Outing gegenüber Eltern mit unterschiedlicher Einstellung/Betrachtungsweise?
Outing gegenüber Eltern mit unterschiedlicher Einstellung/Betrachtungsweise? - # 4

Intergeschlechtliche Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
Jasmine
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Re: Outing gegenüber Eltern mit unterschiedlicher Einstellung/Betrachtungsweise?

Post 46 im Thema

Beitrag von Jasmine »

Ich wünschte, ich wäre heute nicht ans Telefon gegangen. Heute hatte ich mit meiner Menalee schön eine Pizza selbstgemacht und die haben wir fröhlich und gemütlich gegessen. Ca. eine halbe Stunde später klingelte das Telefon und meine Mutter war dran. Erst kam die Frage ob meine Tochter nicht da sei, das verneinte ich und dann folgten wüste Beschimpfungen und Diskriminierungen gegen mich. Es war so schrecklich und verletzend, ich möchte die Worte nicht wiederholen. So geschockt war ich, das ich wortlos zuhörte, die Tränen liefen in Strömen und meine Menalee kam, nahm wortlos das Telefon und legte auf. Es hat drei Stunden gedauert, in denen ich in den Armen meiner Menalee weinte. Ich habe mich jetzt wieder gefangen. Gerade sagte meine Menalee zu mir, meine liebe Jassi, gib nichts auf das Geschwätz lass uns auf uns konzentrieren und wir werden einen schönen Abend zu zweit verbringen. Zuerst werden wir in die Vorabendmesse gehen und dann habe ich noch eine Überraschung für dich.
Liebe Grüße Jasmine
Frieda
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Re: Outing gegenüber Eltern mit unterschiedlicher Einstellung/Betrachtungsweise?

Post 47 im Thema

Beitrag von Frieda »

Jasmine hat geschrieben: Sa 5. Okt 2019, 15:46 ... meine Menalee kam, nahm wortlos das Telefon und legte auf. Es hat drei Stunden gedauert, in denen ich in den Armen meiner Menalee weinte.
Liebe Jasmine❣️

Ich bin wirklich dankbar dafür, dass du deine Menalee hast. Sie hat so wundervoll reagiert. 👍
Ich bin in Gedanken bei euch und ich weiß durch eure Beiträge, dass diese zusätzliche und wiederholt harte Erfahrung euch nur noch enger zusammen schweißen wird.
Fühle dich bitte herzlich umarmt und ebenfalls ganz liebe Grüße an deine tolle Menalee❣️

Namaste 🙏
•Liebe & Mitgefühl sind die höchsten Formen von Intelligenz.
•Du musst selbst zu der Veränderung werden, die du in der Welt sehen willst. Mahatma Gandhi
•Irgendwo ist Jemand glücklich mit weniger als du hast!

*Wer mag, ich bin gerne da mit 💖,👂und📝*
Simon(e)
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Re: Outing gegenüber Eltern mit unterschiedlicher Einstellung/Betrachtungsweise?

Post 48 im Thema

Beitrag von Simon(e) »

Liebe Jasmine,

es tut mir von Herzen leid, deine Zeilen zu lesen!
Ich stimme Frieda zu. Es ist schön für dich, eine so liebe Frau an deiner Seite zu haben!!!
Lasst euch nicht unterkriegen und lebt euer Leben, wie ihr es für richtig haltet und seid
glücklich!!!!



Fühl dich ganz doll gedrückt!!!!


Liebe Grüße
Simon(e) (dr)
Renée
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Re: Outing gegenüber Eltern mit unterschiedlicher Einstellung/Betrachtungsweise?

Post 49 im Thema

Beitrag von Renée »

Liebe Jasmin,

es tut weh so was zu lesen. Fühl dich auch von mir gedrückt.
Ich weiß nicht wie ich reagiert hätte. Mein erster Gedanke dazu war diese Nummer zu blockieren.
Zuletzt geändert von Renée am Sa 5. Okt 2019, 17:17, insgesamt 1-mal geändert.
Liebe Grüße
Renée

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Re: Outing gegenüber Eltern mit unterschiedlicher Einstellung/Betrachtungsweise?

