Wir brauchen feste Geschlechter-Schubladen?!
Wir brauchen feste Geschlechter-Schubladen?! - # 8

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
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Marielle
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Re: Wir brauchen feste Geschlechter„Schubladen?!

Post 106 im Thema

Beitrag von Marielle »

Nabend Jaddy,

nimm's bitte nicht persönlich, wenn man dich angeht. Es könnte immerhin sein, dass die Intention eine andere war, dass eigentlich jemand anderes sich an's Bein gepinkelt fühlen sollte. Ausserdem, mal so unter uns, am eigenen Beispiel argumentiert es sich nicht besonders gut, wie man an den betreffenden Beiträgen sieht; es fehlt ihnen der Beweiswert.

Dein Problem verstehe ich übrigens sehr gut, ich kenne es persönlich. Die erste Lösung liegt in diesem Fall aber nicht darin, dass wir drauf warten, dass die anderen klug werden. Sie liegt darin, ihnen ihre gefühlte Macht zu nehmen. Wer hat es denn nötig, zu versuchen andere klein zu machen? Doch nur die, deren Fundament nicht aus Beton, sondern aus Sand ist.

Es gibt welche, die wissen es nicht besser. Mit denen muss und soll man reden, damit sie die Chance des Verstehens haben. Und es gibt andere, die es besser wissen müssten, deren Fundament aber aus Sand ist. Da hilft kein Reden, da würde nur Zement helfen. Aber den müssen diejenigen schon selbst in den Sand einrühren, vielleicht mit professioneller Hilfe. Als aussenstehender Mensch ohne Fachkenntnisse in menschlicher Fundamentbildung kann man da so gut wie nichts machen.

Hab es gut

Marielle
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Re: Wir brauchen feste Geschlechter„Schubladen?!

Post 107 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo Anne-Mette,
Anne-Mette hat geschrieben: Do 12. Mär 2020, 17:07Auch wenn Du eine andere Meinung als Anja hast, finde ich so einen Vergleich in einem öffentlichen, schriftlichen Beitrag unangemessen, ja, für die weitere Diskussion schädlich und sogar persönlich beschädigend.
Ich glaube, mir eine Äusserung dazu nicht verkneifen zu müssen, weil wir uns gut genug kennen.

Du hast insofern völlig Recht, als das der ursprüngliche Beitrag (von Anja) keinen Anlass gab, den BDM oder ähnliches anzuführen. Trotzdem verstehe ich die Assoziation. Es gibt seit längerer Zeit eine sehr unheillige Allianz aus Teilen der schwulen und der trans* Community mit Vertreter_innen von ultrarechten Weltbildern. Bea Storch wirbt gradezu um trans* Personen, wenn sie immerwieder erklärt, dass die 'richtigen Transsexuellen', ihrer Aussage nach nur seeehr wenige Menschen, selbstverständlich zu akzeptieren seien, die anderen, die genderversifften, aber natürlich nicht. Die (trans) Frau Ulrika S. schrieb nicht nur ein Buch, sondern auch eine Stellungnahme zum Bundestagsantrag 'Aktionsplan sexuelle und geschlechtliche Vielfalt'; im Auftrag der AfD. Und schon vor langem versuchte Michael Kühnen in einem absurden Pamphlet die Spitze des völkisch-national Wertvollen beim schwulen Mann zu verorten.

Ich bin sicher, dass das alles nicht Bestandteil oder Absicht des betreffenden Beitrags war. Aber man sollte es wissen, finde ich.

Hab es gut

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ExUserIn-2026-04-08
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Re: Wir brauchen feste Geschlechter„Schubladen?!

