Wertigkeit???
Wertigkeit??? - # 2

Lebensplanung, Standorte
Marlene K.
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Re: Wertigkeit???

Post 16 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Ich finde dieses Thema wirklich schrecklich.

Ich weiß, wer ich selber bin. Ich weiß aber nicht, in welche Schublade ich passe und es ist mir meist auch egal.

Ich lebe mein Leben mit einem Busen durch Phytohormone und männlichem Sexualorgan. Ich trage im Alltag weiblich gewertete Kleidung. Wenn jemand das Bedürfnis hat, mich in Schubladen zu stecken, sagt dies ganz viel über diese Person aus und ihre Unsicherheiten, aber ganz wenig über mich.

Ich kenne Crossdresser, die hängen einem Fetisch an, ich kenne Crossdresser, die sind politisch unterwegs und lehnen Sexualität in der Rolle der Frau ab, so wie ich mir dies früher auch nicht zugestanden habe. Ich kenne Frauen, die als Männer geboren sind und jetzt als AFDlerinnen Cisfrauen über die wahre Frau aufklären, ich kenne TransFrauen (hier für als mit männlich gewertetem Körper geborene Menschen, ohne diesen das natürliche Frausein abzusprechen, auch im folgenden so benutzt) die allen anderen Menschen, die ähnlich wie ich empfinden das echte Transsein ab.

Mit anderen Worten: Ich kenne viele verschiedene Menschen, jeden mit Eigenschaften, die ich nachvollziehen kann und solchen, die ich nicht nachvollziehen kann. Sollten die Eigenschaften, zu denen ich hier auch verkündete Wahrheiten über Menschengruppen zähle, andere Menschen abwerten, lehne ich diese deutlich ab. Solche oft als wertfreie Meinung verkauften "absoluten und natürlichen Wahrheiten" werde ich immer mit all' meiner Kraft und all' meinen Argumenten entgegentreten.

Leider gingen von beiden Seiten, nur Crossdresser sind bessere Menschen, weil sie ja beide Seiten leben oder nur Transpersonen sind gute Menschen, weil sie ja ehrlicher sind und alle anderen nur ihr Transsein verdrängen, die Argumentationen ins absolute und alleine gültige.

Erinnert Ihr Euch noch, wo diese so ausgeuferte Diskussion anfing: Da war die Aussage von einer Teilnehmerin, die Frau Kellermann vom ARD-Studio Essen als noch einen verkleideten Mann bezeichnete...
Also meiner Meinung nach hat sich da zwischen dem Bild von Georg Kellerman und dem Bild von Georgine Kellermann eigentlich gar nix verändert. Wenn man mal vom Unterschied "blaues Herrenhemd" zu "rosa Damenshirt mit Kette" absieht, ist da nichts anders geworden. Ok, der Vorname ist weiblich. Ansonsten sind beide Bilder für mich identisch.
Wenns dabei um das Tragen von Röcken bei der Arbeit gehen würde könnte ich mich mehr mit der Aktion der französischen Busfahrer identifizieren, vielleicht erinnert sich noch jemand an den Sommer 2017 als die Busfahrer im Rock losgefahren sind...
Diese Diskussion mit der Frage von Wertigkeit ist nicht besser als die auch von mir zurückgewiesenen Zitate, es sei denn sie führt zu dem Ergebnis, dass wir Menschen nicht aufgrund von Eigenschaften, die keinem Schaden zufügen werten können.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
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Re: Wertigkeit???

Post 17 im Thema

Beitrag von Violetta Arden »

??? Muss nun alles verdiskutiert werden ? Es soll doch jede(r) so sein, wie er sein will - wenn dadurch niemand anderer zu Schaden kommt. Wer bestimmt den Wert eines Menschen ? Wir befinden uns Gott sei Dank auf dem Wege der Gleichberechtigung von Mann und Frau - vielleicht mit Ausnahme diverser religiösen Hardliner (ob christlicher oder islamistischer Ausprägung ist da ziemlich egal). Zwar langsamer als es wünschenswert wäre. Und zu welchem Geschlecht ich mich zugehörig fühle, oder ob ich mich mal in das andere verwandeln möchte oder mich gar nicht entscheiden kann - das hat mit dem Wert des Menschen gar nichts zu tun.
Die Vielfalt bereichert die Menschheit - seien wir darüber froh.
Es heißt, wir sind nun in der besinnlichsten Zeit des Jahres - na ja - aber es wäre wirklich nicht schlecht.
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Re: Wertigkeit???

