Der selbe Mensch ?!
Der selbe Mensch ?! - # 4

Intergeschlechtliche Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
Luna
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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 46 im Thema

Beitrag von Luna »

Hi zusammen,

Aria und Jaddy haben einen Gedanken auf den Punkt gebracht, der auf mich jedenfalls zutrifft:
Aria hat geschrieben: Do 5. Dez 2019, 20:41 Im Vergleich zu diesen "Wesensänderungen", sind die, die ich schon vor und während der HET an mir bemerkte, eine ganz andere Nummer. Als ich endlich wusste, was mit mir los ist - ich war ca. 3 Monate in Therapie - stellte ich fest, wie ich mich veränderte. Es war, als bricht es aus mir heraus - und es fühlte sich unglaublich gut an. Es hat mich keinerlei Anstrengung gekostet, so zu handeln. Es war, als ob es schon immer da gewesen wäre, nur unter jeder Menge Schutt begraben.
Jaddy hat geschrieben: Do 5. Dez 2019, 21:28 Der Knackpunkt nach dem Coming Out ist für mich, dass ich nach und nach all die Teile ablegen konnte, die hauptsächlich anerzogene Maske waren.
Mangels allgemeinen Outings kann ich nicht sagen, inwieweit sich mein Habitus in der Öffentlichkeit verändern würde, wenn ich en femme draußen wäre. Ich denke aber, wie Aria schon geschrieben hat, dass sich naturgemäß Dinge wie Gang, Haltung uvm. (weiter) anpassen würden. Der Unterschied wäre bei mir wahrscheinlich nicht so gravierend, weil ich nie so ein "Holzfällertyp" war und mit übertrieben zur Schau getragener Männlichkeit nichts anfangen kann.
Was mich jedoch viel mehr beschäftigt, ist die Änderung des Wesens. Ich wollte dazu eigentlich auch schon mal ein Thema einstellen ("Veränderung auch ohne HET?"). Seit meinem Outing haben meine feminine Seiten nicht nur insofern mehr "Raum", als zumindest zwei Familienmitglieder darüber bescheid wissen und ich erstmalig mit anderen Menschen darüber sprechen konnte. Es war insbesondere auch eine Zäsur für mich selbst. Seither setze ich mich viel intensiver und bewusster mit diesem Teil von mir auseinander und lasse ihn auch vor mir selbst viel mehr zu. Im Mittelpunkt steht jetzt nicht mehr die Frage, wie man(n) das, was da ist, am besten verstecken kann, sondern es geht mir viel mehr darum, herauszufinden was genau da ist und wo es mich hinführt; zu differenzieren, welche meiner Eigenschaften, Verhaltensweisen, ja, und auch Empfindungen, wirklich aus meinem Innersten kommen und welche mir (als männlich notwendig) anerzogen wurden bzw. ich als erforderlich angesehen habe, um dem gängien Männerbild gerecht zu werden. Ich beginne zu unterscheiden, welche Interessen ich im Zuge meiner männlichen Sozialisation quasi mit- oder aufgenommen habe und welche tatsächlich auf ureigenen Bedürfnissen beruhen. Schutt und Maske, wie Aria und Jaddy es bezeichnet haben. Begraben von einem jahrzehntelangen Versuch, zu verbergen, was mir von der Umwelt (oder auch mir selbst) als nicht "richtig" suggeriert wurde. Zum Einen kann ich nun Eigenschaften, die mich vielleicht von einem Großteil anderer Männer unterscheiden, besser zuordnen, insbesondere aber auch die eigenen Emotionen viel befreiter zulassen.

Ich bleibe also natürlich derselbe Mensch, und doch hat mich das Outing (wie viele andere Erlebnisse auch) verändert.

Alles Liebe
Luna
Conny-Andrea
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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 47 im Thema

Beitrag von Conny-Andrea »

Ich liebe Vergleiche und benutze sie selber sehr gerne um schwierige Themen zu erklären. Diesen hier finde ich richtig klasse. (yes) (ap) (hs)
VanessaL hat geschrieben: Mo 9. Dez 2019, 06:39 Kein Mensch ist am nächsten Morgen so wie am Tag vorher. Keiner von uns ist beständig, alles unterliegt der Veränderung. Es gibt ein schönes Bild von einem Holzboot. Eine Planke ist kaputt und wird ausgetauscht. Ist es noch das selbe Boot? Über die Jahre werden alle Planken ausgebaut. Immer mal wieder und Stück für Stück. Ist es noch das selbe Boot? Die ausgebauten Planken werden aufgearbeitet und es wird ein zweites Boot gebaut. Welches Boot ist nun das Echte?

