Was für ein Urteil
Was für ein Urteil

Jasmine
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 6432
Registriert: Di 16. Jul 2013, 08:25
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 3 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Was für ein Urteil

Post 1 im Thema

Beitrag von Jasmine »

https://www.welt.de/politik/deutschland ... erben.html

Ich habe mir heute morgen das Urteil des Verfassungsgerichtes angehört. Lange wurde darüber diskutiert. Jetzt bin ich gespannt ob und wann der Gesetzgeber ein vernünftiges Gesetz auf den Weg bringt.
Liebe Grüße Jasmine
Olivia
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2285
Registriert: Fr 13. Apr 2012, 11:25
Geschlecht: ?
Pronomen: ?
Wohnort (Name): Regensburg
Hat sich bedankt: 45 Mal
Danksagung erhalten: 414 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Was für ein Urteil

Post 2 im Thema

Beitrag von Olivia »

Die Giordano-Bruno-Stiftung hatte dazu im Vorfeld folgendes verlautbart:

"Sterbehilfeverhinderungsgesetz auf der Kippe?

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Sachen -§217 StGB wird mit Spannung erwartet

Am 26. Februar wird das BVerfG sein Urteil zu den Beschwerden gegen das sogenannte "Sterbehilfe-Verhinderungsgesetz" -§217 StGB verkünden. Die gbs hatte sich an dem Verfahren mit zwei ausführlichen Stellungnahmen beteiligt, außerdem hatte gbs-Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon als "Sachverständiger Dritter" an der mündlichen Verhandlung im letzten Jahr mitgewirkt.

Der Verlauf der mündlichen Verhandlung stimmte die Befürworter des "Rechts auf Letzte Hilfe" sehr optimistisch, aber wird das in wenigen Tagen erfolgende Urteil des BVerG diesen Erwartungen entsprechen? Die gbs wird bei der Urteilsverkündigung mit mehreren Prozessbeobachtern anwesend sein und im direkten Anschluss ein internes Strategietreffen in Karlsruhe organisieren, an dem Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Organisationen teilnehmen werden, um über die Konsequenzen des Urteils zu diskutieren. Ein weiteres Strategietreffen wird am 21. März im Rahmen einer halböffentlichen "Gedenkveranstaltung für Uwe-Christian Arnold" am gbs-Stiftungssitz in Oberwesel stattfinden. Wir bleiben in Sachen "Letzter Hilfe" also am Ball. Weitere Informationen folgen in Bälde.

Das politische Testament des Sterbehelfers Uwe-Christian Arnold:
https://hpd.de/artikel/bitte-verschlies ... taet-16723

Vortrag von Michael Schmidt-Salomon bei der mündlichen Verhandlung in Karlsruhe:
https://giordano-bruno-stiftung.de/217- ... schuetzern "
Inga
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3851
Registriert: Mo 19. Jul 2010, 00:32
Pronomen:
Hat sich bedankt: 118 Mal
Danksagung erhalten: 207 Mal
Kontaktdaten:

Re: Was für ein Urteil

Post 3 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo,

Der Deutschlandfunk berichtete über erste Reaktionen auf das Urteil:

... " Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, Radbruch, warnte davor, dass mit der Entscheidung "freie Bahn für Sterbehilfeorganisationen geschaffen werde". Die Äußerung eines Sterbewunsches als konkrete Handlungsaufforderung zu verstehen, sei viel zu kurz gegriffen...."

https://www.deutschlandfunk.de/bundesve ... id=1105048

Ich mache mir schon Sorgen, daass viele zum Sterbewunsch gedrängt werden, wenn sie in ihrer Eigenart und Not auf Beistand und umfangreiche Hilfe der Gesellschaft angewiesen sind. Ich fürchte, dass viele an den Lebensumständen Verzweifelter den schnellen Tod suchen werden und wir mit dem Verweis auf legale Sterbehilfe es uns bequem machen.

