wie schnell doch die Zeit vergeht"¦ und schwupps ist wieder ein Jahr vergangen,
auf das ich mit meinem heutigen Beitrag - gerade nach monatelanger Abwesenheit im
Forum - zurückblicken möchte.
Aber keine Sorge, politische, wirtschaftliche wie globale Probleme möchte ich dabei
außen vor lassen und diesbezüglich auch keinerlei Diskussion vom Zaun brechen.
Es soll hier lediglich kurz umrissen werden, was in meinem Leben, und hier im Besonderen
meiner weiblichen (Mel's) Seite, als highlights der vergangenen 12 Monate von mir
empfunden wurde.
Um es vorweg zu schicken, ich neige mitunter (meist ,-) ) dazu, etwas längere Texte zu
verfassen, so dass mit "kurz umrissen" mehr als 2 zusammenhängende Sätze gemeint sind.
"¦ der/die geneigte Leser*in sollte also bei weiterem Interesse über entsprechende Ausdauer
verfügen.
Da ich hier seit nunmehr 9 Jahren im Forum angemeldet bin und ich davon ausgehe, dass eine
Vielzahl der hier angemeldeten Leser*innen meinen Trans*Lebenslauf nicht kennen, hier in
Kurzform einige Infos zu mir:
Crossdresser, seit fast 4 Jahrzehnten glücklich verheiratet, 2 erwachsene Kinder, Enkel,
Jahrzehntelang gegen die Neigung angekämpft; erst mit outing gegenüber Ehefrau (Dez 2011)
durfte sich meine weibliche Seite Bahn brechen und Mel entwickeln.
Erste Schritte in der Öffentlichkeit in 2012, direkte Kontakte/Teilnahme an Treffen mit
Transidenten (TG, TV, CD, Transsexuelle) und deren Partner*innen, Ende des Jahres die Kinder eingeweiht,
dabei Bannmeile für öffentliche Auftritte Mels von 100km um Wohnort festgelegt (gilt heute nicht mehr);
erste Kurzurlaube als beste Freundinnen (Mel für 1 Tag/Abend), Weiterentwicklung
des passing durch intensive Recherche und üben zu Hause, peu-a-peu outing innerhalb
engerem Freundeskreis (ab 2016), tw. der Familie / Lebenspartner-in der Kinder, dann der
Nachbarschaft (Sommer 2018).
Mittlerweile hat Mel ein eigenes Zimmer im Haus, um all die Schuhe, Kleidung, Wäsche, Accessoires,
Perücken unterzubringen. Aber da Frau dennoch nie das Passende anzuziehen findet, erfolgt dank fast
gleicher Konfektionsgröße auch ein Austausch der Oberbekleidung mit meiner Frau.
Soweit zur Einführung "¦ nicht stöhnen, ich hab euch gewarnt!!
Nun zu den Erlebnissen / Schilderungen aus dem Jahr 2019.
Meine Ehefrau Steffi und ich genießen unsere gemeinsamen Unternehmungen, mein outing
gegenüber unseren Nachbarn hat uns/MIR dabei zusätzlichen Freiraum geschaffen, bis dato
ohne nennenswerte negative Folgen im Umgang miteinander (Nachbarn).
So kann ich auch von zu Hause aus im Mel-Modus starten, ohne mir einen Kopf(-kino)
machen zu müssen.
In das Jahr 2019 starteten wir im Rahmen einer tollen Silvesterfeier bei guten Freund*innen
in Hamburg mit insgesamt 5 Ehepaaren, davon 4 Paare, wo der Partner Crossdresser ist und
alle lebten/zeigten sich an diesem Abend von ihrer bestangezogenen weiblichen Seite.
Das andere Ehepaar sind die besten Freunde der Gastgeber, supernett und aufgeschlossen,
entsprechen hierbei der sogenannten gesellschaftlichen Norm und waren entsprechend ihrem
biologisch offensichtlich zugehörigen Geschlecht ebenfalls festlich gekleidet.
Um Mitternacht dann Prosit Neujahr, ab nach draußen, Anstoßen mit den Eltern und anderen
Nachbarn der Gastgeber, anschl. weiterfeiern und gegen 0400Uhr zu Bett.
Am späten Vormittag dann Frühstück mit den Gastgebern und deren Eltern, ich dabei im Mel-
Modus (passing "¦ na ja!). Danach Heimfahrt gen Flensburg.
So durfte das angebrochene Jahr 2019 gerne weiter gehen.
Und es ging toll weiter.
Die "normalen Aktivitäten" von Mel und Frau lasse ich hierbei mal außen vor,
wobei diese für mich/uns nach wie vor immer noch ein Genuss und Vergnügen sind.
