heute möchte ich von unserem sonnig beschwingten Mädelstag am vergangenen Mittwoch
berichten.
Nicht, dass irgendetwas Spektakuläres passiert wäre, da muss ich eventuelle Erwartungen
der geneigten Leserschaft gleich dämpfen, aber dieser Tag und Abend war u.E. von Anfang
bis Ende gelungen und eine Wohltat für Körper, Seele und Geist.
Nachdem sich in diesem Jahr aufgrund gesundheitlicher wie persönlicher Einschränkungen
und C-bedingt bis auf ein Hamburg-Wochenende (siehe
viewtopic.php?f=6&t=20664 )
noch keine weitere Gelegenheit für einen gemeinsamen Ausflug en femme in Begleitung
meiner Frau Steffi ergeben hatte, luden nun die terminfreie Zeit - wobei wir beide Ruheständler (Ü60) sind -
und das sommerliche Wetter geradezu ein, etwas zu unternehmen.
Strahlender Sonnenschein von einem fast wolkenlosen Himmel und die Vorfreude ließen
mich an jenem Morgen aus dem Bett hüpfen
wohl eher,
vorzubereiten.
Währenddessen nutzte mein Schatz die Gelegenheit zur Körperpflege und Styling nebst
Auswahl und Anlegen des Outfits für den heutigen Tag.
Nach einem leckeren Frühstück begab ich mich dann ins Bad, um dort die nächsten 1,5 h
mit duschen, Rasur und der Fassade einen frisch-femininen Anstrich zu verpassen.
Bereits am Abend zuvor hatte ich schon Beine, Brust und Arme epiliert sowie die Fußnägel
lackiert. Dazu hatte ich auch eine Vorauswahl von 2-3 Kleidern bzw. Rock/Blusenkombis
zurecht gelegt.
Hier stimme ich mich immer gern mit meiner Frau und besten Freundin ab, welches Outfit
es denn tatsächlich sein soll, auch immer abhängig vom jeweiligen Vorhaben/Anlass.
Wir hatten uns als Ziel für diesen Tag die graue Stadt am Meer ausgesucht, HUSUM, die
in ca. 45 Auto-Minuten von unserem Wohnort aus erreichbar ist.
Da meine beste Freundin
ich dem nicht nachstehen und schlüpfte in ein ärmelloses dunkel-geblümtes Sommerkleid,
kombiniert mit einem weißen Strick-Bolero, dazu dunkelblaue Keilsandaletten (6 cm Absatz)
und eine haut-farbene zehenfreie Feinstrumpfhose in 15Den von Kunert.
Nachdem ich dann Schmuck und Haar nebst passender femininer Brille angelegt hatte, folgte
der obligatorisch prüfende Blick in den Spiegel "¦ und jaaa, mir gefiel, was ich da sah.
Es blitzte mir eine strahlende Mel entgegen, natürlich mit den von der Natur und dem Alter
gegebenen markanten Eigenheiten.
Man(n) äh Frau ist halt nicht mehr der Jüngsten eine, doch ich steh dazu, gebe aber auch
unumwunden zu, es brauchte einige Zeit, bis ich dies akzeptiert und das nötige Selbst-
bewusstsein entwickelt hatte, mich in der Öffentlichkeit so ungezwungen zu bewegen.
Da hat mir mein Hang zu dem mir nachgesagten Perfektionismus schon so manchen Streich
gespielt, mich ungeduldig und missmutig
Ergebnis sich eben nicht widerspiegelte.
Aber neben den Äußerlichkeiten spielt eben auch die Einstellung und innere Balance eine
große Rolle, sprich: ICH muss Mel fühlen und Lust darauf haben, meine weibliche Seite
auszuleben. Nur so wird das Bild komplett und der Tag/Abend verspricht dann das in
Erfüllung gehen zu lassen, was man/Frau an Erwartungen damit verknüpft hat.
Das unterscheidet uns Crossdresser / Teilzeitfrauen eben von TransMzF, wobei ich hier
ausdrücklich betonen möchte, dass dies beileibe kein "Verkleiden" ist, sondern tatsächlich ein
auch nach außen sichtbar machender Ausdruck meiner weiblichen Gene darstellt!!
Eine Diskussion darüber, wie Frau/Mann typischer Weise empfindet und fühlt, möchte ich
hier aber vermeiden.
Ich bin Mensch, gerne Mann, Vater und O(m)pa, brauche aber immer auch mal das Ausleben
meiner weiblichen Seite und möchte dann auch möglichst als Frau/Mel wahrgenommen und
akzeptiert werden und lebe dies dann, ohne dabei nur einen Gedanken an den Kerl in mir
zu verschwenden!!
Nun aber zurück zum eigentlichen Thema.
Mittlerweile war high noon überschritten und nachdem wir unsere Handtaschen geprüft, die
Sonnenbrillen verstaut und ich noch ein Paar flache weiße Sandaletten zum Wechseln einge-
tütet hatte, verließen wir das Haus und gingen zu unserm Auto.
