Mannschaft.com: 70 Städte in Polen erklären sich zu -«LGBT-freien-Zonen-»
Mannschaft.com: 70 Städte in Polen erklären sich zu -«LGBT-freien-Zonen-» - # 3

Nicole Fritz
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Re: Mannschaft.com: 70 Städte in Polen erklären sich zu -«LGBT-freien-Zonen-»

Post 31 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo Patricia,

dann möchte ich mal das wiedergeben, was ich von meiner Familie mütterlicherseits über Polen erfahren habe. Sie haben bis zum Ende des zweiten Weltkriegs als Deutsche in Łódź gelebt.
Patricia_cgn hat geschrieben: Mo 3. Feb 2020, 22:10 Was der Pole nicht kennt, das fürchtet und verachtet er. Ich weiss ehrlich gesagt nicht woher das kommt ...
Ich kann mir gut vorstellen, woher das kommt. Polen war immer zwischen den Fronten - zuerst die Russen, dann mit den Nazis die Deutschen und dann wieder die Russen. Also hat man sich konsequent abgegrenzt, pflegt die Traditionen und den Katholizismus. Mit den Russen ist das Verhältnis extrem schwierig - angeblich seit dem einige von gepanschtem russischem Wodka blind geworden sind.

Als ich vor einigen Jahren zusammen mit meiner Mutter in Polen war - zuerst in Łódź und dann über Krakau nach Zakopane - musste ich mich immer zusammen reißen, dass mir kein russisches Wort über die Lippen kam. Ich war lange mit einer Russin zusammen, und mit Deutsch als Muttersprache erscheinen Polnisch und Russisch ziemlich ähnlich. Ein mal 'до свиданя' statt 'do widzenia' oder 'спасибо' statt 'dziÄ™kujÄ™' und es hätte was auf die Nuss gegeben. Meistens sprach ich dann lieber deutsch mit ein paar polnischen Wörtern dazwischen, obwohl ich es eigentlich besser gekonnt hätte.

Bezüglich LGBTI habe ich keine Erfahrungen gemacht. Ich war als Mann in Polen.

Liebe Grüße
Nicole
ExuserIn-2020-10-20
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Re: Mannschaft.com: 70 Städte in Polen erklären sich zu -«LGBT-freien-Zonen-»

Post 32 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-10-20 »

Mein Vater und meine Großeltern stammen aus Stettin. 2015 war ich mal dort, zwar auch als "Mann", aber meine Haarlänge war für viele Polen schon genung, mich ihre Ablehnung spüren zu lassen. Ich spreche kein Polnisch. Außer Guten Tag und Danke bringe ich nichts zu Wege, diese beiden Höflichkeitsflosgeln in anderen Landessprachen sind eigentlich immer ein Türöffner, nur in Polen nicht, das ist wirklich ein eigener Club. Bargeld tauschen an einer Internationalen Wechselstube mit deutscher Kreditkarte verursachte schon einen ablehnenden Gesichtsausdruck. Der Kaffee mit einem Stück Kuchen in einer Bäckerei, wurde mir auf einen Teller geklatscht. Da friß und veschwinde. Nur am Stehtisch kam ein Herr dazu der wenigstens Grüßte wenigstens sagte und irgend etwas auf polnisch, das wohl die Frage war, ob da noch was frei ist. Der war nett, sprach englisch und ein wenig gebrochen deutsch. Der schüttelt über das Verhalten seiner Landsleute gegenüber Ausländern auch nur den Kopf, und ich solle mir den Tag nicht vermiesen lassen, sie sind halt so. Er meinte es komme daher, das viele Deutsche nach Polen kommen um ihre alten Besitztümer wieder zu beanspruchen. Ich denke da liegt wohl auch einer der Gründe, die Angst etwas zu verlieren das sie sich nach dem Kriege aufgebaut haben. In Deutschland gibt es immer noch den Bund der Vertrieben, und ähnliche Gruppierungen. ( Auch ewig Gestrige ) Hin zukommt daß sich viele Deutsche im Ausland nicht so wie es sich gehört benehmen, nämlich als Gast.

War trotzdem ein Besuch Wert der sich irgendwie gelohnt hat, aber den muß ich nicht wiederholen.