Post 108 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Marielle hat geschrieben: Do 12. Mär 2020, 23:09 dass die 'richtigen Transsexuellen', ihrer Aussage nach nur seeehr wenige Menschen, selbstverständlich zu akzeptieren seien, die anderen, die genderversifften, aber natürlich nicht.
Das alte Prinzip: teile und herrsche.
Anja hat geschrieben: Do 12. Mär 2020, 15:29 Ist das nicht der Grundgedanke der Demokratie, also die Mehrheit entscheidet?
Ein anderes notwendiges Prinzip in einer Demokratie ist der Minderheitenschutz, weil nicht alles was die Mehrheit repräsentiert, auch gut für die Menschen ist.

Mir geht auf es auf der einen Seite viel zu weit, Geschlecht zur Beliebigkeit zu erklären, denn dadurch ist Kommunikation nicht mehr möglich. Andererseits kann es auch nicht darum gehen, jeden Menschen in eine Schublade zu pressen bzw. sich selber zu pressen. Mir ist es wichtig, dass Menschen sich respektvoll begegnen können. Es wird auf vielen Ebenen über das Geschlecht kommuniziert, verbal, mit Gesten, Kleidung, Habitus etc.

Geschlecht scheint für viele Menschen sehr wichtig zu sein. Ich finde die Frage spannend, warum denn das so wichtig ist ? Nicht nur für uns, sondern auch für die Allgemeinheit ? Nicht nur bei uns, sondern auch weltweit ? Und damit sind wir auch wieder bei der Frage, ob wir feste Schubladen brauchen.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Anne-Mette
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Re: Wir brauchen feste Geschlechter„Schubladen?!

Post 109 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin Marielle,
Marielle hat geschrieben: Do 12. Mär 2020, 23:09 Ich bin sicher, dass das alles nicht Bestandteil oder Absicht des betreffenden Beitrags war. Aber man sollte es wissen, finde ich.
Ich denke, es wird für mich Zeit, einen Volkshochschulkurs anzuregen: "Basteln mit Holz". )))(: (smili)

Zum Einen stelle ich mir vor, dass wir Geschlechter-Schubladen herstellen (in jedweder Form), die sicherlich gebraucht werden (auch mit doppeltem Boden oder ohne Boden) - und andererseits benötige ich langsam Spezialstühle; denn als Admina/Mod sitze ich immer "zwischen den Stühlen".
Ich möchte mir nicht vorwerfen lassen, "auf einem Auge blind zu sein", auch wenn es mir häufiger unterstellt wird.

Gruß
Anne-Mette
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Re: Wir brauchen feste Geschlechter„Schubladen?!

Post 110 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Hallo,

ich glaube mit einer "brauchen wir/brauchen wir nicht" Diskussion werden wir hier nicht weiterkommen. Ist grün besser als magenta? Na dann mal viel Spaß beim ausdiskutieren. Auch wenn Begriffe wie Mann und Frau genau so wie Frieden oder Liebe, für jeden verschieden belegt und deshalb auch für unsere heutigen Zeit der präzisen Ansätze untragbar sind. Ist es doch für den Staus Quo der Gesellschaft, wie wir sie heute kennen eine wichtige Säule. Genau so sollte man aufhören zu leugnen, dass es in der Zukunft mehr Diversität in Geschlechterfragen geben wird und dass einige da jetzt schon angekommen sind.

Ich finde die Diskussion über "brauchen wir/brauchen wir nicht" (also der Existenz ist) falsch. Wir sollten viel mehr diskutieren, wie der Umgang zwischen binär denkende und der nicht Binären sein sollte. Damit man diese Systeme/Modelle/gefühlte Realitäten auch alltagstauglich vereinen kann. Ich glaube hier liegt auch der "source of evil". Alles ist sehr akademisch. Praktisch wird es pragmatisch je nach Situation und Mondlage gelöst.

Was erwarten binäre Menschen von nicht binären?
Was erwarten nicht binäre Menschen von der Norm?
Wie sollen sie sich binäre gegenüber nicht binären benehmen?
Wie sollen sie sich nicht binäre gegenüber binären benehmen?

VlG
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Re: Wir brauchen feste Geschlechter„Schubladen?!

