Schubladen und so...
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Maximiliana
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Schubladen und so...
...hallo zusammen.
Heute hat mich eine Frage beschäftigt, die - wie unschwer am Thementitel zu erkennen, um Schubladen, genauer , das denken in solchen, ihr wisst was ich meine ?! - handelt.
Im besonderen , wenn wir Menschen kennen lernen.
Oft wird verlangt, oder gewunschen, dass wir als Menschen untereinander, das ewige denken und einsortieren der Menschen in gewisse Kategorien und - eben diese Schubladen - ja irgendwie auch nur ein anderes Wort für Kategorie?! - egal, uns abgewöhnen , versuchen, nein es eine Selbstverständlichkeit wird, dass wir, wenn wir z.B. einen neuen Menschen kennenlernen, diesen nicht sofort in irgendeine Schublade versuchen zu stecken und einfach als Mensch sehen, ich denke und meine damit besonders das Geschlecht !
Soweit - schön und gut, da bin ich grundsätzlich voll dabei, wenn es darum geht, erstmal den Menschen selber versuchen kennenzulernen ohne sofort anzufangen seine für sich angelegten ,im Laufe des Lebens und der Entwicklung des eigenen ichs angelegte Schubladen zu füllen und vorschnell über einen Menschen zu urteilen , eben auch wenn es darum geht, Männlein oder Weiblein? - oder doch was ganz anderes ?!
So und da fängt es an, wie soll ich bitte leben und denken ohne jedwelche Schubladen/Kategorien zu bedienen um Menschen - und das könnte ich sicher noch auf ganz viele andere Bereiche im Leben erweitern - irgendwie einzuschätzen? Dennn selbst das Wort einordnen , bedeutet für mich ja schon etwas irgendwo "geordent" reinzupacken , z.B. eben eine "Schublade"!?
Sprich, es geht doch gar nicht anderst, also so zu denken !? - im Umkehrschluss, bedeutet das für mich, dass mich meine Mitmenschen nicht sofort als das was ich mich fühle und bin, sofort sehen und "einordnen" können und ich das ihnen Überhaupt nicht krumm nehmen darf !! - wenn die einen mal wieder mit falschem Pronomen ansprechen , denn wenn mir jemand , so wie ich eben hier sitze begegnet, ordnet dieser mich zu 100% erstmals unter den Männer ein !
Einfach gesagt, wir sollten niemanden verurteilen, wenn dieser offensichtlich erstmal sämtliche Schubladen bedient ?!
Was will ich mit diesem Fred überhaupt sagen, oder wissen, da dieses Thema ja hier und da schon mal angesprochen wurde und es dazu auch Meinungen gab ?!
Nun als erstes würden mich dazu einfach eure Gedanken interessieren und zum zweiten,
Finde ich, sollte man , wenn man mal wieder mit dem falschen Pronomen angesprochen wurde ,oder meinetwegen auch angeschrieben wurde ( wobei das noch zu differenzieren wäre) , nicht immer gleich sich angegriffen fühlen sollte ,nicht verletzt werden dadurch, sondern es einfach als gegeben nehmen und darüber hinwegsehen und stehen, denn so mancher würde vllt anderst denken , würde dieser Mensch uns "(besser)kennen."
,wobei, wie gesagt ohne Schubladen und Kategorien, denke ich, funktioniert unser denken doch überhaupt nicht?!
Oder gibt es da eine mir gänzlich andere und unbekannte Form des Denkens ohne irgendwelche "Schubladen" ?
So....jetzt...
Liebe Grüße Maxime
Heute hat mich eine Frage beschäftigt, die - wie unschwer am Thementitel zu erkennen, um Schubladen, genauer , das denken in solchen, ihr wisst was ich meine ?! - handelt.
Im besonderen , wenn wir Menschen kennen lernen.
Oft wird verlangt, oder gewunschen, dass wir als Menschen untereinander, das ewige denken und einsortieren der Menschen in gewisse Kategorien und - eben diese Schubladen - ja irgendwie auch nur ein anderes Wort für Kategorie?! - egal, uns abgewöhnen , versuchen, nein es eine Selbstverständlichkeit wird, dass wir, wenn wir z.B. einen neuen Menschen kennenlernen, diesen nicht sofort in irgendeine Schublade versuchen zu stecken und einfach als Mensch sehen, ich denke und meine damit besonders das Geschlecht !
Soweit - schön und gut, da bin ich grundsätzlich voll dabei, wenn es darum geht, erstmal den Menschen selber versuchen kennenzulernen ohne sofort anzufangen seine für sich angelegten ,im Laufe des Lebens und der Entwicklung des eigenen ichs angelegte Schubladen zu füllen und vorschnell über einen Menschen zu urteilen , eben auch wenn es darum geht, Männlein oder Weiblein? - oder doch was ganz anderes ?!