Liebe Grüße
Inga
ExuserIn-2020-03-10
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 153
Registriert: So 30. Dez 2018, 12:16
Pronomen:
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Was für ein Urteil

Post 4 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-03-10 »

Inga hat geschrieben: Mi 26. Feb 2020, 18:03 Hallo,

Ich mache mir schon Sorgen, daass viele zum Sterbewunsch gedrängt werden, wenn sie in ihrer Eigenart und Not auf Beistand und umfangreiche Hilfe der Gesellschaft angewiesen sind. Ich fürchte, dass viele an den Lebensumständen Verzweifelter den schnellen Tod suchen werden und wir mit dem Verweis auf legale Sterbehilfe es uns bequem machen.

Liebe Grüße
Inga
Hi Inga,
deine Sorgen sind wahrscheinlich unbegründet. Die Pflegeindustrie verdient an den zu Pflegenden viel Geld, daher war es in den letzten Jahren eher umgekehrt: Eigentlich noch selbstbestimmt lebensfähige ältere Menschen wurden in die Pflegestufe gedrängt, damit im Pflegeheim etwas für sie 'getan werden konnte'. Hab ich selber mehrfach bei nahestehenden Menschen so erlebt.

Meiner Vermutung nach wird sich die Pflegeindustrie diesen lukrativen Geschäftszweig nicht abnehmen lassen...

LG,
Ute
Michi
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 5992
Registriert: Mo 19. Dez 2016, 09:45
Pronomen: sie
Forum-Galerie: gallery/album/11
Hat sich bedankt: 730 Mal
Danksagung erhalten: 889 Mal
Kontaktdaten:

Re: Was für ein Urteil

Post 5 im Thema

Beitrag von Michi »

Inga hat geschrieben: Mi 26. Feb 2020, 18:03 Ich mache mir schon Sorgen, daass viele zum Sterbewunsch gedrängt werden, wenn sie in ihrer Eigenart und Not auf Beistand und umfangreiche Hilfe der Gesellschaft angewiesen sind. Ich fürchte, dass viele an den Lebensumständen Verzweifelter den schnellen Tod suchen werden und wir mit dem Verweis auf legale Sterbehilfe es uns bequem machen.
Das sehe ich genau so.

Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an Star Trek. Dort wurde u.a die Rasse der Kaelonianer beschrieben, deren Alte beschlossen haben, mit 60 freiwillig ihr Leben zu beenden, weil man sich kaum um sie kümmert.

Eine recht traurige Vorstellung, auf die wir gesellschaftlich leider mit Volldampf zusteuern, nicht zuletzt, weil sich familiäre Strukturen durch gesellschaftlichen Druck (staatlich verordnete Mobilität, Arbeitsnomaden) immer mehr aufgelöst haben, und Pflege trotz niedrigster Standards und schlechter Qualität auf Grund der im Vergleich zu een Einkommen sehr hohen Preise/Kosten zum Luxusgut wird.


Liebe Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
Inga
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3851
Registriert: Mo 19. Jul 2010, 00:32
Pronomen:
Hat sich bedankt: 118 Mal
Danksagung erhalten: 207 Mal
Kontaktdaten:

Re: Was für ein Urteil

Post 6 im Thema

Beitrag von Inga »

Ute2506 hat geschrieben: Mi 26. Feb 2020, 18:12
Inga hat geschrieben: Mi 26. Feb 2020, 18:03 Hallo,

Ich mache mir schon Sorgen, daass viele zum Sterbewunsch gedrängt werden, wenn sie in ihrer Eigenart und Not auf Beistand und umfangreiche Hilfe der Gesellschaft angewiesen sind. Ich fürchte, dass viele an den Lebensumständen Verzweifelter den schnellen Tod suchen werden und wir mit dem Verweis auf legale Sterbehilfe es uns bequem machen.