Post 111 im Thema

Beitrag von Carry »

Ralf-Marlene hat geschrieben: Do 12. Mär 2020, 17:01 Gerade hier erlebe ich, dass meine eigene Zuschreibnung von fast niemandem der binär denkenden Welt akzeptiert wird. Dabei verwende ich, um Irritationen und Auseinandersetzungen zu vermeiden den Begriff "Frau" für mich. Aber selbst in Transkreisen höre ich, dass ich keine Frau ohne Normangleichende/ Geschlechtsangleichende Operation bin. Ich bin und bleibe dann, ob ich widerspreche oder nicht, ein Mann mit Busen. Anscheinend haben da die (Personen)

aus der binären Welt ... großartig Schwierigkeiten
Hallo liebe Ralf-Marlene,

natürlich kann ich nur von mir und meiner persönlichen Wahrnehmung sprechen ...aber für mich kann ich sagen, ja, ich habe da tatsächlich Schwierigkeiten mit "Zuschreibungen" - vor Allem bei Personen, die sich ja eigentlich selbst keine Zuschreibung geben wollen. Ich kenne Dich dafür jetzt viel zu wenig, als dass ich das in irgendeiner Art "beurteilen" könnte, wie ich - als Angehörige der binären Welt - Dich "lesen" würde, wenn wir uns gegenüber stünden. Aber bislang habe ich Dich so wahrgenommen, dass Du Dich selbst ja gar nicht eindeutig als Frau siehst/verstehst - oder habe ich das falsch verstanden, dann bitte ich um Entschuldigung - ehrlich, ich will damit jetzt niemandem auf den Schlips treten.
Ich kann nur, was Anja angeht, sagen - weil ich sie inzwischen recht gut kenne - dass mein Gehirn die Zuschreibung bei Anja absolut vollautomatisch und ohne jeden Zweifel als Frau einsortiert hat. Und das trotz einer, in meiner Wahrnehmung und meiner Interpretation von Eigenschaften, ansich eindeutig männlichen Stimme und trotz, dass ich weiß, dass sie nicht operiert ist. Es ist schwer, das zu beschreiben, aber es liegt m.E.n. im Bereich der Emotionen, es ist eben einfach ein "Gefühl", ich habe da eindeutig eine Frau vor mir. Ob es nun daran liegt, dass sie sich selbst eindeutig so sieht und daher auch so gibt, wie es nach meinen persönlichen Empfindungen eben Frauen tun, oder ob das andere Gründe hat, weiß ich nicht.
Ich persönlich bin ja ein Anhänger der Theorie, dass die Seelen der Menschen eine Art "Geschlechtsidentität" haben (bitte jetzt hierrüber keine Grundsatzdiskussion starten - ich sehe das so und führe das hier nur als Erklärung meiner Sichtweise an...), und ich behaupte mal, dass ich eben bei Anja z.B. einfach eine "weibliche Seele" spüre und sie daher als "Schwester" erkenne.
Und ich gebe Dir auch vollkommen Recht, dass auch ich bei manchen Transfrauen denke, hmm, das ist jetzt halt ein "Mann mit Busen" - aber damit will ich ja niemandem etwas böses, sondern das ist einfach das, was ich für mich persnlich wahrnehme.
Wenn Menschen aus der binären Welt, so wie ich, sich noch nie im Leben damit auseinandergesetzt haben, weil sie es nie mussten, dass es zwischen und jenseits Mann und Frau noch so viel mehr gibt, dann ist es in der Tat extrem schwierig, damit umzugehen. Und das ist kein böser Wille und m.E.n. auch keine mangelnde Akzeptanz, sondern ganz viel Unwissenheit, ganz viel Unsicherheit - denn in meinem Gehirn laufen eindeutige Muster ab, wie ich mit jemandem umgehe, den ich eben entweder als weiblich oder als männlich wahrnehme.
Das mache ich nicht absichtlich, oder um jemandem irgendwas abzusprechen, das mache ich, weil ich in 42 Jahren Leben einfach nie etwas anderes gelernt und kennengelernt habe.
Ob nun Vicky oder Jaddy, und auch andere, mir haben schon viele hier gesagt, dass mein "Weltbild" in der Geschlechterfrage sehr "konservativ" und "unverrückbar" erscheint - und ein Stück weit ist das sicher so.
Aber eben nicht, weil ich jemandem etwas böses will, sondern weil ich all diese "Varianten" zur Zeit noch "bestaune" wie ein Mensch aus dem Mittelalter einen Astronauten "bestaunen" würde.
Ich möchte einfach mal behaupten, dass es den meisten Menschen aus der binären Welt ähnlich ergeht - wir können damit tatsächlich (noch?) sehr schwer umgehen, weil wir einfach nicht wissen wie.
Das Gehirn lernt ja am besten aus Erfahrung. Aber Erfahrung mit dem Umgang mit - jetzt weiß ich zum Beispiel gar nicht, wie ich das ausdrücken soll - ich sage mal "diversen" Menschen fehlt mir halt (noch).