Meine Meinung zum Thread-Thema:
Bin ich derselbe Mensch wenn ich Crossdresser/Transgender bin? Ja, denn das war ich auch schon vorher. Ich wusste es nur noch nicht, bzw. ich konnte es noch nicht mitteilen.

Jetzt mein Vergleich:
Wenn ich meine Nationalität wechsele und dann nicht mehr Deutscher bin sondern z.B. Schotte, bin ich dann noch derselbe Mensch?
Wenn ich dann zukünftig in Schottland wohne, bin ich dann noch derselbe Mensch?
Wenn ich dann nur noch englisch bzw. schottisch-gälisch spreche, bin ich dann noch derselbe Mensch?
Wenn ich, um mich zu integrieren, einen Schottenrock trage, bin ich dann noch derselbe Mensch?
Wenn ich, weil es mir gefällt, einen Minirock trage, bin ich dann noch derselbe Mensch?
Wenn ich usw. usw. ...

Ich bin sicher:
Ich habe mich verändert und bin doch derselbe geblieben. Ich werde mich auch weiterhin verändern (auf jedem nur möglichen Gebiet) und bleibe doch immer derselbe.

Liebe Grüße von Conny-Andrea
Jaddy
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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 48 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Ich denke, diese letzten Beiträge zeigen den Knackpunkt: Einerseits sind wir innerlich die gleichen Menschen, aber da andere immer nur unser äusseres wahrnehmen in Verhalten, Sprache, Ausdruck, erscheinen wir ihnen nach dem CO möglicherweise schon als andere Menschen. Je nachdem, wie viel inneres wir früher schon raus gelassen haben.
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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 49 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Conny-Andrea hat geschrieben: Mo 9. Dez 2019, 08:34 Ich habe mich verändert und bin doch derselbe geblieben.
Hm, das sehe ich etwas anders. Bin ich als 20-jähriger der gleiche Mensch wie mit 60 ? Oder derselbe ?

Das geht doch gar nicht. Ich verändere mich auf allen Ebenen. Der Körper verändert sich. Ich lerne. Ich gewinne neue Einstellungen. Wie kann da der Mensch derselbe sein und bleiben ? Worin liegt denn das konstante Element ?
Viele Grüße
Vicky

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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 50 im Thema

Beitrag von Conny-Andrea »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 9. Dez 2019, 14:05
Conny-Andrea hat geschrieben: Mo 9. Dez 2019, 08:34 Ich habe mich verändert und bin doch derselbe geblieben.
Hm, das sehe ich etwas anders. Bin ich als 20-jähriger der gleiche Mensch wie mit 60 ? Oder derselbe ?

Das geht doch gar nicht. Ich verändere mich auf allen Ebenen. Der Körper verändert sich. Ich lerne. Ich gewinne neue Einstellungen. Wie kann da der Mensch derselbe sein und bleiben ? Worin liegt denn das konstante Element ?
Du hast dich verändert (körperlich und geistig), aber du bist immer noch derselbe Mensch. Nicht der Gleiche.
Die Erde verändert ihr Aussehen seit Milliarden von Jahren. Ist sie deshalb eine andere Erde?
Tauscht du einen 100-Euro-Schein um in zehn 10-Euro-Scheine, dann hat das ein völlig anderes Aussehen, aber du hast immer noch 100 Euro.

Liebe Grüße von Conny-Andrea
rika
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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 51 im Thema

Beitrag von rika »

Gestern hatte ich eine Begegnung, in der genau dies zum Thema wurde. Meine Nachbarin und gute Freundin Gaby war hier zum Tee, da sie das kleine Buch, welches ich geschrieben habe, korrekturgelesen hat. Sie kennt mich sowohl als auch und hat sich darauf gefreut, dass ich = rika die Tür öffnete.

Sie sagte, dass ich weicher und sanfter wirke als ich = Ekkehard. Dies wurde mir schon einmal gesagt und hat mich nachdenklich gemacht. Reicht eine Perücke, weibliche Kleidung, komplettes Make-up und Schmuck aus und bin trotzdem der selbe Mensch? Ja und nein. Ich genieße die weibliche Kleidung und das Äußere, was im anderen "Sein" nicht der Fall ist. Ich freue mich auf die schönen Gespräche mit guten Freundinnen und das Vertrauen mir gegenüber. Sie haben mir geholfen, als ich mich öffnete.
Der Mensch rika hat schon immer Einfluss auf den Mensch Ekkehard gehabt, sie sind nun mal eins und leben gerne zusammen. (888)

rika
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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 52 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Conny-Andrea hat geschrieben: Mo 9. Dez 2019, 14:47 Tauscht du einen 100-Euro-Schein um in zehn 10-Euro-Scheine, dann hat das ein völlig anderes Aussehen, aber du hast immer noch 100 Euro.
Mhm..aber vermutlich nicht lange :D
Conny-Andrea hat geschrieben: Mo 9. Dez 2019, 14:47 Du hast dich verändert (körperlich und geistig), aber du bist immer noch derselbe Mensch. Nicht der Gleiche.
Wenn du das selber für dich so definierst ja, wenn nicht dann nicht-und wenn es andere auch nicht so sehen
ist die Diskussion doch obsolet, oder?