So und da fängt es an, wie soll ich bitte leben und denken ohne jedwelche Schubladen/Kategorien zu bedienen um Menschen - und das könnte ich sicher noch auf ganz viele andere Bereiche im Leben erweitern - irgendwie einzuschätzen? Dennn selbst das Wort einordnen , bedeutet für mich ja schon etwas irgendwo "geordent" reinzupacken , z.B. eben eine "Schublade"!?
Sprich, es geht doch gar nicht anderst, also so zu denken !? - im Umkehrschluss, bedeutet das für mich, dass mich meine Mitmenschen nicht sofort als das was ich mich fühle und bin, sofort sehen und "einordnen" können und ich das ihnen Überhaupt nicht krumm nehmen darf !! - wenn die einen mal wieder mit falschem Pronomen ansprechen , denn wenn mir jemand , so wie ich eben hier sitze begegnet, ordnet dieser mich zu 100% erstmals unter den Männer ein !
Einfach gesagt, wir sollten niemanden verurteilen, wenn dieser offensichtlich erstmal sämtliche Schubladen bedient ?!
Was will ich mit diesem Fred überhaupt sagen, oder wissen, da dieses Thema ja hier und da schon mal angesprochen wurde und es dazu auch Meinungen gab ?!
Nun als erstes würden mich dazu einfach eure Gedanken interessieren und zum zweiten,
Finde ich, sollte man , wenn man mal wieder mit dem falschen Pronomen angesprochen wurde ,oder meinetwegen auch angeschrieben wurde ( wobei das noch zu differenzieren wäre) , nicht immer gleich sich angegriffen fühlen sollte ,nicht verletzt werden dadurch, sondern es einfach als gegeben nehmen und darüber hinwegsehen und stehen, denn so mancher würde vllt anderst denken , würde dieser Mensch uns "(besser)kennen."
,wobei, wie gesagt ohne Schubladen und Kategorien, denke ich, funktioniert unser denken doch überhaupt nicht?!
Oder gibt es da eine mir gänzlich andere und unbekannte Form des Denkens ohne irgendwelche "Schubladen" ?
So....jetzt...
Liebe Grüße Maxime
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Re: Schubladen und so...
Liebe Maxime,
ich denke wahrscheinlich auch viel zu viel in Schubladen.
Allein wo ich mich verorte ist doch schon wieder eine Schublade..., und ähnlich wie Anja das mal schrieb hüpf ich von der einen in eine andere.
Das mit dem Misgendern sehe ich wie du - es kommt immer darauf an in welchem Konsenz das passiert.
Auch meine eigene Verfassung spielt mir da ab und zu Streiche - reagiere zu hart wo weich besser wäre.
Nicht verrückt machen lassen ist die Devise.
Liebe Grüße
Lisa
ich denke wahrscheinlich auch viel zu viel in Schubladen.
Allein wo ich mich verorte ist doch schon wieder eine Schublade..., und ähnlich wie Anja das mal schrieb hüpf ich von der einen in eine andere.
Das mit dem Misgendern sehe ich wie du - es kommt immer darauf an in welchem Konsenz das passiert.
Auch meine eigene Verfassung spielt mir da ab und zu Streiche - reagiere zu hart wo weich besser wäre.
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Re: Schubladen und so...
Hallo Lisa und danke für deine AntwortLisa-Weber hat geschrieben: Do 16. Apr 2020, 20:13 Liebe Maxime,
ich denke wahrscheinlich auch viel zu viel in Schubladen.
Allein wo ich mich verorte ist doch schon wieder eine Schublade...
Liebe Grüße
Lisa
Ja ,genau das meine ich, unser denken funktioniert doch gar nicht ohne Schubladen ?! ,wieso also sollte ich jemanden verurteilen oder diesen meine .Missgunst spüren lassen, bedient dieser sich wieder etwas zu sehr eben dieser Schubladen, oder Missgendert ?!
Mehr als im Nachhinein aufklären ,können wir doch nicht?!
Liebe Grüße Maxi
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Svetlana L
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Re: Schubladen und so...
Wichtig ist es, dass wir uns immer wieder bewusst machen, dass wir in solchen Schubladen denken - das ist der erste Schritt "zur Besserung"
Wie heißt es doch so schön: "Diversity is not about the others, Diversity is about you" (Bei Diversity geht es nicht um die anderen, bei Diversity geht es um dich)
Wenn das jede_r beherzigen würde, dann wären wir einen großen Schritt weiter.
Und zum Thema Pronomen: Firma Berger hat meinen neuen Namen noch vor der offiziellen Änderung geändert. Seitdem bekomme ich regelmäßig Werbung an Herrn Svetlana L... Irgendwie stört mich das gar nicht mehr und bei Gelegenheit werde ich das mal ändern lassen (nein, natürlich nicht in Frau Thomas L...
)
Wie heißt es doch so schön: "Diversity is not about the others, Diversity is about you" (Bei Diversity geht es nicht um die anderen, bei Diversity geht es um dich)
Wenn das jede_r beherzigen würde, dann wären wir einen großen Schritt weiter.
