Asperger Autismus
Asperger Autismus - # 2

Lebensplanung, Standorte
Jasmin_35
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Re: Asperger Autismus

Post 16 im Thema

Beitrag von Jasmin_35 »

Christiane hat geschrieben: Mi 23. Okt 2019, 16:57 @Jasmin : Im Gespräch mit Dir, in Mühlacker, konnte ich nichts ungewöhnliches wahrnehmen. O.k. - ich habe nicht versucht Dich anzufassen. :lol: :lol:
Würde ich auch nicht tun.
Hi Christiane,

ah man merkt auch nicht immer was, besonders wenn ich erstmal mit jemandem rede, ist die größte Überwindung schon gelaufen, weil ich es meistens nicht so weit schaffe, auch weil ich keine Einstiege ins Gespräch finde (ein typisches Aspie Problem). Mir hilft es immer, das jemand anderes mit mir das Gespräch sucht und dann möglichst am Anfang das Gespräch auch durch fragen am laufen hält, irgendwann kommt dann der Teil des Gesprächs, wozu ich viel sagen kann und dann geht das Gespräch von allein. Klingt doof, ist aber leider so, besonders am Anfang, wenn ich neue Leute kennenlerne.
heike65 hat geschrieben: Mi 23. Okt 2019, 15:42
Geschlechter-Vielfalt

Eine Studie zeigte, dass autistische Menschen mit einer 8 Mal größeren Wahrscheinlichkeit gendervariant sind. Gender-Varianz schließt alle Menschen mit ein, bei denen das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht nicht der Geschlechtsidentität oder der gelebten Geschlechterrolle entspricht. Der Begriff ist deutlich weiter gefasst als Gender-Dysphorie oder der alte Begriff Transsexualität. 0,7% der Allgemeinbevölkerung sind gendervariant, bei autistischen Menschen sind es 5,4%.

Andere Studien kommen zum Ergebnis, dass Transgender-Menschen bei Screening-Tests mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit Punktzahlen im Autismus-Bereich erzielen.

Das Forschungsthema ist noch recht neu und die Studien begrenzt. Wahrscheinlich wird es in den nächsten Jahren mehr Forschung dazu geben.

Wichtig ist, dass der Zugang zur Transition für autistische Menschen barrierefrei wird; derzeit ist das nicht der Fall. Für Transgender-Kinder ist es besonders wichtig, dass ihre Eltern sie akzeptieren und unterstützen.
Quelle: https://autismus-kultur.de/autismus/aut ... nosen.html
Ich versuche die ganze Zeit darüber nachzudenken, was das wohl gerade bei Autisten auslösen könnte, welche Eigenschaft hab ich und andere die so sind wie ich, das die ausgerechnet bei Geschlechtsidentität keine Stabilität und kein "immer so bleiben, alles gleich lassen" suchen.
Da wäre auc die Frage, wieviele Autisten sind Transfrauen und wieviele sind Transmänner. Der Witz kommt gleich dazu. Ich glaube, das es überwiegend (anders als in der Gesamtbevölkerung) Transfrauen sind.

Hier der Witz: Ich hab schon ganz oft gelesen, das wohl Frauen (-Gehirne) um ein vielfaches anfälliger für (Asperger-) Autismus sind, als Männer (-Gehirne), das würde es auch erklären, wenn man davon ausgeht, das Transfrauen eher ein Frauengehirn haben.

Wie dem auch sei. Wichtig ist auch zu sagen, das nicht jede komische oder mehrere komische Angewohnheiten, die ich beschrieben habe automatisch zu Autismus führt. (Bitte nicht falsch verstehen :) )
Das was ich oben beschrieben hab, sind die Eigenschaften die mir Spontan eingefallen sind und jede/r der mit mir mal länger gelebt bzw auch gearbeitet hat wird merken, das es noch tausend andere Dinge gibt, die mir gerade nicht einfallen oder generell nicht auffallen. Es kann natürlich immer gut möglich sein, das Autismus dahinter steckt, in welcher starken oder chwachen Form auch immer, auch sind meine Eigenschaften nur eine Variante von vielen.

Wie gesagt., Mathematikfähigkeiten, bzw naturwissenschaftliche Fähigkeiten sind kein Zwang, es viele Künstler, viele sehr gute Schriftsteller oder Menschen, die ihr Spezialinteresse im Klimawandel haben. Es gibt leute, die sind sogar "Gesichtsblind", die können Menschen nicht wiedererkennen, wobei eigentlich das Wiedererkennen von Mustern mehr oder weniger die Stärke ist. Es gibt welche die haben verrückte Ticks, wie 3x anklopfen zu müssen. Mir ist auch gerade noch eine meiner lustigsten Eigenschaften eingefallen.
Ich koche innerlich, wenn leute ihren Satz nicht beenden und werd fast wahnsinnig :D Ich hatte mal eine Kollegin, die hat entweder das letzte Wort weggelassen oder mitten im Satz aufgehört zu sprechen und dann einen neuen angefangen. Schrecklich.

Oder wenn leute "tolerant" sind und sprichtwörtlich fünfe gerade sein lassen, also etwas nicht soo genau nehmen, bzw was falsches in kauf nehmen.

Auch die Geschichte mit dem Gutachter, das die nicht akkurat arbeiten und sich einfach unnötig zeit lassen, weil denen danach ist, das treibt mich in den Wahnsinn, auch wenn es für andere eher nur "halb so schlimm" ist.