Alles Liebe Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 53 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Conny-Andrea hat geschrieben: Mo 9. Dez 2019, 14:47 aber du bist immer noch derselbe Mensch. Nicht der Gleiche.
Müsste es nicht anders herum sein ?
Viele Grüße
Vicky

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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 54 im Thema

Beitrag von Saskia_lc »

Es wird mühsam sein, ob man per Definition noch der gleiche oder der selbe ist :roll:, im Vergleich zu was? Oder zu welchem Zeitpunkt? Alles gleicht sich, aber selbt sich nicht :| Schon allein mit meinem Outing gegenüber meiner Partnerin hab ich mich geändert oder verändert oder wie auch immer, es ist anders. Seiten die Sie vorher von mir nicht kannte, kann ich nun ausleben und ich denke das möchte Carry ein wenig herausfinden, was da denn noch alles kommen kann.

Gruß Saskia
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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 55 im Thema

Beitrag von Conny-Andrea »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 9. Dez 2019, 15:19
Conny-Andrea hat geschrieben: Mo 9. Dez 2019, 14:47 aber du bist immer noch derselbe Mensch. Nicht der Gleiche.
Müsste es nicht anders herum sein ?
Beispiel:
Das selbe Auto gibt es nur einmal, erkennbar am einzigartigen Nummernschild. Ableitung von "selbst" (klingt zugegeben bei einem Auto merkwürdig).
Das gleiche Auto gibt es oft, erkennbar an verschiedenen Nummernschildern. Ableitung von "gleichen", denn eines gleicht dem anderen.
SylviaM
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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 56 im Thema

Beitrag von SylviaM »

Das ist wirklich eine interessante Frage und ich versuche Mal für mich ohne eigene Erfahrungen dies höchst unwissenschaftlich zu beantworten.
Generell würde ich die Frage nur auf das Wesen und den Charakter beziehen wollen, in Kleidern wirke ich nun Mal anders und so gesehen ist das ja Fassade.
Ich durfte das ein oder andere Persönlichkeitsseminar mitmachen. O Ton dieser Seminare: mit unseren Charaktereigenschaften werden wir geboren und sterben wir. Wir lernen im Laufe unseres Lebens mehr oder weniger gut, auf die Charaktere anderer einzugehen und so manches, intuitives Verhalten abzubremsen. Wir bleiben im Kern jedoch ein Mix aus nüchterner Zahlenmensch, bestimmende oder emotionaler Mensch in beliebiger Verteilung. Desweiteren suggerieren viele Rückmeldungen auch einen Wesensunterschied zwischen Männern und Frauen. Als emanzipierten Mann (Schwestern prägen einen) als auch Vater einer Tochter zweifle ich das an.
Ändert sich für einen Partner dann doch etwas? Ich glaube schon. Wir sind ja als Männer geprägt von unsere Umwelt, ein Mann weint nicht, zeigt keine Emotionen, verzichtet außerhalb seines Partners und Kinder auf Körperkontakt und muss stark sein (außer beim Fussball, da ist dann alles erlaubt). Und so erwische ich mich immer wieder beim Unterdrücken meiner Gefühle z.B. bei den schlimmsten, kitschigen Filmschmonzetten, obwohl ich Stirb Langsam Teil 1 für einen der schönsten Weihnachtsfilme halte, und sich meine Frau bei der Auswahl meiner Filme / Schiessfilme eher abwendet. Wie vielfach schon angesprochen öffnen wir uns wahrscheinlich als geouteter Mensch eher. Vielleicht ist dies auch ein Mitgrund CD zu sein, wer weiß. Das eine solche Befreiung dann so wirken kann, dass wir ruhiger und ausgeglichener sind, versteht sich. Fällt damit der "starke Partner" weg? Eher nicht, ob im Rock oder Hose bleibt die Person gleich stark oder auch schwach.
Für diejenigen, die den Weg einer Transition gehen (machen nicht alle und ist auch nicht das Zielbild von jedem) werden die Einnahme von Hormonen auch Einfluss haben. Es gibt parallele Threads, die auf manche Auswirkungen auf die Psyche bei Hormonen eingehen, wie auch jede andere Form medikamentöser Behandlung von Aspirin aufwärts Nebenwirkungen haben und als solche auch zu sehen sind.
Zusammengefasst mit Augenzwinkern;-)
Ändert sich was? Wahrscheinlich
Ist das dann so ein Frauending? Echt jetzt?
Ist das gut? Für einen selbst in der Regel ja, wenn es zu keinen depressiven Nebenwirkungen führt
Mag Frau/ Partnerin das? Muss jede für sich selbst beantworten

