Eine andere Welt?
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Lavendellöwin
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Post 1 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Helga hat geschrieben: Di 12. Mai 2020, 15:26 Liebe Marie,
ich fühle mich wahrhaftig geschmeichelt, dass du jeden meiner Beiträge so ausführlich featurest. Zeigt es mir doch, dass du diesen eine gewisse Relevanz beimisst.
Mit den provokant eingestreuten Sätzen habe ich versucht mögliche Gedankengänge einer Partnerin aufzuzeigen, die sich mehr oder weniger plötzlich mit der weiblichen Seite eines Menschen konfrontiert sieht, mit dem Sie schon Jahre oder gar Jahrzehnte zusammengelebt hat. Ich kenne die Frau von Jen nicht, aber Sätze in dieser Art habe ich von meiner eigenen Frau (akademische Ausbildung, Doktortitel, selbstbewusst und gleichberechtigt) empfangen. In der privaten Beziehung werden die Partnerinnen nicht zwangsläufig Gendergerectigkeit wahren. Der Wunsch nach Verlässlichkeit und Stabilität dürfte auch in den allermeisten gleichberechtigten Beziehungen vorherrschen. Das hat nichts mit irgendwelchen althergebrachten Familienklischees zu tun.
Bei uns im Forum ist es normal, dass eine Frau in einem männlichen Körper geboren wird, der größte Teil der cis- Welt da draußen, zu der die meisten Partner*innen gehören, kann mit diesem Gedanken wenig anfangen. Die cis- Welt sieht einen Mann, der eine Frau werden will. Die nach Jahren oder Jahrzehnten vorgetragene Beichte, dass "er" eigentlich schon immer eine Frau war, dürfte für sehr vielen Partnerinnen eine sehr schwere Kränkung sein, durch die jegliche Beziehung zerstört wird.
Wir müssen unsere Partnerinnen so nehmen wie sind, und sie ganz behutsam mitnehmen auch wenn dies heisst ab und zu stehen zu bleiben oder sogar einige Schritte zurück zu treten. Oder wir müssen uns von ihnen trennen.
Liebe Grüße
Helga
Hallo Helga...

da ich Jen's Thread nicht sprengen möchte, mache ich einfach nochmal einen neuen auf.

Natürlich messe ich deinen Beiträgen Relevanz bei-du siehst ja das ich sie gerne kommentiere.
Ich habe einen anderen Blick auf die Dinge als du und das möchte ich auch gerne zum Ausdruck bringen..
stör dich nicht daran-alle dürfen ihre Meinung schreiben und diskutieren.

Das gilt auch für Gefühle, Erlebnisse, Einschätzungen-einfach für alles was in einem Menschen und dem
Umfeld vorgeht. Was ich nicht gerne mag sind pauschale Aussagen, Generalisierungen oder das wiederholen
von Dingen die man mal irgendwo aufgeschnappt hat-kurz ich stehe auf eine eigene Meinung.
Und die sag und schreibe ich auch..also berichte ich dir mal kurz zusammengefasst meine Erfahrung.

Ich schicke noch voraus, ich habe nie behauptet ich bin ein Mann und die Rolle erfühlt und erfüllt habe ich
wohl kaum-eine Psychologin hat es ungefähr so formuliert: das Erfüllen der männlichen Rolle ist gescheitert.
Trotz das ich pansexuell und eine Trans* Frau bin habe ich seit 18 Jahren eine glückliche Beziehung mit
einer anderen Frau-das heisst nicht, das wir uns immer einig sind, aber wir können uns das Leben ohne
die andere nicht vorstellen. Und Verlässlichkeit ist eine der Eigenschaften die uns sehr wichtig ist.
Verlässlichkeit ist aber ein Charakterzug und hat nun rein gar nichts mit Gender oder Geschlecht zu tun.
Spürt man da hin, merkt man das auch-ganz speziell für mich ist das wichtig, da ich Menschen nicht
über sexuelle oder äussere Attraktivität einordne, sondern nur unter dem Gesichtspunkt fühle ich mich in
der Gegenwart wohl.