Post 50 im Thema

Beitrag von Bea Magdalena »

Liebe Jasmine,

darf ich mich anschließen, bitte?
Es ist wunderschön, wie Ihr beiden Euer Leben und Eure Liebe gestaltet! Macht bitte weiter so, haltet zusammen und unterstützt Euch gegenseitig!
Das ist entscheidend, nicht, was Deine Mutter oder andere Menschen zu Dir oder über Dich sagen!

Alles Liebe und Gute
Bea
ich bin keine Frau, leider
und werde bedauerlicherweise auch nie eine Frau (100%) werden können.
Aber: ich fühle mich als Simulation einer Frau und dabei bin ich mega glücklich!
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Re: Outing gegenüber Eltern mit unterschiedlicher Einstellung/Betrachtungsweise?

Post 51 im Thema

Beitrag von Engelchen »

Jasmine hat geschrieben: Sa 5. Okt 2019, 15:46 So geschockt war ich, das ich wortlos zuhörte, die Tränen liefen in Strömen und meine Menalee kam, nahm wortlos das Telefon und legte auf
So hart das für dich war - so eine tolle Partnerin hast du.
Sie fängt dich weich auf und bringt dir die Ruhe zurück.
Einen Rat bezüglich deiner Mutter kann und werde ich nicht geben - es ist halt deine Mutter.
Ich habe es zwar deutlich leichter mit meiner aber auch so Probleme.
Ich habe für mich damit einfach abgeschlossen.
Fühl dich mal ganz dolle umärmelt und grüße an Menalee

Lisa
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Renée
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Re: Outing gegenüber Eltern mit unterschiedlicher Einstellung/Betrachtungsweise?

Post 52 im Thema

Beitrag von Renée »

Hallo,

Thema: Schwiegermutter. Ich weiß gar nicht mehr wie das lief. Es war auf jeden Fall persönlich bei uns. Sie nahm es gut auf. Ihre einzigen Bedenken war, dass meine Ehe mit ihrer Tochter darunter leiden könnte. Diese Offenbarung hat eine ganze Reihe von Gesprächen und gegenseiteigen Offenbarungen ausgelöst. Sie hat mir persönliche Sachen von sich und auch aus ihrer Familie erzählt. Da war ich schon echt baff über soviel Offenheit. Wie mein Schwiegervater reagiert hätte? Ich vermute ebenso offen. Leider ist es vor einigen Jahren gestorben. Durch diverse Aktionen seine Mutter in seiner Kindheit, hatte er jegliches Vertrauen in Ärzte verloren und damit die durchaus guten Heilungschancen seines Krebsleides verhindert. Bei dem derzeitigen Lebensgefährten von Ihr, gehen wir alle davon aus, dass diese Toleranz dort nicht besteht. Der hat aber sein eigenes Haus.
Womit ich zu meiner Schwiegermutter ein deutlich besseres Verhältnis habe als zu meiner Mutter. Und erste mich schon öfter im Kleid bzw. eher femininer Kleidung gesehen hat. Meine Eltern muss ich mal bei dem nächsten Besuch mit den Anblick beglücken. Dann kommt vielleicht auch ein Gespräch dazu zustande. Ist aber kein Garant. Meine Ohrstecker haben beide auch völlig unbeeindruckt nebenbei registriert. Meine Mutter hatte ich expliziert darauf angesprochen. Antwort " Habe ich schon gesehen, fragte mich schon ob es was zu bedeuten hat, dass du rechts und links Löcher hast." "Nein, das Gewicht muss doch gleich mäßig verteilt werden." Im Nachgang ärgerte mich meine Antwort aber auch Ihre Reaktion darauf. Meine Schiegermutter dagegen bekommt das jedes Mal mit wenn ich andere Stecker drin habe. bzw. als ich die Löcher frisch drin hatte. Und Kommuniziert das auch sehr wohlwollend. Das machte mich dann auch sehr traurig, ja wütenden auf meine Eltern. Ich denke ich werden Sie einfach ohne Vorwarnung mit meiner Weiblichen Seite konfrontieren.
Das gehört wohl zu dieser Generation. Ihre Eltern konnte nicht über Gefühle reden, dadurch haben die Kinder das auch nicht gelernt. Und ich bin da auch noch in der Lernphase.
Liebe Grüße
Renée

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Jasmine
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Re: Outing gegenüber Eltern mit unterschiedlicher Einstellung/Betrachtungsweise?