Du sagst, dass Du für Dich - um Verwirrungen und Auseinandersetzungen zu vermeiden - den Begriff "Frau" verwendest.
Vielleicht ist genau das der Knackpunkt, an dem die Leute die Schwierigkeiten haben, Dich auch als solche zu sehen.
Du "verwendest den Begriff", ist für mich nicht gleichzusetzen mit "Du empfindest Dich als..." - vielleicht liegt genau dieser kleine, feine Unterschied dann in Deiner Ausstrahlung und macht es den binären Menschen schwerer, eine für sie eindeutige Zuschreibung vorzunehmen?!
Das ist jetzt nur eine Theorie und ich hoffe, ich habe damit jetzt niemanden verletzt....?!?!?!

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Jaddy
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Re: Wir brauchen feste Geschlechter„Schubladen?!

Post 112 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Carry hat geschrieben: Fr 13. Mär 2020, 10:50 Ich möchte einfach mal behaupten, dass es den meisten Menschen aus der binären Welt ähnlich ergeht - wir können damit tatsächlich (noch?) sehr schwer umgehen, weil wir einfach nicht wissen wie.
Das Gehirn lernt ja am besten aus Erfahrung. Aber Erfahrung mit dem Umgang mit - jetzt weiß ich zum Beispiel gar nicht, wie ich das ausdrücken soll - ich sage mal "diversen" Menschen fehlt mir halt (noch).
Ich verrate mal ein kleines Enby-Geheimnis: Das geht nicht-binären häufig auch so. Wir kennen uns zwar selbst und was uns am binären Umgang unangenehm ist, aber wir sind genau so von klein auf auf die gewünschten Verhaltensweisen der restlichen 98% trainiert. Auch bei der Einsortierung per erstem Eindruck. Ich empfinde es bei mir als antrainierte Überlebenstechnik.

Deshalb ist für uns der Umgang mit anderen nicht-binären Menschen auch erst Lernsache. Allerdings kann die Erfahrung in einer Gruppe, die das raus hat echt überwältigend sein. War bei mir so.
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Re: Wir brauchen feste Geschlechter„Schubladen?!

Post 113 im Thema

Beitrag von Carry »

Marielle hat geschrieben: Do 12. Mär 2020, 22:32 Dein Problem verstehe ich übrigens sehr gut, ich kenne es persönlich. Die erste Lösung liegt in diesem Fall aber nicht darin, dass wir drauf warten, dass die anderen klug werden. Sie liegt darin, ihnen ihre gefühlte Macht zu nehmen. Wer hat es denn nötig, zu versuchen andere klein zu machen? Doch nur die, deren Fundament nicht aus Beton, sondern aus Sand ist.