Post 18 im Thema

Beitrag von Céline »

Hmmmm.....
Ich finde es interessant welche Diskussion mit nur einem Wort entsteht.
Auch habe ich den Eindruck das obwohl ich tatsächlich das Wort auf Menschen bezogen als völligen Unsinn sehe doch wieder einiges verdreht wird und dann ......na ja.
Wertigkeit und das ist meine Meinung existiert in keinster Weise zwischen TV,CD, TS Whatever....jeder einzelne von uns ist ein ganz besonderer Mensch mit Ecken und Kanten wie jeder!!! Wertigkeit wird durch Aussagen dargestellt und genau das passiert leider.
Ich verstehe es einfach nicht. Ich persönlich mache keine Unterschied zwischen den Einzelnen und verbrachte schon viele lustige und tolle Abenden mit TV, TS, CD und und und...
Im Grunde habe ich oft Momente gehabt wo ich mir gewünscht habe CD zu sein. Mein Weg wäre für mich um einiges Leichter gewesen.
Aber Tatsache ist auch das ich unter TS dasselbe auch schon festgestellt habe das es dort tatsächlich gewertet wird wie jemand seinen Weg geht und wie Weit!!
Bis dann
Céline
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Re: Wertigkeit???

Post 19 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Marielle hat geschrieben: Mi 18. Dez 2019, 23:20 Zu einer Frau gehört eine Geschichte, die mit der Geburt beginnt. Die habe ich nicht.
Der zweite Fixpunkt im Leben eines Menschen ist der Tod.
Gleich nach der Geburt ist noch nicht entschieden, welche "Geschichte" das Leben schreibt und mit wem ich eine "gemeinsame Geschichte" haben werde.
Vielleicht mag es daran liegen, dass ich Zeitungen und Zeitschriften immer "von hinten" lese (bei Büchern ist das eher ungünstig) (smili) - aber ein Blick auf das Ende des Lebens oder der Blick auf "parallel erlebte Zeiten" finde ich irgendwie auch erwähnenswert.
Mit Zuordnungen "durch die Geburt" habe ich so meine Probleme...

Herzliche Grüße
Anne-Mette
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Re: Wertigkeit???

Post 20 im Thema

Beitrag von Marielle »

Nabend Anne-Mette,

ich sollte spät abends vielleicht nichts mehr schreiben. Zu müde, zu kurze Texte. Nun ist's wieder spät....
Anne-Mette hat geschrieben: Do 19. Dez 2019, 09:47Ich muss Dich nun fragen, da AutorIn hier nicht verfügbar ist: Du gehst also von einem biologischen Geburtsgeschlecht aus, das mehr oder weniger bestimmend bleibt? (Wenn Du Dir den Satz zu eigen machst)
Glaubst du das? Würde ich dann für Selbstbestimmung und die endlich notwendige Abschaffung der sinnlosen und albernen Begutachterei dieses 'Geschlechts' streiten? Dafür, dass endlich mit der Zuschreiberei aufgehört wird? Würde ich all die Zeit und den Aufwand da reinstecken? Ich weiss nicht mal, was Geschlecht ist oder wo im Menschen man es suchen sollte. Wie käme ich dazu, irgendjemandem eines als bestimmend zuzuweisen*?


Den zitierten Text hat die Person (A.) über sich selbst gesagt. Sie hat für sich selbst eine Unterscheidung zu anderen Personen festgestellt und daran ihre Selbstdefinition als trans* Frau aufgehängt; 'Ich bin....'. Das finde ich klug und auch tragfähig. Letztlich weiss ich natürlich nicht, wie gut A. mit dieser Selbstdefinition lebt, aber sie lebt ja zumindest schon recht lange damit. Und was mir in diesem Zusammenhang ganz wichtig ist: Sie hat damit keinen einzigen anderen Menschen auf irgendwelche spezifischen Eigenschaften festgelegt, die das Geschlecht (was immer das genau sein mag) fremdbestimmbar machen würden. Ganz anders, als es z.B. R. von .... immer wieder versucht hat, in dieser elenden 'Beitragsschlacht' damals hier. Nicht ich, sondern diese Leute gehen davon aus, dass es eine biologische Festlegung von Menschen gibt.

