Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist
Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist - # 2

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Jaddy
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Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Post 16 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Martha_P_57 hat geschrieben: So 23. Aug 2020, 08:45Ich denke, dass dies auch nicht sein muss und dass dadurch Niemand diskriminiert wird.
Well, das ist das Problem bei diesen Dingen: Ob sich jemand diskriminiert, beleidigt, herabgesetzt fühlt, ist nichts, was andere entscheiden könnten. Insbesondere jene nicht, die potenziell/historisch/strukturell zur Ursachengruppe gehören. Straights nicht über Homosexuelle, Weisse nicht über Schwarze, Autochtone nicht über Zugewanderte, Cis nicht über trans, usw.

Die Empfindungen sind erst mal real. Auf beiden Seiten. Wenn das nicht beidseitig akzeptiert _und_ reflektiert wird, gibts keine Lösung, sondern nur Meinung gegen Meinung.

Ich halte auch nichts davon, einzelne Meinungen aus einer Gruppe als "Argument" gegen andere zu verwenden. In diesem Fall den Restaurantbesitzer und seine Haltung zum Beispiel anderen Schwarzen Menschen vorzuhalten im Sinne von "nu stell dich nicht so an, der findet das auch nicht schlimm". Genauso mit den sehr unterschiedlichen Ansichten verschiedener trans Gruppen oder lautstarker Einzelpersonen.
Maximiliana
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Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Post 17 im Thema

Beitrag von Maximiliana »

Katja hat geschrieben: So 23. Aug 2020, 13:04
M&M hat geschrieben: So 23. Aug 2020, 10:13 Da würde mich interessieren woran du den "Nazi" erkennst, denn die schwarz-weiß-roten Armbinden dürften die allerwenigsten noch "öffentlich" tragen !?
Na ja, ich erkenne ihn natürlich nur, wenn er sich zu erkennen gibt. Den Sinn deiner Frage erkenne ich zum Beispiel nicht.
Der Sinn hinter meiner Frage?

Na ja du hast geschrieben das du wütend wirst , wenn du nur einen Nazi siehst, ohne das er was zu sagen braucht und ich wollte einfach nur gerne wissen woran du das siehst.
Wie erkennst du ihn...wie muss sich jemand geben um für dich eindeutig als Nazi zu erkennen zu sein...musst da ja bestimmte Vorstellungen haben, vllt hilft es mir ja zukünftig solche Menschen besser erkennen zu können um ihnen aus dem Weg zu gehen...

Ich denke nämlich, du kannst es nicht sehen, denn die wahren "Nazis" sehen aus wie jeder und völlig unauffällig, oder sind es die tätowierten mit Glatze ? Und was ist, wenn der Mensch einfach gerne Tattoos mag und erblich bedingten Haarausfall hat oder womöglich sogar Krebs und durch die Chemo seine Haare verloren hat und deswegen so grimmig schaut?

Deswegen ich wüsste nicht wie ich einen Nazi erkennen soll hat er nicht gerade eine solche Fahne in der Hand oder Kleidung an wo es eindeutig zu erkennen ist, durch aufdrucke und Schriften etc...

Sry, will dich nicht anmachen, nur das klang mir halt nach vorschnellen Urteilen, denn ich bin der Meinung , nur wenn ich mit dem Mennschen ins Gespräch komme kann ich mir wirklich ein Urteil bilden, denn Menschen sind häufig nicht das was sie auf den ersten Blick zu sein scheinen

Einen schönen Sonntag :*

Lg Maxi
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Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Post 18 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

MichiWell hat geschrieben: So 23. Aug 2020, 13:11
M&M hat geschrieben: So 23. Aug 2020, 10:13 Auf der anderen Seite, Sprache war schon immer im Wandel und wir müssen auch nicht zwanghaft an alten Schemata festhalten...
Liebe Maxi,

genau das denke ich auch. Der Zwang ist das Problem, was Widerstände generiert .. sowohl im zwanghaften Festhalten an alten Schemen, wie auch im Zwang durch Verbote. Der Wandel braucht Zeit .. muss gelebt und überlebt werden .. durch fakultative Änderungen aber wohl auch durch Wegsterben derer, die sich nicht mehr ändern können.


