Missgeschicke und Selbstkontrolle
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Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
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ExUserIn-2026-04-08
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Missgeschicke und Selbstkontrolle

Post 1 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Moin liebe Trans'ler,

im Fred zu Missgeschicken hat Michi mich zu einer Antwort angeregt, die dort nicht hingehört. Deshalb fange ich einen neuen Fred an. Es ging um ein Missgeschick, dass Michi dazu zwang, wieder ihr gelungenes Outfit wieder "abzurüsten". Die Antwort lautete:
Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 25. Okt 2019, 07:11 in solchen Momenten überkommt mich regelmäßig das Gefühl, es einfach laufen zu lassen. Und machmal habe ich es laufen lassen und es war gut so. Ich mg nicht immer en femme sein, aber wenn ich es bin, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass in mir der Wunsch, genau jetzt mein Frausein zu leben, so strak wird, dass ich jede "Kontrolle" verliere. Aber genau dieser Kontrollverlust ist das, was ich brauche, um ich zu sein. Vielleicht suchen wir insgeheim Missgeschicke (das gilt nicht für alle Missgeschicke, aber sicher für manche), die uns genau dazu zwingen, über unseren Schatten zu zwingen.

Ist es nicht die Selbstkontrolle, die uns daran hindert, so zu leben, wir wir es wollen ? Das gehört nicht hierher. Deshalb mache ich einen neuen Fred auf.
Ich bin im Büro nicht en femme bekannt (mir graust es vor den Diskussionen). Aber da ich meistens um 6 Uhr morgens anfange und die nächsten Kollegen erst zwischen sieben und halb acht kommen, habe ich hier min. eine Stunde für mich selber. Ich stehe also ugegen 5 Uhr auf und beginne den Tag en femme und fahre auch so ins Büro. Gegen 7 Uhr ziehe ich mich dann um. Das ist zwar etwas traurig, aber mir ist es immer noch lieber als die entsprechenden Bemerkungen und Diskussionen durch zu stehen. Aber ich merke auch immer wieder, dass es mich einfach reizt, en femme sitzen zu bleiben und das, was kommt, einfach laufen zu lassen. Meine Selbstkontrolle steht einem Leben in meinem Sinn entgegen. Aber unbewusst scheint sich meine Selbstkontrolle aufzulösen. Um die Situation nicht einfach völlig unkontrolliert laufen zu lassen, erwäge ich ein Gespräch mit unserer Gleichstellungsbeauftragten, zu der ich Vertrauen habe.

Das ist die Kernfrage: Wie sehr behindert Euch, sofern Ihr davon betroffen sind, Eure Selbstkontrolle ? Warum könnt Ihr es einfach nicht laufen lassen, Euch zu jeder Zeit ganz normal und gelassen auch en femme zu bewegen ?
Viele Grüße
Vicky

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Re: Missgeschicke und Selbstkontrolle

Post 2 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin,

...Selbstkontrolle ist für mich wichtig und ein Teil meines Status Quo. Im Büro ziehe ich dann einen Rock an und nehme noch größere Ohrringe, die ich schon im Auto bei der Fahrt anlege.; die habe ich dann auch schon mal vergessen, wieder raus zu nehmen. Da hat meine Frau jedes mal entsetzt geguckt. Zu Hause habe ich nur kleine Ohrringe, die nicht so auffällig sind. Manchmal vergesse ich auch die Rundschals im Auto wieder abzunehmen, denn im Dorf soll das niemand sehen, denn ich bin dort nicht offiziell geoutet. Da passiert halt manchmal etwas ungewolltes... dann ist es halt so. Wer etwas sehen will, kann es bei mir auch so sehen, wenn ich im Garten oder an der Straße arbeite: unverkennbarer Busen, Kopftuch... :wink: Die Welt will eben betrogen werden...

Grüße, Ulrike-Marisa
Marlene K.
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Re: Missgeschicke und Selbstkontrolle

Post 3 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Hmm, Selbstkontrolle... interessantes Thema...