Die Selbstdefinition von A. ist etwas ganz anderes, als anderweitig (leider eben auch hier) an Definitionsversuchen und Zuschreibungen stattfindet. 'Man ist ....' , 'Du bist......' , 'Er/Sie/Es sind.....', 'Crossdresser sind ...' , Transsexuelle sind .....' - all das kommt in der Aussage von A. nicht vor. Nur eine selbstbestimmte Unterscheidung von anderen Menschen und ein darauf und auf sich selbst bezogenes 'Ich bin....' . Das finde ich völlig ok und auch gut.

Den ersten Satz der Aussage - "Zu einer Frau gehört eine Geschichte, die mit der Geburt beginnt." könnte man als eine allgemeingültige, biologiebasierte Definition von 'Frau' lesen. Das ist er aber nicht. Er beschreibt die Sicht von A. auf das gesellschaftliche Geschlechtskonstrukt 'Frau'. Das beginnt auch aus meiner Sicht mit der Geburt und hat mit dem, was in der Biologie als 'Männchen' und 'Weibchen' beschrieben wird (s.u.) und von vielen in biologistischer Vereinfachung zu dem Geschlecht eines Menschen erklärt wird, nichts zu tun. Und vor allem hat es nichts mit all dem zu tun, was daran in dümmlicher Weise angehängt wird; Rock oder Hose, flache oder hohe Schuhe, D oder H, Baggerfahren oder Altenpflege usw. usf..

Hinsichtlich der immer noch vorhandenen Wirkmacht der gesellschaftlichen Konstrukte 'Fau' und 'Mann' hege ich tatsächlich Symphatie für die Selbstbezeichnung als 'trans* Frau' oder 'trans* Mann'. Aber auch diese Bezeichnungen dürfen nichts, aber auch gar nichts, an individuellen Eigenschaften eines anderen Menschen bestimmen oder festlegen. Sie dienen lediglich der Selbstbestimmung in einem (noch) gegebenen Rahmen und der Feststellung und Benennung der Fehlerhaftigkeit des üblichen Geschlechtsverständnisses der Gesellschaft.


Ich weiss nicht, ob es eine biologische Determination von 'Geschlecht' gibt oder nicht gibt. Das müssen Biologie, Neurologie oder Biopsychologie klären. Aber solange das nicht geklärt ist, streite ich für Selbstbestimmung und gegen Zuweisungen. Für eine Welt, in der 'Geschlecht' nur für jeden einzelnen Menschen eine ihn selbst definierende Eigenschaft ist. Und dafür, dass man ihn damit gut und in Ruhe leben lässt.

Hab es gut

Marielle


*) Ich kann nicht ausschliessen, dass es 'Geschlecht' im üblichen Sinn gar nicht gibt. Ich kann aber auch das Gegenteil nicht ausschliessen. Ich weiss es schlicht nicht und bisher konnte es mir auch niemand erklären. Andererseits sehe ich es als erwiesen an, dass es körperliche Eigenschaften gibt, die zu verschiedenen Funktionen bei der Fortpflanzung führen. Wenn allein!! nur!! das!! das 'Geschlecht' ausmachen soll, dann gibt es bei der überwiegenden Anzahl der Menschen ein Geburtsgeschlecht. Aber: Das darf nichts bestimmen, gar nichts. Es beschreibt dann genau nur die evolutionär entwickelte Fortpflanzungsfunktion. Wie ich zu Massnahmen stehe, die die evolutionär entwickelte Verteilung dieser Funktionen mittels medizinischer Massnahmen überwinden wollen, weiss ich noch nicht wirklich. Begeistern kann ich mich dafür nicht.
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Re: Wertigkeit???

Post 21 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Marielle hat geschrieben: Do 19. Dez 2019, 23:06 Glaubst du das? Würde ich dann für Selbstbestimmung und die endlich notwendige Abschaffung der sinnlosen und albernen Begutachterei dieses 'Geschlechts' streiten? Dafür, dass endlich mit der Zuschreiberei aufgehört wird? Würde ich all die Zeit und den Aufwand da reinstecken? Ich weiss nicht mal, was Geschlecht ist oder wo im Menschen man es suchen sollte. Wie käme ich dazu, irgendjemandem eines als bestimmend zuzuweisen*?
Ich wollte Dich nicht verletzen und auch nicht Deinen Einsatz und Deine Arbeit in Frage stellen. Weiterhin möchte noch einmal sagen, dass ich Dich persönlich schätze.

