Ich bin neu!
Ich bin neu! - # 2

Wer möchte, kann sich vorstellen: bitte kurz fassen
und längere Diskussionen in den dafür vorgesehenen
Themen führen!
Alex_andra
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Re: Ich bin neu!

Post 16 im Thema

Beitrag von Alex_andra »

Ok und entschuldige, bin eventuell etwas übers Ziel hinaus geschossen und bin vom Stand meiner Beziehung oder den vorausgegangenen Diskussionen ausgegangen.
Wenn ich etwas nicht wollte, dann war es dich zu verunsichern. Ganz, ganz ehrlich wäre das das letzte was ich bezwecke. Ein echt großes Anliegen von mir wäre es Möglichkeiten in unserem Zusammenleben zu schaffen, entsprechend unserem Schamgefühl Teile unseres Ichs offen ausleben zu können. Der Druck und die Erwartungshaltung des als normal geltenden schafft so oft nur ein leidvolles Nebeneinander an Stellen wo ein Miteinander ungeahnte Energien frei setzten könnte.
Mir kam mein Beitrag eigentlich nicht so unverdaulich vor, deshalb habe ich ihn auch geschrieben. Wenn du magst, kannst du mir auch gerne die Bereiche nennen, die dir am meisten Kopfzerbrechen machen.
Meine eigene Geschichte kannst du ja hier im Profil und in alten Beiträgen von mir nachlesen. Über Fragen freue ich mich und bin gerne bereit, diese zu beantworten.
Ganz kurz: wir sind ungefähr gleich alt, ich bin der transidente Teil einer mittlerweile fast dreißigjährigen Beziehung und Partnerschaft. Meine Lebensgefährtin und ich leben zusammen mit unseren drei Kindern in Potsdam. Wir sind beide ein wenig in der lgbtqia Szene aktiv, aber eher verhalten und lebe ansonsten ein eher bürgerliches Leben. Unsere Hauptprobleme sind eher die, dass ich immer wieder über meine eigene Scham und den damit verbundenen Selbsthass stolpere. Das zieht uns dann alle nach unten. Das ist meine Baustelle und somit auch ein wenig die meiner Familie.
Wenn ich andern von unseren Erfahrungen schreibe, ist das sicher auch immer ein wenig Selbsttherapie. Ich würde gerne vermeiden, bei anderen das Gefühl zu vermitteln, dass ich besser wüsste was richtig ist. Eigentlich kann ich immer nur aus meinen Erfahrungen berichten und diese in möglichst wertfrei in eine sprachliche Form bringen.
Ich lerne aber auch immer von anderen und von deren Sicht.
Aus reinem Eigennutz ist es mir deshalb ein echtes Bedürfnis, wenn andere Paare es schaffen, mit dem Trans*anteil in der Beziehung ein gutes und erfülltes Leben zu führen.

Liebe Grüße
Alex
Stina
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Re: Ich bin neu!

Post 17 im Thema

Beitrag von Stina »

Moin Alex! Erst einmal, du hast mich nicht überfordert. Vielmehr hast du einen extrem Wunden Punkt bei mir gefunden! Das Thema Konkurrenz! Ich war mir dessen gar nicht so bewusst, bis ich es bei dir gelesen habe!! Das hat mich total geschockt. Normalerweise bin ich nicht so. Gar nicht. Ich brauchte noch nie mit jemanden in Konkurrenz zu treten, und mit meinem Mann schon mal gar nicht! Wenn man den Gedanken dann zu Ende denkt, kommt auch noch Neid dazu und das kann ich überhaupt nicht leiden. Aber mein Mann kann sich die Größe seine Brüsten aussuchen, hat keine Cellulite (Frechheit!) und hat auch noch die längeren Beine. Mal ganz zu schweigen von der Tatsache, dass er sich auf 12 cm Schuhen ohne würdelos zu fallen fortbewegen kann! Ja, das ist harte Konkurrenz.
Ich kann das bestimmt irgendwann mit Humor nehmen, hoffentlich!! Aber momentan ist es hart. Mein Selbstbewusstsein hat es echt schwer. Seins allerdings auch. Er hardert damit, mich unglücklich zu sehen, zu sehen, wie ich leide. Wir drehen uns im Kreis...
Jaddy
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Re: Ich bin neu!