Oder so wie es meine Freundin gerne macht, mit dem Einkauf nach Hause kommen, die hälfte auspacken und den Rest 2 Tage stehen lassen, inklusive Einkaufstasche, anstatt es einfach gleich wegzuräumen. Es muss zweimal angefasst werden.

Ich bin jemand, ich optimiere ständig und denke ständig über Optimierung von Dingen nach, das ich Sachen mit der selben Qualität noch schneller erledigen kann, um meine Zeit noch besser ausnutzen zu können. Das Resultat ist dann, das ich oft von leuten höre, das ich viel im Leben geschafft hätte, obwohl es sich für mich immer so anfühlt, als hätte ich meine Zeit verschwendet. Das ist teilweise auch echt anstrengend.

Wenn ich einen versteinerten Gesichtsausdruck hab und das kommt oft vor (meine Freundin sagt dann immer: Ist jemand zu Hause? :D ) liegt es daran, das ich Mimik vergesse, weil ich die halt gelernt imitieren muss und nicht natürlich von mir aus machen kann, ok es hilft sicher auch nicht, das ich aus Schleswig-Holstein komme, das Bundesland mit dem einen Gesichtsausdruck :D
Liebe Grüße Jasmin
Nicole Fritz
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Re: Asperger Autismus

Post 17 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Vicky_Rose hat geschrieben: Do 24. Okt 2019, 08:41 Ich meine, vor einiger Zeit einen Artikel gesehen zu haben, in dem propagiert wurde, Asperger nicht mehr als Störung zu sehen, sondern nur dann, wenn der Betroffene darunter leidet.
Hallo,

dieses ganze Reden von einer "Störung" führt doch nur dazu, dass wir oft keine Hilfe in Anspruch nehmen, wenn wir sie bräuchten. - Ich bin nicht krank im Kopf, ich gehe nicht zum Irren-Arzt! - Also schleppen wir vielleicht jahrzehntelang ein Problem mit und uns herum, das ein geschulter Psychologe in ein paar Wochen beheben könnte.

Meine Asperger-Selbstdiagnose stammt noch aus der Zeit vor meinen Outing. Ich suchte eine Erklärung für meine immer extremer werdende Sozialphobie. Und da liegt Autismus eben nahe. Bei mir hat meine Mutter jegliches Vertrauen zu Ärzten zerstört. Mir kann kein Psychologe helfen, da ich diese Hilfe nicht annehmen könnte. Da würde ich unbewusst immer wieder den Psychoterror meiner Mutter erahnen.

Bei mir ist es wohl so, dass ich mich in Frauenkleidern nicht mehr als dieses kleine, dumme, unbedeutende Muttersöhnchen fühle und so viel freier auf andere Menschen zu gehen kann. Es erscheint für unbeteiligte vielleicht bescheuert, aber es ist so. Und es erklärt auch, warum ich im vollständigen Trans-Weg keine Lösung meines Problems sehe. Das Problem ist mein Kontakt zur Gesellschaft und nicht mein (falscher?) Körper. Und dieser Kontakt funktioniert jetzt trotz schlechtem Passing besser als vorher. Ich habe den Spieß jetzt umgedreht: Ich muss nicht mehr mit der Gesellschaft klar kommen, die Gesellschaft muss jetzt mit dem Enby klar kommen - und tut es erstaunlicherweise ziemlich gut.

LG Nicole
Jasmin_35
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Re: Asperger Autismus

Post 18 im Thema

Beitrag von Jasmin_35 »

Wie schon gesagt, man sollte sich nicht wegen irgendwas stigmatisieren lassen, daher scheuen auch viele eine offizielle Diagnose, obwohl das wohl auch nichts ändert, bei einem selbst jedenfalls.

Ich rede offen darüber, weil ich mich nicht als "krank" in irgendeiner Form ansehe, das ich zum Arzt gehen müsste. Und selbst wenn ich mir hilfe suche, weil ich an Grenzen stoße, sehe ich mich nicht als krank. Ich bin krank, wenn ich nicht arbeiten kann und mit Erkältung oder mehr im Bett liege. :)

Offenheit bedeutet Normalität und mehr leute verstehen mich und das ganze Thema dadurch hoffentlich etwas besser. Es ist nicht wovor man Angst haben muss und es hat teilweise auch witzige Blüten, wenn man drauf achtet :D
Liebe Grüße Jasmin
ExuserIn-2020-03-10
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Re: Asperger Autismus

Post 19 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-03-10 »

Ich leide nicht darunter. Ich bin gottfroh wenn ich meine Ruhe habe.
Dass ich krank sein könnte weil mich Freunde nicht interessieren, das ist mir tatsächlich nie in den Sinn gekommen, und ich glaube auch nicht dass eine Diagnose hier irgendetwas erhellendes / verbesserndes beitragen könnte. Eher das Gegenteil könnte eintreten, ich hätte dann vielleicht weniger Zeit mir Gedanken über das Verhalten meiner Mitmenschen zu machen :-)
Jaddy
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Re: Asperger Autismus

Post 20 im Thema

Beitrag von Jaddy »

In meiner Mastodon-Timeline tauchte dies auf:
Bildschirmfoto 2019-10-24 um 22.12.01.png
(Quelle)

und in den Antworten eine, die ich 100%ig unterschreiben kann:
Bildschirmfoto 2019-10-24 um 22.12.16.png
In meiner peer group sind auch relativ viele neuro-atypisch geoutete Menschen, denen ich neue Perspektiven und Formen verdanke.
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