Ich bin eine Person, die es hasst, die Kontrolle über sich selbst zu verlieren. Ich mag es nicht, betrunken zu sein. Ich überspiele große Gefühlswallungen, obwohl ich mir die zunehmend selber zugestehe und merke, dass dies eher gemocht wird, mich echter erscheinen lässt.

Aber nun zum hier interessierenden Thema. Schon bei meinem Erkennen, dass ich Männer liebe und dies nicht "nur eine Phase" ist, war es mir wichtig, diesen Teil von mir nicht aktiv zu verstecken. Das ich erst einmal als Mensch ohne "Strickfehler" wahrgenommen werden wollte, hat mich schnell dazu gebracht es nicht von mir aus anzusprechen und bei Erzählungen aus dem Privatleben von "meiner besseren Hälfte" zu reden. So sind zum Beispiel bei neuen Stellen meist zwei oder drei Monate ins Land gegangen, bis die ersten Fragen kamen. Diese sind dann ehrlich beantwortet worden. So war ich nicht der Schwule, sondern der Küchenchef, der auch schwul war.

Das meine weibliche Seite nicht wie in der Schwulenszene leider immer noch oft karrikierend daher kommen muss habe ich erst mit dem Prozess meiner Loslösung vom Berufsleben erkannt.
Eine solche "Polittunte" bin ich entgegen meinem ersten Nickname hier nicht, dass wusste ich. Das ich aber auch die passenste/schönste/echteste Frau sein darf, die mir möglich ist musste ich erst erkennen. Danach konnte und wollte ich mich in der Hinsicht nicht mehr kontrollieren. Ein "sanfter Übergang" wie bei dem Männer begehren war hier nicht möglich.

In der Hinsicht war mir ein offenes und nichts verbergendes Auftreten immer wichtiger als Selbstkontrolle. Die behindert mich in anderen Punkten meines Lebens, nicht bei dem für meine Umwelt wahrnehmbar sein Wollen als die Person, die ich nun mal bin. Ich weiß, dass ich es in dieser Hinsicht leichter habe als ein Mensch, der Väterin ist und Familie hat. Dafür vermisse ich gerade dies sehr, Väterin/Mutter sein zu dürfen. Zu meiner Zeit hätte ich eine Frau benutzen im wahrsten Sinn des Wortes müssen. Das kam für mich nie in Frage.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Vincent
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Re: Missgeschicke und Selbstkontrolle

Post 4 im Thema

Beitrag von Vincent »

Hallo,
ich bin mir nicht sicher, ob Selbstkontrolle wirklich der alleinige passende Begriff ist, ich denke es spielt noch ein Konglomerat aus Angst, Unsicherheit, fehlendem Selbstbewusstsein usw, mit. Aber egal"¦

In früheren Zeiten war ich fast panisch, irgendwie von der Norm abzuweichen, im Laufe der Zeit habe ich mir unter viel Herzklopfen immer mal bewusst eine Kleinigkeit erlaubt, und mich seelisch auf die heftigsten negativen Reaktionen vorbereitet.
Sie kamen nie, trotzdem bin ich mir immer noch unsicher, was geht, wann ich übertreibe usw. Nein, von meinem Ideal mich zu geben und zu kleiden bin ich immer noch meilenweit entfernt.

Aber, auf der anderen Seite habe ich auch an vielen Stellen meine Selbstbeschränkung aufgegeben, meist weil es für mich plötzlich nicht mehr logisch schien irgendetwas nicht zu tun.
Waren es früher die Tarnsocken über der Strumpfhose, ließ ich sie irgendwann weg, um heute, wenn es mir gefällt und zum Outfit passt auch offen Feinsöckchen zu tragen.

Manchmal war das Aufgeben der Selbstkontrolle, sprich des Versteckens lange und geplant, manchmal spontan und vereinzelt eine Panne.
Es gab Zeiten in denen ich mir gelegentlich die Nägel lackiert habe, um den Lack schnell wieder ab zu machen, bevor es jemand, speziell meine Frau sah. Irgendwann kam der Zeitpunkt an dem ich beschloss sie einfach so zu lassen, wenn meine Frau kommt. In dem Moment, als meine Frau in die Garage fuhr, viel meine Entscheidung zwar anders aus, ändern hätte ich sie aber nur unter viel Aufwand können (Arbeitshandschuhe drüber und am Motorrad basteln) - ich habe es dann doch einfach passieren lassen.