Post 18 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Stina hat geschrieben: Sa 12. Sep 2020, 16:44Ja, das ist harte Konkurrenz. Ich kann das bestimmt irgendwann mit Humor nehmen, hoffentlich!!
Mein Bunny(1) mochte nie besonders feminin aussehen. Röcke, Kleider, Makeup, Heels, Schmuck: Nee, kein Bedarf. Jeans, Shirt, maximal Blazer. Das hat sie als Vorteil und zu ihrer Entlastung genutzt, indem sie den ganzen Kram zu mir ausgelagert hat. Dann hat sie sich _für_mich_ mit Mode und nail art beschäftigt und aus der Entspanntheit ihren eigenen Zugang zu mehr modisch und schick gefunden, ohne den Druck, irgendwas darstellen zu müssen.

Vielleicht lohnt die Frage, woher das Konkurrenzproblem kommt; aus dir selbst oder aus Anspruch und Erwartungen, die andere an dich stellen. Ich bin ziemlich sicher, dass dein Mann dich von jeher als Frau sieht und daran auch nicht zweifeln wird, wenn er ab und zu feminier aufdresst als du.

(1) mein genderqueeres, nicht ganz cis-weibliches Ehewesen, in traditionellen Worten: Meine Ehefrau...
Aria
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Re: Ich bin neu!

Post 19 im Thema

Beitrag von Aria »

Jaddy hat geschrieben: Sa 12. Sep 2020, 18:13 woher das Konkurrenzproblem kommt
Oje, ich hoffe nicht, dass nun wieder das Problem bei der Partnerin gesucht wird... :roll:
Ich würde mir echt wünschen, dass aus den letzten Diskussionen mit Partnerinnen was mitgenommen wurde.
¡no lamento nada!
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Re: Ich bin neu!

Post 20 im Thema

Beitrag von Stina »

Konkurrenz erzeugt die Tatsache, dass ich im Alltag immer meine Frau stehen muss. Ein CD kann zwischen Mann sein und Frau sein hin und her switchen, so wie die Situation es grade zu lässt. Oder, anders formuliert, es sind zwei Welten für meinen Partner. Für mich ist es eine. Ich möchte auch manchmal ausbrechen aus der Realität des Wahnsinns zwischen Job (ich bin selbständig), Kinder und Haushalt! Natürlich schürt das Neid. Ich habe keine "warme Badewanne" wie er es nennt, wenn er sich aufbrezelt. Das ist nicht negativ gemeint. Nur eine Formulierung unserer seits.
Fen
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Re: Ich bin neu!

Post 21 im Thema

Beitrag von Fen »

Hi Stina,

Ich bin Partnerin eines Crossdressers und mich plagte auch der Neid. Zum Beispiel auf die langen Beine und die Heels,und die Fähigkeit,sich bis zur Unkenntlichkeit verwandeln zu können.
Irgendwann erinnerte ich mich an einen heimlichen lang gehegten Traum:die Kopfhaare abzurasieren. Und bei einer besonderen Gelegenheit tat ich es dann.Ich habe einige offizielle Gründe dafür angegeben.aber ein riesiger Vorteil ist:ich kann leichter eine Perücke aufsetzen. Im oberen Bild trage ich die Perücke meiner Süßen.im unteren Bild seht ihr meine normale Frisur.

Nicht nur meine Süße (ich nenne sie meist mit weiblichem Pronomen) als Crossdresser kann ausbrechen;ich kann es auch.
Bevor ich meine Süße kennenlernte wäre ich nie auf die Idee gekommen,ein Latexkleid anzuziehen.
Unten mal ein Beispiel, wie ich versuche,auszubrechen. Das Makeup hat mir meine Süße gemacht.

Ich weiß nicht, ob dir dieser Beitrag hilft. Aber ich habe gemerkt,dass es mich voran gebracht hat,meine eigenen Träume zu verwirklichen,statt auf den Crossdresser neidisch zu sein. Und ausbrechen aus der Rolle und dem Alltag ist auch als CIS-Frau möglich.

Gruß
Fen
Life is short. Break the rules. Forgive quickly. Kiss slowly. Love truly. Laugh uncontrollably. And Never regret anything that made you smile. (James Dean)
Engelchen
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Re: Ich bin neu!

Post 22 im Thema

Beitrag von Engelchen »

Fen hat geschrieben: Sa 12. Sep 2020, 23:57 Hi Stina,

Ich bin Partnerin eines Crossdressers und mich plagte auch der Neid
Ein wunderschöner Beitrag, danke dafür.
Verfolge euch zwei ja schon eine Zeitlang - auch eure anfänglichen Probleme.
Wunderbar das ihr es geschafft habt.
Liebe Grüße
Lisa
Liebe geben und offen sein für Neues
Alex_andra
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Re: Ich bin neu!