Es gibt welche, die wissen es nicht besser. Mit denen muss und soll man reden, damit sie die Chance des Verstehens haben. Und es gibt andere, die es besser wissen müssten, deren Fundament aber aus Sand ist. Da hilft kein Reden, da würde nur Zement helfen. Aber den müssen diejenigen schon selbst in den Sand einrühren, vielleicht mit professioneller Hilfe. Als aussenstehender Mensch ohne Fachkenntnisse in menschlicher Fundamentbildung kann man da so gut wie nichts machen.
...und dann gibt es da solche, die mit ihrer Art, sich auzudrücken, und von oben herab über die "ach so dummen" derart zu urteilen, dass man sich in keiner Weise wundern muss, dass dabei nur weitere Frontenverhärtung herauskommt...
Ja- da frag' ich mich dann auch...wer hat es denn nötig, zu versuchen, andere klein zu machen?
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Re: Wir brauchen feste Geschlechter„Schubladen?!

Post 114 im Thema

Beitrag von Carry »

Jaddy hat geschrieben: Fr 13. Mär 2020, 11:43 Ich verrate mal ein kleines Enby-Geheimnis: Das geht nicht-binären häufig auch so.
Siehste ... :wink: ...und dabei muss sich doch keiner über den anderen erheben.
(yes)
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Re: Wir brauchen feste Geschlechter„Schubladen?!

Post 115 im Thema

Beitrag von Carry »

Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 13. Mär 2020, 07:58 Geschlecht scheint für viele Menschen sehr wichtig zu sein. Ich finde die Frage spannend, warum denn das so wichtig ist ?
Finde ich auch spannend!

Ich gehe zwar davon aus, dass ich dafür jetzt wieder einen drüber bekomme :wink: , aber ich glaube tatsächlich, dass das mit "Ur-Trieben" zusammenhängt - also dem Überleben, nicht nur dem eigenen, sondern dem, der eigenen Spezies - und für die Fortpflanzung unserer Spezies sind die (zwei) Geschlechter ja nunmal unbestritten Vorraussetzung.
Ich denke - also ich ganz persönlich - ohne Anspruch auf die Annahme einer allgemeingültigen Wahrheit - dass unsere Gehirne und damit auch unsere Hormone einfach von Grund auf so "gepolt" sind, dass wir die Wahrnehmung des Geschlechtes als überlebenswichtig empfinden.
Ich glaube nicht, dass dies bewusst abläuft, sondern einfach tief verankerte unbewusste (und damit triebhafte) Reaktionen sind.
Bei allen Säugetieren gibt es erkennbare Unterschiede zwischen den zur Fortpflanzung notwendigen Geschlechtern - und wenn ich mich fortpflanzen will, ist es unabdingbar, dass ich das Gegengeschlecht auch sicher erkenne.

Aber wie wir alle wissen, ist die Evolution aus unserer menschlichen Lebensspannen-Sicht recht langsam....und die Tatsache, dass diese Funktionen heutzutage eigentlich nicht mehr benötigt werden, ist, so denke ich, einfach noch nicht in den Gehirnstrukturen angekommen. Aus meiner Sicht ist das Wahrnehmen von Geschlecht in irgendeiner Weise heute noch genauso ein "Überlebenstrieb" in uns, wie Hunger oder Durst...

Bitte zur Kenntnis nehmen: Ich behaupte nicht, dass das so IST - ich schildere hier nur meine ganz persönliche Auffassung und meine persönliche Antwort auf Vickys Frage...
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Re: Wir brauchen feste Geschlechter„Schubladen?!

