Raus aus der Opferrolle!
Wir armen Menschen mit abweichendem Geschlechtsempfinden, werden überall gegängelt und diskriminiert... So lese ich das seit Jahren hier im Forum. Das sinnfreie TSG, die bösen Menschen im Zielgeschlecht, die uns nicht sofort als Gleiche akzeptieren, die Krankenkassen, die Therapeuten, der MDK, die Arbeitgeber, natürlich die Regierung...
Die Liste ist nahezu unendlich.
Und es stimmt auch, es ist unerfreulich!
Trotzdem - Leute hört auf, euch nicht permanent zum Opfer zu stilisieren!
Es ist nicht einfach, als Mensch mit einer fragwürdigen geschlechtlichen Vergangenheit in seinem Wunschgeschlecht zu leben. Das habe ich nie behauptet!
Aber man muss es den sogenannten "normalen" Mitbürgern nicht permanent unter die Nase reiben.
Andere Menschen haben schwerwiegende dauerhafte Krankheiten und machen nicht halb so viel Gewese um ihre Situation, wie wir. Auch Depressive und Rollstuhlfahrer, auch blinde - und mental eingeschränkte Menschen, auch Migranten und Geflüchtete, auch Langzeitarbeitslose und Menschen in prekären Verhältnissen und auch Frauen (einfach biologisch und cis) erfahren täglich Diskriminierung. Aber mal ganz ehrlich? Spürt ihr bei anderen Menschen mit Diskriminationserfahrung auch soviel Selbstmitleid - oder seht ihr bei diesen Leuten soviel Opferrolle wie bei uns?
Ich denke nicht!
Um auf den Artikel und die Diskussion zurückzukommen -
wie soll denn ein sinnvoller Eintrag im Geburtsregister aussehen?
Person1 und Person 2? Das ist Blödsinn! (Hallo @Marielle, Hallo @Svetlana) Ich habe auch keine besseren Vorschläge - aber ich habe auch bisher keine Besseren gelesen oder gehört. Solange wir nichts Vernünftiges als Alternative zu bieten haben, ist es dann nicht ganz einfach sinnvoll, die Klappe zu halten, um sich nicht Popanz zu machen? (Hallo zum Zweiten @Svetlana)
Das nur einfach als ein Beispiel, dass hier hochgekommen ist.
Für mich geht es grundsätzlich um die Frage, ob es sinnvoll ist, das Trans*-Sein als Grundlage des Lebens zu sehen oder nicht?
(Da fällt mir ein: @Jaddy, Du siehst Dich doch als
Enby oder however - was soll dann Deine Einlassung hier? Vielleicht bist ja unterbewusst auch
TRANSSEXUELL?
Du erinnerst mich übrigens an meine früheren Beiträge, wo ich mich auch noch gerne im intellektuellen Elfenbeinturm versteckt habe.
)
Zurück zum Thema:
Natürlich erfährt die Protagonistin des taz-Artikels eine Front bei ihrer Akzeptanz als "Mutter" gegenüber den Mainstream-Müttern. Aber das ist doch nicht verwunderlich. Es wird oft und gerne vergessen, dass
außerhalb unserer eigenen Filterblase auch eine ganz einfach gestrickte Mehrheit an Menschen existiert, für die Vater (Zeuger), Mutter (Austragende) und Kind 1 bis n, das "normale Bild er Familie ist.
Liest sich hart? Ist aber die Mehrheit!
Wenn dich andere Frauen nicht als Ihresgleichen akzeptieren, weil Du eine fragwürdige genetische Vergangenheit hast?
So what! Zeig es Ihnen, dass Du eine gute Mutter bist!
Viele von uns verstehen nicht, dass wir eine absolute Minderheit sind!
Es ist ja auch so, dass wir uns nach dem Outing gerne im Safe-Space Unseresgleichen bewegen.
Das verschiebt unsere Wahrnehmung. Die Wirklichkeit, die wir draussen erfahren, ist eben eine Andere! Das ist natürlich irritierend und frustierend. Es wird aber nicht davon besser, dass wir darüber jammern und die entsprechenden Medien Betroffenheitsartikel darüber veröffentlichen.
Besser wird es dann, wenn wir uns über diese Situations stellen -
und "Normalität " leben!
Unsere Normalität findet in unserem Umfeld statt und nicht hier im Forum - und schon gleich gar nicht in den Medien!
Wir können uns auf den Standpunkt zurückziehen, dass wir ein ganz schlimmes Schicksal mit allen Konsequenzen haben -
können wir...!?
Wir können aber auch ganz einfach zeigen, dass es uns nicht juckt, dass wir eine Vergangenheit haben, die eben nicht mit unserem heutigen Erscheinungsbild korrespondiert. Die Menschen beeindruckt unser Verhalten und unsere Handlungen und nicht dass wir unser Schicksal als Banner vor uns hertragen.
Vielleicht schließt Ihr einfach mal Frieden mit Eurer Vergangenheit: denn der Mensch, der ihr damals wart und der es nicht aufgegeben hat, solange da zu sein, bis der Mensch, der ihr heute seid, zum Vorschein gekommen ist, ist nämlich eines:
der wichtigste Mensch in Eurem Leben!
Wenn der Mann, die Frau aufgegeben hätte, dann wäret ihr heut nichts anderes als:
Weitere Suizidopfer!
Denkt einfach mal drüber nach - erst am Dienstag müsst Ihr wieder zur Arbeit - ist also Zeit!
Cybill