Post 23 im Thema

Beitrag von Alex_andra »

Liebe Stina,

ach je, was Konkurrenz angeht und Neid, darüber könnte ich so viele Lieder singen, dass ich mit dem Singen gar nicht mehr aufhören würde.
Ich bin so unendlich neidisch auf alle Cisfrauen, die sich so gut wie nie Gedanken über ihre geschlechtliche Zugehörigkeit machen müssen, dafür dass sie sich entscheiden können wie sie sich in der Öffentlichkeit geben wollen, und aufgrund ihrer Entscheidung nie misgendert, blöd angestarrt oder aggressiv angemacht werden und das von beiden binären Geschlechtern. Für mich sind die Anfeindungen von Cisfrauen aber wesentlich schmerzhafter. (ich weiß das ist relativ und es finden sich genügend Beispiel in denen es Cisfrauen auch wie beschrieben geht, dennoch wissen glaube ich viele, was ich meine)
Ich beneide mein Freundin um ihre gegebene Körperlichkeit, dass sie in jeder Sekunde immer eine Weiblichkeit ausstraht die ich niemals erreichen werde. Sie muss das noch nicht einmal wollen und kann entscheiden ob sie sich hübsch macht oder einfach nur in Jeans und Shirt ausgehen möchte. Kein Mensch würde sie misgendern, nie. Sie braucht keine gesellschftlich anerkannten artifiziell angeeigneten Merkmale wie hohe Schuhe, Schminke, ausgepolsterten BH, Perücke oder was es alles sonst noch ginbt, muss sich wenig Gedanken um ausgehende Haare, Bartwuchs und so unheimlich viel härrliches Wachstum überall am Körper und diesem permanenten Kampf gegen fellartigen bewucht. Ich bin neidisch auf ihren Körper, ihr Sein, ihren Geruch, ihre Stimme, ihr Lachen, all die Möglichkeiten und Erfahrungen, die sie geprägt haben und die ich niemals machen kann..., aber das bringt weder mir noch ihr etwas. Deshalb versuche ich meinen Neid und meine damit verbundenen Minderwertigkeitsgefühle zwar zuzulassen, aber nicht, dass sie mein Handeln bestimmen. Besser wird es nciht dadurch, dass ich Neid empfinde, sondern nur dadurch, dass ich etwas finde, was diesen Neid kompensieren kann. Aber nicht auf die Art, dass ich mir einen Bereich suche in dem ich besser bin, sondern etwas was ich an mir mag, was mir gut tut und was ich vielleicht schon immer machen wollte, mich aber nie zu tun getraut habe.
Ich finde Fen Beitrag deshalb echt hilfreich und eine Möglichkeit damit umzugehen.
Eine andere Sache ist die Frage der Zeit und des Eingespanntseins in all die Verpflichtungen des Alltags.
Das ist sicher ein sehr komplexes Thema und bedarf sicher genauer Kenntnis euerer Beziehung, aber das wäre doch ein möglicher Verhandlungspunkt mit deiner Partner_in, du brauchst auch mehr Unterstützung, damit du Zeit für dich hast, so wie sie Zeit und AUsgaben für sich beansprucht. Diese zusätzliche Zeit müsst ihr euch dadurch schaffen, dass ihr euch in allen Bereichen unterstützt. Familie ist eben eine familiäre Angelegenheit, d.h. alle müssen in gleicher Weise mitmachen und die AUfgaben sollten vor allem in euerem Fall genau so wenig gegendert werden wie der Anspruch Pumps, Schminke oder Kleider/Röcke tragen zu dürfen.
Und nein, ich sehe das Problem nicht bei dir oder suche es dort. Ich kann deine Suche, Verzweiflung, Vorurteile, den Neid und alles andere verstehen, nachvollziehen und finde das alles berechtigt. Aber nicht die negativen Empfindungen sollten verstärkt werden sondern die mögliche Lösungswege.
Viel, viel Glück euch beiden und liebe Grüße
Alex
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Re: Ich bin neu!