Ein absolutes Highlight, nicht nur aus Mel's Sicht, sondern grundsätzlich, war die
erste Kreuzfahrt unseres Lebens, im März 2019 ... mit Mel an Bord !!
Lange darauf gespart und als vorgezogenes selbstgemachtes Geschenk anlässlich meines runden Geburtstages
im Mai zu sehen.
Und eine BITTE: hier jetzt keine Vorwürfe / Diskussionen al la friday-for-future Bewegungen.
Also, es ging für 12 Tage gemeinsam mit rund 2200 Passagieren auf das neueste Schiff der
Tee-Uuh-Iie-Flotte, mit Zielen auf den Kanaren, Portugal und westl. Mittelmeer, darin waren 3 reine
Seetage vorgesehen. Und 2 dieser Seetage gehörten in Gänze Mel,
dafür vorgesehen, wurde aber erkältungsbedingt verworfen.
Also auf engstem Raum war so der direkte Kontakt im en-femme-Modus mit den anderen
Passagieren gegeben, sei es bei Frühstück, Mittag, Promenaden-/Sonnendeck, Eiscafe,
Barbereichen, Diskothek, Restaurant, Shoppingmall, Theater, etc.!
Unter anderem nahmen Mel und ihre beste Freundin und Ehefrau Steffi in der Parfümerie-
abteilung mit 14 weiteren Damen an einem 45-minütigem Tuchbindekurs teil.
Gerne hätte ich auch einen Landausflug als Mel unternommen, was aber aufgrund der gelten-
den Sicherheits-/Ausweismodalitäten (noch) nicht möglich war (Ja, ich bin im Besitz eines
DGTI-Ausweises! Dieser war an Bord nicht bekannt).
Aus diesem Grund suchte ich auch den Kontakt zur Kreuzfahrtdirektorin, die sich dann auch
mehr als ein halbe Stunde Zeit für uns nahm, während der ich ihr in Kurzform einige wesent-
liche Aspekte rund ums Trans*dasein schilderte und mein Ansinnen zum Landgang im gegen-
geschlechtlichen Modus nebst möglicher Lösungsansätze näher brachte.
Sie machte sich diverse Notizen, war sehr interessiert und wollte die Thematik an die
Reederei nebst meiner persönl. Anschrift als möglichem Ansprechpartner weiter geben.
Ich war übrigens nicht die erste Transperson, die ihr in ihrer langjährigen Position als
Kreuzfahrtdirektorin an Bord begegnet ist, aber noch keine-r vor mir hätte sich so offen(-siv)
und auf die Leute zugehend gezeigt, geschweige den Kontakt zur Schiffführung / zu ihr
aufgenommen.
Und sonst?? Probleme mit anderen Passagieren?? Negative Bemerkungen??
Alles Fehlanzeige. Lustig war es nur, wenn wir auf schon bekannte Tischnachbarn trafen,
mal als "normales" Paar, mal ich im Mel-Modus. Kam natürlich nur selten/vereinzelt vor"¦
2 Monate später dann mein 60.-ster Geburtstag mit einem tollen Geschenk:
Professionelles Fotoshooting in Hamburg (useone-international), das unerwarteter Weise
"¦. in einem Erotikshooting gipfelte.
Kleidungsutensilien, Dessous kam seitens der Fotografin der Wunsch bzw. die Empfehlung
dazu auf ... was ich/wir wahrlich nicht bereut haben!!).
Die Fotografin hatte schon einige Transidente/TV/Crossdresser vor der Kamera, aber dies
war auch für sie das erste Mal, dass sie ein Erotikshooting mit jemand aus diesem
Personenkreis durchführte. Das Studio wird i.d.R. zu > 95% von Frauen/Models (Setcards)
genutzt.
Als wir 1 Tag nach dem shooting die Aufnahmen in einem kinoähnlichen Vorführ-
raum sahen "¦ wir waren sowas von geplättet. Als das erste Foto von Mel im Profil an die
Leinwand geworfen wurde, kam folgende Bemerkung von meiner Frau:
"Hammer, gibt es nicht, welche hübsche Frau schaut mir da entgegen?! Da sehe ich das erste
Mal nicht meinen langjährigen Ehepartner hinter der en femme Fassade!"
Klar, die software macht vieles möglich, wobei die Vorgabe schon war, auf den Fotos keine
Kunstfigur entstehen zu lassen, möglichst wenig zu retuschieren und eine Wiedererkennung
gegeben sein soll! Tolle Fotos, übers Geld schweigen wir, geniales wenn auch anstrengendes
Erlebnis, das immer in Erinnerung bleiben wird.
Naaa, immer noch hier?! Tapfer, tapfer ...