Meine Liebste (sie hat zwar nur einen Magistertitel, ist Waldorflehrerin, Mediengestalterin und Unternehmerin)
hat mir offen gezeigt das sie Konkurrenz empfindet, aber hat nie mich als Person in Frage gestellt oder gar einen
abfälligen Kommentar geäussert. Das ist eine Säule unserer Beziehung die Anerkennung der anderen als
eigenständiges und eigenverantwortliches Wesen.
So hatte ich nichts zu beichten, sondern konnte immer recht direkt sagen, was ich grade fühle und was mein Wunsch
ist oder was ich möchte. So auch, das ich eine Frau bin, als ich selbst wirklich bereit dazu war.
Unsere Beziehung ist nicht zerstört sondern hat ganz im Gegenteil einen fruchtbaren Boden-für uns beide.
Es ist eine Wachstums und keine Stillstandsbeziehung und wir haben Reibungspunkte...und trotzdem ist eine
Trennung nicht mal am Horizont in Sicht.

Ich habe schon oft betont, das ich alle mit auf die Reise genommen habe, unsere Freunde, Familien und Bekannte
diese sehen immer den Punkt am dem ich in meiner Entwicklung stehe, doch nie hat jemand in Frage gestellt,
das ich eine Frau bin. Ich glaube die CIS-Welt sieht mehr und weiss mehr als du so manchmal darstellst..

aber ich möchte auch eine Frage stellen..
manchmal habe ich tatsächlich das Gefühl, ich lebe in einer anderen Welt, da ich im Grunde ein sehr
positives Erleben meines Seins empfinde. Ich fühle mich angenommen und nicht nur akzeptiert..lebe
ich am Ende vom Regenbogen?

Alles Liebe Marie (flo)
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Aria
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Re: Eine andere Welt?

Post 2 im Thema

Beitrag von Aria »

!EmmiMarie! hat geschrieben: Mi 13. Mai 2020, 15:09 aber ich möchte auch eine Frage stellen..
manchmal habe ich tatsächlich das Gefühl, ich lebe in einer anderen Welt, da ich im Grunde ein sehr
positives Erleben meines Seins empfinde. Ich fühle mich angenommen und nicht nur akzeptiert..lebe
ich am Ende vom Regenbogen?
Wenn man das so sehen mag, dann kommt das ganz gut hin ;)
Ich denke, du hast einfach Glück gehabt, besonders tolerante Menschen um dich herum zu haben und tust auch alles dafür, was du bekommst in gleichem Masse widerzugeben.
Denn letzten Endes funktioniert keine Beziehung als Einbahnstrasse, sei sie noch so sehr auf Vertrauen, Rücksichtnahme und Toleranz gegründet. Ein Geben und Nehmen, stimmt's?!
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Re: Eine andere Welt?

Post 3 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-10-20 »

Du weißt doch Emmi Marie: " Am Ende des Regenbogens ist ein Schatz vergraben. " Diesmal bist du offensichtlich zur richtigen Seite gegangen als du den Regenbogen gesehen hast.

Weiterhin alles Gute (na)

LG
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Re: Eine andere Welt?

Post 4 im Thema

Beitrag von Helga »

!EmmiMarie! hat geschrieben: Mi 13. Mai 2020, 15:09 manchmal habe ich tatsächlich das Gefühl, ich lebe in einer anderen Welt, da ich im Grunde ein sehr
positives Erleben meines Seins empfinde. Ich fühle mich angenommen und nicht nur akzeptiert..lebe
ich am Ende vom Regenbogen?
Liebe Marie,