Liebe Grüße
Michi
Ich denke mal gleich mit offiziellen Verboten zu kommen ist ein wenig schwarz-weiß Malerei. Es ist wie mit dem Klima-Schutz, auch wenn die Regierungen da nicht nicht bedingungslos mitmachen wollen, können wir es dennoch tun. In dem jeder einzelne als Privatperson seinen Beitrag leistet. Und so muss auch die Regierung nicht verbieten sondern der einzelne Mensch dieses Wort nicht oder vorsichtig benutzen aus Respekt vor den Gefühlen der Farbigen. Die Regierung hat mir auch nicht Schwuchtel oder Krüppel verboten. Ich benutze es trotzdem nicht. Und ich fühle mich deshalb auch nicht meiner Kultur oder Freiheit beraubt. So einfach ist es ;)
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Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Post 19 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2021-04-19 »

M&M hat geschrieben: So 23. Aug 2020, 13:32 Deswegen ich wüsste nicht wie ich einen Nazi erkennen soll hat er nicht gerade eine solche Fahne in der Hand oder Kleidung an wo es eindeutig zu erkennen ist, durch aufdrucke und Schriften etc...
Ich auch nicht.

Leider kann ich dir da auch nicht weiterhelfen. Aber es war ein sehr unterhaltsamer Versuch von dir, mir Vorurteile anzuheften.
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Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Post 20 im Thema

Beitrag von Laura R »

Ein gut geschriebener Artikel, das Thema war schon vor längerer Zeit mal ein Thema in der Presse.
Schon erstaunlich worüber sich manche einen Kopf machen, scheinbar haben sie keine anderen Sorgen oder Probleme. Es gibt genug in diesem unserem Land zu tun als ständig irgendwelche Namen zu ändern. Bestes Beispiel ist auch die Sache mit dem Hindenburgdamm.
Über so manche Sachen kann man nur mit dem Kopf schütteln , Zigeunersauce, auch so ein Thema.
Lasst den Mann doch sein Restaurant nennen wie er es will.

Laura
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Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Post 21 im Thema

Beitrag von Topsy »

Ich frage mich, was hier los wäre, wenn jemand ein "Restaurant Transenmilz" eröffnen würde. (Sorry, ein außerordentlich dummmes Beispiel, das aber seinen Zweck erfüllt!) Ist es besser als "M*hr*nk*pf? NEIN! Haben wir ein Problem mit bestimmten Begriffen, die gegen uns verwendet werden? JA! Dass M*hr aber für Schwarze ein solches Wort ist, wird hier schlicht ignoriert.

In den letzten zehn Jahren soll es also niemanden gestört haben, dass solche Begriffe als Namen für Cafes, Restaurants etc. kursieren? Gut, kann man mal so behaupten. Wer von euch hat aber jemals Betroffene dazu befragt? Dass sich schwarze Menschen sehr wohl an solchen Begriffen stören, wurde in den sozialen Medien zuletzt mehr als deutlich. Auch der Restaurantbesitzer kann nicht wissen, wie andere Schwarze sich fühlen, wenn sie den Namen dieses Lokals lesen.

Es ist schlicht indiskutabel! Sprache ist wichtig, Sprache übt Gewalt aus. Deshalb verzichte ich auf bestimmte Worte, wie beispielsweise "Tr*nse", "Schw*cht*l", "Kr*pp*l" oder "Id*ot" (geistig Behinderte, die von den Nazis einstweilen konsequent vergast wurden) und verwende den Begriff "Schaumküsse", der ja nun mal nicht umsonst existiert. Und die Umbenennung einer "Zigeunersauce" ist die absolut richtige Wahl. Ansonsten müsste ich auch akzeptieren, dass man gegen mich Begriffe verwendet, durch die ich mich diskriminiert fühle. Alles andere nennt sich Doppelmoral.
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Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Post 22 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Laura R hat geschrieben: So 23. Aug 2020, 14:43 Schon erstaunlich worüber sich manche einen Kopf machen, scheinbar haben sie keine anderen Sorgen oder Probleme.
Genau diesen Argumentationsansatz lese ich auch öfters, wenn es um Trans- und Genderthemen geht. Zusammen mit: "Es ist ein Versuch von den wahren Problemen dieses Landes abzulenken".
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Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Post 23 im Thema

Beitrag von Maximiliana »

Katja hat geschrieben: So 23. Aug 2020, 14:24
M&M hat geschrieben: So 23. Aug 2020, 13:32 Deswegen ich wüsste nicht wie ich einen Nazi erkennen soll hat er nicht gerade eine solche Fahne in der Hand oder Kleidung an wo es eindeutig zu erkennen ist, durch aufdrucke und Schriften etc...
Ich auch nicht.