Liebe Grüße
Inga
Hi Inga,
deine Sorgen sind wahrscheinlich unbegründet. Die Pflegeindustrie verdient an den zu Pflegenden viel Geld, daher war es in den letzten Jahren eher umgekehrt: Eigentlich noch selbstbestimmt lebensfähige ältere Menschen wurden in die Pflegestufe gedrängt, damit im Pflegeheim etwas für sie 'getan werden konnte'. Hab ich selber mehrfach bei nahestehenden Menschen so erlebt.

Meiner Vermutung nach wird sich die Pflegeindustrie diesen lukrativen Geschäftszweig nicht abnehmen lassen...

LG,
Ute
Liebe Ute,

mir fallen zwei Aussagen ein:

1. Der "Pflegeindustrie" fehlen buundesweit mehr als 100.000 Arbeitskräfte (Gutaachten zu Personalnotstand in der Altenpflege). Da kommt der Branche der Ausweg der Sterbehilfe als regulierendes Ventil gerade recht. Krankenkassen und Pfölegeversicherungen könne jetzt danken. Die Sterbehilfe-Industrie kann jetzt ihren Markt entwickeln. Mal sehen, wann die ersten spezialisierten Kliniken für die "professionelle Hilfe" ihre Anzeigen schalten.

Aber ist das nicht makaber?

2. Wer sagt denn, dass die um Sterbehilfe Bittenden denn pflegebedürftig sein müssen? Soweit ich die Berichterstattung zum Urteil mitbekommen habe, ist der subjektive Wille des Betroffenen entscheidend, nicht irgendeine objektiv überprüfbare Schwere von körperllicher Krankheit und hoher Pflegebedürftigkeit . Es gibt noch viel mehr Menschen, die im Leben in ihrem Schicksal allein gelassen werden, etwa bei Ängsten und seelischer Not, bei Schicksalsschlägen, Verlust von Job, diverse Obdachlose, die langjährig ohne Chance auf Wohnung bleiben und am Leben verzweifeln, von Leuten aus der Trans-Szene gar nicht zu reden. Da ist der Wille der Betroffenen zum geholfenen Tod aufgrund der persönlich erlebten Lebensumständen sehr nahe. Das ist für mich keine humane Gesellschaft mehr.

Liebe Grüße
Inga
Steffi-BLN
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 229
Registriert: Sa 3. Feb 2018, 14:25
Geschlecht: Frau
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Berlin
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Was für ein Urteil

Post 7 im Thema

Beitrag von Steffi-BLN »

Hallo,

ein gutes Urteil wie ich finde. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten ob dies auch für nicht schwer kranke Menschen greift. Also Menschen die des Lebens satt sind, aufgrund schwerer Traumata, Depressionen usw.
Weil es sollte meiner Meinung nach JEDEN Menschen frei stehen sein Leben zu beenden. Und besser ein begleiteter würdevoller Suizid, als sich vor den Zug zu schmeißen, vom Hochhaus zu springen, oder sich z.B zu erhängen. Oder ein fragwürdigen Medikamenten Cocktail sich einzuwerfen.

Ich bin gespannt wie das Gesetz denn jetzt geändert wird.

LG
Kathi87
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 252
Registriert: Fr 13. Dez 2019, 06:43
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Was für ein Urteil

Post 8 im Thema

Beitrag von Kathi87 »

Steffi-BLN hat geschrieben: Mi 26. Feb 2020, 21:00 Hallo,

ein gutes Urteil wie ich finde. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten ob dies auch für nicht schwer kranke Menschen greift. Also Menschen die des Lebens satt sind, aufgrund schwerer Traumata, Depressionen usw.
Weil es sollte meiner Meinung nach JEDEN Menschen frei stehen sein Leben zu beenden. Und besser ein begleiteter würdevoller Suizid, als sich vor den Zug zu schmeißen, vom Hochhaus zu springen, oder sich z.B zu erhängen. Oder ein fragwürdigen Medikamenten Cocktail sich einzuwerfen.