Post 53 im Thema

Beitrag von Jasmine »

(he) Danke an alle, es ist schön nicht alleine zu sein (he) . Am Abend sind wir (Menalee und ich) dann in die Kirche in einem anderen Ort gegangen. Im Moment besuchen wir verschiedene Kirchen im Umkreis, um sie kennen zu lernen. Nach der Kirche entdeckten wir diesen Brunnen. Für mich sehr sinnbildlich. Wie oft bin ich durch ein Tal der Tränen geschritten wegen meiner Eltern die mich nicht akzeptieren wollen oder können, die nicht damit umgehen können das ich weiblich - eine Frau bin. Auch wenn ich mit meinen Eltern abgeschlossen habe, das gestrige Erlebnis hat mich doch stark getroffen. Aber zurück zum Brunnen, der Wasservorhang - symbolisch für die Tränen, so zeigt er für mich, sinnbildlich durch die Beleuchtung des Wasservorhanges von unten, das nach Regen auch wieder Sonnenschein folgt. Danke an meine Menalee, danke an euch (he) . Nach dm Kirchgang war ich mit meiner Menalee noch in einem kleinen Lokal, bei Kerzenschein und den Blick auf einen Holzofen genossen wir zwei Tassen Tee.
K1024_Brunnen.JPG
Das Erlebte ist zwar noch in meinem Hinterkopf, aber ich schaue gerade positiv in den weiß/blauen Himmel, von dem die Sonne scheint.
Viele liebe Grüße Jasmine
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Astrid_M
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Re: Outing gegenüber Eltern mit unterschiedlicher Einstellung/Betrachtungsweise?

Post 54 im Thema

Beitrag von Astrid_M »

Jacky1971 hat geschrieben: Fr 4. Okt 2019, 17:15 Also meint ihr, ich soll sie erst mal anrufen, ihr versuchen, die Sachlage versuchen zu erklären, und sie fragen, ob wir uns mal Treffen könnten und mal ganz in Ruhe, von Sohn(Tochter) zu Mutter, versuchen zu reden.
Am Telefon würde ich die Sachlage nicht direkt erklären. Aber manchmal geht es nicht anders (Entfernung, Zeitdruck, drohendes Zwangs-Outing durch Dritte ...).
Ich habe mich auch gegenüber einigen Freunden und Kollegen am Telefon geoutet, weil es nicht anders zu machen war. Finde das persönliche Gespräch aber besser.

Damals hatte ich mich zum Mittagessen bei meiner Mutter angemeldet und ihr vorher nur mitgeteilt, daß wir etwas Wichtiges besprechen müssen.
Ich hatte einen Riesenschiss und auch meine Geschwister hatten Bedenken wegen einer möglichen negativen Reaktion.
Es gab daher auch das Angebot, das gemeinsam ihr zu erklären. Kann sicherlich helfen, wenn es schlecht läuft. Hatte ich dann aber doch alleine gemacht.
Meine Mutter sah mich etwas überrascht an und meinte etwas in der Art: "Aber Kind, das ist doch nicht schlimm. Ich bin doch eine moderne Frau und verstehe das.
Ich dachte schon, du hättest eine schlimme Krankheit ... "
Ich habe dann erstmal geheult, auch weil ich eher mit Ärger und Unverständnis gerechnet hatte. Hatten dann ein gutes Gespräch mit Fotos zeigen usw.
Jedenfalls versucht sie mit der Situation zu Recht zu kommen und das macht sie sehr gut, auch wenn ich ihre Fürsorglichkeit ein wenig bremsen muß.