Und zum Thema Pronomen: Firma Berger hat meinen neuen Namen noch vor der offiziellen Änderung geändert. Seitdem bekomme ich regelmäßig Werbung an Herrn Svetlana L... Irgendwie stört mich das gar nicht mehr und bei Gelegenheit werde ich das mal ändern lassen (nein, natürlich nicht in Frau Thomas L...
Hawadehre
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Re: Schubladen und so...
Auch das ist mir schon passiert, heute lach ich drüber
lisa
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Re: Schubladen und so...
Wäre aber sauwitzig - irgendwieSvetlana L hat geschrieben: Do 16. Apr 2020, 20:22
Und zum Thema Pronomen: Firma Berger hat meinen neuen Namen noch vor der offiziellen Änderung geändert. Seitdem bekomme ich regelmäßig Werbung an Herrn Svetlana L... Irgendwie stört mich das gar nicht mehr und bei Gelegenheit werde ich das mal ändern lassen (nein, natürlich nicht in Frau Thomas L...)
Lg Maxi
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Nicole Fritz
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Re: Schubladen und so...
Hallo,
... Mal wieder dieses endlose Thema. - Irgendwie müssen wir doch die Welt ordnen oder sortieren, wenn wir darin zurecht kommen wollen. - Ich lande inzwischen meistens in der Schublade 'Transfrau' - oder 'Transvestit', der dann "natürlich" als Mann angesprochen wird.
Bei meinem Nachbarn ist es so: Wenn der wieder einmal mit seiner Frau Streit hat, und er sich ausweinen möchte, geht er zu Nicole. Ist er aber irgendwie nicht gut auf mich zu sprechen, bin ich wieder Klaus. Mit so einem*r Enby ist das wohl praktisch. Da kann man immer die Schublade wählen, die gerade angemessen erscheint.
LG Nicole
... Mal wieder dieses endlose Thema. - Irgendwie müssen wir doch die Welt ordnen oder sortieren, wenn wir darin zurecht kommen wollen. - Ich lande inzwischen meistens in der Schublade 'Transfrau' - oder 'Transvestit', der dann "natürlich" als Mann angesprochen wird.
Bei meinem Nachbarn ist es so: Wenn der wieder einmal mit seiner Frau Streit hat, und er sich ausweinen möchte, geht er zu Nicole. Ist er aber irgendwie nicht gut auf mich zu sprechen, bin ich wieder Klaus. Mit so einem*r Enby ist das wohl praktisch. Da kann man immer die Schublade wählen, die gerade angemessen erscheint.
LG Nicole
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Re: Schubladen und so...
Andererseits war heute im Tagesspiegel ein Artikel über die Queerpolitik der Berliner Bezirke. Da stand dann u.a., dass sich nur Tempelhof-Schöneberg einen Queer-Beauftragten leistet. Da habe ich dann den Redakteur angeschrieben und darauf hingewiesen, dass Tempelhof-Schöneberg sich eine Queer-Beauftragte leistet. Prompt kam eine Entschuldigung und der Artikel wurde geändert. Manchmal kann ich aber auch empfindlich sein ... 
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Maximiliana
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Re: Schubladen und so...
Hallo Nicole und merci für deine Antwort.Nicole Doll hat geschrieben: Do 16. Apr 2020, 20:33 Hallo,
... Mal wieder dieses endlose Thema.
LG Nicole
Ja, damit hast du wohl recht - und trotzdem, gibt es vllt noch die ein oder andere Antwort, die mir neue Denkansätze bieten könnte
Und wenn nicht, ist es auch überhaupt nicht schlimm ;*
Lg Maxi
P.S. ...ich mein, unser aller Denken ist doch irgendwo endlich, in einen gewissen Rahmen gepackt ?! Sprich ich kann mir gar kein denken ohne Schubladen vorstellen, wie soll das aussehen, das "völlig freie denken" ? Für mich wäre das nur noch Matsch und nichts definiertes mehr O.o...also ich Brauch schon auch erstmal Eckpunkte um mich zu orientieren...
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Michaela Smile
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Re: Schubladen und so...
Du hast wohl recht, wenn du der Meinung bist das es ohne Schubladendenken gar nicht geht.
Irgendwie machen wir das doch alle ganz unbewusst. Nenn es Schubladen denken, oder Einordnen, oder vergleichen.....
irgendwie vergleichen wir doch alles was wir sehen, mit irgendetwas das wir schon kennen, und bilden uns dann eine Meinung dazu.