Ich bin gespannt wie das Gesetz denn jetzt geändert wird.

LG
Ich hoffe das es nur schwer Kranken erlaubt bleibt. Zu sagen Menschen die das Leben Satt haben sollten dies nicht dürfen...

Es ist das eine dem unausweichlichen dem Leiden vorzuziehen, aber wenn jetzt jeder das in Anspruch nehmen dürfte, würde die Suizid Rate enorm steigen und die Gefahr das viele das als schnelle Problemlösung nutzen ist definitv nicht von der Hand zu weisen.

Ich denke es wird eine strikte Regelung geben, wer darf und wer nicht

Liebe Grüße
Kathi
Es ist besser, für das was man ist, gehasst,
Als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden.
Engelchen
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3093
Registriert: Fr 7. Jun 2019, 17:03
Geschlecht: Weiblich
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): München
Hat sich bedankt: 17 Mal
Danksagung erhalten: 13 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Was für ein Urteil

Post 9 im Thema

Beitrag von Engelchen »

Kathi87 hat geschrieben: Mi 26. Feb 2020, 21:36 Ich denke es wird eine strikte Regelung geben, wer darf und wer nicht

Liebe Grüße
Kathi
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.
Ich bin froh das es mir schwer gemacht wurde.
Und um es ganz hart auszudrücken - wenn ich wirklich nicht mehr will, kündige ich es nicht an sondern tu es einfach
Lisa
Liebe geben und offen sein für Neues
Violetta Arden
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3962
Registriert: Mi 5. Jul 2017, 17:53
Geschlecht: Part-time-lady
Pronomen: was auch immer
Wohnort (Name): Tirol
Forum-Galerie: gallery/album/213
Hat sich bedankt: 1384 Mal
Danksagung erhalten: 3054 Mal
Kontaktdaten:

Re: Was für ein Urteil

Post 10 im Thema

Beitrag von Violetta Arden »

Gott sei Dank waren hier mal denkende Personen in ihren verantwortungsvollen Positionen am Werke.
Dass jeder das Recht hat über das Ende seines Lebens selbst zu bestimmen ist die Grundvoraussetzung jedes selbstbestimmten Lebens. Dass das natürlich konservativen, kirchlichen Kreisen nicht passt ist ja eh klar - lieber länger (kommt mir vor wie ein Vergleich mit Jesus) gelitten als würdig sich verabschieden. Und natürlich werden auch einige Pharmafirmen Einbussen in lebensverlängernde, sinnlose und teure Medikamente hinnehmen müssen.
Ich hoffe nur, dass diese Regelung auch nach Österreich kommt.
Schönen Abend noch
Gerda Joanna
Mein weibliches Ich ist ein Teil von mir und lässt sich nicht mehr unterdrücken. Ungenützte Zeit lässt sich nie mehr zurückholen.
Lebe Dein Leben.

Mein Blog:
https://violettaarden9.blogspot.com/
Nicole Fritz
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3016
Registriert: Mo 20. Mär 2017, 17:38
Geschlecht: Enby
Pronomen:
Forum-Galerie: gallery/album/567
Hat sich bedankt: 157 Mal
Danksagung erhalten: 253 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Was für ein Urteil

Post 11 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Ich warte einfach mal ab. Falls nichts anderes geht, habe ich meine getrockneten Knollenblätterpilze. Ist nicht angenehm damit, (Atemlähmung) aber lieber ein Ende mit Schrecken ... . Diesem ganzen verordneten Kram traue ich sowieso nicht (vor allem, wenn die katholische Kirche da mit redet ...).

Also falls ich hier irgendwann nichts mehr schreibe, dann drückt mir bitte die Daumen, dass ich mich verliebt habe und deshalb keine Zeit mehr für das Forum finde. - Oder es wurde einfach mal wieder das Internet abgestellt. - Bitte kein Rätselraten: Wo ist Nicole!