Ähnlich lief es mit einem Kleid auch das habe ich einfach anbehalten als sie heim kam. Irgendwann kam dann der Zeitpunkt, an dem ich das Umziehen satt hatte, und in einem der Kleider die ich bis dahin nur zuhause trug, auch zu den Nachbarn ging, etwas später dann auch spontan in den Supermarkt. Und trotzdem, gehe ich in die Stadt zu einer Shoppingtour, traue ich mich irgendwie nicht.
Ich bin mir sicher die Selbstkontrolle, was die Normeinhaltung der der männlichen Erscheinung betrifft, wird bei mir immer weiter nachlassen, um so mehr ich für mich in Zweifel nach der Sinnhaftigkeit gerate und vor allem auch die negativen Reaktionen komplett ausbleiben, so es wie es bisher war.
Am besten funktioniert sie noch im Job, wobei mir auch da schon meine Zweifel kommen. Noch bin ich kein Monat im neuen Job, und hatte mrogens schon Leggings, Longshirt und Stiefeletten an und meine Frau gefragt, ob Mann das tragen könne.
Sie fand es gut und um Haaresbreite wäre ich auch so losgefahren - mir kamen dann aber doch noch Zweifel und ich habe schnell nochmal die Klamotten getauscht.

Dass ich mittlerweile nicht mehr nachsehe, wer vor der Haustüre steht, bevor ich öffne, hat dazu geführt, dass meine Schwiegermutte in diesem Sommer als erstes meinen neuen Badeanzug kennengelernt hat. :shock:
Vermutlich hätte ich ihn ihr als letze (nie) gezeigt.

LG
Vincent
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Missgeschicke und Selbstkontrolle

Post 5 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Vincent hat geschrieben: Fr 25. Okt 2019, 16:17 Ähnlich lief es mit einem Kleid auch das habe ich einfach anbehalten als sie heim kam. Irgendwann kam dann der Zeitpunkt, an dem ich das Umziehen satt hatte,
Genau so empfinde ich das auch. Jedesmal, wenn ich mich umgezogen habe, tat es mir in der Seele weh. Und so kommt Eins zum Anderen...

Dieses "satt haben" ist für mich die Aufgabe der Selbstkontrolle. Die Ursachen dafür liegen, wie Du schreibst, bei mir in der Angst, der Unsicherheit und ich möchte ergänzen, Scham. Aber dann kommt immer wieder der Augenblick, in dem immer wieder etwas mehr durchbricht...

Danke für Deinen Beitrag
Viele Grüße
Vicky

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Re: Missgeschicke und Selbstkontrolle

Post 6 im Thema

Beitrag von Luna »

Hallo zusammen,

weil bei mir der Job ein sehr spezielles und schwieriges Thema ist, bleib ich mal im privaten Rahmen.

Meine Frau weiß zwar von meiner weiblichen Seite, hat mich bislang aber noch nicht in einem femininen Outfit gesehen. Verständnisvoll und einfühlsam wie sie ist, würde sie wohl ein gewisses Ausmaß (ein androgynes Outfit bzw. Erscheinungsbild etwa) akzeptieren und mit der Zeit, wer weiß, würden sich vielleicht ihre Grenzen sogar verschieben. Im Moment verhindert aber (noch) meine "Selbstkontrolle" (wenn man so will; man könnte auch Angst vor mir selbst sagen), dass ich das austeste. Ich fürchte einfach, dass ich das Ausmaß nicht mehr kontrollieren kann wenn die erste Barriere mal gefallen, der Damm sozusagen gebrochen ist und sie dann (völlig) zu überfordern.

Derzeit verhindert also quasi meine Selbstkontrolle den Verlust der Selbstkontrolle. :wink:

Allerdings wird es immer schwieriger.

