Kleine Ketzerin hat geschrieben: Mi 25. Dez 2019, 17:19
Ist das Deiner Meinung nach eher ein generelles, vielleicht sogar ein kulturelles Problem? Ich bin zwar hier geboren und aufgewachsen, muss aber offen gestehen, dass ich mit dem hiesigen Verständnis einer liberalen und aufgeklärten Gesellschaft doch immer wieder meine liebe Mühe habe... Warum redet man ständig davon, wie liberal, frei und aufgeklärt Deutschland doch sei, wenn man am Ende dann doch nur wieder wie ein Schaf in der Herde den laut blökenden Leithammeln folgt
Hmm...
ich habe noch die Worte von Herrn Schäuble im Ohr "unsere Demokratie". Ähm, bitte wessen? Seine, die der Menschen
im Bundestag oder wirklich die von allen? Damit habe ich mein Problem-es ist nicht meine, da ich nicht gefragt wurde
und somit kann es auch nicht "unsere" sein.
Ja, es ist ein kulturelles Problem-nämlich Obrigkeitshörigkeit. Warum sollte ich mich an einer Richtschnur von Leuten
festhalten die mich nicht kennen und noch viel weniger ein Interesse an mir haben, oder nur das zu ihrem Machterhalt
zu dienen? Oh, sorry...ich rutsche grad mehr in meinen Anarchoanteil mit kariertem Minirock...naja eher grün-links.
Schliesslich mag ich meine Annehmlichkeiten...
Kleine Ketzerin hat geschrieben: Mi 25. Dez 2019, 17:19
Genau so ist es. Das Grundproblem an der "wissenschaftlichen Lage" ist ja auch, dass man damals im Zuge der Medikalisierung von trans Menschen in typisch ärztlicher Überheblichkeit versuchte, ein ganzes Menschenleben in ein "Syndrom" wie Grippe, Diabetes oder Depression zu stopfen. Das hatte katastrophale Auswirkungen, an denen sich bis heute nichts geändert hat, denn am "Syndromcharakter" von Trans hält man noch immer unerschütterlich fest. Menschen sind aber nunmal keine "Syndrome" und folglich lässt sich da auch nichts "diagnostizieren" und per Rezept oder "Indikation" verordnen. Alleine die Vorstellung eines "verordneten Lebens" klingt für mich einfach nur grausam.
Ja ein "verordnetes Leben" ist grausam...
aber an der Stelle habe ich das Glück mit offenen Therapie- und Arztpersonen zu tun zu haben, die mich in Absprache
unterstützen. Meine Thera fragte immer "was ist ihr nächster Schritt und worüber wollen wir heute reden?"
Ich spreche Änderungen in der Medikation bei meinem Endo an und wenn es so ist einigen wir uns auf etwas..
und genau müssen wir hin-das erfordert aber das wir alle zu "Quasi-Experten" werden müssen und ein Interesse an uns
haben müssen. Das wäre für mich eine aufgeklärte Vorgehensweise. Nicht ich hau mir irgendwas in den Kopf ohne mich
vorher zu informieren. Das ist schwach und unreflektiert...
Kleine Ketzerin hat geschrieben: Mi 25. Dez 2019, 17:19
Ein Stück Binarität aufgeben... Kann man das? Wie viel Binarität bleibt übrig, wenn man der Null und der Eins noch ein "bisschen Zwei" hinzufügt? Versteh mich bitte nicht falsch, ich bin da absolut Deiner Meinung. Aber wenn ich mir anschaue, wie heftig viele Menschen heute auf Enbys oder die dritte Option reagieren, dann beschleicht mich der Eindruck, dass es um weit mehr geht als nur "ein Stück Binarität".
Sollten wir sogar! Denn das ist normal-es gibt kein 100% Frau oder Mann und zum Glück sehen die meisten in meinem
Umfeld das genau so.
Na klar geht es um mehr-es geht um Kontrolle. Hast du 2 uniforme Schubladen ist alles megaeasy zu kontrollieren und zu
beeinflussen. Alle die heute glauben wir haben die höchst mögliche Individualität tun mir echt leid.
Individualität erschöpft sich nicht in der Konfiguration des neuen SUV oder am Hintergrundbild auf dem Desktop...
aber da wären wir wieder beim Blöken
Alles Liebe Marie

Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.