Hallo Carry,
nur kurz zurück zu Deinem Beitrag:
Carry hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 11:13
Klar ist aber auch, dass ich sicherlich einige Vorstellungen auf meinen Schatz projeziert habe, die ich jetzt loslassen muss.
Aus meiner Sicht: Klar und einfach formuliert.
Carry hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 11:13
dann ist das erstmal tatsächlich ein Verlust - ein Verlust einer Wunschvorstellung von einem gemeinsamen Leben - ganz klar, da gebe ich Dir Recht, und ein Verlust eines Traumbildes von einem Menschen, den man nun anscheinend doch gar nicht kennt. Das muss erstmal verdaut und sicherlich auch "betrauert" werden.
Nochmal
Carry hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 11:13
ABER ...ich muss erst lernen, damit auch wirklich umzugehen, muss lernen, meine Trauer anzunehmen und all das nicht auf meine Person, meine Weiblichkeit und meinen Körper zu beziehen. Und da liegt momentan der Hase im Pfeffer. Es ist wahnsinnig schwer für mich, mich nicht minderwertig zu fühlen, wenn ich an seine perfekt geformten Silikonbrüste denke. Ich werde 42, da hat der Zahn der Zeit natürlich auch schon an mir genagt.
Das Echte ist immer besser als das Imitat ...

Wo ist Dein Selbstbewusstsein ?
Carry hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 11:13
Auch wenn er immer wieder sagt, dass er meine Brüste liebt und natürliche sowieso viel schöner sind, so richtig glauben kann ich das (noch) nicht.
Nochmals: Selbstbewusstsein ? Liebe Dich selbst. Ein wunderbares Gedicht von Charlie Chaplin:
https://www.selbstbewusstsein-staerken. ... n-gedicht/
Carry hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 11:13
Ich kann das einfach nicht verstehen, was es ihm gibt, wenn er sich diese Silikondinger in den BH steckt - was macht das mit ihm? Warum braucht er das?
Ich habe für mich ein Erklärungsmodell gefunden, dass für mich plausibel ist. In Kurzfassung: Als "weiches" Kind war von mir Männlichkeit gefordert und ich war gezwungen, die weiche Seite zur Seit zu drängen. Dabei stand ich alleine da, zumindest habe ich es so wahrgenommen. Um damit fertig zu werden, habe ich meine weiche Seite dort gesehen, wo sie nach allgemeinen Denken hin gehörte: auf die weibliche Seite. Als ich angefangen habe, diese weibliche Seite zu entdecken, konnte ich endlich meine weiche Seite leben. Verstärkend kam hinzu, dass meine allerersten erotischen Erfahrungen in diesem Modus stattfanden. Es gab also eine Verknüpfung guter Gefühle mit Weiblichkeit. Der Rest ist ein Entwicklungsprozess. Ich glaube, dass es mir nicht mehr möglich ist, diese beiden Hälften meines Lebens unter einen Hut zu bringen. Meine Pesönlichkeit hat eben beide Komponenten. Ich lebe beides.
Aber zum weiblichen Modus gehört für mich auch ein weiblicher Körper. Wenn ich mich als Frau im Spiegel sehe, fühle ich mich schön. Als Mann kenne ich das Gefühl nicht. Als Mann gehe ich in den Keller Sachen bohren ... Das ist keine gespaltene Persönlichkeit. Im Gegenteil, zu mir gehört beides. Und ich liebe meine Frau, egal mit welcher Seite. Für mich ist da keine Konkurrenz. Wenn Du das empfindest, verrät das sehr viel von Dir. Ein Punkt zum Nachdenken.
Noch eine Anmerkung: Es gibt einen interessanten psychologischen Versuch, bei dem ein Probant darauf trainiert wurde, eine Hand im Gummihandschuh als seine eigene anzusehen (nicht wichtig, wie das gemacht wurde, es funktioniert wahrscheinlich bei jedem). Dann hat man mit einem Hammer auf die Hand geschlagen und der Probant empfand Schmerzen, obwohl er nicht berührt wurde. Man interpretiert das folgendermaßen: Wir besitzen eine innere Landkarte, was zu unserem Körper gehört und was nicht. Es gibt auch Menschen, die haben das Gefühl, ein bein gehört nicht zu ihrem Körper und sie wollen, dass es amputiert wird. Für mich ist es so, dass ich en femme meine Silikoneinlagen ein Teil meines Körpers empfinde. Berühre ich das Silikon, ist es wie eine Berührung an eigenen Brüsten. Klingt strange, ist aber letztlich nur ungewohnt für Menschen, die das nicht kennen. In meinem Kopf habe ich die Vorstellung, einen kompletten weiblichen Körper zu besitzen. Ich wäre verletzt, wenn man darüber abschätzig spräche.
Ich weiß nicht, wie das bei Deinem Freund ist, aber Du kannst ihn ja einfach fragen. Dann ist es für Dich vielleicht eine Hilfestellung beim Verständnis. Für mich ist meine weibliche Seite in allen Facetten eine Realität, die meine ganze Persönlichkeit widerspiegelt. Ein Verlust an irgend einer Stelle dieser Komponenten wäre eine Einschränkung meiner Persönlichkeit, die ich nicht hinnehmen könnte.
Mir ist klar, dass das für Dich seltsam klingen muss. Aber der Kopf ist rund, damit die Gedanken eine andere Richtung einnehmen können. Es ist aber aus meiner Sicht sehr wichtig, dass Du nur soweit gehst, wie es zu Dir passt. Letztlich ist auch Dein Freund gefragt, sich zu hinterfragen. Denn im gegenseitigen Entwickeln liegt der Sinn der Krise. Und es sind manchmal nicht die offensichtlichen Dinge. Es muss für ihn gar nicht um Trans gehen. Wie meine Worte oben zeigen, war das bei mir nicht der Fall. Ich bin seit jeher zweigleisig. Aber in der Krise ging (und geht) es um meine eigenen Leichen im Keller und meine Frau trifft mich mit ihrer Reaktion an ganz anderer Stelle. Zum Beispiel bei der Frage, bin ich es mir Wert, gut zu mir zu sein ? Denn wenn ich nicht gut zu mir bin, wie kann ich es zu meiner Partnerin sein ?
So, genug der "kurzen" Hinweise ...