Es geht mir auch nicht darum, recht zu haben (ich habe auch nur Fragen gestellt).

Allerdings muss ich sagen, dass mich der Satz interessiert und ich würde es schön finden, wenn wir uns darüber austauschen könnten; denn was nutzen Bescheinigungen, Ausweise und Zertifikate, wenn so ein Satz bestimmend sein sollte?
Da kann 100 Mal die Zwangsgutachterei abgeschafft werden - wenn's ans "Eingemachte" geht, dann könnte/wird das Geburtsgeschlecht eine Rolle spielen.

Herzliche Grüße
Anne-Mette
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Re: Wertigkeit???

Post 22 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin,

Leute, die gespaltenen Haare sind nun schon so dünn, dass sie kaum mehr wahrnehmbar sind. Wertigkeit, von was, von wem; sind nicht alle Menschen gleich viel wert? Niemand hat im Leben Vorrang vor seinen Mitmenschen und niemand hat eine richtigere Meinung als der andere Mensch. Wohl gibt es unterschiedliche Ansichten und Bewertungen von Fakten. Letztlich soll doch jeder Mensch nach seiner Facon seelig werden, wie doch schon König Friedrich II von Preußen im Zuge der Aufklärung bemerkte. Reichen wir uns wie auch im Judentum zum Jahresende die Hände, damit kein Streit offen bleibt und alle unbeschwert den neuen _Jahr entgegen sehen können. :wink:

Grüße, Ulrike-Marisa
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Re: Wertigkeit???

Post 23 im Thema

Beitrag von Joe95 »

Ich trau mich nicht mal zu versuchen den Wert eines Menschen an seinem Geschlecht zu bemessen.
Genauer traue ich mich überhaupt nicht den Wert eines Menschen zu bemessen.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...
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Re: Wertigkeit???

Post 24 im Thema

Beitrag von Marielle »

Guten Morgen Anne-Mette,
Ich wollte Dich nicht verletzen
Das hast du nicht. Es ist alles OK. Ich verstehe nur nicht, warum du annimmst, dass ich auf die Idee kommen könnte, irgendjemandem anhand von körperlichen Eigenschaften bei der Geburt ein 'Geschlecht' zuzuweisen und daran bestimmte Erwartungen oder Eigenschaften zu knüpfen. Ich sehe mich selbst als jemanden, der genau das bekämpft.

ich würde es schön finden, wenn wir uns darüber austauschen könnten
Klar können wir uns darüber austauschen, gern sogar.


Ich verstehe den Satz von A. nicht so, dass körperliche Gegebenheiten zum Zeitpunkt der Geburt zwangsweise und lebenslang bestimmte Eigenschaften biologisch/genetisch festlegen. Ich glaube das jedenfalls nicht. Ich glaube auch nicht, dass A. das glaubt. Andererseits ist es aber eben so, dass wir Ü50er in einer Gesellschaft aufgewachsen sind, die das geglaubt hat (und in großen Teilen noch immer glaubt).

Wie A. das genau gemeint hat, werden sie selbst fragen müssen. Ich habe es so verstanden, dass A. meint, dass ein Mensch, der direkt nach der Geburt als Frau bzw. Mädchen einsortiert wurde, ab diesem Moment ("mit der Geburt") einem Anpassungsdruck an geschlechtsspezifische Erwartungen unterlag. A. selbst wurde als Mann bzw. Junge einsortiert, was zu ganz anderen Erwartungen geführt hat. Daraus haben sich unterschiedliche (Lebens-)Geschichten ergeben. Und die Sache mit den Erwartungen und Zuschreibungen fängt doch tatsächlich mit der Geburt an. Unter anderem mit der Frage "Was ist es denn?" und den Antworten "Hurra, ein Junge!" oder "Hauptsache gesund." Vielleicht heute nicht mehr in dem Maß, wie für Menschen in unserem Alter. Aber es ist doch immer noch so, dass es gesellschaftlich deutliche Unterscheidungen gibt, die zu unterschiedlichen Lebensrealitäten führen.

