Hi,
die Ausgangsbeschränkungen finde ich zwar unangenehm, aber eigentlich ganz erträglich. Ich selber bin dank Corona ohne Arbeit und das ist eigentlich angesichts der vielen täglichen Kontakte, die ich bei der Arbeit zu wildfremden Menschen habe, ohne an Sicherheitsabstand von 1,5 m einzuhalten zu können, auch ganz gut so. Sozusagen angesichts der ansteckungsgefahr von anderen als auch der unbewussten Weitergabe des Virus an sich ist das Zuhausebleiben das kleinere Übel. Ich finde es leichter zu ertragen,,wenn Veranstaltungen, zu denen ich gerne hin gehen würde, gleich ganz ausfallen als wenn ich wegen der Ansteckkungsgefahr mich selber entscheiden und verteidigen muss, warum ich in der Freizeit nicht auch noch meine besten Freunde anstecken will.
Ich habe Zeit zu lesen und nach serösen Berichten rund um Corona im Netz zu lesen. Ja, die tiefschürfenden informativen Berichte über die Lage und Aspekte im Inland und Ausland sind schon rar.
Einen guten Artikel über die Wirkungsweise vom Corona-Virus auf Lunge und Herz-Kreislauf und persönliche Vorkehrungen fand ich auf der Homepage der Herzstiftung.
www.herzstiftung.de. Der Artikel ist nicht nur für Angehörige der Risikogruppen lesenswert. Demnach haben 10 % der Intensivpatienten nicht nur mit dem Virus in der Lunge zu tun, sondern auch mit Virus-Angriffen auf Herzkranzgefäße. Sprich: Die werden dank Corona Herzpatienten. Wen wundert*s.
Weiter habe ich die Stellungnahme des Ethikrates zu "Solidarität und Verantwortung" zur Triage von Corona-Patienten bei überfüllten Krankenhäuser durchgelesen. Die Solidarität besteht darin, sich im Zweifelsfalle zum Sterben hinzugeben, damit andere einen Behandlungsplatz mit Chance überleben können, damit die Wirtschaft schneller anlaufen kann. Merkwürdige Ethik. Ich wäre ja eher für Vorkehrungen zur Verringerung der Ansteckungsgefahr (damit weniger Fälle gleichzeitig) und Ausbau der Krankenhauskapazitäten, um Menschen die Chance zu geben zu überleben.
Lange Zeit habe ich gebraucht, in der Taz die Beilage mit der deutschen Ausgabe April 2000 der LeMonde International zu lesen. Schwerpunkt auf S. 1 - 11 natürlich Corona. Doch da wurde mal aus einer Sicht geschrieben, die ich bei anderen Berichterstattungen immer vermuisst habe. Z.B. einen Artikel über die Corona-Strategie im März in Großbritanien. Boris Johnson hat am 12. März verkündigt, in Großbritanien einfach den Großversuch zu unternehmen, für eine schnelle Herdenimmunität die Ansteckung durchs Land laufen zu lassen. Nach vier Tagen hatte er die Kehrtwende eingeläutet, weil die zu erwartenden Opfer zu groß werden könnten. Ich glaube, nach seinem Krankenhausaufenthalt mit vorübergehender Abgabe der Regierungsgeschäfte dürfte er etwas kritischr der Immunitätsstrategie denken. Ähnlich auch in den USA, die sich in kürzester Zeit weltweit an die Spitze der Corona-Opfer katapultierte. Ich glaube, "America First" haben die sich sicherlich anders vorgestellt, als mit Masengräber rund um New York. In vielen Ländern werden Journalisten eingesperrt, die über Corona-Opfer und Schutzmaßnahmen in ihrem Land berichten wollen, so auch in der Türkei. Und dann noch ein Artikel, wie Amazon in seinen Logistikcentern die Mitarbeiter ohne weitere Vorkehrungen die Mitarbeiter ungeschützut der Ansteckung durch das Virus aussetzt und dem Geschäft zuliebe eine hohe Corona-bedingte Krankenquote ignoriert. Da bleibt einem die Online-Bestellung im Halse stecken. - Da gibt es noch mehr zu lesen über Macht- und Geldvermehrungswünsche, wo der Corona-Virus einfach stört.
Zeit verbringe ich, dies alles zu verdauen. Es beschäftigt mich, warum dies alles totgeschwiegen oder verharmlost wird.Ich mache lange Spaziergänge und kümmere mich um meinen Haushalt. Inga gibt mir da auch einige Entspannung.
Schnell gefunden habe ich das Grundgesetz und zwar Artikel 2(2) zum Recht auf Unversehrtheit der Person und deren Sicherung durch den Staat. Das Grundrecht ist auch in den Menschenrechten enthalten. Ich finde schon, dies Grundrecht sollte nicht gegen Versammlungsfreiheit und freie wirtschaftliche Tätigkeit ausgespielt werden, sondern in Einklang gebracht werden. Drastrisch gesagt, was helfen mir Grundrechte, wenn die Unversehrtheit meiner Person verletzt wird bis hin zum Tode?
Nachdenklich bin ich bei all den Nachrichten über Schritte zum Exit. Wollen wir das wirklich, oder machen wiur uns damit auch zu Schafen, die man der wirtschaft zuliebe zur Schlachtbank laufen lässt.
Klingt düster. Aber es erklärt mir, warum ich mir die Vorkehrungen wie Abstandshalten und Versammlungsbeschränkungen hier zur Zeit nicht ausreden lasse.
Liebe Grüße
Inga