Asperger Autismus
Asperger Autismus

Lebensplanung, Standorte
Jasmin_35
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Asperger Autismus

Post 1 im Thema

Beitrag von Jasmin_35 »

Hallo ihr,

wie soll ich hier am besten anfangen? Grundsätzlich soll es hier um Asperger Autismus gehen und den Zusammenhang zur (Geschlechts-)identität und natürlich um den allgemeinen austausch zu dem Thema.
Erstmal ganz allgemein für alle, die es noch nicht kennen:
Asperger Autismus gehört zu den hochfunktionierenden Autismus Störungen und viele betroffene wissen auch nicht, das sie dies haben, weil es wenig bis keine Alltagseinschränkungen gibt. Der Grad dieser Autismus Störung ist auch bei jedem unterschiedlich ausgeprägt, nicht jede/r hat eine Hochbegabung, auch ist es so, das man nicht automatisch in Naturwissenschaften gut ist. So gibt es viele, die sind in Kunst und anderen Dingen sehr begabt.
Beim Asperger Autismus ist es so, das die betroffenen keinen Wahrnehmungsfilter im Kopf besitzen und alle Umwelteindrücke ungefiltert auf das Gehirn einprasseln, man sagt auch, das das Gehirn im Wachen Zustand ständig auf hochtouren läuft. Das macht es auch am Ende des Tages recht müde und man ist sehr erschöpft. Wenn man etwas vom Asperger Autismus auch ein wenig witzig verpackt erfahren möchte, kann man sich Big Bang Theory ansehen, viel interessanter ist es aber "echte Menschen" zu erleben und dazu empfiehlt sich Youtube, dort gibt es verschiedene Dokus dazu, wenn ich es nicht vergesse, verlinke ich auch noch ein paar Videos später.

Leider gibt es nicht sehr viele Informationen und vieles kann ich auch nur von mir selber berichten, was ich auch lange selber nicht wahrgenommen habe, weil ich es ja nicht anders kannte.

Hier nochmal zusammengefasst ein paar Eigenschaften, wie andere, die mich kurz oder länger kennen, beschreiben würden.
Ich bin ruhig. Wenn ich etwas sage, ist es meistens sehr wichtig. Viele sagen ich wirke "traurig". Einige sagen, ich scheine Gefühlslos oder sehr nüchtern zu sein. Manche sagen zu mir, das ich reserviert wirke.
Wenn man mich fragt, worüber das Gespräch, das ich gerade geführt habe, ging, sage ich meistens, das ich es nicht weiß, ich aber voll anwesend war und auch alles verstanden habe, das ist keine Abwertung, es fällt mir nur umheimlich schwer Gespräche, Geschichten, Gedichte und andere Dinge zusammenzufassen und zu interpretieren. Wenn es aber darum geht ein hochkomplexes technisches Gerät zu zerlegen, den Fehler zu suchen und anschließend wieder funktionsfähig und fehlerfrei zusammen zu bauen, kann ich das auch nach mehreren Stunden noch, ohne das ich mir notizen oder andere Hilfen angefertigt habe. Das war auch in ähnlicher Form in der Kindheit so. Ich sage von mir selbst, das ich wenig bis keine Fantasie habe, ich kann ber Dinge exakt nach Anleitung zusammenbauen und sei sie noch so schlecht (IKEA - haha). Oft ist es sogar so, das ich nichtmal eine Anleitung benötige, weil mir die Schritte offensichtlich auf der Hand liegen. Das war früher weniger der Fall, ist heute ausgeprägter, weil ich wohl einfach mehr Erfahrung im Zusammensetzen von Sachen habe.
Dadurch das mein Gehirn die ganze Zeit auf hochtouren läuft kann ich auch mehr oder weniger 2-3 Gesprächen folgen und passende Antworten geben, das merke ich oft, wenn ich in größeren Runden zusammensitze. Ich kann auch sehr viele Dinge beobachten, ohne diese bewusst zu beobachten. Ich habs auch mit Zahlen und Kopfrechnen und höherer Mathematik (Kurvendiskusionen, 3 dimensionales Koordinatensystem), dort sind mir oft die Lösungen auch offensichtlich, jedenfalls annährend, weil ich die Muster erkennen kann. Ich bemerke auch immer wieder das ich recht verschachtelt formuliere, was es leider manchmal für viele schwer macht, meinen Sätzen zu folgen, insbesondere im schulischen Umfeld hatte ich damit viele Probleme in Fächern wie "Deutsch", was aber kein Problem war, wenn man in allem anderen gut ist.
Einige witzige Sache ist z.b. auch, das ich die Uhrzeit oft recht präzise vorhersagen kann, ich muss nur einmal zu einem Zeitpunkt x auf die Uhr geguckt haben. Selbst wenn ich abends vor dem einschlafen auf die Uhr gucke, wach ich nachts auf und weiß wie spät es ist, ohne auf die Uhr geguckt zu haben. Warum das genau so ist, weiß ich nicht, ich erkläre es mir zumindestens folgendermaßen: Mein Ruhepuls hat etwa 60 Schläge pro Minute und offenbar zählt mein Unterbewusstsein irgendwie mit oder kann es dadurch besonders gut abschätzen. Wenn ich z.b. in Arbeit vertieft bin, kann ich aber auch völlig die Uhrzeit und alles andere um mich herum vergessen, bis mich irgendwann nach Stunden mal jemand fragt, ob ich nicht etwas essen möchte und da merke ich dann plötzlich, oh ja, ich hab ja hunger.