Alles Liebe
Luna
Vincent
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Re: Missgeschicke und Selbstkontrolle

Post 7 im Thema

Beitrag von Vincent »

Luna hat geschrieben: Fr 25. Okt 2019, 18:56 Im Moment verhindert aber (noch) meine "Selbstkontrolle" (wenn man so will; man könnte auch Angst vor mir selbst sagen), dass ich das austeste. Ich fürchte einfach, dass ich das Ausmaß nicht mehr kontrollieren kann wenn die erste Barriere mal gefallen, der Damm sozusagen gebrochen ist und sie dann (völlig) zu überfordern.

Derzeit verhindert also quasi meine Selbstkontrolle den Verlust der Selbstkontrolle. :wink:

Allerdings wird es immer schwieriger.
Hallo Luna,
vermutlich hast Du mit deiner Befürchtung Recht, ich merke, dass ich immer schneller immer größere Schritte mache und immer weniger einsehe nicht komplett ich zu sein.
Dass bis jetzt alles kritiklos oder sogar unterstützend von meinem Umfeld aufgenommen wurde, bestärkt mich naturgemäß auch.

Und ja, hätte ich noch vor ein paar Jahren definitiv für immer ausgeschlossen im Rock oder Kleid in die Arbeit zu gehen, denke ich, dass es bald passieren wird.

Wäre es mir früher maximal peinlich gewesen hätte mich jemand mit Rock usw. gesehen und es in de Arbeit erzählt, würde ich jetzt ganz offen dazu stehen.

Aber, ich denke durchaus dass ich noch einschätzen kann, wann ich meine Frau oder andere überfordern würde .

VG
Vincent
LG

Vincent
Michi
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Re: Missgeschicke und Selbstkontrolle

Post 8 im Thema

Beitrag von Michi »

Hallo Vicky,

mir geht bei deinen Ausführungen immer wieder ein Gedanke durch den Kopf:

Du suchst nach einem Verantwortlichen für eine Entscheidung, die du eigentlich bereits getroffen hast, bei der dir aber der Mut zur Umsetzung fehlt. :wink:


Liebe Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Missgeschicke und Selbstkontrolle

Post 9 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

MichiWell hat geschrieben: Fr 25. Okt 2019, 23:00 Du suchst nach einem Verantwortlichen für eine Entscheidung, die du eigentlich bereits getroffen hast, bei der dir aber der Mut zur Umsetzung fehlt. :wink:
Ich denke, so falsch ist der Gedanke nicht ... Ich habe das schon oft gemerkt, Wenn ich spüre, dass meine weibliche Seite sich zeigt, ist jede Entscheidung gefallen. Ich habe einen (Edit: keinen) wirklichen Einfluss darauf. Die Entscheidung wird für mich getroffen.
Zuletzt geändert von ExUserIn-2026-04-08 am Sa 26. Okt 2019, 09:45, insgesamt 1-mal geändert.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Missgeschicke und Selbstkontrolle

Post 10 im Thema

Beitrag von Frieda »

Guten Morgen liebe Vicky.

Bin ich zu blöd deinen Post zu verstehen?🙈 🤔
Oder fehlt in diesem Satz evtl ein Wort, oder Buchstabe?...
Vicky_Rose hat geschrieben: Sa 26. Okt 2019, 07:19 Ich habe einen wirklichen Einfluss darauf.
Ich bin dir dankbar, wenn du den "Nebel" in meinem Hirn auflösen könntest. 😊


Namaste 🙏
•Liebe & Mitgefühl sind die höchsten Formen von Intelligenz.
•Du musst selbst zu der Veränderung werden, die du in der Welt sehen willst. Mahatma Gandhi
•Irgendwo ist Jemand glücklich mit weniger als du hast!

*Wer mag, ich bin gerne da mit 💖,👂und📝*
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Re: Missgeschicke und Selbstkontrolle

Post 11 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Frieda hat geschrieben: Sa 26. Okt 2019, 08:14 Ich bin dir dankbar, wenn du den "Nebel" in meinem Hirn auflösen könntest.
Ich denke, ich kann. Es sollte "keinen" heißen. Ich hoffe jetzt scheint wieder die Sonne. ))):s
Viele Grüße
Vicky

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