In diesem Sinne noch eine schöne Woche
Viggy
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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 57 im Thema

Beitrag von Viggy »

Mittlerweile zwei Jahre nach meinem Outing gegenüber meiner Frau und inzwischen auch fast ein halbes Jahr nach meinem Outing gegenüber unserer bei uns wohnenden erwachsenen Tochter bin ich abends und am Wochenende zuhause (und nur da, außer Haus gibt's nur Männermodus) fast nur noch in Rock oder Kleid unterwegs. Ich betrachte das auch immer wieder selbstkritisch, und ich kann auch jetzt noch mit Sicherheit behaupten, dass sich mein Auftreten und Benehmen, also mein Wesen, auch in Frauenkleidung nicht verändert (hat).
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass es sich in meinem persönlichen Fall auf die Leidenschaft beschränkt, die in meinen Augen schöneren Sachen zu tragen.
Natürlich könnte ich mir das Leben als Frau auch schön vorstellen, aber das bin ich nun mal nicht, kann gut mit mir leben und der Wunsch weiter zur Frau zu 'mutieren' hat sich bis jetzt nicht verstärkt.
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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 58 im Thema

Beitrag von Jen »

Hallöchen Zusammen (moin) ,

Ich muss leider gestehen, dass ich mir nicht alle Beiträge durchgelesen habe (wenig Zeit), aber ich möchte auch meinen "Senf" dazu abgeben. Vielleicht hilft es ja der Threaderstellerin weiter???

Das Crossdressen mache ich ja noch nicht so lange und wer weiß wie lange noch??? (wo)
Die paar Mal, als ich en femme unterwegs war, hat sich meine Einstellung / Charakter nicht geändert. Wie bereits geschrieben wurde, kommt allerdings eine weichere Seite zum Vorschein. Diese ist aber bei mir auch im Männermodus vorhanden und gewinnt seit ca. einem Jahr immer mehr Oberhand. Dies ist z.B. die "übertriebene" Gestik zum Sprechen, der Drang zu sagen, wenn etwas hübsch ist und gut aussieht, usw. Trotzdem stehe ich auch in Rock und mit Makeup meinen Mann, wenn es hart auf hart kommt (ohne Hintergedanken (wmue) ) Ich rede aber auch ganz normal und meine Ansichten ändern sich nicht. Lediglich fühle ich mich ein bisschen befreiter und wohler (wenn man von dem "normalen" Gefühl in der Öffentlichkeit angestarrt zu werden absieht).

Natürlich ändert sich meine Körperhaltung ein bisschen, was aber (wie hier auch schon geschrieben wurde) an der Kleidung liegt. Mit Pumps und Rock stapfe ich nicht wie ein Bauarbeiter in der Gegend rum, aber mit dem Hinterteil wackle ich auch nicht. (smili) Auch verändert sich mein Ess- und Trinkverhalten. Dies liegt aber auch am Makeup und der damit verbundenen Angst des Verschmierens (Vielleicht ist das ja auch Routine, die ich noch nicht hab?). Als Mann hat man diese "Probleme" eben nicht, da leider kein Makeup. (wo)

Ich genieße es aber en femme ungestört nach schönen Dingen ausschau zu halten und meine Interessen ändern sich soweit, dass ich mir Zeit nehme die "weiblichen" Dinge (Klamotten, Makeup, usw.) zu betrachten. Das mache ich auch als Mann, nur da dann leider mit ein bisschen Neid und auf "Entfernung". Also ändert sich an den Interessen im Grunde genommen auch nichts.
Als ich mit einer anderen Frau unterwegs war, haben sich auch die Gesprächsthemen nicht sonderlich geändert. Natürlich war da auch viel "weibliches" dabei, mit welchem man mit "normalen" Männern vielleicht nicht so sprechen könnte / würde, aber ich würde mich auch als Mann mit Frauen über Klamotten, etc. unterhalten und auch über andere Männer / Frauen quatschen. Das liegt aber auch am Gesprächspartner und wie man sich versteht... (wmue)