Ja super könnte man sagen, was will man mehr. So schön wie das klingt ist es leider oft nicht, denn es gibt auch viele Seiten, die es mir schwer machen. Ich kann z.b. keine Emotionen lesen und auch kaum welche wiedergeben oder deute vieles falsch. Es gibt große defizite im sozialen Bereich, mir erschließt sich oft der Sinn von informationslosem Smalltalk nicht. Ich habs nicht so mit "nähe" und habe gerne meinen "Abstand", also meine Blase um mich herum, wobei sich das schon gebessert hat. Ich habe sehr wenige, dafür aber "richtige" Freunde und mir fällt es absolut schwer neue zu finden. Bis vor einem Jahr hatte ich recht viele Routinen, besonders morgens, wann ich aufstehe, wann ich im Auto sitze, wann ich bei der Arbeit bin und auch welchen Parkplatz ich habe, deswegen bin ich oft schon 5 Min. früher losgefahren. Mein Tag hat dann etwas gelitten, wenn es irgendwelche außerplanmäßigen "Störungen" gab und ich hab mich die ganze Zeit unruhig gefühlt, auch wenn es nicht wollte.
Ich bin sehr ehrlich und direkt, womit einige manchmal ein Problem haben, dabei meine ich es nicht böse, sondern versuche eher "zu helfen". Mir fällt es absolut schwer zu lügen, ich kann das einfach nicht, bevor ich lügen muss, sag ich gar nichts.
Ich habe immerhin keine krassen Ticks, außer das ich beim reden oft Gegenstände in den Händen habe, um mich "festzuhalten" oder meine Hände zu beschäftigen, keine bewussten Zwangsstörungen, ok vielleicht bin ich sehr sauber und ordentlich und hasse es wenn zeug rumliegt, aber auch nicht immer, es gibt Phasen, da ist es mir dann auch einfach egal.

Vieles von dem wie ich auch oft bin, fällt mir gerade nicht ein, kommt aber meist im Gespräch mit anderen Betroffenen raus. Ich habe z.b. einen besten Freund, der auch Asperger hat, mit dem versteh ich mich fantastisch, weil der genau so denkt wie ich und wir haben auch immer viel zu erzählen, ohne deutungen zwischen den Zeilen, sondern immer direkt raus.