Leider kann ich dir da auch nicht weiterhelfen. Aber es war ein sehr unterhaltsamer Versuch von dir, mir Vorurteile anzuheften.
Hallo Katja

Nein, dass verstehst du falsch, dass war kein Versuch dir irgendwas anzuheften - nicht bewusst, dessen kannst du dir sicher sein. Du darfst deine Wut auf die "Nazis" haben, dafür gibt es ja auch gute Gründe.

Im Grunde wollte ich dich nur verstehen.
die Gedanken anderer und die Art und Weise wie andere denken interessiert mich einfach und hilft mir auch manchmal Dinge besser zu verstehen und vllt sogar manchmal meinen Eigenen Standpunkt zu überdenken.

Zumal ich solche "Anfeindungen" auch schon erlebt hab, oder dass ich in die rechte Ecke gestellt wurde, wegen meinem Äußeren, was mich veranlasst hat dir meine Fragestellung in dieser Form zu schreiben.

Zwei Beispiele:
Als ich mich bei einer Firma vorgestellt hatte und die Werkstatt betrat, erfuhr ich hinterher, dass ein Mitarbeiter als er mich gesehen hat, zu einer Kollegin gesagt hat " aus welchem Knast haben se den denn rausgelassen " ..wtf o.O

Oder erst kürzlich, kam ein Verteter auf Arbeit zu mir der öfters vorbei kommt ,als ich an meinem Arbeitsplatz stand und genüsslich an meiner Dampfe nuckelte und sagte zu mir " na - schaust ob deine Kan...en alle arbeiten?" Was zu Hölle ist los mit dem O.O ?...ich mein...nur weil ich großflächig tätowiert bin (noch) relativ kurze Haare ab und fließend deutsch spreche ,oder warum zum Teufel sagt der so ne schei..e zu mir?

Deswegen war deine Aussage für mich durchaus interessant sie zu hinterfragen.

War kein persönlicher Angriff auf dich , mir scheint nämlich du hast es ein wenig so aufgefasst?!

Liebe Grüße und gute Nacht Maxi )))(:
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Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Post 24 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2021-04-19 »

M&M hat geschrieben: So 23. Aug 2020, 22:41 War kein persönlicher Angriff auf dich , mir scheint nämlich du hast es ein wenig so aufgefasst?!
Hallo Maxi,

dann habe ich das falsch verstanden. Entschuldige bitte. Ich bin etwas dünnhäutig, aber durch die Teilnahme am Forum bessert sich das langsam.

Ich würde einen Menschen mit kurzen Haaren oder Glatze und Tätowierungen nicht als "Nazi" einstufen. Es sei denn, bei den tätowierten Motiven handelt es sich um Hakenkreuze oder Codes, wie 18 oder 88. Die Menschen der Begegnungen, die du beschreibst, scheinen eher selbst ihre politische Heimat am rechten Rand zu haben.

Es ist natürlich so, dass es niemandem auf der Stirn geschrieben steht, ob er rechtsradikal ist. Einige verbergen es gekonnt, auch in Gesprächen. Andere haben das Bedürfnis, sich zu Erkennen zu geben. Rechtsradikale fühlen sich in Gruppen wohl, darum verwenden sie Codes, um sich gegenseitig zu erkennen.

Möchten wir uns von rassistischem oder anderem rechtsradikalen Gedankengut distanzieren, kann es sinnvoll sein, sich dieser Codes bewusst zu sein. Genauso, wie es sinnvoll sein kann, in Gesprächen keine Begriffe wie "Neger" oder "Mohrenkopf" zu verwenden.