auch wenn ich nicht schnell genug war, will ich darauf gerne antworten. Der Ausdruck "in einer anderen Welt" wird meistens despektierlich verwendet, daher ein ganz klares nein. Aber in einem anderen Mikrokosmos, gebildet aus Partnerin, Familie, Freunden, Nachbarn, Beruf etc. halt dem gesamten Umfeld in dem mensch sich regelmäßig bewegt. Und diese Mikrokosmen können halt sehr unterschiedlich sein. In deinem Mikrokosmos kommst du mit allen klar, und Alle kommen mit dir klar. Das ist gut und sollte so sein. Aber hier im Forum konnten wir lesen, dass ein Forumsmitglied sich scheut sie Familie im Heimatdorf zu besuchen, aus Angst vor brutalen, körperlichen Angriffen. Ein anderes Mitglied beschreibt, dass Transmenschen in seinem Heimatland als "lebensunwürdig" erklärt werden. Das sind natürlich Extrembeispiele, diese sollen auch nur verdeutlichen, dass wir die cis- Welt sehr differenziert betrachten müssen. Persönlich habe ich noch keine transphoben Übergriffe erlebt, befürchte soetwas in meinem Mikrokosmos oder in dem Kosmos, in dem ich mich en- Femme bewege auch garnicht.
Um auf das betreffende Thema zurückzukommen. Unsere wichtigste Bezugsperson im Mikrokosmos ist, soweit vorhanden, die Partnerin. Diese ist in der Regel in einem cis- Mikrokosmos sozialisiert worden, so wie die meisten von uns "TransX" Menschen auch. Viele von uns mussten im Laufe einer langen Entwicklung erst lernen sich selbst so zu akzeptieren wie sie sind. Warum sollen die Partner*innen dies so ohne weiteres hinnehmen und sofort akzeptieren. Zu oft lesen wir, dass auf dem Wege Frau, Familie und oftmals der gesamte Freundeskreis verloren gegangen ist.
Wie wir alle wissen mussten sich MzF Transmenschen in früheren Zeiten häufig prostituieren, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Aus der Zeit ist der Begriff "Transvestit", der nichts anderes ist als die lateinische Übersetzung von "Crossdresser" so negativ besetzt.. Wie uns allen bekannt ist, ist dies in anderen Ländern leider teilweise noch immer so. Diese unsägliche, durch eine damalige, intolerante Gesellschaft hervorgerufene Not, hat sich in das Kollektivgedächtnis einer eigentlich sehr viel weiter entwickelten Gesellschaft eingebrannt und sortiert unreflektiert alles was mit Trans zu tun hat sofort in der Kathegorie "Schmuddelecke" ein.Du hast recht, das ist jetzt wieder sehr verallgemeinernt, erklärt aus meiner Sicht aber zumindest teilweise die Transphobie in bildungsfernen, konservativen und kirchlichen Kreisen. Viele Partnerinnen gehören wie ich zu der Generation, deren Eltern in der NS- Zeit sozialisiert wurden. Ich musste mir (in anderen Zusammenhängen) des Öfteren Sprüche anhören wie "entartet", "Geisteskrank", "das hätte es bei Adolf nicht gegeben"...Es ist verdamt schwer dies wieder abzuschütteln. Dazu habe ich an anderer Stelle mal was geschrieben.
Auch wenn unsere Partnerinnen uns geduldig wie sie nunmal sind beim Schminken unterstützen und die Kleider passend machen, sollten wir immer versuchen zu ergründen was vielleicht wirklich in ihren Köpfen vorgeht, damit es nicht zu solchen Ausbrüchen kommt wie Jen sie beschreibt.
Es ist gut, dass deine Partnerin akzeptiert hat, dass du schon immer eine Frau warst. Das muss aber nicht so sein. Gerade wenn dieses Geständnis nach einer jahrzehntelangen Beziehung kommt kann sehr schnell das Gefühl entstehen ein Leben lang betrogen und hintergangen worden zu sein und nur als Alibi gedient zu haben.
Sorry, ich male schon wieder den Teufel an die Wand, ist beruflich bedingt.
Jeder Mensch soll ein Nest auf dem Regebogen haben, aber für manche ist der Nestbau dort ungemein schwierig und mit Fallstricken verbunden.
Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
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Re: Eine andere Welt?