Ist ja auch nicht schlecht, so funktioniert das Miteinander nunmal. Und es kommt ja nicht selten vor das sich die Meinungen öfters ändern, also die Schubladen umsorstiert werden.
was mich eher stört ist der "Wert" dieser Schubladen. und damit eben das daraus resultierende "Ansehen" "Wertschätzung"
ich versuch mal ein Beispiel:
wenn mich jemand en femme sehen würde wäre vermutlich der Gedanke und die Schublade "Mann in Frauenklamotten" - ok, wenns nur das wäre damit könnte ich leben.
aber vermutlich käme direkt die nächste Unterschublade" ... vermutlich schwul.." - ok, ich glaube auch damit könnte ich klar kommen...
direkt die nächste Unterschublade wäre wahrscheinlich " ..nicht normal / lachhaft" - und damit hätte ich dann schon Probleme
daraus folgt dann die Schublade " Mann in Frauenklamotten - nicht zurechnungsfähig etc" und damit bin ich dann überhaupt nicht einverstanden, und vor dieser einordnung hab ich dann sogar Bammel .warum weis ich nicht, könnte mir ja eigentlich auch egal sein, aber ich schiebe denjenigen auch sofort in die Schublade das er vermulich mich so einordnen wird. (obwohl vielleicht nur die erste Schublade bedient wird...)
wie gesagt, nur der Versuch eines Beispiels, das aber mit Sicherheit bei einigen Schubladendenkern in der freien Wildbahn so, oder so ähnlich abläuft.
Irgendwie machen wir das doch alle ganz unbewusst. Nenn es Schubladen denken, oder Einordnen, oder vergleichen.....
irgendwie vergleichen wir doch alles was wir sehen, mit irgendetwas das wir schon kennen, und bilden uns dann eine Meinung dazu.
Ist ja auch nicht schlecht, so funktioniert das Miteinander nunmal. Und es kommt ja nicht selten vor das sich die Meinungen öfters ändern, also die Schubladen umsorstiert werden.
was mich eher stört ist der "Wert" dieser Schubladen. und damit eben das daraus resultierende "Ansehen" "Wertschätzung"
ich versuch mal ein Beispiel:
wenn mich jemand en femme sehen würde wäre vermutlich der Gedanke und die Schublade "Mann in Frauenklamotten" - ok, wenns nur das wäre damit könnte ich leben.
aber vermutlich käme direkt die nächste Unterschublade" ... vermutlich schwul.." - ok, ich glaube auch damit könnte ich klar kommen...
direkt die nächste Unterschublade wäre wahrscheinlich " ..nicht normal / lachhaft" - und damit hätte ich dann schon Probleme
daraus folgt dann die Schublade " Mann in Frauenklamotten - nicht zurechnungsfähig etc" und damit bin ich dann überhaupt nicht einverstanden, und vor dieser einordnung hab ich dann sogar Bammel .warum weis ich nicht, könnte mir ja eigentlich auch egal sein, aber ich schiebe denjenigen auch sofort in die Schublade das er vermulich mich so einordnen wird. (obwohl vielleicht nur die erste Schublade bedient wird...)
wie gesagt, nur der Versuch eines Beispiels, das aber mit Sicherheit bei einigen Schubladendenkern in der freien Wildbahn so, oder so ähnlich abläuft.
Michaela
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bunt ist das dasein......und granatenstark!
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Marielle
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Re: Schubladen und so...
Guten Abend zusammen,
ich möchte auf den Beitrag von Michaela Bezug nehmen, ihn aber nicht zitieren, weil mein Beitrag KEIN Widerwort, sondern meine Vorstellung von der Sache ist.
Es wird im Beitrag geschrieben, dass es Schubladen gibt, die falsch sind und vor denen man sich fürchtet. Das denke ich auch. Kurz vorher steht, das Schubladen 'nicht schlecht' sind. Das verstehe ich nicht. Etwas, vor dem man sich fürchtet oder etwas durch das man oberflächlich und, vor allem anderen, anhand irrelevanter Kriterien falsch und abwertend beschrieben wird, soll nicht schlecht sein? Ich finde, sowas ist sogar sehr schlecht.
Ich bin der Meinung, dass es ohne übermässig differenzierte Schubladen geht. Es ist mühsamer, anstrengender, langwieriger; aber es geht. Es reicht, jemanden dem man begegnet in die Schublade 'gewaltfreier Mensch' zu sortieren und sich dann den individuellen Eigenschaften dieses Menschen anzunähern, finde ich. Ich glaub nicht, dass es nicht ohne differenziertere Schubladen geht, die zunächst völlig belanglose Eigenschaften zu wichtigen Sortierkriterien erheben. Man müsste es halt nur mal ausprobieren; so als Gesellschaft oder als Teil davon.
Habt es gut
Marielle
PS: Letzten Herbst sass ich vor dem Hauptbahnhof in Berlin auf einem dieser Granitwürfel, die da rumstehen und wartete auf meinen Zug. Es kam ein Mensch auf mich zu; dunkle Haut, seeehr coole Klamotten, äusserst selbstbewusste Haltung. Er hob die Faust vor mir.
In wieviele Schubladen, vor denen man Angst haben kann, hätte der womöglich gepasst?
"Schwule, Schwarze und Behinderte müssen zusammenhalten!" sagte er, mit erhobener Faust, und lachte mich an.
Bloss gut, dass es die Schublade 'Aggressor' gibt. Die ist wichtig. In die passte der aber wirklich nicht rein.
ich möchte auf den Beitrag von Michaela Bezug nehmen, ihn aber nicht zitieren, weil mein Beitrag KEIN Widerwort, sondern meine Vorstellung von der Sache ist.