Allerdings sind diese Codes nicht immer eindeutig. So werden weiße Schnürsenkel in schwarzen Springerstiefeln gerne von Angehörigen der "White Power"-Bewegung getragen, die gerne eine Vorherrschaft der "weißen Rasse" als begründet sieht. Punks dagegen haben schon immer gerne verschiedenfarbige Schnürsenkel in ihren Stiefeln getragen, aus modischen Gründen.

Mit einem Faible für nordische Mythologie könnte sich eins für die Kleidung des Labels "Thor Steinar" interessieren. Hier ist Vorsicht geboten, da es sich wohl um Mode von Rechtsradikalen für Rechtsradikale handelt.

Nordische Mythologie wird gerne von Rechtsradikalen vereinnahmt, so auch in der Musik. Die Band "Heilung", die ich selbst gelegentlich höre, wird mit ihrem "Nordic Ritual Folk" auch den einen oder anderen politisch Desorientierten ansprechen. Die Mitglieder der Band distanzieren sich aber von jeder politischen Vereinnahmung und ich glaube ihnen das.

Nicht immer zeigt sich der Rechtsradikale so offen, wie es ein Mensch tut, der in meiner Nähe lebt. Er trägt ein Oberlippenbärtchen und auch die Frisur gleicht der von Adolf Hitler. Modisch ist er dem Militärlook sehr zugetan, was er auch in Alltags-Outfits versucht zu integrieren. Er fährt einen sehr alten Volkswagen mit der Kennzeichen-Endung ..-AH 88. Bei AH ist die Bedeutung in diesem Fall wohl klar und bei der 88 handelt es sich um den Code, wo die 8 auf den achten Buchstaben unseres Alphabets hinweist, als das "H". Zwei mal die 8 bedeutet also ...?

Ich hatte kurz beruflich mit ihm zu tun und da ich es wie du für richtig halte, das persönliche Gespräch zu suchen, fragte ich ihm nach seiner politischen Einstellung und ob er sich als Nazi sähe. Nein, sagte er, Nazi wäre er nicht, aber Adolf-Hitler-Fan.
Daraufhin wollte ich doch etwas über seine Einstellung zum Rassismus wissen und fragte ihn, wie er es mit den Juden und dem Holocaust halte. Ja, die Juden seien an allem Schuld. An seinen persönlichen Problemen und an allen anderen Problemen der Welt. Der Holocaust sei eine einzige Lüge usw.

Und das, liebe Maxi, ist dann der Punkt, an dem die Katja wütend wird und das immer wieder, wenn sie diesen Menschen auf der Straße sieht.

LG Katja
Zuletzt geändert von ExuserIn-2021-04-19 am Mo 24. Aug 2020, 19:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Post 25 im Thema

Beitrag von matthias55 »

Na, ich weiss nicht. Viele von uns sind aufgewachsen mit den zehn kleinen Negerlein, mit Negerküssen und Mohrenköpfen. Mit Zigenuersauce, früher auf den Rechnungen der xxl-Restaurants abgekürzt als Zigeneuersau. Aber sind deshalb aus uns allen Rassisten geworden?

Wer wirklicher Rassist ist, der ist es nicht auf der Grundlage von ein paar Begriffen, der kann einen Neger oder einen Schwarzen oder einen Farbigen diskriminieren.

Gruß
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Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Post 26 im Thema

Beitrag von Aria »

Ob ein rassistischer Hintergrund vorhanden ist, warum man bei althergebrachten Begriffen bleibt oder nicht, wird wohl nie wirklich geklärt werden. Denn wer gibt schon freiwillig zu, Rassist zu sein, ausser diejenigen, die aus ihrem braunen Gedankengut kein Geheimnis machen. Was uns diese Diskussion aber ganz nebenbei zeigt, ist, wie fähig der/die einzelne ist, sich von alten Strukturen und Gewohnheiten zu lösen und neues zu übernehmen. Altes steht für Sicherheit, Neues für Unsicherheit. Es ist nicht jeder geschaffen, sich in das Unbekannte zu wagen...
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Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Post 27 im Thema

Beitrag von Jaddy »

matthias55 hat geschrieben: Mo 24. Aug 2020, 19:07 Na, ich weiss nicht. Viele von uns sind aufgewachsen mit den zehn kleinen Negerlein, mit Negerküssen und Mohrenköpfen. Mit Zigenuersauce, früher auf den Rechnungen der xxl-Restaurants abgekürzt als Zigeneuersau. Aber sind deshalb aus uns allen Rassisten geworden?