Post 5 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Aria hat geschrieben: Mi 13. Mai 2020, 19:44 Denn letzten Endes funktioniert keine Beziehung als Einbahnstrasse, sei sie noch so sehr auf Vertrauen, Rücksichtnahme und Toleranz gegründet. Ein Geben und Nehmen, stimmt's?!

Hi Aria,

hmm, ja, aber ich möchte sagen nicht nur ein Geben und ein Nehmen, aber auch.
Und eine Einbahnstrasse auf keinen Fall.

Was ich auch für sehr wichtig halte ist Freiräume lassen und Freiräume bekommen.
Da habe ich auch ein ganz konkretes Beispiel, ausser der Tatsache, das mein
Elternhaus immer einen gewissen Publikumsverkehr hatte, möchte ich mal sagen...

also bei meiner ersten ernsthaften Anstellung in einem Systemhaus für CAD-Software
1999 hatten wir ein offenes Türen Prinzip. Das heisst, war die Tür auf, darfst du gerne
reinkommen, war die Tür zu auch, aber bitte mit anklopfen und kam dann die Ansage
das was grade im Raum stattfindet ist jetzt für dich nicht wichtig, dann eben nicht.
Die Türen waren zu 90% immer auf...

Was will ich damit sagen-ich selbst fühl mich unwohl, wenn ich vor einer verschlossenen
Tür stehe und das möchte ich anderen auch nicht antun, es sei denn, es gibt einen ziemlich
guten Grund dafür. Ich mag auch Büroetagen mit verschlossenen Türen bis heute nicht,
weil das wenig einladent erscheint. Wichtig ist nimm alle mit ums mal so zu sagen...

..ziemlich gute Gründe sind, der Bereich ist sicherheitssensibel und hat den Zutritt nur
für Personen die da was verloren haben (zum Beispiel in JVAs die ich auch mitbetreut habe,
aber ich fühlte mich da verdammt unwohl...)
ansonsten bin ich sehr für ein inklusives Verhalten...und dafür bekomme ich das vielleicht auch

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Re: Eine andere Welt?

Post 6 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin,

...ich habe eigentlich in diversen Themen schon ganz viel dazu unter verschiedenen Aspekten geschrieben. Das kann und will ich nicht noch einmal wiederholen, zu lang...
Arias Aussage, dass eine Beziehung nicht als Einbahnstraße funktionieren kann, sondern auf Vertrauen, Toleranz und Rücksichtnahme beruhen sollte, ist voll und ganz meine Meinung, ergänzend können da noch gegenseitiges Verständnis für die Situation des Anderen Partners/Partnerin und Offenheit genannt werden.
Trotzdem denke ich manchmal, dass wir Betroffenen doch in einer Art anderen Welt leben und das bei einer scheinbaren Normalität, die vielleicht wir nur so empfinden, andere vielleicht nicht. Gerade die Befindlichkeit von Partnerinnen denke ich ist eine Besondere, die auch wichtig genommen werden muss gerade von MzF Transmenschen/Betroffenen. Nein, da ist nach einem Outing nicht alles normal - eine quasi Normalität, wenn sie überhaupt dann noch möglich ist, muss schwer erkämpft werden mit Offenheit und vielen Gesprächen. nicht in allen Fällen wird es gelingen, dass ein Lebenskompromiss für beide Partner der Beziehung gleichermaßen erträglich gefunden werden kann. Ist dies nicht möglich, dann scheiden sich die Welten und die Beziehung kann enden. Ich als bekennende Transfrau habe mittlerweile viel erlebt auf den Weg hin zu einer gewissen Normalität, wie ich sie für mich und meine Gefühle empfinde, meine Frau hingegen kann da bis heute auch nach vielen Jahren nicht unbedingt so einfach mitgehen. Wir haben Regelungen für unser gemeinsames Leben gefunden und haben beschlossen, es weiter gemeinsam zu bestreiten auch unter Berücksichtigung unterschiedlicher Sichtweisen zu einzelnen Themen des Lebens, das mehr beinhaltet, als mein eingeschränktes Tragen von Röcken, DW und langen Haaren. Ja, es ist nicht alles einfach im Leben und vieles wird eben unterschiedlich gesehen. Die Zeit wird Veränderungen bringen, die wir vielleicht in unserem Leben noch erleben können - aber nicht unbedingt, wie die derzeitige gesellschaftliche Entwicklung zu befürchten lässt. Vielleicht wird es eines Tages eine offenere Gesellschaft geben, in der jeder Mensch über sich selbst und seine Empfindungen bestimmen kann, So weit sind wie grade in rechtlicher Hinsicht noch lange nicht. Gerade die derzeitige Coronapandemie dürfte diesen Fragestellungen gegenüber nicht förderlich sein, den das Rad dreht sich gerade wieder gefühlt rückwärts - die familiären Lasten werden gezwungenermaßen zunehmend den Frauen aufgebürdet; zumindest sehen Wissenschaftlerinnen das so. Sie sagen, dass die Gleichberichtigung um Jahrzehnte zurückgeworfen wurde. Das kann ich nur so nennen und wir werden sehen, ob diese Entwicklung auch uns Betroffene negativ ereilt wie auch immer...