Petra Sofie
Marlene K.
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Re: Mannschaft.com: 70 Städte in Polen erklären sich zu -«LGBT-freien-Zonen-»

Post 33 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Hier ein Artikel aus dem Queerspiegel des Tagesspiegel der Polen und Russland beleuchtet. Traurig, dass iich direkt an Ungarn und dort auch an die Frauenrechte denken muss...
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaf ... kVqod85V9Q
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Ulrike-Marisa
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Re: Mannschaft.com: 70 Städte in Polen erklären sich zu -«LGBT-freien-Zonen-»

Post 34 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin,

...ich habe auch polnische Vorfahren jeweils mütterlicherseits und meine Familie selbst, fränkischen Ursprungs, kommt nach 1763 aus einem kleinen Dorf, Lutomierz (Quickendorf) bei Srebrna Gora (Silberberg am Eulengebirge), die Familie meiner Frau kommt aus Breslau und gehörte zu den Oderfischern...
Ich war letztes Jahr mit meinr Frau in Stettin und in früheren Jahren auf großen Wanderungen in Ostpreußen, in den schlesischen Mittelgebirgen und entlang der Ostseeküste von Hel (Hela) nach Swinoujscie (Swinemünde). dort war ich mit meinem einen Sohn als Pfadfinder in Kluft der Bündischen Jugend (BdP) unterwegs und habe überall viel Gastfreundschaft erfahren. Jetzt habe ich auch einen netten jungen Arbeitsklollegen, der aus Olstyn (Allenstein) stammt. Mit ihm habe ich auch über die Entwicklung gesprochen. Er meinte, sicher gibt es diese Entwicklung besonders in den landwirtschaftlich orientierten ärmeren Regionen Polens, aber eher weniger in den modernen westlichen und nördlichen Kreisen. Ähnlich wie in Deutschland gibt es konservativ denkende Menschen und viele auch sehr religiös orientierte Menschen, in ihrem Denken eher rückwärts gewandt erscheinen. Die jüngere Generation täte anders denken. Man muss sich aber auch immer die Geschichte Polens vor Augen halten, die von Übergriffen seitens Deutschlands und Russlands geprägt ist. Das sitzt tief und es wird Generationen dauern, bis sich da ein gutes Nebeneinander entwickeln kann, sogar ein Miteinander in Europa. die Deutsch-Französische Freundschaft ist ein Beispiel dafür, dass es gehen kann. Warten wir es ab und bleiben wir erst mal auf dem Teppich. Ich schreibe natürlich auf Grund meiner persönlichen Erfahrungen und Sichtweise zu dem Thema.

Grüße, Ulrike-Marisa :wink:
Michi
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Re: Mannschaft.com: 70 Städte in Polen erklären sich zu -«LGBT-freien-Zonen-»

Post 35 im Thema

Beitrag von Michi »

Ulrike-Marisa hat geschrieben: Di 28. Jul 2020, 15:08 dort war ich mit meinem einen Sohn als Pfadfinder in Kluft der Bündischen Jugend (BdP) unterwegs und habe überall viel Gastfreundschaft erfahren.
Liebe Ulrike-Marisa,

das ist für mich problemlos nachvollziehbar. Mit diesem Auftreten bist du in konservativen Gegenden sicherlich viel mehr "kompatibel", als wenn du dort so aufläufst, wie du z.B. auf deinem Profilbild zu sehen bist.


Liebe Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: Mannschaft.com: 70 Städte in Polen erklären sich zu -«LGBT-freien-Zonen-»

Post 36 im Thema

Beitrag von heike65 »

Hm, ich war mit Freunden (Vater und Sohn) 2018 in Stettin, bei Bekannten meiner Freunde, das paar war etwas jünger wie ich, die Tochter ein Teenie. Die haben mich superherzlich aufgenommen, es kam während der 3 Tage nicht einmal ein falsches Pronomen, wir sind durch Stettin gezogen, Kneipen wie Restaurants, keine Probleme, alle höflich. Meine Passing ist sicherlich nicht das schlechteste, aber ich hab halt eine tiefe Stimme, bin 1,90 gross und hab eine extrem schmale Hüfte, also eindeutig männlichen Ursprungsgeschlechts.
Die problematischen Teile Polens gibt es, aber das ist der südliche ländlich erzkatholische Bereich, im Norden ist das eher entspannt

https://www.spiegel.de/panorama/niederl ... ce1aa9d50d

aber es gibt ja auch Möglichkeiten im kleinen seinem Unmut ausdruck zu verleihen, siehe Link. Die Niederländer machen es uns mal wieder vor.
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