Asperger und (Geschlechts-)identität ist leider noch Thema was offenbar wenig erforscht ist und man weiß nicht genau wie das zusammenhängt. Ich habe bei mir gemerkt, das mir Routinen und Dinge immer auf die selbe Weise machen mir Sicherheit und Beruhigung gegeben hat, auch weil ich mit mir selber durchs Trans* sein und insbesondere es nicht wissen immer eigene Unsicherheit verschafft hab. Seit ich das ganze Thema Trans* jedoch für mich so akzeptiert hab, merke ich auch, das ich nicht mehr soviele Routinen hab, allgemein lockerer und auch spontaner bin. Dennoch merke ich, das Dinge wie Beoachtungsgabe und der fehlende Umweltfilter noch da sind und mein Gehirn nicht abschalten kann, solange ich wach bin.
Also vielleicht ist bei mir eine anfangs nur schwache Ausprägung von Asperger durch meine Identitätsstörung verstärkt worden oder es ist genau umgekehrt, das Asperger Menschen eine Neigung dazu haben ihre Identität in Frage zu stellen, das muss aber nicht Zwangsläufig Geschlechtsidentität sein, sondern kann auch die allgemeine Identität sein, so hab ich es jedenfalls irgendwo mal gelesen. Ich habe auch mal gelesen, das Frauen offenbar "anfälliger" dafür sind Asperger Autisten zu sein, was da nun dran ist, kann ich nicht sagen.

Naja, ich bin Gespannt auf den Austausch und hier noch ein paar Videos von betroffenen, die Asperger mal mehr mal weniger haben und auch verschiedene Formen, denn hier ist es so, das es nicht die Schablone für Asperger Autismus gibt.

https://www.youtube.com/watch?v=tTTYaPjCBHk

https://www.youtube.com/watch?v=9SmabgTUId8

https://www.youtube.com/watch?v=L8mLu_OyveA

https://www.youtube.com/watch?v=AkeS-hGMrD0

https://www.youtube.com/watch?v=KUVOGEhyQVE

https://www.youtube.com/watch?v=tJwRIjkTyS4

https://www.youtube.com/watch?v=RSKSN_BCQI4

Viel neues über mich und allgemein Asperger Autismus, ich bin sehr glücklich darüber, das ich hilfreiche Dinge habe, die mich im Job weiterbringen können und keine Dinge, die mich so richtig im Alltag behindern und keine sonstigen schlimmeren Komorbiditäten wie Depressionen oder AD(H)S oder dergleichen. Denkt dran, wenn ihr mich trefft, ich bin nicht emotionslos oder emotionsfrei, auch wenn ich oft ein "Steingesicht" hab. :D ;)
Liebe Grüße Jasmin
Cybill
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Re: Asperger Autismus

Post 2 im Thema

Beitrag von Cybill »

Du bist jetzt der dritte Fall von Transsexualität in Verbindung mit Asperger-Syndrom, den ich kenne. Wobei die Ausprägung des Aspie - wenn ich deine Beschreibung richtig interpretiere - immer mild ist.
Ich kenne auch keine Untersuchungen hinsichtlich eines Zusammenhangs.

Grüße Cybill
Scio quid nolo! - Ich weiß was ich nicht will!

Im Übrigen: Ich bin nicht hauptberuflich transsexuell!
Jasmin_35
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Re: Asperger Autismus

Post 3 im Thema

Beitrag von Jasmin_35 »

Cybill hat geschrieben: Mo 21. Okt 2019, 16:55 Du bist jetzt der dritte Fall von Transsexualität in Verbindung mit Asperger-Syndrom, den ich kenne.
Das ist sehr interessant. Ja, ich würde mich auch als milden Fall bezeichnen. Ich versuche aber auch Muster ab und zu auszubrechen und gegen mein Gefühl zu arbeiten, weil ich merke, das auch das mir gut tut und meine Freundin hilft mir dabei auch oft genug.
Liebe Grüße Jasmin
Alina_
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Re: Asperger Autismus

Post 4 im Thema

Beitrag von Alina_ »