Ich bin, wie bereits berichtet, im nachbarlichen Umfeld geoutet, brauche mir also im
en femme Modus keine Gedanken machen, aber auf dem Weg zum Carport begegneten
wir auch niemandem und so setzten wir uns gegen 1315Uhr gen Husum in Bewegung.
Dort angekommen parkten wir im Parkhaus der vor einigen Monaten neu eröffneten Galerie,
bummelten im Anschluss gleich durch die dortigen Läden und Frau nutzte auch flugs die
Gelegenheit, die Blase zu entleeren. Im Anschluss ein erster prüfender Blick in den
Spiegel und hinter die Gesichtsmaske, aber alles gut, die Schminke hält und das Haar sitzt.
Von dort ging es dann weiter zum Marktplatz und den umliegenden Geschäften; die Stadt
war sehr gut besucht, was natürlich dem guten Wetter und der Jahres- bzw. noch Ferienzeit
geschuldet war.
Wobei, Corona-bedingt, die touristischen Highlights /Ferienorte an der Küste in diesem Jahr
besonders frequentiert sind, was aber der gebeutelten Branche absolut zu gönnen ist.
Unterwegs entschieden wir, dass wir so gegen 1530Uhr einen ersten Zwischenstopp in
einem Cafe machen wollen. So blieb noch genug Zeit, sich Richtung Hafen und zu den dort
befindlichen Boutiquen und Läden zu begeben. Frau hätte hier tatsächlich das ein oder andere
Schnäppchen machen können, aber: entweder traf es nicht unseren Geschmack oder es
scheiterte an der nicht vorhandenen Größe (42/44).
Daneben gibt es dort eine Vielzahl von Souvenirshops, diverse Lokale, u.a. auch ein
schwimmendes Restaurant, natürlich auch kleinere Schiffe und Fischereiboote sowie eine
kleine Werft zu erkunden.
Auch das Theodor Storm Haus, das Schloss u. ä. Sehenswürdigkeiten sind alle fußläufig
schnell erreicht.
Wir nutzten die Kulisse, um das ein oder andere Erinnerungsfoto zu schießen, watt mutt
dat mutt, der Narzissmus (von Mel!) will da eben auch Befriedigung erfahren.
Anschließend ließen wir uns - nach kurzer Wartezeit auf einen freien Tisch (Abstandsregel) -
in einem Straßencafe an der Schiffbrücke nieder und genossen in der Wärme der Nachmittag-
sonne - wohl beschirmt - einen warmen Apfelstrudel mit Vanilleeis und Sahne nebst
Cappuccino, im Nachgang dann noch eine Spezi. Dabei überlegten wir, wie wir den weiteren
Ablauf des restlichen Tages gestalten wollten.
Da uns Husum eben schon hinlänglich bekannt ist, kam neben dem Besuch einer Hallig, der
Halbinsel Nordstrand oder Friedrichstadt (Klein-Amsterdam) meinerseits der Vorschlag, die
Gunst des tollen Wetters - 21-°C, fast wolkenloser Himmel und laues Lüftchen - zu nutzen
und zum weitläufigsten Strand (Breite) an der Schleswig-Holsteinischen Küste zu fahren,
nach St. Peter Ording. Dort dann auch in einem Lokal zu Abend zu essen und dabei den
Sonnenuntergang zu genießen.
Ich brauchte meine bessere Hälfte nicht groß zu überzeugen, auch wenn dies eine erneute
Wegstrecke von rund 45km und somit mind. 50 Min. Fahrtzeit bedeutete. Es war Jahre her,
seit wir das letzte Mal dort waren (> 10 J.), aber wir hatten ja Zeit. Auf dem Weg zum
Parkhaus zog es uns noch in ein bekanntes Bekleidungshaus (hm) und was soll ich sagen,
ein fast knöchellanges Sommerkleid im animal-print rief uns zu, "nimm mich mit!"
Wir erbarmten uns "¦
So setzten wir uns gegen 1700Uhr Richtung St. Peter Dorf in Bewegung, welches wir kurz
vor sechs erreichten. Wir parkten nicht auf dem hierfür speziell ausgewiesenen Strandbereich,
sondern unmittelbar auf einem öffentlichen Parkplatz direkt hinterm Deich.
Wie es der Zufall will, direkt neben uns parkte ein Fahrzeug mit Saarländischen Kz (SLS),
deren Halter (Ehepaar ungefähr unseren Alters) gerade ihren Wagen bestieg, als wir
ausstiegen . Da wir von dort unsere Wurzeln haben, konnte meine Frau nicht widerstehen
und musste die Dame auch gleich darauf ansprechen.
Sofort ergab sich ein großes Hallo, der Mann stieg unverzüglich wieder aus, kam direkt auf
mich zu "¦ und wäre mir fast um den Hals gefallen!!
Wir tauschten uns gute 5 Minuten aus, ich mit ihm und meine beste Freundin mit seiner Frau,
die im Fahrzeug sitzen geblieben war und sich durch das geöffnete Fenster unterhielt.