Es wird im Beitrag geschrieben, dass es Schubladen gibt, die falsch sind und vor denen man sich fürchtet. Das denke ich auch. Kurz vorher steht, das Schubladen 'nicht schlecht' sind. Das verstehe ich nicht. Etwas, vor dem man sich fürchtet oder etwas durch das man oberflächlich und, vor allem anderen, anhand irrelevanter Kriterien falsch und abwertend beschrieben wird, soll nicht schlecht sein? Ich finde, sowas ist sogar sehr schlecht.
Ich bin der Meinung, dass es ohne übermässig differenzierte Schubladen geht. Es ist mühsamer, anstrengender, langwieriger; aber es geht. Es reicht, jemanden dem man begegnet in die Schublade 'gewaltfreier Mensch' zu sortieren und sich dann den individuellen Eigenschaften dieses Menschen anzunähern, finde ich. Ich glaub nicht, dass es nicht ohne differenziertere Schubladen geht, die zunächst völlig belanglose Eigenschaften zu wichtigen Sortierkriterien erheben. Man müsste es halt nur mal ausprobieren; so als Gesellschaft oder als Teil davon.
Habt es gut
Marielle
PS: Letzten Herbst sass ich vor dem Hauptbahnhof in Berlin auf einem dieser Granitwürfel, die da rumstehen und wartete auf meinen Zug. Es kam ein Mensch auf mich zu; dunkle Haut, seeehr coole Klamotten, äusserst selbstbewusste Haltung. Er hob die Faust vor mir.
In wieviele Schubladen, vor denen man Angst haben kann, hätte der womöglich gepasst?
"Schwule, Schwarze und Behinderte müssen zusammenhalten!" sagte er, mit erhobener Faust, und lachte mich an.
Bloss gut, dass es die Schublade 'Aggressor' gibt. Die ist wichtig. In die passte der aber wirklich nicht rein.
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.
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Jasmine
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Re: Schubladen und so...
Schubladen ist ja gut und schön. Was ist mit den Menschen die in mehrere Schubladen passen oder in gar keine?
Ich denke da lieber anders und sehe den Menschen in die Augen - die Fenster der Seele und des Herzens. Dann verlasse ich mich auf mein Gefühl.
Warum sollte mich das Geschlecht eines Menschen interessieren?
Ist es wichtig, wenn ich mich mit einem Menschen über Kochen, Schminken, Politik oder Kleidung unterhalte?
Ich bin eine Frau, weiblich mit kleinen noch zu ändernden Punkten (Gaop) und passe wahrscheinlich in mehrere Schubladen. Macht also ein Schubladendenken überhaupt Sinn?
Liebe Grüße Jasmine
Ich denke da lieber anders und sehe den Menschen in die Augen - die Fenster der Seele und des Herzens. Dann verlasse ich mich auf mein Gefühl.
Warum sollte mich das Geschlecht eines Menschen interessieren?
Ist es wichtig, wenn ich mich mit einem Menschen über Kochen, Schminken, Politik oder Kleidung unterhalte?
Ich bin eine Frau, weiblich mit kleinen noch zu ändernden Punkten (Gaop) und passe wahrscheinlich in mehrere Schubladen. Macht also ein Schubladendenken überhaupt Sinn?
Liebe Grüße Jasmine
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Maximiliana
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Re: Schubladen und so...
Hallo und danke für eure AntwortenJasmine hat geschrieben: Fr 17. Apr 2020, 07:11 Schubladen ist ja gut und schön. Was ist mit den Menschen die in mehrere Schubladen passen oder in gar keine?
Ich denke da lieber anders und sehe den Menschen in die Augen - die Fenster der Seele und des Herzens. Dann verlasse ich mich auf mein Gefühl.
Warum sollte mich das Geschlecht eines Menschen interessieren?
Ist es wichtig, wenn ich mich mit einem Menschen über Kochen, Schminken, Politik oder Kleidung unterhalte?
Ich bin eine Frau, weiblich mit kleinen noch zu ändernden Punkten (Gaop) und passe wahrscheinlich in mehrere Schubladen. Macht also ein Schubladendenken überhaupt Sinn?
Liebe Grüße Jasmine
Ich möchte jetzt nicht alles zitieren, da ich dazu gerade auch gar nicht die Zeit habe.
Gut , da bin ich soweit bei dir Jasmine, mir ist das Geschlecht völlig egal bei meinem Gegenüber und ich versuche natürlich den Menschen hinter der "Fassade-Körper" kennenzulernen.
Bei Begrüßungen , weiß ich hinterher in den allerseltensten Fällen danach den Namen, da ich eben auch in die " Fenster der Seele " blicke und auf Reaktionen und Ausdruck achte um einzuschätzen wie die Person mir gegenüber gesonnen ist.
Ich möchte dieses Schubladendenken auch gar nicht explizit nur bei den Geschlechtern diskutieren, auch wenn ich oben erwähnte "insbesondere das Geschlecht" .