Super beschrieben! Ich hätt's nicht besser machen können :) Ist schon fast gruselig wie sehr das alles auch auf mich zutrifft. Vorallem das mit den Phasen, dass man es ordentlich und sauber mag, aber nicht immer :shock: . Find ich immer noch merkwürdig :roll:
Ich möchte aber noch was wichtiges anfügen.. es ist zumindest bei mir so, dass ich auf äußere Einflüsse stark reagiere. Ich nehme meine Umwelt leider so stark wahr, dass mich vor allem Geräusche extremst nerven können. Berührungen von fremden Menschen kann ich überhaupt nicht leiden, vorallem dann nicht, wenn ich nicht darauf vorbereitet bin (Hände schütteln zur Begrüßung ist zB okay) Mal komplett abschalten, kann ich einfach nicht. Irgendwas muss ich immer tun, sonst werd ich verrückt.
Cybill hat geschrieben: Mo 21. Okt 2019, 16:55 Du bist jetzt der dritte Fall von Transsexualität in Verbindung mit Asperger-Syndrom, den ich kenne. Wobei die Ausprägung des Aspie - wenn ich deine Beschreibung richtig interpretiere - immer mild ist.
Ich kenne auch keine Untersuchungen hinsichtlich eines Zusammenhangs.
Das kommt immer auf das Individuum an und wie sehr man es unter Kontrolle hat. Kommen Traumata oder andere negative Erfahrungen dazu, kann es sich verschlimmern. Als Kind kam ich gar nicht damit, es war mir immer alles zu viel. Neue Situationen überforderten schnell, auch wenns nur kleine Dinge waren. Zum Glück lernt man, wie man damit umgehen kann.
Untersuchungen gibts auch keine, weil beide Faktoren in Verbindung einfach zu selten vorkommen. Es gibt daher nur Statistiken und Schätzungen und keine richtigen Studien. Die meisten Aspies bezeichnen sich übrigens eher als weder das eine, noch das andere.
Engelchen
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Re: Asperger Autismus

Post 5 im Thema

Beitrag von Engelchen »

Ein ganz lieben Dank an euch.
Ich lerne gerade wieder sehr viel dazu.
Ich kann auch dich Jasmin nun ganz anders einschätzen.
Danke das ihr so offen seid.

Eure Lisa
Liebe geben und offen sein für Neues
Jasmin_35
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Re: Asperger Autismus

Post 6 im Thema

Beitrag von Jasmin_35 »

Alina_ hat geschrieben: Mo 21. Okt 2019, 17:27 Ich möchte aber noch was wichtiges anfügen.. es ist zumindest bei mir so, dass ich auf äußere Einflüsse stark reagiere. Ich nehme meine Umwelt leider so stark wahr, dass mich vor allem Geräusche extremst nerven können. Berührungen von fremden Menschen kann ich überhaupt nicht leiden, vorallem dann nicht, wenn ich nicht darauf vorbereitet bin (Hände schütteln zur Begrüßung ist zB okay) Mal komplett abschalten, kann ich einfach nicht. Irgendwas muss ich immer tun, sonst werd ich verrückt.
:D was soll ich dazu noch sagen. Ist hier exakt das selbe, insbesondere "störgeräusche" nehme ich sofort wahr und wach auch nachts sofort davon auf. Morgens wenn der Wecker anfängt zu klingeln (Smartphone), bin ich beim allerersten Vibrieren schon wach, bevor der Ton kommt. Wir haben hier direkt an der Terrasse eine falsch Dimensionierte und falsch eigebaut Wärmepumpe, die viel zu laut ist und die stört mich extrem, das kleinste brummen nehme ich da schon wahr und wenn es die nicht ist, geh ich auf die suche, was es ist.
Mir hat mal jemand gesagt, das ich andere fremde Menschen hasse, das ist nicht wahr, ich mag es einfach gar nicht in einer vollen S-Bahn zu sein (nicht überfüllt, einfach nur voll, das alle Plätze besetzt sind und ein paar Leute im Türgang stehen), ich hab da offenbar auch direkt einen viel sagenden Gesichtsausdruck :D Abschalten kann ich auch nicht. Ich war jetzt 2,5 Monate hier zu Hause und hätte nichts tun können, bzw mch erholen können, ok erholt hab ich mich, aber ich bin die ganze Zeit rotiert. Selbst wenn ich krank im Bett liege und nichts tun kann, werd ich irgendwann unruhig. (Hummeln im Hintern hat man früher gesagt). Es gibt aber auch da Phasen (meist ein Tag dann, wo ich einfach nichts mache, naja irgendwo auf der Couch liege und mir Blödsinn ansehe, merke aber auch am nächsten Tag, das ich wieder irgendwas tun muss.
Das konnte ich noch nicht wirklich abstellen, selbst wenn ich versuche mich dazu zu zwingen.