Wenn A. sich deswegen selbst! als trans* Frau bezeichnet, um diese unterschiedlichen Lebensrealitäten zu berücksichtigen, find ich das gut. Aber trotzdem streite ich weiter dafür, dass diese Unterschiedlichkeiten, auch und grade die, die am Genital festgemacht werden, verschwinden.


Hab es gut

Marielle


PS: Ich denke, dass unter der ganzen Sache eine sehr grundsätzliche Frage liegt, mit der ich schon des öfteren gegen Wände gelaufen bin, von der ich aber denke, dass sie beantwortet werden müsste: Die Frage nach der Existenz, des Wesens und den biologischen und sozialen Grundlagen und Wirkungen von 'Geschlecht'; die Frage nach der Bedeutung von 'Geschlecht'. Ich kann sie nicht beantworten, weil die Antwort m.E. nur durch einen gesellschaftlichen Diskurs und/oder wissenschaftliche Erkenntnisse gegeben werden kann.

Aber das wäre ein neuer Thread.
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Re: Wertigkeit???

Post 25 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Marielle hat geschrieben: Mi 18. Dez 2019, 23:20 "Zu einer Frau gehört eine Geschichte, die mit der Geburt beginnt. Die habe ich nicht. Also bin ich eine trans* Frau." Das ist eine hinreichende, notwendige und tragfähige Definition, finde ich.
natürlich ist das eine hinreichende und tragfähige Definition - für diese Person und andere, die diese "für sich selbst" in Anspruch nehmen.

Es tut mir leid, dass ich
Das ist eine hinreichende, notwendige und tragfähige Definition, finde ich.
durch das "finde ich" so interpretiert habe, als würdest Du da eine "allgemeine Gültigkeit" ableiten. Das hat mich gewundert; deshalb meine Frage(n).

Diese Definition, jedoch als Fremdbeschreibung "Zu einer Frau gehört eine Geschichte, die mit der Geburt beginnt" mit dem Zusatz "und die hast Du nicht / habt ihr nicht" wird/kann zu einem Ausschluss aus "geschlechtsspezifischen Gruppenaktivitäten" führen; denn diese Kriterien können selbst Frauen nicht erfüllen, die durch med. Maßnahmen eine "weitestgehende körperliche Angleichung" erreicht haben.

Gruß
Anne-Mette
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Re: Wertigkeit???

Post 26 im Thema

Beitrag von JuLa67 »

Hallo ihr lieben Menschen,
ich empfinde diese Diskussion als sehr intensiv. Viele verschiedene Menschen schreiben aus meiner Sicht viele gute Sichtweisen.
Dabei kann ich nicht jedem Beitrag zu 100 % zustimmen. Das muss ich aber auch nicht, denn ich freue mich auch über jede noch so kleine Übereinstimmung. Das zeigt mir, dass wir Menschen in diesem Forum Gemeinsamkeiten haben, die uns ja vermutlich alle hier hin geführt haben.
Zum Thema TS und schlecht drauf:
??? Es liest sich hier teilweise wie ein Fakt, dass es so ist.
Auch wenn Kathi gute Gründe schreibt, warum es zeitweise so zu sein scheint, ist es doch mE nur eine Momentaufnahme auf jedem persönlichen Lebensweg, und somit nichts grundsätzliches.

Ich sehe mich als Transfrau - auch wenn mir, wie Anne-Mette schreibt, das TSG zu dem Recht verhilft offiziell als Frau zu gelten - und ich habe nicht den Eindruck, dass ich mich oder andere als Schlecht drauf empfinde.
Und ja, ich dachte auch mal, dass ich Fetischist oder CD bin und alles andere nicht in Frage kommt.
Aber hey, ich liebe es nach wie vor Stiefel und schöne Kleider und Röcke zu tragen und wenn ich das ein oder andere neue Teil anprobiere, bereitet mir das manchmal, trotz GAOP, körperliche Lust.
Bin ich deswegen vielleicht gar nicht TS, sondern ein operierter Fetischist oder CD?

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Transidente Grüße aus dem oberbergischen Land
Larissa
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Re: Wertigkeit???