Wir versuchen doch jede Situation irgendwie und irgendwo einzuordnen?! Was für mich bedeutet, die Situation, Person oder was such immer erstmal in eine Schublade zu packen, welche natürlich auch wieder verlassen werden kann.
Begegne ich jemand Fremden z.B. ist es doch erstmal wichtig - Freund oder Feind ?! Sprich ich packe den Menschen doch sofort in irgendeine Schublade um für mich überhaupt grob einschätzen zu können wen ich da vor mir habe, möchte die Person was böses, ist sie nir wohlgesonnen , ist ja nur eine ganz grobe Kategorie, dann kommen Auftreten , Gestik, Mimik, vllt auch die Kleidung, wie gepflegt ist jemand , die Stimme...usw und ja so ganz unwichtig ist da das Geschlecht vllt tatsächlich gar nicht, denn von einem Mann geht vllt eine ganz andere Bedrohung aus , als von einer Frau ?!
Selbstverständlich gibt es ganz ganz viele diverse Menschen und das ist toll, gut und wichtig und richtig, diese auch so zu respektieren ,wie alle anderen auch, wieso auch nicht, da wird es in der Tat schwierig mit den Schubladen und vllt deshalb sind viele da sehr verunsichert, lernen sie solche Menschen kennen und wissen nicht wie sie damit umgehen sollen , da funktioniert unser normales gewohntes denken und einschätzen nicht mehr so gut.
Aber wenn das Geschlecht doch so unwichtig ist, wieso sind dann viele verletzt , werden sie falsch gegendert und angesprochen? Sollte wir alle erstmal Geschlechtsneutral ansprechen ,bis wir gesagt bekommen ,wie diejenige Person angesprochen werden möchte?
Ich denke immer noch, dass unser denken gar nicht anderst funktionieren kann, wir können unsere Schubladen so gestalten, dass vieles Platz in einer hat und nicht immer muss das denken negativ belastet sein.
Ja, wir sollten versuchen nicht immer das schlechte zu sehen, was aber nichts daran ändert, dass man schon immer dazu geneigt ist für sich irgendwelche Schubladen zu bedienen um zu verstehen?! Zumindest geht es mir so.
LG Maxime
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rika
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Re: Schubladen und so...
Ihr Lieben,
Schubladen können auch für Ordnung sorgen und gleichzeitig Inhalte unsichtbar und doch überschaubar machen. Aber manche sind bis oben voll mit all dem Krusch, den man nicht (mehr) sehen will.
Ich versuche mal, den Bogen von den dinglichen auf die "Kopfschubladen" zu spannen und erinnere mich an einen Spruch eines gebildeten Menschen: "Behalten Sie sich Ihre gesunden Vorurteile, das kann oft hilfreich sein". Die geistigen Schubladen ähneln manchmal den "Kasten" (nicht Kästen!), wie sie in Indien vorhanden sind. Diese haben wir aber auch hier: die politischen, weltanschaulich-religiösen, traditionsbewussten und modernen und was auch immer. Sie sind vielleicht wichtig für die Ordnung im Kopf - auch wenn sie voller Krusch und Altem sind; das nennt man Erinnerungen.
Ich wohne seit drei Wochen in einem Mehrfamilienhaus - eine neue Erfahrung nach 31 Jahren im eigenen Heim. Die ersten Unterhaltungen mit den Mitbewohnern öffnen die ersten Schubladen: der Mann in der Wohnung über mir war 36 Jahre Bademeister und ist eher ein Mensch der Ordnung, wie sie nun mal früher in den Freibädern vorhanden war. Politisch ordne ich ihn in die Schublade "rechts" ein. Sein Schwager wirkt etwas naiv und sagte gleich: "ich bin der Stefan". Schublade auf: "der ist einfach."
Dann habe ich aus der Vergangenheit selbstverständlich auch noch die Schubladen "tolerant und weltoffen = Du kannst immer kommen, egal wie du aussiehst", "ist ok, aber exotisch", "naja, ist schon seltsam und dein Bruder möchte es nicht sehen" und noch einige mehr. Ich war bei diesen Menschen in ihren Schubladen und sie in meinen.
Meine neuen Mitbewohner werden wahrscheinlich eine neue Schublade zimmern müssen: rika. Und wenn nicht, habe ich keine bei ihnen, sie aber eine zusätzliche bei mir.
rika
Schubladen können auch für Ordnung sorgen und gleichzeitig Inhalte unsichtbar und doch überschaubar machen. Aber manche sind bis oben voll mit all dem Krusch, den man nicht (mehr) sehen will.
Ich versuche mal, den Bogen von den dinglichen auf die "Kopfschubladen" zu spannen und erinnere mich an einen Spruch eines gebildeten Menschen: "Behalten Sie sich Ihre gesunden Vorurteile, das kann oft hilfreich sein". Die geistigen Schubladen ähneln manchmal den "Kasten" (nicht Kästen!), wie sie in Indien vorhanden sind. Diese haben wir aber auch hier: die politischen, weltanschaulich-religiösen, traditionsbewussten und modernen und was auch immer. Sie sind vielleicht wichtig für die Ordnung im Kopf - auch wenn sie voller Krusch und Altem sind; das nennt man Erinnerungen.