Oh und eins hab ich auch noch: Ich plane viel bis ins kleinste Detail, also das was ich planen kann. So bin ich auch immer Vorbereitet, auch wenn ich zu Ämter muss oder andere Dinge, wo es gut wäre, wenn man schon das eine oder andere dabei hat. Ich hab meist alles dabei, was ich gebrauchen kann. Und ich erledige Dinge GLEICH und SOFORT, wenn es was zu erledigen gibt. Weil es mir am Ende sonst mehr Arbeit oder unnötige Arbeit macht, weil ich mich z.b. neu reindenken muss.
Liebe Grüße Jasmin
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Re: Asperger Autismus

Post 7 im Thema

Beitrag von Jasmin_35 »

Lisa-Weber hat geschrieben: Mo 21. Okt 2019, 17:36 Ich kann auch dich Jasmin nun ganz anders einschätzen.
Ich mach auch sehr selten was ohne Grund, "einfach so". Wie gesagt, jemand der mich nicht kennt, würde mich als unhöflich oder unfreundlich einschätzen, dabei versuch ich meist nur zu helfen, auch wenn meine direkte Art den einen oder anderen erstmal schockiert. Macht euch nichts draus, ich halte gar nichts davon, um den heißen Brei zu reden oder eine Stunde zu reden und absolut nichts zu sagen. :)

Und wenn mich deswegen jemand nicht mehr mag oder nicht mag, dann mach ich mir auch nichts draus. Dann kann ich das sowieso nicht ändern, weil ich so bin, wie ich bin und einiges kann ich einfach nicht ändern. Aber am Ende kommen die meisten doch mit mir klar, weil ich mich sehr darum bemühe niemanden ungerecht zu behandeln.
Ich glaub Aspies haben auch einen sehr hohen Gerechtigkeitssinn und ich kann sehr gut zwischen Dingen differenzieren.

Beispiel: Wärmepumpe von meinem Nachbarn an meiner Terrasse. Damit geh ich ihm solange auf die Nerven, bis das Mistding leise ist, egal auf welche Art und Weise. Deswegen hab ich aber noch lange nichts gegen den und leih ihm trotzdem gern den großen Freischneider aus, wenn der den braucht, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun für mich. Nur wenn er anfängt mich persönlich zu ärgern, dann ist bei mir auch feierabend :)
Liebe Grüße Jasmin
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Re: Asperger Autismus

Post 8 im Thema

Beitrag von Alina_ »

Lisa-Weber hat geschrieben: Mo 21. Okt 2019, 17:36 Ein ganz lieben Dank an euch.
Ich lerne gerade wieder sehr viel dazu.
Ich kann auch dich Jasmin nun ganz anders einschätzen.
Danke das ihr so offen seid.
Gerne! Danke auch fürs mitlesen :)

@Jasmin Ohropax helfen da sehr gut. Ich höre dann nur leider den Wecker nicht, habe nämlich einen festen Schlaf :wink: Ansonsten kann ich dir weißes Rauschen empfehlen, oder einfach den Fernseher mit Dokus leise laufen lassen. Das hilft bei mir zumindest zum Einschlafen.
Nicole Fritz
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Re: Asperger Autismus

Post 9 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo Jasmin,

ich frage mich gerade, ob du da jetzt über dich oder über mich schreibst. Ein Gespräch nur schwer verfolgen können, technische Geräte zerlegen und reparieren, immer (oft verletzend) ehrlich sein, nicht lügen können ... , genau wie bei mir. Die Selbst-Diagnose 'Asperger' gibt es bei mir schon länger, und ein Stück AD(H)S ist da wohl auch dabei. Ach ja dann gibt es da ein räumliches Vorstellungsvermögen mit dem ich irgendwie in sechs! Dimensionen aus Raum und Zeit denken kann. Und als zehnjähriges Kind habe ich meiner Schulklasse erklärt, wie man die Flugbahn zum Mond berechnet.

Hier im Forum komme ich oft nicht dabei mit, wie detailliert auf einen Text eingegangen und daraus zitiert wird. Ich packe mir dagegen meistens nur ein Zitat heraus und kommentiere dieses dann mit einem längeren Monolog. Cicero-Sätze über zehn oder mehr Zeilen waren auch mal so eine Spezialität von mir. Die habe ich mir aber konsequent abgewöhnt, weil die kein Mensch versteht. Und eine Dauer-Berieselung mit Musik könnte mich in den Wahnsinn treiben. Das funktioniert nur stundenlang, - und dann für andere unerträglich - wenn ich das Instrument selbst spiele.

