Hallo Céline,
Céline hat geschrieben: Fr 25. Okt 2019, 15:41
Ich hasse es einfach oft Trans zu sein...nicht eine ganz normale Frau sein zu dürfen und ständig daran erinnert zu werden. Und dann lernt man jemanden kennen und was zerstört alles??? Meine Transidentität!!
Das Leben gibt Dir Karten und nur die kann man spielen. Deine Transidentität ist nicht schuld und Du auch nicht. Menschen sind wie sie sind, d.h. entweder passt es nicht oder es dauert seine Zeit, bis jemand die Schritte gegangen ist und bei Dir ankommt. Das ist für den Anderen zwar beschwerlich, aber der Mensch profitiert vom Anderen. Es ist auch eine Frage der Perspektive. Ich dachte immer, und manchmal denke ich es noch, dass ich eine große Belastung für meine Frau bin. DAs mag stimmen, aber nicht in dem Sinn, dass ich eine Schuld daran habe. Es ist nicht wegen mir, dass sie Mühe hat, wir haben uns beide den Weg ausgesucht und angenommen. Das macht es insofern einfacher, dass ich mich nicht schlechter fühlen muss, sondern ich kann auf Augenhöhe begegnen. Das musste ich erst lernen. Ich habe mich vorher immer schlecht gefühlt, denn ich wollte ja nicht der Anstoß für so viel Mühe sein. Manchmal gibt auch bei mir die Tage, an denen ich mich nicht wohl mit meinem Transgenderwesen bin. Aber hey, das ist etwas, was die wenigsten erfahren dürfen. Du bist etwas besonderes, seltenes.
Das macht die Sache nicht einfacher, mit anderen Menschen umzugehen. Das müssen wir alle lernen. Da bleibt uns manchmal die Schulter zum Anlehnen versagt. Aber ich kenne genügend Leute, die kennen das ohne Trans auch.
Du schreibst von Veränderungen, die Du erlebt hast. Vielleicht bricht auch nur eine Art Staudamm. Du lebst etwas, was nicht zu Dir gehört, das staut sich auf, statt abfließen zu können. Dann wären Kompromisse oder auch einzelne Schritte leichter.
Im übrigen trittst Du nicht Deine Beziehung. Diese Ansicht ist nichts anderes als es Deiner Frau Recht zu machen, was Du ja auch nicht willst. Deine Anliegen sind berechtigt, weil sie zu Dir gehören. Ich bin sicher, das weiß Deine Frau. Wahrscheinlich kann sie nicht einfach damit umgehen, aber im Herzen ist es wohl ihr Wunsch. Was sagt sie denn zu Deinen Bedürfnissen ? Wie weit sie mitgehen kann, weiß nur sie, doch ich weiß, auch das läßt sich mit der Zeit und Geduld füreinander ändern. Aber das geht nicht von heute auf morgen. Und ihre Anliegen haben die gleiche Berechtigung wie Deine. Es gibt viele denkbare Lösungen. Eine davon könnt Ihr Euch erarbeiten. Aber dazu gehört auch Augenhöhe auf beiden Seiten. Und für meine Ehe habe ich den Wunsch, keinen Kompromiss zu finden, sondern gemeinsam einen guten Umgang mit uns zu finden. Dazu gehört Geben und Nehmen, aber nicht im Sinne eines Schacherns, sondern einen Weg zu neuen Lösungen zu finden.
Ich bin Dir sehr dankbar für Deine Gedanken, denn das Aufschreiben meiner Gedanken hilft auch mir, klarer zu sehen und in den Prozess meiner Ehe einzubringen. Ich hoffe nur, ich habe nicht völlig an Dir vorbei geschrieben.