Post 27 im Thema

Beitrag von Céline »

Marielle hat geschrieben: ↑Mi 18. Dez 2019, 23:20
"Zu einer Frau gehört eine Geschichte, die mit der Geburt beginnt. Die habe ich nicht. Also bin ich eine trans* Frau." Das ist eine hinreichende, notwendige und tragfähige Definition, finde ich."
Das hat mich nachdenken lassen...
Ja Stimmt....meine Geschichte begann bei der Geburt und der kleine ängstliche Junge der schon immer weiblich war aber es nie wusste und definieren konnte wurde als "Mann" sozialisiert und war aufgraund desen überzeugt ein krankes männliches Wesen zu sein.Voller Scham und Angst. Und alles nur weil ich immer eine Frau war aber es nicht sein durfte und wusste.
Aber ich war schon von Geburt an eine Frau mit "besonderen" körperlichen Merkmalen.
Genau so empfinde ich das heute weil ich es mir endlich zugestehe.
Liebe Grüße
Céline
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Re: Wertigkeit???

Post 28 im Thema

Beitrag von JuLa67 »

Céline hat geschrieben: Sa 21. Dez 2019, 13:29 Marielle hat geschrieben: ↑Mi 18. Dez 2019, 23:20
"Zu einer Frau gehört eine Geschichte, die mit der Geburt beginnt. Die habe ich nicht. Also bin ich eine trans* Frau." Das ist eine hinreichende, notwendige und tragfähige Definition, finde ich."
Das hat mich nachdenken lassen...
Ja Stimmt....meine Geschichte begann bei der Geburt und der kleine ängstliche Junge der schon immer weiblich war aber es nie wusste und definieren konnte wurde als "Mann" sozialisiert und war aufgraund desen überzeugt ein krankes männliches Wesen zu sein.Voller Scham und Angst. Und alles nur weil ich immer eine Frau war aber es nicht sein durfte und wusste.
Aber ich war schon von Geburt an eine Frau mit "besonderen" körperlichen Merkmalen.
Genau so empfinde ich das heute weil ich es mir endlich zugestehe.
Liebe Grüße
Céline
... und somit hat doch jede eine besondere, persönliche Geschichte, die mit der Geburt beginnt. Und somit sind wir per dieser Definition Frau!?!

Liebe Grüße
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Re: Wertigkeit???

Post 29 im Thema

Beitrag von Cybill »

"Die Würde des Menschen ist unantastbar"
Artikel 1,Satz1 des Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland.

Noch Fragen?

Schönes Wochenende

Cybill
(Grundgesetz-Ultra)
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Im Übrigen: Ich bin nicht hauptberuflich transsexuell!
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Re: Wertigkeit???

Post 30 im Thema

Beitrag von edeka »

ich habe eigentlich gar nicht mit gekriegt, daß Leute hier im Forum eine Wertigkeit (CD versus TS etc) aufstellen. Vielleicht bin ich gut im ausfiltern von Negativ-Beiträgen (smili)

Habe heute seit längerem wieder hier eingeloggt und viel gelesen. Natürlich bedauere ich , daß ein paar das Forum verlassen haben, die das Forum mit ihren vielen Beiträgen sehr bereichert haben ! (yes) (vielleicht kommen sie ja auch zurück)
Genervt haben mich beim lesen der letzten Themen die immer gleichen Diskussionen. Sicher sind das auch Gründe, warum manche erfahrene Foristin das Forum verlässt.

Aber gerade habe ich diesen Beitrag gelesen:
JuLa67 hat geschrieben: Sa 21. Dez 2019, 12:34 Hallo ihr lieben Menschen,
ich empfinde diese Diskussion als sehr intensiv. Viele verschiedene Menschen schreiben aus meiner Sicht viele gute Sichtweisen.
und habe gesehen - Larissa ist ganz neu im Forum, und in dieser Zeit sehr aktiv. Da habe ich verstanden: Ja, die Diskussionen sind wertvoll für die neuen.
Danke Larissa, du hast recht. (ap) Und wenn die Beiträge für dich (nach deiner Eigenbeschreibung TS) wertvoll sind, dann erst recht für die unerfahrenen.

Wer sich im Forum genervt fühlt, darf ja einfach mal eine Auszeit nehmen :))b , braucht sich nicht ganz verabschieden.
)))(: ascona
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