Im Sommer - Juli2019 - dann der Besuch von unseren Silvestergastgebern und Freunden aus Hamburg,
Regina (CD) und Ute (Ehefrau) verbrachten das Wochenende bei uns im Rahmen des
Flensburger Dampf Rundum. Während Regina das gesamte Wochenende im en femme
Modus mit uns verbrachte, sollte für mich ein bis dahin selbst auferlegtes Tabu gebrochen
werden!
Am Samstag war der Besuch / Besichtigung der Stadt Flensburg nebst Dampf Rundum und
abendlichen Restaurantbesuch in Glücksburg geplant. Und an diesem Tag ging ich zum ersten
Mal im Mel-Modus in unserem direkten Umfeld, Wohnort, Stadt Flensburg und Glücksburg
in die Öffentlichkeit und verbrachte so auch den Tag/Abend.
Wir suchten die wesentlichen Sehenswürdigkeiten Flensburgs auf, gingen Eis essen, Regina
erstand in einem großen Bekleidungshaus nach fachfraulicher Beratung 2 neue Kleider (wenn
Frau sich halt nicht entscheiden kann!). In einem der Innenhöfe der Roten Straße stießen
wir dann (fast) mit Nachbarn von uns zusammen,
Während wir am frühen Nachmittag durch die Fußgängerzone liefen, begegneten wir doch
tatsächlich Freunden von uns, die zwar von Mel wussten, aber sie noch nie live gesehen
hatten!! Wären fast aneinander vorbei gelaufen, aber meine Frau wurde erkannt "¦ und dann
der logische Rückschluss gezogen, woraufhin Mel gleich von der ganzen Familie (unsere
Freunde waren mit Tochter und Enkelkind unterwegs ) in den Arm genommen und geherzt
wurde. Kurzer smalltalk mit kleinen Komplimenten ob unseres Erscheinungsbildes und weiter
ging's.
Wir liefen dann noch dem ein oder anderen bekannten Gesicht über den Weg (u.a. Hausarzt,
ehemalige Arbeitskollegen), allerdings ohne erkannt zu werden. Abends ging es dann in
Glücksburg in eines der angesagtesten Restaurants, alles ohne großes Aufsehen. Ein rundum
gelungenes Wochenende in der Hoffnung, die Beiden bald wieder hier oben begrüßen zu
dürfen.
Vierzehn Tage später besuchte uns eine gute Freundin aus dem Südwesten Deutschlands
gemeinsam mit ihrer Trans-Partnerin und verbrachte ein verlängertes Wochenende bei uns.
Ariane (Biofrau, auch hier angemeldet) suchte 2015 über das Forum Kontakt zu mir, nachdem
sie von ihrem jüngeren Partner von dessen Transvorstellungen erfahren hatte. Die Beziehung
der beiden war zum Zeitpunkt des outings noch relativ frisch, der Partner dabei aber sehr in
sich gekehrt und Ariane sah sich mit dieser neuen Situation und der ihr völlig unbekannten
Thematik allein überfordert und ergriff die Initiative, was sie hier ins Forum führte.
Mittlerweile haben wir uns schon mehrfach getroffen, u.a. ein Wochenende zu viert in Lübeck
verbracht (2016) und nun der Besuch der Beiden im Juli an der Flensburger Förde.
Arianes Partnerin ist mittlerweile auf dem Weg und strebt die komplette Angleichung an.
Es war ein tolles Wochenende mit traumhaften Sonnenuntergängen an der Förde und auch
hier standen Spaziergänge und Restaurantbesuche in der unmittelbaren Umgebung an, auch
hier war ich dann als Mel unterwegs.
Auch wenn mir viele sagen, dass mein passing so gut sei, dass niemand hinter Mel die wahre
Identität (wenn auch erkannt wird, dass Mel biologisch ein Mann ist!) erkennen würde, so ist es
ja doch so, dass meine Frau stets in meiner Begleitung ist, und so entsprechende Rückschlüsse
gezogen werden könn(t)en.
Sooo, nu aber mal kurz den Po liften, Beine vertreten, Schluck trinken, what ever "¦
Noch Lust?? "¦ okay, weiter gehts
Im Frühherbst stand dann für meinen Schatz und mich ein 10-tägiger Städteurlaub an,
abgestützt auf ein Hotel in Hildesheim, davon mehrere Tage komplett en femme.
Wobei mir Steffi beim Packen vorgeschlagen hatte, dass ich meine männliche Kleidung -
wenn ich möchte - auch zu Hause lassen kann.
Wow, was für ein Angebot, seeehr verführerisch!!
Aber"¦, das habe ich dann aufgrund des morgendlichen Aufwands (60 - 70 min. für duschen,
rasieren, schminken...) und in Anbetracht der Frühstückszeit Hotel gegen 0830-45Uhr doch
verworfen. Man ist ja schließlich im Urlaub!!