LG Nicole
Inga
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3851
Registriert: Mo 19. Jul 2010, 00:32
Pronomen:
Hat sich bedankt: 118 Mal
Danksagung erhalten: 207 Mal
Kontaktdaten:

Re: Was für ein Urteil

Post 12 im Thema

Beitrag von Inga »

Hi,

Und hir noch die gemeinsame Erklärung der Vorsitzenden der EKD (Evangelischen Kirche Deutschlands) und der DBK (Deutschen Bischofskonferenz) zum Thema

https://www.ekd.de/gemeinsame-erklaerun ... -53539.htm

Liebe Grüße
Inga
ExUserIn-2026-04-08
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3886
Registriert: Do 20. Nov 2014, 15:59
Pronomen:
Hat sich bedankt: 140 Mal
Danksagung erhalten: 1027 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Was für ein Urteil

Post 13 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Eben dort:
So wollen und werden wir uns weiterhin dafür einsetzen, dass organisierte Angebote der Selbsttötung in unserem Land nicht zur akzeptierten Normalität werden."
Es wird gerne auf die gewerbsmäßige Beihilfe zur Selbsttötung angesprochen. Aber im Grundsatz geht es doch zunächst um etwas anderes. Nämlich das Recht selber entscheiden zu können, wann und wie man sterben will. Das ist mMn ein Bestandteil der Menschenwürde.

Ich habe das Leiden meiner Eltern, insbesondere meiner Mutter mit ansehen müssen und ich möchte das mit Sicherheit so nicht erleben. Sie hatten nicht mehr die Möglichkeit, sich selber das Leben zu nehmen. Wenn manche meinen, dass sie das noch könnten, irren sie sich. Solange man es selber noch kann, macht man es i.d.R. noch nicht. Hier liegt eine Problematik: Wer kann die Entscheidung treffen ? Wann ist der Punkt erreicht, dass jemand eindeutig seinen Willen kund tut, dass er definitiv sterben will ?

Was bedeutet "gewerbsmäßig". Eine Firma namens "Sterbehilfe AG" ? "Kommen Sie und schon macht Sterben Spaß" ? Das ist zwar sarkastisch, aber letztlich muss jemand den Cocktail mischen. Das ist nicht kostenlos. Ich halte das für ein Scheinargument. Es müssen Regularien geschaffen werden, die einen Missbrauch so weit wie möglich unterbinden. Betroffene, deren Vertreter, Ärzte und eine juristische Absicherung sind in meinen Augen unverzichtbar. Aber dann sollte es auch möglich sein, in Würde zuu sterben.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Inga
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3851
Registriert: Mo 19. Jul 2010, 00:32
Pronomen:
Hat sich bedankt: 118 Mal
Danksagung erhalten: 207 Mal
Kontaktdaten:

Re: Was für ein Urteil

Post 14 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, Vicky,

ich habe auch schon mehrere mir nahe stehende Menschen bis zum Ende begleitet, den langen Zeiten der Bettlägrigkeit, dem endgültigen Stillstand vom Herz-Kreislauf, das auskühlen des Körpers. Ja, das Leben der betroffenen Personen ändert sic hdurch die Pflegebedürftigkeit total und passt so wenig zu unserer erfolgsgewohnten Fassasdengesellschaft. Viele haben erst mal Angst vor dieser ungewohnten letzten Lebensphase. Viele haben auch veraltete Vorstellungen, was heutzutage Schmerztherapien und angemessene Unterbringung etc. leisten können, soweit sie zugänglich sind.

Ja, Leiden vermeiden, wer möchte das nicht. Allerdings sollte man dabei auch den medizinischen Fortschritt im Auge halten. Mit Krebserkrankungen wird heutzutage schnell auf die Tränendrüse gedrückt und Angst und Schrecken verbreitet.