Post 116 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)
JuLa67 hat geschrieben: Do 12. Mär 2020, 16:58 Bei dir habe ich das Gefühl, sobald Mann und Frau irgendwo mit einem Fragezeichen versehen werden, reagierst du sehr heftig, vielleicht weil du dich angegriffen fühlst. Das klingt mir sehr fundamentalistisch! Es will dir aber keiner deine Schubladen, die dir, wie du schon selber geschrieben hast,
so sehr helfen, wegnehmen.
Du hast doch selber geschrieben, dass du von einer Schublade in eine andere gewechselt bist, wenn eine nicht mehr passt.
Woher nimmst du denn die Gewissheit jetzt die absolute als Frau gefunden zu haben? Vielleicht tut sich ja irgendwann doch noch mal etwas in deiner Entwicklung.
Joar... Das liegt aber auch daran, weil ich dann den Eindruck habe, das binäre Welt als solche angezweifelt wird, bzw. deren Sinnhaftigkeit in Frage gestellt wird. Und da komme ich dann in so eine Art "Verteidigungsmodus".
Ich weiß, das es Menschen gibt, wie z.B. Jaddy, die diese binäre Zuschreibung für sich ablehnen und ich (wir kennen uns ja inzwischen auch persönlich) kann Jaddy problemlos so akzeptieren.
Was ich nicht akzeptieren kann, ist, wenn "meine" Welt eben nicht akzeptiert wird (das meinte ich mit Einbahnstraße), sondern gefühlt immer wieder Angriffen ausgesetzt ist.
Dazu kommt noch, das sich nun mal fast alle Menschen problemlos binär verorten können und wollen, sie wissen, wer sie sind.
Und dann werden diese Gefühle in Frage gestellt, weil man die ja nicht erklären kann usw. Oder ob man die binäre Einteilung überhaupt noch bräuchte (und das, wo sich selbst hier im Forum fast alle binär verorten).
Ja sorry, das ich dann vielleicht auch überreagiere, aber ich versuche immer sachlich zu bleiben, so weit mir das möglich ist.

Die Gewissheit, wer ich bin existiert ja immer nur für den Moment. Und das Identitätsgefühl ist ja z.T. auch abhängig von äußerer Interaktion (wie ja auch schon beschrieben wurde).
Vor kurzem kam ich ja wieder ins Schwimmen, was meine (Schubladen-) Verortung anging. Dafür hatte ich ja dann einen eigenen Thread gestartet.
Es kann keine Gewissheit diesbezüglich geben, keiner kann ja in die Zukunft sehen... (naja, außer die Gutachter, die meinten, das sich das nicht mehr ändern wird :lol: )
Aber das Ganze (System) als solches die Sinnhaftigkeit abzusprechen oder meine persönliche Verortung sind doch zwei paar Schuhe...

Zu dem Vergleich, den du da gezogen hast, wurde ja bereits etwas gesagt. Ich hab beim Lesen nur gedacht... Alter! Hab ich gerade n Schlaganfall oder steht das wirklich da?
Naja, ich schreib ziemlich frei von der Leber weg, halt authentisch. Das da dann solche "Bilder" bei rauskommen, wenn ich von Demokratie spreche, hätt ich nun nicht gedacht.
Da hast du auf jeden Fall etwas missverstanden, das kann ich dir versichern.

@Jaddy
Danke dir für deinen Beitrag, den fand ich jetzt sehr informativ )))(:
Da hab ich nix zu meckern :wink:

@Carry
Danke dir fürs Beispringen (he)

Grüße
die Anja
Fällt der Apfel weit vom Stamm, kommt wenigstens mal Sonne dran!
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Re: Wir brauchen feste Geschlechter„Schubladen?!

Post 117 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Schaut doch bitte mal dieses Experiment hier
https://www1.wdr.de/mediathek/video/sen ... t-104.html
Sind nur weniger als 5 Minuten :)
Anja
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Re: Wir brauchen feste Geschlechter„Schubladen?!

