Toni Smith hat geschrieben: Do 9. Jul 2020, 15:41Was meint ihr denn was den Transitionstrend und die Fluchtwelle befeuert hat. Wenn ich im Slam lebe und aufm Smartphone sehe wie Kayne West im Porsche über Hollywood fährt, dann frag ich mich doch, warum lebe ich im Slam, wenn es doch auch anders geht. Genauso wenn Mädchen sehen, wie man einfach als Mann Zucker in den Arsch geblasen bekommt. Oder Vice Versa als Junge zu sehen, wie man als Frau Zucker in den Arsch geblasen bekommt. Ja, dann frage ich mich doch auch, warum lebe ich nicht so, scheint doch einfacher zu sein.
Ich fürchte, da ist sehr viel sehr reale Realität irgendwie an dir vorbei gegangen. Anders kann ich mir solche Pauschalisierungen nicht erklären. Meine Empfehlung wäre, mal mit Geflüchteten zu _reden_, wie das Leben da war bzw. ist. In Kriegsgebieten, in Hungergebieten, dort wo der Klimawandel massiv zuschlägt oder in Gegenden mit alltäglicher, tödlicher Gewalt gegen bestimmte Gruppen. Syrien beispielweise hatte in vielen Regionen einen fast europäischen Lebensstandard. In den Großstädten eh, in denen jetzt nichts mehr ist. Kein Dach, keine Einkommensmöglichkeiten, keine Versorgung. Ähnlich in den Mahgrebstaaten. Die Mehrzahl aller Gefüchteten auf der Erde bleiben übrigens im gleichen Land oder in den Ländern nebenan. Für die allermeisten geht es nicht um Hollywood, sondern um das nackte Leben und absolute Existenzbasis.
Wie du zu deiner Sicht auf trans-Motivation kommst, kann ich auch bestenfalls mutmassen. Keine Ahnung, wie vielen der >95% trans Personen du mal zugehört hast, die den ganzen Kram auf sich genommen haben, die Konfrontation mit Eltern, Familie, Job, Umfeld, der Bürokratie, den Gutachten, den Kassen und so weiter. Da scheinst du einen ziemlichen bias zu haben, s.u..
Es gibt bestimmt Menschen, die aus was für Gründen auch immer keine eigene Persönlichkeit entwickeln, sondern nur nach anderen schauen. Das sind aber nachweislich im trans Bereich die wenigsten. Und wie viele während bzw durch die Begleittherapie auf den richtigen Bolzen kommen, die Transition nicht durchziehen, sondern die in ihrem Fall anderen Ursachen angehen, weiss ich nicht. Diese wirklich ziemlich miese, missverständliche und diffamierende Bezeichnung "Transtrend" ist jedenfalls nicht durch Fakten gedeckt. Die reinen "Fallzahlen" sind vollkommen irreführend, wenn gleichzeitig gesellschaftliche Akzeptanz und Support steigen und damit die voraussichtlichen Probleme einer Transition wegfallen und übrigens auch die häufigen Gründe für eine Detransition, nämlich Probleme, von der Umwelt im richtigen Gender akzeptiert zu werden.
Oder anders gesagt: Es transitionieren heute vermehrt diejenigen, deren Entscheidung zwischen weiter, weitgehend unbemerkt im falschen Gender/Körper/Geschlecht leiden oder nach der Transition an der Reaktion der Umwelt auf trans Personen leiden, früher anders ausgefallen wäre.
So wie es nach der Verteufelung und "Umerziehungsversuchen" von Linkshändigen "plötzlich und unerwartet einen Linkshändigkeitstrend" gab, oder nach Aufhebung des -§175 "plötzlich und unerwartet einen Homotrend". Die kamen nicht neu dazu; die gab es schon immer. Aber sie haben gelitten. Völlig überflüssigerweise. Diese Bezeichnungen und die ganze Pseudoargumentation hinter "*-trend" ist zu 99% simple *-feindlichkeit aus völig anderen Gründen. Und du, Toni, folgst jetzt eben diesem Trend, so wie du früher dein Heil in der Transition gesucht hast.
Mal unter uns, Toni: Ich denke, das ist eines deiner Hauptprobleme, nachdem was ich hier von dir gelesen habe. Du spürst ein Problem in dir, schaust auf andere, adoptierst eine scheinbare Lösung, die dir irgendwie attraktiv erscheint und gehst dann voll in der entsprechenden Blase auf, ohne rechts und links zu gucken, ohne deine persönliche Variante zu bauen - bis du irgendwann merkst, dass es für dich(!) doch nicht das richtige ist. Mit anderen Worten: Rechtzeitige Selbstreflektion und Durchdenken, erfühlen der Konsequenzen, scheint etwas zu fehlen, oder zumindest viel zu spät einzusetzen. Es wäre vielleicht sinnvoll, endlich mal zu erkunden, was genau eigentlich dein eigenes Glück ist, statt die Ideen und Lösungen anderer zu leben, zu propagieren und auf alle anderen Lebensweisen zu attackieren, bloss weil sie nicht für dich passen oder gepasst haben.
Oh, und btw noch folgendes: Was Wörter wie "-trend" und "-welle" transportieren ist klar oder? Sie entmenschlichen, entwürdigen und machen aus betroffenen Menschen eine anonyme Masse, die dann abgewertet werden kann. Genau das kommt bei dir immer wieder rüber. Und dieser Hass liest sich äusserst unangenehm.
Vor allem in einem Forum, indem sehr persönliche Lösungen und Lebensweisen angesprochen werden. Was für die eine Person super ist, geht für die andere gar nicht und wäre fatal für die dritte.