Post 24 im Thema

Beitrag von Stina »

Erst mal möchte ich mich bei euch allen bedanken für die vielen lieben Worte, für das Verständnis und für das Gefühl, endlich nicht mehr alleine zu sein! Ihr seid alle klasse ❤️
Ein besondere Dank an dich, Alex! Deine Worte und Ausführungen haben mich tief bewegt und für einige Tränensäcke gesorgt! Aber auch für ein tieferes Verständnis des Ganzen Themas. Es geht um das Mensch sein; in seiner ganzen Bandbreite. Wir sind alle unterschiedlich und doch gleich in dem Wunsch angenommen zu werden, geliebt zu sein und zu lieben! Das zu erkennen hat eine gewaltige Last von meinen Schultern genommen. Das löst nicht die Probleme die wir angehen müssen, aber ich steh nicht mehr vor einem riesigen Berg.
Ich hoffe, ich kann dir auch ein wenig helfen...
Einen wunderschönen Sonntag an alle. Ganz liebe Grüße, Stina
Alex_andra
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Re: Ich bin neu!

Post 25 im Thema

Beitrag von Alex_andra »

Hey Stina,

mir hilft es unheimlich, wenn nicht direkt betroffene Menschen nachvollziehen können, was für ein inneres Ringen und was für Kämpfe mit sich selbst viele trans*idente Menschen durchleben müssen, bis sie zumindest so weit kommen, sich selbst eingestehen zu können, dass sie so sind, wie sie sind. Damit sind sie noch lange davon entfernt auch anderen gegenüber dazu stehen zu können. Auch weil sich diese Bedürfnis bei manchen nur temporär äußert und bei wieder anderen die erlernte Unterdrückung und Verneinung des Wesensteil so stark ist, dass auch diese Trutzburg erst geschliffen werden muss, bis sich ein befreites Ich entwickeln kann.

Ich empfinde die Art wie du schreibst als unheimlich authentisch, auch wenn dieses Adjektiv ein wenig abgegriffen klingt. Egal, mir geht es nicht darum diesen Begriff gerade zu dekonstruieren. Dein Schreiben klingt empfindsam, klug und irgendwie hoffnungsvoll. Das freut mich echt, auch wenn die Lösung der Probleme dadurch immer noch ansteht. Toll wäre es wie geschrieben, wenn auch deine Partner_in sich äußern könnte oder würde.
Ich glaube vieles kann auch über Gewöhnung erreicht werden. Wenn deine Wahrnehmung deiner Partner_in nicht mehr mit Scham, Neid, Ungewohntsein einher geht. Ich stelle mir das auch so vor, als würdest du um deinen alten, immer so gut zu kennen geglaubten Partner trauern.

Meine Freundin kann sich gar nicht mehr vorstellen wie ich vor meinem Outing war und findet ältere Fotos von mir mittlerweile befremdlich. Ich kann immer noch nicht ganz dieses alte Bild von mir seinlassen und merke leider, dass ich vor allem in sehr stressigen Situationen immer wieder in mein altes noch eher maskulines Skript fliehe. Dagegen hilft mir ein Austausch wie dieser echt sehr, in so weit vielen, vielen Dank auch für dein offenes Ohr und deine Rückmeldung zu meinen Beiträgen.

Und noch am Rande etwas ganz anderes, ich finde den Namen Stina toll. Eine Freundin von mir ist Malerin. Eines ihrer Bilder zeigt ein Portrait und trägt diesen Namen. Ich habe unheimlich lange weder an die Freundin noch an das Bild gedacht. Beides wurde mir durch diesen Austausch geschenkt und ich schwelge ein wenig in alten Zeiten, als ich selbst noch studiert habe und ohne Kinder alles so viel einfache schien. Aber das nur am Rande und am Thema vorbei.

Liebe Grüße und ebenfalls einen sonnigen Sonntag
Alex
Stina
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Re: Ich bin neu!

Post 26 im Thema

Beitrag von Stina »