Post 118 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)
Jaddy hat geschrieben: Fr 13. Mär 2020, 14:07 Schaut doch bitte mal dieses Experiment hier
Das Experiment ist mir schon bekannt.
Ich muss der einen Frau ziemlich am Ende aber auch recht geben. Man ordnet meist eine Person (und sei es ein Baby) automatisch und unbewusst in Junge oder Mädchen ein.
Aber, ich möchte mich (größtenteils) davon freisprechen, das ich an diese Einteilung eine Erwartungshaltung knüpfe.
Ich hab nun augenscheinlich beides zu Hause. Junge wie Mädchen. Und bei können sämtliches vorhandenes Spielzeug benutzen. Bis zum Herbst letzten Jahres hatten die beiden auch nur ein gemeinsames Zimmer zur Verfügung. Und trotzdem gibt es geschlechtliche? Unterschiede, welche Sachen jeder bevorzugt. Ich glaube aber nicht, das dieses Verhalten "augedrängt" (was für mich schon übergriffig klingt) ist, sondern das sich Jungs einfach für andere Dinge interessieren wie Mädchen.
Die meisten Erwachsenen werden sich vermutlich ähnlich verhalten wie die in dem Video. Aber in unserer Familie haben wir von Anfang an ja einen hm anderen Bezug zum Thema Geschlecht, durch die "Auseinandersetzung" mit mir, waren wir bezüglich unserer Kinder in solchen Dingen recht locker. Mein Großer hat auch schon ein Kleid getragen wenn er da mal Lust drauf hatte und er steht total auf Zöpfe. Auch in der Kita können die Kinder mit allen Spielzeugen spielen, da gibt es keine Sortierung.
Trotzdem bilden sich Unterschiede in den Interessen heraus, die typisch sind. Natürlich lassen sich immer "Beweise" für eine Prägung finden, die nicht wegzudiskutieren sind. Aber bei meinen Kids dürfte diese doch geringer ausgefallen sein, als in "normalen" Familien.

Die Babys aus dem Film waren diesbezüglich ja wehrlos und haben sich ihr Spielzeug nicht selbst ausgesucht, mit dem ihnen vor der Nase rumgewedelt wurde. Die Erwachsenen haben ihnen ja auch keine Wahl gelassen sondern nur eins ausgesucht, dem (erdachten) Geschlecht folgend. Wer weiß, was die Babies sich ausgesucht hätten, wenn man ihnen die Wahl gelassen hätte...

Also ich denke schon das viele Erwachsene unbewusst (ihre) Kinder "prägen", ich glaube allerdings nicht, das das der Einzige Grund für geschlechtliche Unterschiede bei Interessen und in ihrem Verhalten sein soll. Ich glaube es existieren Unterschiede von Geburt an, nur das die heutzutage einer Prägung zugeschrieben werden, weil so etwas wie "typisch Junge" oder "typisch Mädchen" zu sagen, für manche ja fast schon eine Beleidigung darstellt...

Grüße
die Anja
Fällt der Apfel weit vom Stamm, kommt wenigstens mal Sonne dran!
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Re: Wir brauchen feste Geschlechter„Schubladen?!

Post 119 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Anja hat geschrieben: Fr 13. Mär 2020, 14:38Also ich denke schon das viele Erwachsene unbewusst (ihre) Kinder "prägen", ich glaube allerdings nicht, das das der Einzige Grund für geschlechtliche Unterschiede bei Interessen und in ihrem Verhalten sein soll. Ich glaube es existieren Unterschiede von Geburt an,
Auf den ersten Teil wollte ich genau hinaus, dass das binäre Denken und Handeln - aus welchem Grund auch immer - so tief bei und verankert ist, dass wir gar nicht merken, was wir alles genderspezifisch tun.

Es kann gut sein, dass nicht nur Prägungen durch andere für die spätere Entwicklung verantwortlich sind, sonst wären wir ja vermutlich alle cis-gendered ;) Auf der anderen Seite zeigen viele Experimente, dass viele häufig behauptete und immer wieder gerne wiederholte Unterschiede bei genauerem Hinsehen verschwinden und eben auf Priming und Framing zurückzuführen sind. Stichwörter zuhören und einparken. Konkret bedeutet das, dass wir uns andauernd selbst und gegenseitig manipulieren und Stereotype verstärken. Ich verstehe durchaus den Zweck in Bezug auf Gefühle von Zugehörigkeit und Identität, aber eben auch die Einschränkung für alle, die nicht 100%ig in die doch manchmal recht engen Konzepte passen. Und das beginnt zum Beispiel mit Frauen, die nicht weich und harmoniesüchtig sein wollen oder Männern, die nicht den Macker geben wollen. Also wenn Frau mit der Kettensäge den Baum fällt schon zu sagen "Wow, prima", aber auf den Zusatz "und das als Frau" zu verzichten, genauso wie beim Mann im Kleid.