Sind das jetzt Aspie und/oder ADS, oder liegt es an meiner fehlenden Sozialisation als behütetes Einzelkind fast ohne Umgang mit Gleichaltrigen? Wenn Aspie, scheint es bei mir eine etwas schwerere Form zu sein.

Liebe Grüße
Nicole
Jasmin_35
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Re: Asperger Autismus

Post 10 im Thema

Beitrag von Jasmin_35 »

Nicole Doll hat geschrieben: Mo 21. Okt 2019, 17:57 Sind das jetzt Aspie und/oder ADS, oder liegt es an meiner fehlenden Sozialisation als behütetes Einzelkind fast ohne Umgang mit Gleichaltrigen? Wenn Aspie, scheint es bei mir eine etwas schwerere Form zu sein.
Tja, das ist eben immer die Frage. Ich man nur "schräg", wie ich mich auch immer angenommen habe oder steckt da mehr dahinter und wenn ja, was genau. Aber eins ich auch sicher, ein guter Therapeut bzw eine Uniklinik, die sich mit dem Thema und den ähnlichen Themen, wie AD(H)S auskennt, macht stundenlange Tests mit Fragen und Fragebögen, die man ausfüllen soll (Muster nicht erkennbar, ich habs versucht herauszufinden, ganz ohne das ich es wollte). Und irgendwann hat man dann entweder eine eindeutige Diagnose oder eine Tendenz zu einem oder dem anderen oder eben nicht.

Mir ist auch aufgefallen, das viele so eine Diagnose auch scheuen. Ich sehe das eher so, gewissheit zu erlangen, für mich selber und mich selber zu verbessern, bewusster Dinge zu tun und auch zu wissen, warum ich etwas so oder so mache, daher war ich dann doch ganz froh, eine recht eindeutige Diagnose bekommen zu haben, auch wenn es nicht stark ausgeprägt zu sein scheint und nicht Alltagshinderlich ist.

Offen mit dem Thema umzugehen, ist mir auch wichtig, damit andere wissen, das sie nicht allein sind und sich nicht verstecken brauchen. :) Das Leben kann trotzdem "ganz normal" von statten gehen :) und auch nicht alles muss therapiert werden.
Liebe Grüße Jasmin
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Re: Asperger Autismus

Post 11 im Thema

Beitrag von Alina_ »

Hallo Nicole,

es kann gut sein, dass du Asperger oder eine andere Form des Autismus hast. Gewissheit wird dir aber nur ein ausgebildeter Therapeut geben können. Die Auswirkungen sind natürlich, wie schon erwähnt, bei jedem anders. Es gibt bestimmte Kriterien, die teilweise erfüllt sein müssen, um so eine Diagnose stellen zu können. Aber ich denke durch deine Selbstdiagnose hast du dich darüber schon informiert :)

Was wichtig ist: Auch mit der eindeutigen Diagnose sollte man sich nie als (geistig-)krank oder sogar soziopathisch sehen, auch wenn dritte das behaupten wollen. Es ist nun mal eine Wahrnehmung, die anders als normal funktioniert. Im Zweifel sind die anderen Schuld :roll: 8)
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Re: Asperger Autismus

Post 12 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Cybill hat geschrieben: Mo 21. Okt 2019, 16:55 Du bist jetzt der dritte Fall von Transsexualität in Verbindung mit Asperger-Syndrom, den ich kenne. Wobei die Ausprägung des Aspie - wenn ich deine Beschreibung richtig interpretiere - immer mild ist.
Ich kenne auch keine Untersuchungen hinsichtlich eines Zusammenhangs.

Grüße Cybill
Ich sehe da zumindest bei den Symptomen einen klaren Zusammenhang. Wenn es bei der Sozialisation nicht passt, kann das zu einem für Autismus typischen Verhalten führen. Die meisten scheuen aber wohl wie ich eine Diagnose und lassen sich nicht untersuchen. Da ist die Angst als Geistesgestört ausgegrenzt zu werden. Bei mir wäre meine Mutter ständig auf einer solchen Diagnose herum geritten und hätte mir das Leben damit zur Hölle gemacht. Immer wenn ich krank war, wurde ihre "Fürsorge" für mich unerträglich. Also erduldete ich lieber Schmerzen oder andere Symptome als meine Mutter merken zu lassen, dass ich krank war. In der Regel hörten diese Symptome dann irgendwann von alleine wieder auf, oder ich machte mich darüber schlau, was es sein könnte, (z. B. Pschyrembel) und kurierte mich heimlich selbst. Inzwischen habe ich da das Wissen einer Hexe oder Heilerin.