Als Fazit kann ich nur für mich sagen, dass ich immer derselbe bin, mich lediglich freier fühle und meine "heimlichen" Interessen offen kundtue. (snow)

Die hübschen Weihnachtsmänner sind einfach zu klasse. Sorry, aber ich kann einfach nicht widerstehen (NICOII) (nico) (wmue) (snow) (snow) (snow) (snow) (snow)

Viele Grüße (ki)

Jen (snow)
Den Vogel erkennt man an seinen Federn.
Den Mensch an seinen Freunden.
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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 59 im Thema

Beitrag von Carry »

Jen hat geschrieben: Di 10. Dez 2019, 14:45 Vielleicht hilft es ja der Threaderstellerin weiter???
Hallo Jen, Hallo Alle Zusammen :wink:

Ja, mir hilft jeder Erfahrungsbericht und jede einzelne Ansicht sogar sehr ...nämlich eine Idee zu bekommen, wie sich was und warum verändert oder eben auch nicht...
Uns, also meinem Schatzi und mir, haben alle Eure tollen Posts auf jeden Fall wieder viele Anregungen zu Gesprächen gegeben, Dinge, worüber wir diskutiert und philosophiert haben ... TOLL, wirklich! Vielen vielen Dank dafür!

Zu einem "Schluss" kann man da, denke ich, gar nicht kommen.
Viel zu individuell sind die einzelnen Ausprägungen des Trans*-Seins und der verschiedenen Menschen in verschiedenen Situationen.
Nur eines kann ich inzwischen als "Fazit" für mich ziehen:

"Eigentlich" ändert sich gar nichts, und doch ändert sich einfach alles - das gilt für den Partner, die Beziehung, das Leben, die Sicht auf die Dinge und das "große Ganze", Paradigmen und die Sicht auf mich selbst, und und und und ....

Also nochmals vielen Dank für all die tollen Beiträge (flo)

Liebe Grüße, Carry
"Wenn Du heute aufgibst, wirst Du nie wissen, ob Du es morgen geschafft hättest!"
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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 60 im Thema

Beitrag von sbsr »

Hallo zusammen,

letzten Freitag hatte ich ein Erlebnis zu diesem Thema, von dem ich in dem Zusammenhang berichten möchte. Eine Freundin hatte einen Termin zum Lasern in München und wollte anschließend noch was trinken gehen. Ich habe spontan zugesagt und bin mitgefahren. In der Nähe des Studios befindet sich in der Winterzeit ein bekannter Feuerzangen Bowle Stand, also wollten wir dort hin. Es war für mich schon fast eine Besonderheit, nicht fahren zu müssen. Noch viel mehr allerdings, überhaupt nicht wissen zu müssen, wo wir hin müssen.

Wann immer ich mit meiner Frau unterwegs bin, liegt die Navigation komplett an mir. Meine Frau sagt nur, sie will da und dort hin, ich recherchiere im Vorfeld dann, wie man dort hin gelangt, wo parken, etc., und muss immer die Orientierung behalten. Selbst bei Führungen im Urlaub oder ähnlichem verlässt sich meine Frau stets darauf, dass ich weiß wo wir sind und wie wir ggf. wieder zurück kommen.

Genau dieses Gefühl durfte ich mit meiner Freundin genießen, sie fuhr uns hin, kannte eine Parkgarage und wusste den Fußweg, ich hatte keine Ahnung. Das war eine gänzlich neue Situation und es war regelrecht befreiend. Mit den Männerklamotten habe ich sozusagen auch den Orientierungszwang abgelegt. Wir haben uns die ganze Zeit unterhalten und ich konnte einfach nur neben ihr her laufen, ohne im geringsten darauf zu achten, wo wir eigentlich waren. Obwohl wir nur ein paar Minuten gegangen waren, hätte ich ohne Hilfsmittel nicht mal mehr zurück zum Auto gefunden, und diese Tatsache hat mich überhaupt nicht gestört. Ganz im Gegenteil, es war richtig schön jemanden an meiner Seite zu wissen, auf die ich mich verlassen konnte, dass sie mich heil wieder nach Hause bringt.

An sich war das alles unabhängig davon, dass ich in Frauen Optik unterwegs war. Und doch habe ich diese Veränderung in der Form zum ersten Mal erlebt. Sonst als Mann behalte ich instinktiv immer den Weg im Hinterkopf, präge mir ein wo wir lang gekommen sind oder habe eine Karte im Kopf. Diesmal lies ich mich einfach treiben und habe meiner Freundin blind vertraut, etwas, was ich als Mann nicht kann.
LG, Svenja

Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.
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