Grüße, Ulrike-Marisa :wink:

...ich bin, was ich bin und nicht das, was andere in mir zu sehen glauben...
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Re: Eine andere Welt?

Post 7 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Huhu,

wenn man alles herunter bricht um darauf zu kommen was hier eigentlich diskutiert wird - kommt doch hier die Kernfrage auf:

Ist man als Trans* oder CD für den Fall eines unglücklichen Lebens, selber dran schuld oder ist es Schicksal?

Oder vielleicht eine Kombination aus beidem?

Marie denkt - wenn ihr nicht klar kommt, dann liegt es an eurer Einstellung.
Manche sagen - Einstellung hin oder her - Wenn dein Umwelt nicht will stehts du blöd dar.
Ich sage - Beides

Es hängt auch viel damit zusammen:
Wo du lebst, wie deine Familie tickt, wie die Menschen um dich herum ticken, ob du permanent als Frau lebst oder wechselt, ob dein Sexleben damit verbunden ist, wie du dich kleidest und gibst, welchen Beruf du ausübst, was du erwartest und natürlich wie dein Charakter und Lebenseinstellung so ist.

Sau komplizierter Cocktail aus Kausalitäten wenn ihr mich fragt.

VlG
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Re: Eine andere Welt?

Post 8 im Thema

Beitrag von Aria »

Laila-Sarah hat geschrieben: Do 14. Mai 2020, 14:36 Marie denkt - wenn ihr nicht klar kommt, dann liegt es an eurer Einstellung.
Manche sagen - Einstellung hin oder her - Wenn dein Umwelt nicht will stehts du blöd dar.
Ich sage - Beides
Genau! Und deswegen ist es auch keine Diskussion, die hier geführt werden muss.

Heisst es nicht: Glück ist, was du draus machst!

Einerseits liegt es an meiner Einstellung, in wie fern ich glücklich sein kann oder unglücklich bleibe, andererseits liegt es an meinem Umfeld in wie weit ich mein Glück mit ihnen teilen kann. Man muss einfach akzeptieren, dass man nicht jeden für seine Sache begeistern kann. Dann liegt es aber an einem selbst, wie sehr man sich davon beeinflussen lässt. Man hat IMMER eine Wahl - so schwierig sie auch sein mag.
Kleines Beispiel: Meine langjährige Arbeitskollegin konnte sich nur schwer mit dem Gedanken anfreunden, dass ich trans bin. So weit so.....gut. Jeder wie er meint. Sie tolerierte es zwar aber hatte dennoch eine Meinung über unsereins, die man ihr nicht "ausreden" konnte. Dann kam es bei mir zum Namenwechsel. Sie konnte einfach nicht akzeptieren, dass ich fortan mit Frau Aría.... angesprochen werden möchte. Ich sagte ihr, was ich dabei empfinde, wenn ich misgendert werde, dass mir das weh tut und verhindert, dass endlich sowas wie Normalität in mein Leben Einzug hält. Versteht sie, aber ich solle auch verstehen, wie schwierig das für sie zu akzeptieren ist. Tja, was will man da drauf sagen? Ich habe schließlich die Reissleine gezogen und die Freundschaft aufgegeben.
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Re: Eine andere Welt?