Und wenn da kein Arzt einen statistisch signifikanten Zusammenhang erkennt, gibt es auch keine entsprechende Untersuchung.

LG Nicole
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Re: Asperger Autismus

Post 13 im Thema

Beitrag von heike65 »

Geschlechter-Vielfalt

Eine Studie zeigte, dass autistische Menschen mit einer 8 Mal größeren Wahrscheinlichkeit gendervariant sind. Gender-Varianz schließt alle Menschen mit ein, bei denen das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht nicht der Geschlechtsidentität oder der gelebten Geschlechterrolle entspricht. Der Begriff ist deutlich weiter gefasst als Gender-Dysphorie oder der alte Begriff Transsexualität. 0,7% der Allgemeinbevölkerung sind gendervariant, bei autistischen Menschen sind es 5,4%.

Andere Studien kommen zum Ergebnis, dass Transgender-Menschen bei Screening-Tests mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit Punktzahlen im Autismus-Bereich erzielen.

Das Forschungsthema ist noch recht neu und die Studien begrenzt. Wahrscheinlich wird es in den nächsten Jahren mehr Forschung dazu geben.

Wichtig ist, dass der Zugang zur Transition für autistische Menschen barrierefrei wird; derzeit ist das nicht der Fall. Für Transgender-Kinder ist es besonders wichtig, dass ihre Eltern sie akzeptieren und unterstützen.
Quelle: https://autismus-kultur.de/autismus/aut ... nosen.html
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Re: Asperger Autismus

Post 14 im Thema

Beitrag von Christiane »

Hallo Jasmin, hallo Alina,

zuerst möchte ich mich für die kleine "Weiterbildung" bedanken.
@Jasmin : Im Gespräch mit Dir, in Mühlacker, konnte ich nichts ungewöhnliches wahrnehmen. O.k. - ich habe nicht versucht Dich anzufassen. :lol: :lol:
Würde ich auch nicht tun.
Aber das Thema kenne ich auch. Ich habe so einige Jahre gebraucht, bis ich Körperkontakt (Umarmung/in den Arm nehmen und so) zulassen konnte.
Kann natürlich auch an meinem Kindheitstrauma liegen.

Wenn Ich Eure Schilderungen so lese, komm ich echt ins Grübeln.
Nein - ich bin nicht hochbegabt in Mathe und so. Diese Fächer waren so was wie "Folter an Minderjährigen" für mich. :mrgreen:
Ich arbeite wahnsinnig gerne mit Papier, bzw. Holz - die einzigen Beschäftigungen bei denen ich die Zeit und den Hunger vergessen kann.
Oder das mit den festen Zeiten und Plätzen. Ich hab schon gedacht, ich werde alt und se.."¦..ltsam .

Vielleicht frag ich mal beim nächsten Termin mal meinen Dok danach.

Liebe Grüsse
Christiane
"Pünktchen sind immer süß!"
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Asperger Autismus

Post 15 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hallo in die Runde,

ich kann einige beschreibungen auch gut nachvollziehen, andere wiederum nicht. Ich denke, man sollte aufpassen, dass man nicht die Aspekte stärker bewertet, in denen man Übereinstimmungen findet. Das ist zwar natürlich, aber wenig hilfreich.

Ich meine, vor einiger Zeit einen Artikel gesehen zu haben, in dem propagiert wurde, Asperger nicht mehr als Störung zu sehen, sondern nur dann, wenn der Betroffene darunter leidet. Viele Dinge relativieren sich, wenn man sie als gegeben betrachtet. Die menschlichen Eigenschaften sind eben unterschiedlich verteilt und man kann als ein Mensch, der Technikgeräte "im Schlaf" bedienen und zusammensetzen kann, gut leben. Wichtig ist die Frage: Wo genau ein mögliches Problem liegt. Hat der Mensch kein Problem => alles gut. In einem solchen Fall ist es mMn Blödsinn, jemandem (oder sich selber) eine "Störung" einzureden. Ein wenig ist es wie Trans. Wenn man damit leben kann, wo liegt denn dann das Problem ?