Ob das vor 20 oder 30 Jahren auch so gelaufen wäre, weiß ich nicht. Aber von der Grundeinstellung war sie immer deutlich offener als mein Vater, so daß ich mir bei ihr eine
Chance ausrechnete, daß sie mich als Tochter früher oder später akzeptiert. Der erwartete Krach blieb aber aus. Mit dem Namen dauert es, ist aber noch recht frisch und früher auch
nicht unbedingt einfacher. Sie warf meinen Bruder und mich da gerne mal durcheinander. Das wird sie hoffentlich nicht mehr machen. Ärgerte ihm aber schon immer mehr als mich ...

Mein Vater dagegen wäre sicherlich mit Herzinfakt tod umgefallen. Seine negative Einstellung zu Quer u.a war da ziemlich klar.
Ich werde es nie erfahren, ob er sich nicht doch irgendwann an eine weitere Tochter gewöhnt hätte. Aber vielleicht ist es besser, daß er schon eine Weile in Frieden ruht.

Ich denke, man sollte auf einiges gefaßt sein, aber wird auch mal positiv überrascht.
Manche sind gegenüber Außenstehenden recht tolerant und tun sich mit eigenen Trans-Kinder schwerer.
Und andere springen über ihren Schatten, weil es eben doch "die" Kinder sind.

Grüße,
Astrid
Vincent
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Re: Outing gegenüber Eltern mit unterschiedlicher Einstellung/Betrachtungsweise?

Post 55 im Thema

Beitrag von Vincent »

Hallo,
bisher lese ich immer, das eher die Väter ein Problem haben, als Mütter?!

Ich habe mich nicht zu Lebzeiten meiner Eltern, die beide eher jung gestorben sind geoutet, bin mir aber sicher mein Vater hätte es besser aufgenommen, vermutlich ähnlich gleichmütig wie alles andere im Leben auch.

Für meine Mutter musste ein Mann immer stark sein, ein Junge immer der mutige Indianer.
Als Kind habe ich mit meinem Freundinnen oft Familie gespielt, ich war immer in der Mädchenrolle, und oft habe ich die Kleidung getauscht, vor allem mit einer Freundin die Kleider nicht leiden konnte.
Anfangs haben wir es heimlich gemacht, als es das erste Mal aufgeflogen ist, haben wir es als Theaterspiel verkauft, beim nächsten Mal gabs ein Donnerwetter von meiner Mutter und ich war furchtbar traurig, weil es nicht mehr ging.
Mein Vater sagte dazu nur "na und, lass ihn doch, wenn es ihm Spaß macht".

Danach kam das Thema nie wieder auf.
LG

Vincent
Michi
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Re: Outing gegenüber Eltern mit unterschiedlicher Einstellung/Betrachtungsweise?

Post 56 im Thema

Beitrag von Michi »

Vincent hat geschrieben: Fr 11. Okt 2019, 09:05 bisher lese ich immer, das eher die Väter ein Problem haben, als Mütter?!
Hallo Vincent,

bis ich mich vor 3,5 Jahren bei meinen Eltern geoutet habe, hatte ich wie viele andere die Befürchtung, dass von meinem Vater eine sehr heftige und ablehnende Reaktion kommen könnte.

Als ich dann unverhofft im Krankenhaus gelandet bin, habe ich meine Eltern erst mal dort hin bestellt, und ein "Not-Outing" gemacht. Ich war zu der Zeit Single und wollte nicht, dass sie sich sonst was ausmalen, wenn sie mir ein paar Klamotten aus meiner Wohnung holen.

Zu meiner Überraschung reagierte mein Vater sehr souverän und positiv, sagte, dass ich immer ihr Kind bleiben würde, während meine Mutter die ganze Zeit meines Redens total verunsichert aussah, skeptisch und distanziert wirkte, und wohl nicht wusste wie sie damit umgehen soll. Sie schloss sich dann irgendwie hilflos einfach meinem Vater an.

Hier mal noch der Link zu meinem alten Beitrag: viewtopic.php?p=165870#p165870


Liebe Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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