Ich weiss nicht, wie euch das ging, aber seit ich häufiger offenbar weiblich gelesen werde sehe ich mehr Lächeln mir gegenüber, mehr Entspanntheit, mehr Höflichkeitsgesten. Und ich denke mir, wie schön es wäre, wenn wir das genderunabhängig allen Menschen gegenüber wären. Und wie die Entwicklunsgpsychologin im Film sagte: Entspannter im Umgang. Das nimmt meines Erachtens keinem Menschen die eigene Identität.
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Re: Wir brauchen feste Geschlechter„Schubladen?!

Post 120 im Thema

Beitrag von Alex_andra »

Anja hat geschrieben: Fr 13. Mär 2020, 14:38 Also ich denke schon das viele Erwachsene unbewusst (ihre) Kinder "prägen", ich glaube allerdings nicht, das das der Einzige Grund für geschlechtliche Unterschiede bei Interessen und in ihrem Verhalten sein soll. Ich glaube es existieren Unterschiede von Geburt an, nur das die heutzutage einer Prägung zugeschrieben werden, weil so etwas wie "typisch Junge" oder "typisch Mädchen" zu sagen, für manche ja fast schon eine Beleidigung darstellt...
Hallo Anja,

du hast auf alle Fälle Recht mit deiner Aussage, dass der Einfluss der Umwelt nicht ausschließlich dafür verantwortlich ist, wie wir uns geschlechtlich einordnen. Die meisten, die Erfahrungen mit "gegengeschlechtlichen" Hormonen machen konnten, wissen, was schon allein dieser biochemische Eingriff in das vorher vorhandene System für einen Einfluss auf unser Empfinden und Verhalten haben kann. Es ist unbestritten, dass es biologische Komponenten gibt, die unser "Ich" beeinflussen.

Problematisch wird es dann, wenn damit eine bestimmte Typisierung von Geschlecht belegt werden soll.
Denn weder kann mensch den Einfluss der Prägung bei einer Beobachtung gänzlich außenvorlassen, noch ist die "Biologie" bei zwei Individuen identisch.
D.h. je größer die beobachtete Gruppe, desto mehr Unterschiede werden beobachtet werden können. Wahrscheinlich gibt es verschiedene Kerngruppen, die mehrere Merkmale miteinander teilen, die dann generalisiert zu einer groben begrifflichen Beschreibung zusammengefasst werden können wie z. B. Frau und Mann. Dann gibt es Korrelationen zwischen einerseits Verhalten und "Biologie" und andererseits den beim Beobachter schon vorher existenten Erwartungsmustern. Typisch ist dann eben nur das Gesamtpaket und das vor allem im Auge des Betrachtenden.

Und zu den Babys (obwohl der Film ja ausschließlich zeigen sollte, mit welchen Erwartungen die Erwachsenen an die Kinder herangehen):
Soweit ich meine Erfahrungen als Grundlage für eine Aussagen nehmen darf, gehe ich davon aus, dass ihnen alle typisierenden Mehrinformationen (Auto, Puppe, Ball ...) der Gegenstände vollkommen egal wären und sie sich nur (unabhängig von ihrer Biologie und dem daraus resultierenden Stoffwechsel usw.) für den Gegenstand entschieden hätten, der ihnen gerade interessant bezüglich Farbe, Haptik, Nähe ... entschieden hätten.
Alles andere wäre ihnen wahrscheinlich vollkommen egal.

Liebe Grüße
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