Ich wohne seit drei Wochen in einem Mehrfamilienhaus - eine neue Erfahrung nach 31 Jahren im eigenen Heim. Die ersten Unterhaltungen mit den Mitbewohnern öffnen die ersten Schubladen: der Mann in der Wohnung über mir war 36 Jahre Bademeister und ist eher ein Mensch der Ordnung, wie sie nun mal früher in den Freibädern vorhanden war. Politisch ordne ich ihn in die Schublade "rechts" ein. Sein Schwager wirkt etwas naiv und sagte gleich: "ich bin der Stefan". Schublade auf: "der ist einfach."
Dann habe ich aus der Vergangenheit selbstverständlich auch noch die Schubladen "tolerant und weltoffen = Du kannst immer kommen, egal wie du aussiehst", "ist ok, aber exotisch", "naja, ist schon seltsam und dein Bruder möchte es nicht sehen" und noch einige mehr. Ich war bei diesen Menschen in ihren Schubladen und sie in meinen.
Meine neuen Mitbewohner werden wahrscheinlich eine neue Schublade zimmern müssen: rika. Und wenn nicht, habe ich keine bei ihnen, sie aber eine zusätzliche bei mir.
rika
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Jaddy
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Re: Schubladen und so...
Moin Maxime,
Deinen Beobachtungen kann ich schon zustimmen. Wir haben diese spontanen Einordnungsreflexe und zwar zu sehr vielen SIgnalen von anderen Menschen, nicht nur was Gender und andere Koordinaten von Geschlechtlichkeit betrifft. Diese Beobachtung führt aber häufig zu zwei falschen Schlussfolgerungen. Erstens, dass diese Zuschreibungen irgendwie "natürlich" seien. Das sind sie nicht, weil nicht irgendwo genetisch festgeschrieben, sondern kulturell erlernt(1). Zweitens, dass sie unveränderlich seien. Das sind sie auch nicht. Wir können jederzeit lernen, dass unsere Annahmen zu einem Menschen oder die Pauschalisierung einer Merkmalsgruppe falsch war und sie anpassen. Ins positive oder auch negative.
Wir haben schon ganz andere Reflexe gezähmt und gesellschaftskompatibel bekommen. Zum Beispiel Aggressionen freien Lauf zu lassen und allen spontan auf die Omme zu hauen, die uns irgendwie quer kommen. Bei den meisten wirkt da nicht nur die Angst vor Strafe, sondern auch eine gewisse Einsicht, dass das ungebremste Recht des Stärkeren schnell zu einer generell unangenehmen Welt führen würde.
Natürlich ist die eigene Tendenz zur Schubladisierung für 1 selbst meist kein Problem. Macht das Leben ja praktisch, selbst wenn die eigenen Vorurteile häufig daneben liegen. Was 1 durch falsche Zuschreibung mglw verpasst, kriegt 1 selbst ja in der Regel gar nicht mit, es sei denn, die anderen, die Schubladisierten beschweren sich. Denn das eigentliche Problem betrifft ja die anderen, wenn aus der eignen Zu-ordnung eine Zu-schreibung wird und eigenes Verhalten den anderen gegenüber entsprechend "falsch" ist, sie unfaire Ablehnung zu spüren bekommen ihnen irgendwas nicht zugetraut wird, Fähigkeiten abgesprochen, negatives unterstellt, usw. Übrigens auch falsche Anforderungen wie "als Mann/Frau musst du dies-oder-jenes tun/fühlen".
tl;dr Vorurteile sind Teil des Lebens, teilweise sinnvoll, aber gleichzeitig Verpflichtung, sie ständig zu überprüfen, zu hinterfragen und sowohl im Einzelfall, als auch generell anzupassen. Jegliche Apologetik "naturgegebener Vorurteile" ist meiner Ansicht nach im Kern menschenfeindlich. Wobei ich nicht unterstellen möchte, dass du das so gemeint hast.
Nachsatz 1 zu "diversen Menschen": Ich vermute, du meinst damit nicht-binäre. "Divers" ist eine Sammelbezeichnung der Bürokratie, die ich nur sehr zähneknirschend akzeptiere. In diesem Fall, als Gendermarker, bedeutet es "abweichend". Das ist das Gegenteil einer Gleichstellung.
Nachsatz 2: Ja, ich persönlich fände es tatsächlich toll, wenn generell jede Person solange neutral angesprochen, oder über sie gesprochen würde, bis sie selbst Pronomen und grammatikalische Form erklärt hat. Auch wenn nicht mehr von "Lehrerinnen und Lehrern" geredet würde, sondern viel kürzer, einfacher und inklusiver von "Lehrer"¢innen" (oder mit '*' oder '_' oder ':'). Und noch toller fände ich, wenn generell die persönlichen Fähigkeiten und Interessen respektiert würden, statt sie (meist) fehlerhaft aus körperlichen Features oder Kleidung zu schlussfolgern. Denn das ist, was mich eigentlich an Anreden und Pronomen aufregt, dass bei 95% aller Menschen automatisch der ganze Rattenschwanz an genderisiertem Zeugs direkt hinterher kommt.