Wer wirklicher Rassist ist, der ist es nicht auf der Grundlage von ein paar Begriffen, der kann einen Neger oder einen Schwarzen oder einen Farbigen diskriminieren.
Im Artikel wird das Paar geschildert, das dem Inhaber nicht geglaubt hat, wirklich "der Chef" zu sein. Die halten sich bestimmt nicht für rassistisch, weil sie ja zB ihre Empörung wegen des Namens geäussert haben. Aber in ihrer Praxis demonstrieren sie trotzdem rassistisches Denken, weil sie gar nicht glauben können, dass ein Schwarzer Mensch ein Restaurant führt, und dann auch noch mit diesem Namen.

Genau so funktioniert unterschwelliger Rassismus, der meist so tief in uns verwurzelt ist, dass wir uns selbst nie als rassistisch denkend und handelnd bezeichnen würden. Wir doch nicht. Wir sind doch die Guten. Ja, wollen wir sein, aber aufgrund unserer (fehlenden) Erfahrungen kriegen wir gar nicht mit, wie unsere Sprache und Handlungen von den Betroffenen als herabsetzend, vorurteilsbehaftet und diskriminierend wahrgenommen wird.

Beispiele, die so immer wieder geschildert werden:

"Ausländisch aussehende" Menschen werden besonders langsam, laut, mit "Baby-Sprache" angeredet oder auf englisch, weil nicht dran gedacht wird, dass sie von klein auf hier sozialisiert wurden. Oder es wird sich an die "deutsch aussehende" Begleitperson gewandt und über die ander Person geredet.

Wenn eine "deutsche" (d.h. weiss) und eine "ausländische" (insb. nicht-weisse) Person beisammen stehen, wird die weisse Person generell als gebildeter, kompetenter eingeschätzt. D.h. wenn zum Beispiel eine Expertin wie Marylyn Addo oder Mo Asumang und ein beliebiger weisser Dude beisammenstehen, wird der weisse Dude erst mal für fähiger gehalten, egal ob der überhaupt Ahnung hat.

Gleiches gilt übrigens für Glaubwürdigkeit. Wer nicht "weiss-deutsch" aussieht, wird für weniger glaubhaft gehalten. Im Alltag, bei Fachfragen, bei der Polizei, ...

Das Problem mit den alten Wörtern und Begriffen ist, wie bei der geschlechterdiskriminierenden Sprache auch, dass mit ihrer Verwendung auch die damaligen Vorurteile ständig wieder aktiviert und am Leben gehalten werden. Die M*-Köpfe mit dem Bimbo-Image (siehe entsprechende Werbung aus den vergangenen Jahrunderten). Die Z*-Sosse und die Vorurteile über Menschen gewisser Ethnie und was sie angeblich böses tun.

Diese Aktivierung passiert auf beiden Seiten. In den Köpfen weisser Menschen führen sie zu eben der Denke dieses Paares im Restaurant oder meinen Beispielen, und in den Köpfen nicht-weisser Menschen kommt all das hoch, was sie seitihrer Kindheit an Diskriminierung erlebt haben.

Das heisst, zusammengefasst:

1. Dein Argument in der Richtung "uns hat es ja auch nicht geschadet" ist leider falsch. Uns wurde rassistische Denke beigebracht, wir haben rassistisches Handeln erlebt und erlernt. Wir replizieren das und denken und handeln deshalb im Endeffekt rassistisch, auch ohne es zu wollen.

2. Um dies zu durchbrechen hilft zum einen viel persönliche Erfahrung mit Betroffenen, zuhören, eigene Meinung hintanstellen, sich selbst beobachten.