Liebe Alex! Wenn ich eines begriffen habe in den letzten, sehr intensiven Tagen, dann, daß wir alle einen Teil unserer geliebten Menschen in uns tragen. Wenn das anders wäre, würden tiefe Beziehungen nicht funktionieren! Der Mann, in den ich mich vor so langer Zeit verliebt habe, trägt nun mal auch äußerlich einen Teil von mir in sich. Ja, er hat mich aus Scham und Verzweiflung Jahre lang belogen. Das hat mich zu tiefst verletzt! Ich hab begriffen, warum. Weil er Angst hatte, mich zu verlieren.
Wir leben in einer Kleinstadt in Niedersachsen. Er hat nicht das Bedürfnis, aufgebrezelt nach draußen zu gehen. Stubentranse nennt er sich selbst! Beruflich stehen wir beide in der Öffentlichkeit und hier auf dem Platten Land wäre es auch nicht möglich. Seit zwei Tagen liest er hier ein wenig mit, hat aber noch nicht geäußert, ob er dazustoßen möchte. Ich lass ihn. Nicht noch mehr Druck!!
Danke für das Kompliment 😍 Den Namen hat mir meine erste große Liebe gegeben. Seit damals habe ich ihn nicht mehr benutzt. Ich fand es aber passend. Er ist vor sieben Jahren ganz plötzlich gestorben und liegt in Berlin am Prenzlauer Berg begraben. Jedes Mal, wenn wir in Berlin sind,ist das unsere erste Anlaufstelle! So viel zum Thema Alte Zeiten!!
Ach ja, noch was. Die Zeiten damals, ohne Kinder waren auf jeden Fall einfacher. Aber wir waren es auf gar keinen Fall!!! Die kleinen machen uns erst erwachsen. Die Sicht auf das Leben verändert sich, auch die Prioritäten. Unsere große heiratet nächstes Jahr! Dann weißt du erst, wie alt Mensch wirklich geworden ist! Au weia, ich werde diesen Monat 48 und fange dennoch mit meinem liebsten ein neues Leben an! Wer kann denn das von sich behaupten 😂
NikolaAusR
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Re: Ich bin neu!

Post 27 im Thema

Beitrag von NikolaAusR »

Stina hat geschrieben: So 13. Sep 2020, 15:42Au weia, ich werde diesen Monat 48 und fange dennoch mit meinem liebsten ein neues Leben an! Wer kann denn das von sich behaupten
Meine Frau kann das (gitli) :mrgreen:

Liebe Stina, liebe Alex_andra,

ich habe Euren Austausch aus meinem Blickwinkel (trans Frau, ein Jahr postOP und nach wie vor glücklich (he) verheiratet ) mitgelesen und möchte euch Beiden etwas da lassen.
Alex_andra und ihre Liebste habe ich im letzten Winter im Sonntagsclub (Berlin) kennengelernt und verfolge ihren Weg etwas intensiver

Bei uns war es in der ersten Phase seitens meiner Frau eher ein Ringen um Wertschätzung und hören ihrer Belange. Oft, sehr oft war da der - berechtigte - Vorwurf an mich, egozentrisch zu sein. Dem stand auf meiner Seite das pure Ringen um Identität gegenüber. Auf der Grundlage von Nichts Kompromisse eingehen zu können - meinerseits ersteinmal ein Ding der Unmöglichkeit. Was uns über diese Zeit und um diese Klippen herum gebracht hat war, dass wir (damals 18 Jahre zusammen, keine gemeinsamen Kinder; ich hab eine Tochter, damals 19) aus einem weitverzweigten Geflecht von gemeinsamen Interessen und sich deckendem Wertegefüge eine sehr tiefe Bindung haben die es meiner Liebsten über die Zeit ermöglichte, das 'ich habe einen Mann geheiratet' hinter sich zu lassen und den geliebten Menschen ins Zentrum zu stellen. Es war auch ein explizites Gegenüberstellen von Lebenszielen vs. 'guter Leumund'.

In der Quintessenz war das Coming Out nach außen möglich, als sie - für uns Beide - feststellte, dass wir (mit um die 50) schön langsam so weit sein sollten, zu dem zu stehen was und wie wir sind.

'Arbeitshypothese' in den COs war damals, dass ich 70% weiblich sei. Das haben die Menschen, die mich lange und gut kennen sofort bestätigt. Im Jetzt lebe ich, mit passendem Genital, ein weibliches Leben, ohne mich wirklich als 'Frau' bezeichnen zu wollen. Da ist und wird - auch wenn diese langsam 'zuwächst' - hinsichtlich der weiblichen Identität immer eine Lücke in der gelebtes-Leben-Biografie sein. Ich seh das aber wertungsfrei, ist halt so.
Das Jetzt und die Zukunft gründen zwar auf Erfahrungen in der Vergangenheit, nicht aber per se auf dieser.

Es gab weder im beruflichen noch im sozialen oder familiären Umfeld irgendwelche Brüche. Im Gegenteil, Alle miteinander hielten erst einmal kurz inne, reflektierten unsere Situation auf sich selbst und haben uns dann zu dem Mut, diese Schritte zu gehen, gratuliert. Dass da nicht Mut sondern Leidensdruck dahinter steht realisieren aber die wenigsten.

