Kapitel 21; Container-Chaos, Rettungsgasse und Experten-Einsatz
Ich liege am Freitag morgens im Bett. Draußen dröhnt und rumpelt es. Müllabfuhr? - Kann nicht sein: Die machen nicht solchen Krach. Wird etwas angeliefert? Egal. Weiter schlafen.
Ich mache mir eine Kanne Kaffee und frühstücke. Die Fensterläden hatte ich schon auf gemacht und dabei gar nicht richtig raus geschaut - trübe und Nieselregen. Dann zum Briefkasten. Vor mir steht eine Wand, ein riesiger Container.
Ich schaue vorsichtig um den Container herum. Dabei möchte ich mich nicht unbedingt zeigen, da ich nur ein Nachthemd trage. Mein Nachbar, die "lebende Kettensäge" macht sich gerade an einem großen Haufen Grünzeug in seiner Einfahrt zu schaffen. Im Container liegt auch schon einiges davon.
Ich gehe zurück ins Haus. Einen Moment später klingelt es. Ich - immer noch im Nachthemd - öffne das Fenster. Und da ist er, mein Nachbar:
"Nicole, ich brauch dich jetzt. Der Container muss bis Montag oder Dienstag voll werden. Ich helfe dir mit deinem ganzen Baumschnitt. Und du hast ja noch Holz. Damit machen wir dann halbe-halbe. - Komm, wir trinken ein Bier zusammen."
"Jetzt ein Bier?. Ich habe mir gerade einen Kaffee gemacht, damit ich wach werde."
"Wie Kaffee? Das schmeckt doch nicht .."
Also hole ich zwei Falschen Bier und wir besprechen, wie es weiter gehen soll. Also den Container gemeinsam voll machen, und von dem Holz kann es dann auch etwas ab bekommen. Darum ging es ja wohl letztlich. Am Samstag morgen soll es - für mich "mitten in der Nacht" - um acht Uhr los gehen.
Der Nachbar ist gegangen. Ich ziehe mich an - mein "Hauskleid" für den Küchendienst. Dann gehe ich rüber zu meinem Cousin. Der ist gerade dabei seinen Computer für die neueste Spiele-Generation fit zu machen. Also hat er noch nichts gemerkt. Ich begrüße ihn:
".. du bekommst hier wohl nichts mehr mit - Da ist gerade vor meinen Haus ein UFO gelandet."
"wie UFO?"
"na dann komm mal raus."
Wir gehen raus, und ich erzähle meinem Cousin, was da nun abgehen soll. Der sagt nur:
"Dann macht mal schön, ihr beiden, ich habe Rücken."
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Heute morgen macht der Wecker Alarm. Also erst einmal wieder eine Kanne Kaffee und ein Brötchen mit Nutella. Dann die alten Männerklamotten zusammen suchen und anziehen. Um acht bin ich draußen. Von meinem Nachbarn keine Spur. Dafür ist das ganze Grünzeug im Container gleichmäßig über den Boden Verteilt. Wie soll man den so eigentlich voll bekommen? Nicole hat da im Halbschlaf zunächst keine Idee. Also erst einmal rüber zum Cousin und die Schubkarre holen.
Ich fahre die Schubkarre an den Zaun um von meinem Grünschnitt etwas aufzuladen, da kommt mein Cousin hinterher. Ich frage:
"Hast du schon mal in den Container geschaut?"
"Nee."
"Dann komm mal mit"
Wir gehen rüber. Er ist entsetzt:
"Was ist denn das? Dämlicher geht es wohl nicht mehr!"
Wir laden die Schubkarre voll, schieben das Grünzeug rüber, und ich versuche den Container auf der daran befindlichen Leiter stehend von oben zu befüllen, während mein Cousin mir die Äste einzeln anreicht - eine mühsame Tat. Dabei erwachen meine Lebensgeister so langsam. Ich habe eine Idee. Im Container muss eine "Rettungsgasse" geschaffen werden, in der man die Schubkarre nach vorne bringen kann.
Wir machen uns also an die Arbeit. Vom Nachbarn ist immer noch nichts zu sehen und zu hören. Als die Gasse fertig ist, hole ich für uns beide je eine Flasche Bier. Dann zweites Frühstück mit flüssigen Brot.
Wir schauen um den Container herum. Ein Auto ist angekommen und zwei Männer in Arbeitskleidung steigen aus. Sie sprechen mich an:
".. die drei Bäume da drüben sollen weg."
"Dann gehen sie mal da rüber und klingeln die raus. Mich haben sie um acht Uhr hier hin bestellt zum Container beladen und nichts tut sich. - Und das Auto bleibt schön da mitten auf der Straße stehen. Dann komme ich nämlich mit der Schubkarre nicht vorbei und kann nichts mehr machen.
Die beiden Männer haben Profi-Gerät dabei: Schutzkleidung und zwei große Kettensägen. Nur einen Baum gefällt haben sie offensichtlich noch nicht, so wie sie die Situation einschätzen. Ich erkläre ihnen, wie sie das am besten machen sollen, aber man nimmt mich nicht ernst. Bald ist auch der Nachbar draußen. Ich gehe ins Haus in "Deckung" und beginne diesen Beitrag zu schreiben.
Ich schreibe also so vor mich hin, da kracht es draußen. Ich gehe raus. Einer der Bäume hängt quer über die Straße in der Krone meines Walnussbaums. Eine solche Situation hatte ich schon letztes Jahr bei meinem Sturmschaden. Das wird jetzt eine hässliche Viecherei den Baum da oben aus der Krone des anderen heraus zu bekommen. Wenn ich ihn gefällt hätte, wäre er mit einem sauberen Keilschnitt längs auf die Straße gefallen, aber "echte" Experten machen es wohl anders.
Für mich es es - trotz der morgendlichen Enttäuschung - ein schöner Tag, an dem es bestimmt nicht langweilig wird. Und mein Nachbar bekommt jetzt ganz bestimmt kein Brennholz mehr von mir.
LG Nicole
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