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(1) ich weiss: Ja, die allermeisten Menschen unterscheiden auf Anhieb "männlich" und "weiblich". Aber wie stark wir es wahrenehmen und was daraus folgt, zum Beispiel andere Umgangsformen, andere Sprache, Annahmen über Fähigkeiten, usw. das ist kulturell geprägt - und kann durch eigene Anstrengung verändert werden.
Deinen Beobachtungen kann ich schon zustimmen. Wir haben diese spontanen Einordnungsreflexe und zwar zu sehr vielen SIgnalen von anderen Menschen, nicht nur was Gender und andere Koordinaten von Geschlechtlichkeit betrifft. Diese Beobachtung führt aber häufig zu zwei falschen Schlussfolgerungen. Erstens, dass diese Zuschreibungen irgendwie "natürlich" seien. Das sind sie nicht, weil nicht irgendwo genetisch festgeschrieben, sondern kulturell erlernt(1). Zweitens, dass sie unveränderlich seien. Das sind sie auch nicht. Wir können jederzeit lernen, dass unsere Annahmen zu einem Menschen oder die Pauschalisierung einer Merkmalsgruppe falsch war und sie anpassen. Ins positive oder auch negative.
Wir haben schon ganz andere Reflexe gezähmt und gesellschaftskompatibel bekommen. Zum Beispiel Aggressionen freien Lauf zu lassen und allen spontan auf die Omme zu hauen, die uns irgendwie quer kommen. Bei den meisten wirkt da nicht nur die Angst vor Strafe, sondern auch eine gewisse Einsicht, dass das ungebremste Recht des Stärkeren schnell zu einer generell unangenehmen Welt führen würde.
Natürlich ist die eigene Tendenz zur Schubladisierung für 1 selbst meist kein Problem. Macht das Leben ja praktisch, selbst wenn die eigenen Vorurteile häufig daneben liegen. Was 1 durch falsche Zuschreibung mglw verpasst, kriegt 1 selbst ja in der Regel gar nicht mit, es sei denn, die anderen, die Schubladisierten beschweren sich. Denn das eigentliche Problem betrifft ja die anderen, wenn aus der eignen Zu-ordnung eine Zu-schreibung wird und eigenes Verhalten den anderen gegenüber entsprechend "falsch" ist, sie unfaire Ablehnung zu spüren bekommen ihnen irgendwas nicht zugetraut wird, Fähigkeiten abgesprochen, negatives unterstellt, usw. Übrigens auch falsche Anforderungen wie "als Mann/Frau musst du dies-oder-jenes tun/fühlen".
tl;dr Vorurteile sind Teil des Lebens, teilweise sinnvoll, aber gleichzeitig Verpflichtung, sie ständig zu überprüfen, zu hinterfragen und sowohl im Einzelfall, als auch generell anzupassen. Jegliche Apologetik "naturgegebener Vorurteile" ist meiner Ansicht nach im Kern menschenfeindlich. Wobei ich nicht unterstellen möchte, dass du das so gemeint hast.
Nachsatz 1 zu "diversen Menschen": Ich vermute, du meinst damit nicht-binäre. "Divers" ist eine Sammelbezeichnung der Bürokratie, die ich nur sehr zähneknirschend akzeptiere. In diesem Fall, als Gendermarker, bedeutet es "abweichend". Das ist das Gegenteil einer Gleichstellung.
Nachsatz 2: Ja, ich persönlich fände es tatsächlich toll, wenn generell jede Person solange neutral angesprochen, oder über sie gesprochen würde, bis sie selbst Pronomen und grammatikalische Form erklärt hat. Auch wenn nicht mehr von "Lehrerinnen und Lehrern" geredet würde, sondern viel kürzer, einfacher und inklusiver von "Lehrer"¢innen" (oder mit '*' oder '_' oder ':'). Und noch toller fände ich, wenn generell die persönlichen Fähigkeiten und Interessen respektiert würden, statt sie (meist) fehlerhaft aus körperlichen Features oder Kleidung zu schlussfolgern. Denn das ist, was mich eigentlich an Anreden und Pronomen aufregt, dass bei 95% aller Menschen automatisch der ganze Rattenschwanz an genderisiertem Zeugs direkt hinterher kommt.
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(1) ich weiss: Ja, die allermeisten Menschen unterscheiden auf Anhieb "männlich" und "weiblich". Aber wie stark wir es wahrenehmen und was daraus folgt, zum Beispiel andere Umgangsformen, andere Sprache, Annahmen über Fähigkeiten, usw. das ist kulturell geprägt - und kann durch eigene Anstrengung verändert werden.