An immerhin 6 Tagen habe ich das frühere Aufstehen denn doch in Kauf genommen.
Es waren herrliche Tage, wir hatten mit dem Wetter Glück, haben diverse Ausflüge nach
Hameln, Hannover, Wolfenbüttel, Quedlinburg, Wernigerode und zur Marienburg unter-
nommen, sind dabei immer nett und zuvorkommend aufgenommen und bedient worden.
Selbst in vermeintlichen Problemvierteln (Sozial schwächer Gestellte, hoher Ausländeranteil,
Punkszene u.ä.) konnten wir uns ungehindert und ohne Anmache / Sprüche bewegen.
Dabei all das getan, was jede-r-s andere Urlauber-paar auch in seiner Freizeit so unternimmt,
nirgendwo Einschränkungen gemacht, aber auch nicht provoziert. Es war ein erholsamer und
lohnenswerter Urlaub mit vielen bleibenden Erinnerungen.
Ansonsten genießen wir unseren Stammtisch /SHG von crossdressing-hamburg, an dem
im Schnitt so 20-30 Personen teilnehmen, davon sehr viele Paare. Wir versuchen, so alle
2 Monate den Weg von Flensburg nach Hamburg zu machen und verbinden dies in der Regel
mit einem Kurzaufenthalt im Hotel Wilhelm Busch in Norderstedt. Von dort aus starten wir
dann zur Teilnahme am Treffen in Altona, abends geht es dann mit der Gruppe in Restaurant
Falkenstein in Blankenese.
Das Jahr beschließt die Gruppe crossdressing-Hamburg dann mit einer Weihnachtsfeier.
Diese haben wir gerade zum 2.-ten Mal im Hotel Wilhelm Busch in Norderstedt mit
25 Personen genossen, im Vorjahr sogar mit rund 35 Personen (siehe meinen Bericht vom
letzten Jahr). Das Hotel bietet hier einen sehr guten Service,
Möglichkeit, sich nach Ende der Veranstaltung nur mit ein paar Schritten ins gebuchte
Zimmer zurück zu ziehen.
Fahrzeit zu Hause wären!
Den Abschluss der Veranstaltung bildet für diejenigen von uns, die im Hotel übernachten,
das gemeinsame Frühstück am nächsten Morgen, dieses Mal mit 11 Personen, davon
5 Paare (Männer en femme), auch dies ein weiteres highlight und Sahnehäubchen, da die
Frühstückszeit Sonntags immer bis 1300Uhr nebst late check out anberaumt ist.
Eigentlich wollte ich zu jedem Einzelnen dieser oben erwähnten Erlebnisse einen separaten
Bericht verfasst haben, um damit deutlich zu machen, wie das Leben als Teilzeitfrau laufen
kann, aber auch, um euch teilhaben zu lassen und ein feedback im Forum zu erfahren"¦
Irgendwie hat es dann meinerseits doch an Zeit und Muße gefehlt und ich habe mich nicht
dazu aufraffen können.
Wohl auch dem Umstand geschuldet, dass ich meine innere Mitte gefunden habe, meine weibliche
Seite dabei relativ frei ausleben kann, wir mittlerweile einen entsprechenden Bekannten-
ja Freundeskreis aufgebaut haben, im Besonderen durch unsere Teilnahme an den Treffen
von crossdressing-hamburg und dem damit verbundenen direkten Austausch mit anderen
Transidenten/*Paaren. Parallel dazu hat sich mein Interesse an spezifischen Trans-Foren
im vergangenen Jahr deutlich reduziert.
Letztendlich aber wohl auch, da man(n)/Frau das Gefühl hat, es wiederholt sich eh alles
und man(n)/Frau hat zu allem und jedem schon -zig Beiträge verfasst, ohne nun noch etwas
sinnvolles/hilfreiches beitragen zu können?!! (Rückblickend dürfte ich seit 2004 in diversen
Foren so ca. 2.000 Beiträge - nicht eingerechnet Begrüßung neuer Mitglieder - verfasst haben?!)
ABER: Es stoßen ja immer wieder "NEUE" zur Forengemeinde dazu, mit ähnlichen Fragen
und um Rat / den Austausch suchend, wie meiner eine-r seinerzeit!
Wie schön, wenn man dann auf offene Ohren trifft und von der Erfahrung anderer profitieren
kann, nicht wahr?!
Also, wie das so ist ... mit den guten Vorsätzen zum Jahreswechsel "¦.
mich nun auch hier wieder mehr einzubringen.
Glückwunsch, sie haben das Textende erreicht
Anbei noch ein paar Fotos von mir (uns) aus 2019 ...
Ganz liebe Grüße und schönen Sonntag
Mel