Post 9 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Hallo Aria,

man sieht du bist ein großes Mädchen und kannst sehr souverän mit den Steinen umgehen, die dir das Leben in den Weg wirft.
Aria hat geschrieben: Do 14. Mai 2020, 19:23 Man hat IMMER eine Wahl - so schwierig sie auch sein mag.
Absolut Richtig.

Dennoch ist die Wahl manchmal ein ganz übler Tausch:

Was ist z.B. mit der Familie? Wenn die eigene Frau dich so nicht mag. Weggehen ist immer eine Option aber da ist noch die Verantwortung für die Kinder und so viel mehr. Hier kommt die eigene Freiheit mit einem sehr hohen Preis der Selbstvorwürfe die aller liebsten Eier zerschlagen zu müssen um dieses Omelette zu kochen.
Dann wiederum ist man inmitten von negativen Gefühlen und kommt nicht so gut klar.

Manche von uns müssen sich z.B. mit solchen Problemen nicht wirklich herumschlagen, weil sie - so wie sie sind - akzeptiert oder sogar unterstützt werden.
Es ist ein wenig so wie zu sagen "liebe dich so wie du bist". Absolut richtig, aber es ist leichter sich zu lieben, wenn man z.B. keine Narben im Gesicht hat.
Mir geht es darum auch ein wenig den Einfluss der Umwelt zu betonen, die nicht nur mit unserer Einstellung zusammenhängen muss. Aus Solidarität zu denen von uns, die ein schweres Kreuz zu tragen haben.

Dennoch man muss kämpfen. Nie kriegt man wirklich etwas geschenkt.
Denn nur so kann man am Ende seine Ziele erreichen (wie du z.B.) und Zeit heilt ja bekanntlich alle Wunden.
Ich denke du hast da auch vieles durchgemacht.
Ich denke du bist ein leuchtendes Beispiel für hart erkämpftes Glück und Selbstverwirklichung.
Aria hat geschrieben: Do 14. Mai 2020, 19:23 Kleines Beispiel: Meine langjährige Arbeitskollegin konnte sich nur schwer mit dem Gedanken anfreunden, dass ich trans bin. So weit so.....gut. Jeder wie er meint. Sie tolerierte es zwar aber hatte dennoch eine Meinung über unsereins, die man ihr nicht "ausreden" konnte.
Prinzipiell muss man einerseits pragmatisch akzeptieren, dass Menschen uns nicht mögen. Anderseits sind wir vor dem Gesetzt gleichwertig. Z.B. ist jeder LGBTIQI+, Schwarze, Jude, Moslem vor dem gesetzt gleich wert wie jeder andere Mensch. Aber trotzdem mögen nicht alle diese Minderheiten und berufen sich auf das Recht der freien Meinung. Die große Frage ist doch, hat ein Mensch das Recht dazu eine negative Meinung über uns LGBTIQI+, Schwarze, Juden usw. zu haben? Denn kommen diese an die Macht geht es uns an den Kragen. Leider ein unlösbares Problem solange diese Menschen ihren Hate ganz versteckt in sich tragen.

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Re: Eine andere Welt?