Mich hat ein Fall im Bekanntenkreis hellhörig gestimmt. Eine Frau ca. 50, hatte die Aussicht,erblich bedingt an einer Krebskrankheit zu erkranken, und da sie den Krankheitsverlauf von ihren Eltern und Großeltern glaubte zu kennen und ihnen ausweichen wollte, hatte sie sich frühzeitig um Wege der Sterbehilfe in der Schweiz gekümmert. Ihr Argument: Von der Erbschaft an ihren gesunden Ehepartner sollte nicht zu viel für die Pflege am Lebensende drauf gehen. Das war ihr Motiv und ihr erklärter Wille. Sie erkrankte dann auch an einer Form des Dickdarmkrebses, die früher unvermeidlich zum Tode führte,heutzutage im frühen Stadium erkannt und mit einer gezielten Operation angegangen und mit wenigen Wochen Nachbehandlung dauerhaft heilbar war. Sie interessierte der allgemeine medizinische Fortschritt weniger, sondern versteifte sich in dem Willen, eine hohe Erbschaft zu hinterlassen. Das vererbte Vermögen verwaltet jetzt der verwitwete Ehegatte und lässt seine verstorbene Frau im Bekanntenkreis als Vorkämpferin der willentlichen Sterbehilfe feiern.

Seitdem fällt mir immer wieder auf, dass Menschen schon noch leben wollen, ihnen oft aber der Tod nahe gelegt oder herbei gewünscht wird, eben aus Gründen der Erbschaft, aus vermeindlichen Belastungen für die Angehörigen und den Kosten professioneller Pflege.

Was angesichts des Urteils zudem schwieriger wird, ist der Wunsch nach eigenem würdevollem Weiter- und Zuendeleben auch unter den sehr schwierigen Lebensumständen, nämlich dann, wenn man leidend und vermeindlich hilflos auf die Hilfe der Gesellschaft angewiesen ist und eine Verbesserung nicht mehr in Aussicht steht. Da wird einem zukünftig schneller und eindringlicher heran getragen oder einfach nur der moralische Druck erzeugt, mit seiner Existenz doch nicht mehr die Ressourcen zu verschwenden, anderen "nicht mehr zur Last zu fallen" und "würdevoll Schluss zu machen".

Es gibt in unserem Lande viele Menschen, bei denen moralische Vorstellungen zwar nicht mehr religiös sind, sondern von einem veralteten Wissenssstand geprägt sind, iund ihre morlischen Vorstellungen sehr nahe an wirtschaftlicher Verwertung und persönlichen wirtschaftlichen Vorteilen geknüpft sind. Auch dafür hat das Bundesverfassungsgericht jetzt die Tür weit aufgestoßen.

Liebe Grüße
Inga
Zuletzt geändert von Inga am Do 27. Feb 2020, 10:09, insgesamt 1-mal geändert.
ExuserIn-2020-03-10
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 153
Registriert: So 30. Dez 2018, 12:16
Pronomen:
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Was für ein Urteil

Post 15 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-03-10 »

Inga hat geschrieben: Mi 26. Feb 2020, 18:36
Ute2506 hat geschrieben: Mi 26. Feb 2020, 18:12
Inga hat geschrieben: Mi 26. Feb 2020, 18:03 Hallo,

Ich mache mir schon Sorgen, daass viele zum Sterbewunsch gedrängt werden, wenn sie in ihrer Eigenart und Not auf Beistand und umfangreiche Hilfe der Gesellschaft angewiesen sind. Ich fürchte, dass viele an den Lebensumständen Verzweifelter den schnellen Tod suchen werden und wir mit dem Verweis auf legale Sterbehilfe es uns bequem machen.

Liebe Grüße
Inga
Hi Inga,
deine Sorgen sind wahrscheinlich unbegründet. Die Pflegeindustrie verdient an den zu Pflegenden viel Geld, daher war es in den letzten Jahren eher umgekehrt: Eigentlich noch selbstbestimmt lebensfähige ältere Menschen wurden in die Pflegestufe gedrängt, damit im Pflegeheim etwas für sie 'getan werden konnte'. Hab ich selber mehrfach bei nahestehenden Menschen so erlebt.