Die Unterhaltung mit ihm - von eher schmächtiger Statur - verlief ganz natürlich, als sei es
das normalste von Welt, sich mit einer "Dame" wie mir von ca. 190cm Länge, maskulinen
Zügen und markanter Stimmlage auszutauschen.
Immer wieder erstaunlich, wie viele Informationen in so relativ kurzer Zeit die Besitzer
wechseln können und wäre es nicht so spät (Abendessenzeit für die 2) gewesen, wir
hätten vermutlich noch die Stammbäume ausgetauscht"¦
Dann machten wir uns auf den Weg zum Strand. Wir hatten zuvor im Auto die Strumpfhosen
ausgezogen und ich habe meine Keilsandaletten gegen die flachen Weißen getauscht.
Die Kurtaxe (3,-€ p.P.) mit Erreichen des Strandes blieb uns erspart, das Kassenhäuschen war
nicht mehr besetzt, und wir gingen unbehelligt Richtung Seebrücke und Pfahlbauten.
Uns kamen jede Menge Leute entgegen, die den Tag am Strand verbracht hatten und sich nun
auf den Heimweg / die Unterkünfte / Lokale machten.
Links und rechts von uns die Dünen, teils gesperrt und teils frei zugängig, und ich /wir
konnten nicht widerstehen und erklommen eine kleine Düne mit einer darauf befindlichen
kleinen Aussichtsplattform (Sitzbohle), die aber für uns nicht erklimmbar war. Der Wind
hatte dafür gesorgt, dass der Sand unterhalb der Planke abgetragen und somit eine
Höhendifferenz von ca. 150cm aufwies. Für Steffi 's Mann wäre das Erklimmen wohl kein
Problem gewesen,
Aber das sollte dem Ganzen auch keinen Abbruch tun, wir platzierten uns für ein kleines
Fotoshooting im Dünensand sowie nachfolgend noch auf einer Bank und genossen Aussicht
und Wetter in vollen Zügen. Ich hatte meine Sandaletten längst ausgezogen und nutzte die
Gelegenheit, erstmalig im Mel-Modus barfuß den Sand unter den Füßen zu spüren.
Auch meine Frau hielt erstaunlicher Weise tapfer durch, hatte sie doch erst einige Monate
zuvor ein neues Kniegelenk bekommen.
Nach einer knappen Stunde machten wir uns (leider) auf den Rückweg zum Auto, hätten
zwar noch gerne den Sonnenuntergang direkt am Strand genossen, aber dann hätte das
Abendessen wohl ausfallen müssen?!
Vom Parkplatz ging es dann mit dem Pkw in die Innenstadt/den Ort, um eines der zahlreichen
Restaurants aufzusuchen"¦ mittlerweile zeigte das Zeiteisen 1915Uhr !!
Und was soll ich sagen,
jeweiligen Restaurants / Schlemmertempeln mit Außengastronomie "¦ erinnerte sehr an
DDR-Zeiten, wenn im Konsum die Lieferung von Südfrüchten o.ä. Mangelware angekündigt
war.
Man möge mir diesen Vergleich bitte nachsehen, auch wenn die jüngere Generation damit
vermutlich eh nix anfangen kann und soll wahrlich auch nicht despektierlich gemeint sein!!
Auch außerhalb des Ortskerns, das gleiche Bild, keine Chance ein Plätzchen zu finden!!
Also hieß es, Kurs Richtung Heimat / Flensburg einschlagen und auf dem Weg dorthin
versuchen, irgendwo noch ein Lokal zu finden.
Und wir sollten Glück haben, im Historischen Hafen von Tönning konnten wir gegen
2000Uhr noch ein freies Plätzchen im "Goldenen Anker" ergattern. Wären wir eher da
gewesen, hätten wir auch hier vermutlich keinen Platz gefunden?!
So aber ein Tisch für 2 im Außenbereich, geschützt und unter der Sonnenmarkise; mit Eintritt
der Dunkelheit wurden einige Gasfackeln gezündet und auch das Essen / der Service ließen
nix zu wünschen übrig. Es war nun merklich kühler geworden (16-°C) und wir hatten unsere
Jacken bzw. Bolero übergezogen, obwohl wir nach nunmehr über 40Jahren an der Küste
nicht so empfindlich sind"¦
Dieser Restaurantbesuch rundete das bisher Erlebte perfekt ab, dazu der Blick auf den
historischen Hafen, wobei von den dort liegenden Booten nicht mehr viel zu sehen war,
da diese aufgrund Ebbe trocken gefallen waren, und so wir ließen den Abend harmonisch
und in bester Stimmung ausklingen.
Um 2130Uhr setzten wir dann unsere Heimfahrt fort und erreichten gegen 2230Uhr unser
zu Hause, erfüllt von Glückshormonen und dankbar, dass wir so miteinander umgehen und
diesen Tag so erleben durften!
WAS FÜR EIN TOLLER TAG + GROSSER DANK an meinen lieben Schatz Steffi!!
Ganz liebe Grüße, schöne Herbsttage und bleibt gesund,
Steffi und Mel