Auch wäre ich sehr vorsichtig mit Studien und vor allem ihrem Umkehrschluss. Eine Studie will im Detail gelesen werden. Eine Zahl als Quintessenz daraus zu ziehen, ist sträflich. Ich habe selber genug Gutachten geschrieben, um zu wissen, dass man sie nicht auf die Zusammenfassung und schon gar nicht auf eine Zahl reduzieren darf.

Noch wilder wird es, wenn man versucht aus einem erhöhten Anteil gendervarianten Menschen bei Asperger zu schließen, dass unter gendervarianten Menschen auch ein erhöhter Anteil von Asperger zu finden ist. Das wäre einfach gesagt falsch. Ich schreibe das nur, damit man nicht, wie der Hinweis am Anfang, selbst an sich wahrgenommene Eigenheiten überinterpretiert.

Habe ich nun Asperger, weil einige Sympthome gut ins Bild passen ? Oder habe ich kein Asperger, weil eben nicht alles passt ? Was habe ich davon, wenn ich glaubte, ich hätte Asperger ? Bin ich Trans, weil ich vielleicht Asperger habe ? Viele von uns, und ich bin bestimme weit vorne mit dabei, die wollen gerne mehr wissen, Zusammenhänge erkennen und Erklärungen finden.

Vielleicht auch nur, um sich selber von der "Schuld" Trans zu sein, zu befreien. Ich kann ja nichts dafür. Aber ist das sinnvoll ? Es ist interessant, aber die Verantwortung, wie ich heute mit meinen Eigenheiten umgehe, nimmt mir niemand ab. Konkret bedeutet das, egal ob Trans, Asperger oder was auch immer ich für eine "Störung" pflege, ich muss auf mich selber achten, wie es mir gerade geht. Habe ich wirklich ein Problem und wenn ja wo ? Wie kann ich dann damit umgehen ?

Wenn mich mein Transdasein etwas gelehrt hat, dann das: Menschen haben eine große Variabilität in ihren Eigenschaften und ihrem Charakter. Solange sie damit weder sich selber noch jemand anderem schaden, ist es eine Eigenheit und keine Störung. Auch ist nicht jedes Problem eine Störung. Wenn ich Probleme im sozialen Leben habe und darunter leide, suche ich mir jemanden, der mir helfen kann, damit umzugehen. Meine Frau hat auch manchmal das Gefühl, dass ich ihr nich immer richtig zuhöre, obwohl ich die Worte wieder geben kann. Dann hilft ein Gespräch mit ihr und nicht das mit dem Arzt, der mich mit der Diagnose "Authismusstörung" belegt.

Ich denke, wir können uns selber viel besser helfen als wir glauben. Es kommt darauf an, wie wir mit uns selber umgehen. Ich bin trans ? Dann ziehe ich BH und FSH an und finde es prima. So what, wo ist das Problem ? Ich kann technisches Gerät zerlegen und reparieren ? Bestens, dann klappt es auch mit der/dem Nachbar/in, die das vielleicht nicht können. Ich bin kein schlechteres Mitglied der Gemeinschaft, weil mich ein Arzt mit einer "Störung" belegt. Vor etwas mehr als hundert Jahren wurden viele Frauen als krankhaft "hysterisch" bezeichnet. Teilweise wurde ihnen sogar die Klitoris entfernt (https://de.wikipedia.org/wiki/Klitoridektomie). Dabei fehlte ihnen vielleicht nur Anerkennung und Liebe. Einziger positiver Nebeneffekt: es wurde der Vibrator erfunden ... ;-)

Wenn ich es nüchtern betrachte: Freuen wir uns an unseren Fähigkeiten und Eigenschaften und machen aus Problemen keine "Störung", nur weil wir einen Namen für unsere Probleme suchen. Damit ist noch keine Lösung verbunden, sondern werden im Gegenteil eher ausgegrenzt. Das sollten wir nicht zulassen...
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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