Post 10 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Helga hat geschrieben: Mi 13. Mai 2020, 21:56 Der Ausdruck "in einer anderen Welt" wird meistens despektierlich verwendet
Hallo Helga..

wir sind schon sehr unterschiedlich, das ist aber nicht schlimm
-ich kann daran nichts abwertendes finden, aber lass uns "in meiner kleinen Welt" sagen



ja, es gibt definitv erschreckende Beispiele, was LSBTTIQ Menschen passiert und passiert ist,
auch hier im Forum mit Menschen die man für die Liebsten gehalten hat. Und das stimmt mich
sehr traurig, nicht das du meinst, das ginge mir nicht nahe.
Und ganz offen gesagt habe ich auch Dinge erdulden müssen, die nicht sonderlich schön waren,
nein gar nicht.
Aber soll ich mir von etwas oder denen die mir das vor 30 Jahren angetan haben mein Leben
zerstören lassen? Nein, dazu bin ich im Herzen viel zu positiv und ein Sonnenkind.
Oder anders gesagt-ich kann auch in einem Flugzeug sitzen, obwohl ich furchbare Höhenangst habe
weil ich nämlich nicht durch den Boden der Kabine schauen kann.
Helga hat geschrieben: Mi 13. Mai 2020, 21:56 Um auf das betreffende Thema zurückzukommen. Unsere wichtigste Bezugsperson im Mikrokosmos ist, soweit vorhanden, die Partnerin. Diese ist in der Regel in einem cis- Mikrokosmos sozialisiert worden, so wie die meisten von uns "TransX" Menschen auch. Viele von uns mussten im Laufe einer langen Entwicklung erst lernen sich selbst so zu akzeptieren wie sie sind. Warum sollen die Partner*innen dies so ohne weiteres hinnehmen und sofort akzeptieren. Zu oft lesen wir, dass auf dem Wege Frau, Familie und oftmals der gesamte Freundeskreis verloren gegangen ist.

Oder der Partner oder eine andere Person mit dem Status...

ja ich weiss das das sehr oft vorkam und klar ist der Grund, das sich manche getäuscht fühlen-das ist auch berechtigt.
Wenn man in seinem Leben aber offen ist und das wirkliche Wesen einer Person immer mitgeschwungen hat, hat sich
eine Partner und/oder Freundschaft schon auf der Basis entwickelt-da ist der Schritt nicht gross und auch kein Schock
für die anderen...oder anders gesagt-die allermeisten haben mich eh nie als "Mann" gesehen, das hat so eher
dazu geführt das ich hörte "jetzt ist mir alles klar"....
Helga hat geschrieben: Mi 13. Mai 2020, 21:56 sollten wir immer versuchen zu ergründen was vielleicht wirklich in ihren Köpfen vorgeht, damit es nicht zu solchen Ausbrüchen kommt wie Jen sie beschreibt.
Unbedingt! Das sollte man immer und jederzeit mit allen Menschen machen-nur so kann man auch was verstehen!
Meist ist es eine falsche Scheu Fragen zu stellen...
Helga hat geschrieben: Mi 13. Mai 2020, 21:56 Viele Partnerinnen gehören wie ich zu der Generation, deren Eltern in der NS- Zeit sozialisiert wurden. Ich musste mir (in anderen Zusammenhängen) des Öfteren Sprüche anhören wie "entartet", "Geisteskrank", "das hätte es bei Adolf nicht gegeben"...Es ist verdamt schwer dies wieder abzuschütteln.
Das tut mir leid, das du das hören musstest! Schau, mein Vater ist vor ziemlich genau 3 Jahren im Alter von 84 Jahren
gestorben, meine Mutter hatte grade am 20.4 ihren 85 Geburtstag (ja, am 20.4.), aber beide haben mich in meiner Entwicklung
unterstützt, ich hatte meine Freiheiten in hohem Masse und keine genderausgerichtete Erziehung.
Ich möchte sagen, sie haben beide mal diese Kriegszeit und die Meinungen hinter sich gelassen-besonders meine Mum war keine
Frau für den Stillstand und das verharren in der Vergangenheit.
Das ist sicher ein Teil meines Glücks...

wie hat ein Verwandter von mir wahrscheinlich gesagt? "Der Ball ist rund..", will heissen Entwicklung gibt es immer.

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Re: Eine andere Welt?

