Dunja hat geschrieben: Mi 4. Mär 2020, 23:31
Sie versteht auch nicht (oder will nicht verstehen), dass es (zumindest für mich) notwendig ist sich selbst zu erkennen, zu verstehen und zu akteptieren, bevor (auf)klärende Gespäche geführt werden können.
Liebe Dunja,
zunächst mal tut es mir sehr leid, dass das bei euch so gelaufen ist, wie es gelaufen ist - ich kenne weder Dich noch Deine Frau, aber glaube dennoch, die Situation, die Du beschreibst, relativ gut nachvollziehen zu können.
Mein Schatz hat mir auch oft gesagt, dass er eigentlich nichts sagen kann, weil er selbst nicht so wirklich einordnen kann, warum er diesen Fetisch hat, warum er das Crossdressen braucht - er wisse auch nicht, wohin der Weg irgendwann führen könnte/wird, er könne mir das eigentlich auch nicht erklären....
Das kann ich alles verstehen bis zu einem gewissen Punkt....den Status Quo - wie ist es JETZT - was denkst und fühlst Du JETZT darüber, dass kann man m.E.n. immer sagen - und nur darum geht es - überhaupt reden!!! So manches Mal habe ich meinem Schatzi Fragen gestellt, auf die er einfach keine Antwort wusste....macht ja nichts, hab ich gesagt, dann denke bitte darüber nach und gib mir die Antwort, wenn sie Dir klar zu sein scheint. Das hat ganz gut funktioniert - manchmal habe ich die Antwort Tage, sogar Wochen später bekommen, und auf manche Antwort warte ich immer noch - aber wichtig ist, immer im Gespräch zu bleiben.
Unsere Situation war ein bisschen anders, insofer, dass ich vor seinem Outing mir gegenüber nicht die allergeringste Ahnung hatte....aber schon in den ersten Minuten diesen Gesprächs habe ich ihm unmißverständlich klar gemacht, dass er darüber ganz offen und ehrlich mit mir reden MUSS - denn das sehe ich als einzige Chance, dass wir einen gemeinsamen Weg finden. Schweigen hätte alles zerstört.
Und wie gesagt, den aktuellen Status Quo kann man immer kommunizieren - das dieser sich im Zuge der eigenen Entwicklung und Selbsterkenntnis ändern kann, ist ja klar, dann muss man eben erneut reden ...aber ich finde es persönlich absolut unabdingbar wichtig, die Partnerin auf diesem Weg mitzunehmen und einzubeziehen. Wenn Du das alles nur mit Dir selbst ausmachst, schließt Du Deine Frau - den Menschen, der Dir eigentlich am nächsten sein sollte, aus Deinem Inneren aus und verweist sie damit quasi auf den "Zuschauerrang"...
Das sollen jetzt überhaupt keine Vorwürfe sein - aber ich kann 100%tig nachvollziehen, dass sie nicht versteht (das hat mit Wollen nichts zu tun), dass "Mann" immer erst meint, er müsse selbst erst alles verstanden und akzeptiert haben, bevor er es kommuniziert.
Das macht in meinen Augen keinen Sinn. Man kann doch sagen, dass man selbst das (noch) nicht akzeptieren und verstehen kann - im Gespräch mit der Partnerin können da vielleicht ja sogar ganz positive Entwicklungen angestossen werden und man kommt für sich selbst und als Paar wieder einen Schritt weiter.
Ich glaube, dass wir Cis-Frauen (jetzt bekomme ich wieder einen drüber, weil ich mit Stereotypen-Klischees argumentiere...) diese Art der "Psychohygiene" für unser seelisches Gleichgewicht einfach brauchen - ja, wir müssen manchmal hundert Mal die gleiche Frage diskutieren...aber nur so fühlen wir uns in unseren Gefühlen ernstgenommen und an eurem Seelenleben beteiligt.
Ich kann also sehr gut verstehen, dass Deine Frau zutiefst verletzt ist, weil Du sie aus Deinem Inneren ausgeschlossen hast...
Ich will hier gar nicht in Wunden bohren, und die Milch geht auch nicht mehr in die Kuh zurück ...aber vielleicht kann es dem ein -oder anderen helfen, nicht den Selben Fehler zu machen...?!
Daher der Apell: seid offen und ehrlich zu uns - und wenn man miteinander redet, muss das keineswegs zwangsläufig das Ende einer Ehe bedeuten...
Alles Liebe,
die Carry
"Wenn Du heute aufgibst, wirst Du nie wissen, ob Du es morgen geschafft hättest!"