Auch jetzt, mittlerweile gut fünf Jahre nachdem wir diese Abzweigung im Leben (wahr)genommen haben, freuen sie sich - 1 und damit auch involvierte Partner entwickeln sich ja immer noch weiter - an unserem Sein teilhaben zu können.


Ich wünsch Euch aber auch allen Anderen, die mit den Herausforderungen des Lebens zu kämpfen haben 'allzeit ausreichend Kraft' (flo)

Liebe Grüße aus dem 'Bayerischen'
Nikola

PS
egal, ob nun LGBTIQ*, Enby, CD...
Ich seh jeden Einzelnen der mit 'uns' in Kontakt kommt als Teil von 'Staat', daher gelten für Alle das AGG und insbesondere auch die

Yogyakarta Prinzipien

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Yogyakarta-Prinzipien

http://www.hirschfeld-eddy-stiftung.de/ ... les_de.pdf
Wer trans* sagt muss auch cis sagen

Klar definier ich mich binär :-)
01000110 % weiblich
JuLa67
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Re: Ich bin neu!

Post 28 im Thema

Beitrag von JuLa67 »

Hallo Stina,
herzlich Willkommen im Forum!
Ich melde mich jetzt erst, weil das Leben andere Dinge in meinen Fokus gerügt hat. Jetzt nehme ich mir mal Zeit für dich.
Ich bin Trans*frau und habe mich vor über fünf Jahren bei meiner Frau geoutet. Wir sind noch zusammen und so im Thema, dass wir zusammen in die Trans*Beratung eingestiegen sind.
Du schreibst, dass ihr beide in der Öffentlichkeit steht. Das muss kein Problem sein. Es wäre eher eine Aufgabe, wie ihr es der Öffentlichkeit klarmacht. Jeder sollte sein Leben selbstbestimmt und nicht fremdbestimmt leben. Dazu muss mensch natürlich erstmal herausfinden was mensch will.
Ich arbeite in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung und meine Frau in leitender Position am Amtsgericht. Wenn mensch dahinter steht und klar ist und offen damit umgeht gibt es kaum Probleme. Die Menschen, die Probleme mit uns haben, sind vermutlich neidisch und hätten auch ohne das Trans* Thema etwas gegen uns.
Ich finde es wunderbar, dass und wie du dich mit dem Thema auseinandersetzt (dr)

Liebe Grüße aus dem oberbergischen Land

Larissa (cow)
Nach den Wolken kommt die Sonne - Alain de Lille
Glück ist, nicht mehr zu wollen als man kann, und nicht zu müssen, was man nicht will - Judy Parker
Wenn du schnell gehen willst, gehe alleine. Wenn du weit gehen willst, gehe mit anderen. -aus Afrika
Stina
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Re: Ich bin neu!

Post 29 im Thema

Beitrag von Stina »

Hallo zusammen!
Ich habe mich lange nicht mehr gemeldet! Hier ein kurzes(oder längeres) Update zum Stand der Dinge. Mein Mann und ich haben in den letzten Wochen viel, viel geredet. Ich habe versucht zu verstehen, was er will, wer er ist und wie wir gemeinsam die Probleme lösen können. Zum einen, er ist gerne ein Mann und möchte nicht in Frauen Klamotten nach draußen. Er hat sich seiner Schwester und unsrer großen Tochter (24) gegenüber geoutet. Das verzeichne ich auf der haben Seite!! Unsere kleinen Tochter (11) haben wir noch nix gesagt. Es erscheint noch ein wenig zu früh. Aber darauf müssen wir noch ein wenig rum denken. Für Ratschläge diesbezüglich bin ich sehr dankbar! Ich komme mit der Situation momentan recht gut zurecht. Das hab ich unter anderem den lieben und sehr ehrlichen Zuschriften hier im Forum zu verdanken. Wir haben darüber gesprochen, wie sein Cross dressing in den Alltag zu integrieren ist und es mich nicht überfordert. Und ich gab ganz klar meine Grenzen abgesteckt. So fühlen wir uns beide wohl. Er hat zwar nicht schlecht geguckt, als ich ihm sagte, dass ich nicht einsehen, hier alles alleine zu machen. Gleichberechtigung in allen Lebenslagen! Hat mir sehr gut getan und der Blick war mit Geld nicht zu bezahlen!!
So sieht es bei uns momentan aus. Ich glaube, dass wir auf einem guten Weg sind. Liebe Grüße, Stina
Mangan Parginst
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Re: Ich bin neu!

Post 30 im Thema

Beitrag von Mangan Parginst »

Herzlich wilkommen
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