Post 11 im Thema

Beitrag von Aria »

Laila-Sarah hat geschrieben: Fr 15. Mai 2020, 12:56 Dennoch ist die Wahl manchmal ein ganz übler Tausch:

Was ist z.B. mit der Familie? Wenn die eigene Frau dich so nicht mag. Weggehen ist immer eine Option aber da ist noch die Verantwortung für die Kinder und so viel mehr. Hier kommt die eigene Freiheit mit einem sehr hohen Preis der Selbstvorwürfe die aller liebsten Eier zerschlagen zu müssen um dieses Omelette zu kochen.
Dann wiederum ist man inmitten von negativen Gefühlen und kommt nicht so gut klar.
Hey Laila-Sarah!
Das ist es, was ich mit - Immer eine Wahl haben, sei sie noch so schwierig - meine. Tja, wenn die eigene Frau mich so nicht mag, ich aber merke, dass ich, wenn ich nicht bald mein eigentliches Leben leben kann, daran zerbreche, bleibt mir wohl nix anderes als mit der Wahrheit ans Licht zu gehen, oder? Ich hab dann also die Wahl, endlich Ich sein zu können, mit allen Unwägbarkeiten, die auf mich zukommen können oder so weitermachen wie bisher und daran zu Grunde zu gehen. Wobei letzteres auch nicht völlig spurlos an einer Partnerschaft vorbei geht. Denn eins ist doch mal klar, wenn man sich selbst nicht liebt, ist man auch nicht fähig Liebe zu geben, und ich denke, das hat keine Partnerin verdient. Das ist nix weiter als sterben auf Raten.
Laila-Sarah hat geschrieben: Fr 15. Mai 2020, 12:56 Manche von uns müssen sich z.B. mit solchen Problemen nicht wirklich herumschlagen, weil sie - so wie sie sind - akzeptiert oder sogar unterstützt werden.
Ich denke, dieses Glück haben die allerwenigsten. Das sind dann diejenigen, die recht früh merken, was mit denen los ist und sich umgehend auf ihren Weg machen, oder es sind solche, mittleren Alters, die bis dahin auch noch keine wirklichen Verpflichtungen hatten. Da kenne ich so einige. 40 Jahre, single, kinderlos. Ja, damit lässt es sich ebenfalls prima starten. Doch auch die plagen Ängste, Sorgen, Zweifel. Warum habe ich nicht schon vor 20 Jahren damit angefangen? Jetzt habe ich ein breites Kreuz, Geheimratsecken usw. usf. Irgendwas ist immer, Laila-Sarah!

Aber lass dir was gesagt sein: Alles erträgt man nur so lange, bis es einfach nicht mehr geht, und dann ändert man was. Was ich aber aus Erfahrung sagen kann ist, dass wenn man sich schon so lange Gedanken drum macht, was wie, warum mit einem los ist und wie man das lösen kann, dann ist allerdings schon alles gesagt, einzig die Entscheidung fehlt. Manche entscheiden sich nie. Andere tun es, egal, wie schwer der Weg auch sein mag. Ich gehöre eindeutig zu letzteren, und ich kann sagen, dass es das in jedem Fall wert war. Hätte ich so vorher nie gedacht, doch mein Leben ist nun ein sooo viel besseres. Das merke nicht nur ich, sondern alle um mich herum.
Laila-Sarah hat geschrieben: Fr 15. Mai 2020, 12:56 Ich denke du hast da auch vieles durchgemacht.
Ich denke du bist ein leuchtendes Beispiel für hart erkämpftes Glück und Selbstverwirklichung.
Das habe ich in der Tat! Aber, das haben andere auch und ich möchte mich deshalb nicht hervorheben. Manche müssen mehr kämpfen, andere weniger, aber kämpfen müssen die alle. Aber es heisst doch auch, man solle um sein Glück kämpfen. Ich finde, da ist was wahres dran und du sagst es doch selbst: Man kriegt im Leben nix geschenkt!
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