglichen, gemeinsamen Gebrauch definiert und ständig weiterentwickelt. Rechtschreiblexika wie der Duden schreiben eine Sprache nicht vor, sie
beschreiben sie: sie schauen dem Volk aufs Maul, und was dort bei Leuten, die in der Sprache aufgewachsen sind, überwiegend Verwendung findet, das gilt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung als orthografisch und grammatikalisch "richtig".
Einem Volk einen bestimmten, "politisch korrekten" Sprachgebrauch von oben her vorschreiben zu wollen, um damit auf das Denken der Leute einzuwirken, ist ein klassisches Charakteristikum totalitärer Diktaturen. Es ist nicht nur entlarvend für antidemokratischen Geist, es hat zudem auch noch nie wirklich funktioniert. Beispiel gefällig? Der "größte Feldherr aller Zeiten" war unter den Nazis eine politisch korrekte Bezeichnung des Führers; das Volk machte daraus in ironischem Gehorsam den "GröFaZ" - und jeder wußte, was das bedeutete, da konnten die Nazi-Schergen noch so dagegen wüten... Man kann zwar die Leute mit vielerlei Repressalien dazu zwingen, bestimmte, vorgeschriebene Worte oder Schreibwesen zu verwenden - aber man kann sie (Gottseidank!) NOCH nicht daran hindern, sich dabei ihre eigenen Gedanken zu machen und dem aufgezwungenen Wort auf längere Sicht eine andere Bedeutung zu geben als von der Sprachpolizei beabsichtigt. Ob man "Mohr" oder "Neger" oder "Schwarzer" oder "Farbiger" oder "People of colour" sagt, bleibt letztlich egal: das Volk wird auf längere Sicht immer wieder seine eigenen, aktuellen Assoziationen mit dem jeweils gerade als politisch korrekt geltenden Wort verbinden, anstatt seine Grundhaltungen nach den Intentionen der SprachwächterInnen

auszurichten.
Gegenderte Sprache verwende ich persönlich gelegentlich im Umgang mit Transgendern, z. B. hier im Forum; da macht das ausnahmsweise wirklich mal Sinn, weil es in dieser speziellen Gemeinschaft die Genauigkeit des Ausdrucks verbessern kann. Aber draußen im Alltag macht es für mich zuallermeist
keinen Sinn: da versteht man mich sehr gut und genau, wenn ich z. B. von der Kramp-Karrenbauer als "dem Verteidigungsminister" anstatt "der Verteidigungsministerin" spreche. Und wetten: spätestens in 10 Jahren werden die Feministen selber das Wort "Verteidigungsministerin" gar nicht mehr so gerne hören wollen - wenn nämlich das Volk aus einschlägiger Erfahrung unter einer "Verteidigungsministerin" oder "Soldatin" etwas
qualitativ Anderes versteht als unter einem Verteidigungsminister oder Soldaten. Das Volk denkt selber, und in einer Demokratie ist das Volk der Souverän - bitte nicht vergessen.
Herzliche Grüße
Wally