3. Gerade wenn wir wirklich nicht rassistisch handeln wollen, wäre es zum anderen schon mal das einfachste, auf jene Begriffe und Handlungen zu verzichten, von denen Betroffene immer wieder berichten, dass sie bei ihnen herabsetzend ankommen. Mindestens ne gute Übung, praktizierter Respekt und ich bin sicher, dass es auch wahrgenommen wird.
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Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Post 28 im Thema

Beitrag von conny »

matthias55 hat geschrieben: Mo 24. Aug 2020, 19:07 Viele von uns sind aufgewachsen mit den zehn kleinen Negerlein, mit Negerküssen und Mohrenköpfen.
Das stimmt. Aber hat früher jemals jemand danach gefagt, wie sich dabei die Menschen mit dunkler Hautfarbe fühlen? Wie ich schon schrieb, sollte das dass Kriterium für die Verwendung dieser u.a. Begriffe sein. Neger stammt aus der Kolonialzeit, Sklaverei in der die diese Menschen als niedere Rasse angesehen wurden. Begegnen wir diesen Menschen auf Augenhöhe, wenn wir sie heute weiter verwenden? In der diesbezüglichen Lernfähigkeit zeigt sich das Maß des Rassismus.
Zuletzt geändert von conny am Mo 24. Aug 2020, 20:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Post 29 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-10-20 »

Es ist zwar schon einige Jahre her, da war ich mal wieder auf einem Schiff ( MS Baltic Star ) unterwegs. Zur Mittagszeit stand ein Monteur einer Hamburger Hydraulikfirma vor mir in der Messe an der Essensausgabe. Sehr dunkle Hautfarbe. Da ich die Firma kenne, für die er nach dem Aufdruck auf seinem Overall arbeitete, stellte ich mich auf eine englische Unterhaltung beim Essen ein. ( Die meisten Monteure dieser in England ansässigen Firma sprachen meist besser Englisch als Deutsch.

Aber dann mußte ich doch schmunzeln, als er dem Koch, den er offensichtlich kannte, in besten hamburger Dialekt,sagte:
" Oooh mann Kolrobi, du weiss doch, das ich die mich mach ".

Das war die herrlichste Mittagspause, aller Zeiten. Wir hatten eine Menge Spaß. nach dem ich ihm sagte :" Sei mir bitte nicht böse, aber ich hatte mich auf englische Konversation eingestellt."

Wir hatten auch das Thema, daß Weiße gegenüber Schwarzen zu Babytalk neigen.

LG
Petra Sofie
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Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Post 30 im Thema

Beitrag von matthias55 »

Jaddy hat geschrieben: Mo 24. Aug 2020, 20:04 Gerade wenn wir wirklich nicht rassistisch handeln wollen, wäre es zum anderen schon mal das einfachste, auf jene Begriffe und Handlungen zu verzichten, von denen Betroffene immer wieder berichten, dass sie bei ihnen herabsetzend ankommen. Mindestens ne gute Übung, praktizierter Respekt und ich bin sicher, dass es auch wahrgenommen wird.
Mal abgesehen davon, dass der Begriff "Rassismus" nur eine einzige Spielart von "Diskrimierung" ist.

Wie ist es denn zwischen Menschen weisser Hautfarbe? Der eine ist für den anderen ein Depp, ein Ar..., ein Vollidiot, ein Hartz4ler, eine Tussi, ein Schönling oder sonstwas .... Pech, dass sich der Beleidigte da nicht auf Rassismus, Sexismus oder sonstwas berufen kann. Leute werden immer von anderen Leuten in Schubladen gesteckt, die oft diskriminierend sind.

Wie ich schon sagte: Begriffe allein machen gar nichts, egal ob man sie abschafft oder nicht. Das Problem ist an sich viel, viel grundlegender. Wenn in der Sozialisation proklamiert wird, dass wir eine Konkurrenz- und Leistungsgesellschaft sind, dass jeder seines Glückes Schmied ist, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist, dass Wohlstand (pekuniär) angestrebtes Ziel ist, dass jeder seine eigenen Ellbogen einsetzen muss, dann ist die Frage: ob hier nicht die Akzente falsch gesetzt werden. Jeder muss sich so über Wasser halten, dass es noch immer andere gibt, die unter ihm sind. Hackordnung ...

Gruß
matthias
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