Ich weiß, wer ich selber bin. Ich weiß aber nicht, in welche Schublade ich passe und es ist mir meist auch egal.
Ich lebe mein Leben mit einem Busen durch Phytohormone und männlichem Sexualorgan. Ich trage im Alltag weiblich gewertete Kleidung. Wenn jemand das Bedürfnis hat, mich in Schubladen zu stecken, sagt dies ganz viel über diese Person aus und ihre Unsicherheiten, aber ganz wenig über mich.
Ich kenne Crossdresser, die hängen einem Fetisch an, ich kenne Crossdresser, die sind politisch unterwegs und lehnen Sexualität in der Rolle der Frau ab, so wie ich mir dies früher auch nicht zugestanden habe. Ich kenne Frauen, die als Männer geboren sind und jetzt als AFDlerinnen Cisfrauen über die wahre Frau aufklären, ich kenne TransFrauen (hier für als mit männlich gewertetem Körper geborene Menschen, ohne diesen das natürliche Frausein abzusprechen, auch im folgenden so benutzt) die allen anderen Menschen, die ähnlich wie ich empfinden das echte Transsein ab.
Mit anderen Worten: Ich kenne viele verschiedene Menschen, jeden mit Eigenschaften, die ich nachvollziehen kann und solchen, die ich nicht nachvollziehen kann. Sollten die Eigenschaften, zu denen ich hier auch verkündete Wahrheiten über Menschengruppen zähle, andere Menschen abwerten, lehne ich diese deutlich ab. Solche oft als wertfreie Meinung verkauften "absoluten und natürlichen Wahrheiten" werde ich immer mit all' meiner Kraft und all' meinen Argumenten entgegentreten.
Leider gingen von beiden Seiten, nur Crossdresser sind bessere Menschen, weil sie ja beide Seiten leben oder nur Transpersonen sind gute Menschen, weil sie ja ehrlicher sind und alle anderen nur ihr Transsein verdrängen, die Argumentationen ins absolute und alleine gültige.
Erinnert Ihr Euch noch, wo diese so ausgeuferte Diskussion anfing: Da war die Aussage von einer Teilnehmerin, die Frau Kellermann vom ARD-Studio Essen als noch einen verkleideten Mann bezeichnete...
Diese Diskussion mit der Frage von Wertigkeit ist nicht besser als die auch von mir zurückgewiesenen Zitate, es sei denn sie führt zu dem Ergebnis, dass wir Menschen nicht aufgrund von Eigenschaften, die keinem Schaden zufügen werten können.Also meiner Meinung nach hat sich da zwischen dem Bild von Georg Kellerman und dem Bild von Georgine Kellermann eigentlich gar nix verändert. Wenn man mal vom Unterschied "blaues Herrenhemd" zu "rosa Damenshirt mit Kette" absieht, ist da nichts anders geworden. Ok, der Vorname ist weiblich. Ansonsten sind beide Bilder für mich identisch.
Wenns dabei um das Tragen von Röcken bei der Arbeit gehen würde könnte ich mich mehr mit der Aktion der französischen Busfahrer identifizieren, vielleicht erinnert sich noch jemand an den Sommer 2017 als die Busfahrer im Rock losgefahren sind...