Meiner Vermutung nach wird sich die Pflegeindustrie diesen lukrativen Geschäftszweig nicht abnehmen lassen...

LG,
Ute
Liebe Ute,

mir fallen zwei Aussagen ein:

1. Der "Pflegeindustrie" fehlen buundesweit mehr als 100.000 Arbeitskräfte (Gutaachten zu Personalnotstand in der Altenpflege). Da kommt der Branche der Ausweg der Sterbehilfe als regulierendes Ventil gerade recht. Krankenkassen und Pfölegeversicherungen könne jetzt danken. Die Sterbehilfe-Industrie kann jetzt ihren Markt entwickeln. Mal sehen, wann die ersten spezialisierten Kliniken für die "professionelle Hilfe" ihre Anzeigen schalten.

Aber ist das nicht makaber?

2. Wer sagt denn, dass die um Sterbehilfe Bittenden denn pflegebedürftig sein müssen? Soweit ich die Berichterstattung zum Urteil mitbekommen habe, ist der subjektive Wille des Betroffenen entscheidend, nicht irgendeine objektiv überprüfbare Schwere von körperllicher Krankheit und hoher Pflegebedürftigkeit . Es gibt noch viel mehr Menschen, die im Leben in ihrem Schicksal allein gelassen werden, etwa bei Ängsten und seelischer Not, bei Schicksalsschlägen, Verlust von Job, diverse Obdachlose, die langjährig ohne Chance auf Wohnung bleiben und am Leben verzweifeln, von Leuten aus der Trans-Szene gar nicht zu reden. Da ist der Wille der Betroffenen zum geholfenen Tod aufgrund der persönlich erlebten Lebensumständen sehr nahe. Das ist für mich keine humane Gesellschaft mehr.

Liebe Grüße
Inga
Hi Inga,
du hast recht, der Pflegeindustrie fehlen Arbeitskräfte, zum Teil auch weil zu wenig bezahlt wird für die harte Arbeit. Aber so schnell gibt eine gut funktionierende Industrie nicht auf, schau mal hier vorbei: https://www.defa-agentur.de/
Dort werden gezielt Pflegekräfte aus den, Zitat: "Pilotländer Philippinen und Mexiko" angeworben, es wird auch geworben mit einer professionellen Unterstützung bei den Genehmigungsverfahren. Mach dir mal keine Sorgen, wir werden nicht alle vorzeitig sterben ohne gepflegt zu werden ;-) kannst ja spasseshalber bei Google mal nach "pflegekräfte brasilien" suchen :-)

Zu deiner zweiten Frage kam gestern abend in der Tagesschau ein Beitrag einer Person die Sterbehilfe in Anspruch nehmen wollte und nicht durfte, und deshalb klagte. Soweit ich das verstanden habe war die Person unheilbar krank, litt an einer Lungen-Unterfunktion die unausweichlich zum Tod führt. Um diese Fälle werden sich zukünftig die Sterbehelfer in einem rechtssicheren Rahmen kümmern können, diese werden nun nicht mehr mit Maschinen bis zum unausweichlichen Ende therapiert. Du sprichst aber eine ganz andere Gruppe an, die ohne Aussicht auf ein erfülltes Leben dem ganzen ein Ende setzen möchte. Hier kann man nur hoffen dass der verantworliche Sterbehelfer (Arzt oder ähnliches?) nicht mitmacht, und stattdessen eine Therapie empfielt.
Ansonsten hast du recht, das wäre keine humane Gesellschaft mehr wenn man in diesen Fällen auf das Recht zu sterben pocht. Hier wäre die Pflicht zu helfen eindeutig im Vordergrund.

LG,
Ute
Antworten

Zurück zu „Religion, Politik und Gesellschaft“