Ein paar Kernzitate, die ich wichtig finde:
-- Mit anderen Worten: Es geht generell darum, wie stark ein Mensch gruppenbezogenen Vorurteilen anhängt. Siehe auch unten.Denn auch hinter positiven Stereotypen verbirgt sich ein Gruppendenken, das der Gleichberechtigung schadet. Ein Mann, der positive Klischees über Frauen äußert ("Frauen sind fürsorglicher"), glaubt eher auch an negative Klischees ("Frauen können nicht hart verhandeln") als jemand, der überhaupt nicht in Stereotypen denkt. Auf ein positives Vorurteil folgt schließlich schnell ein negatives: Frauen sind besser im Umgang mit Menschen - und deshalb zwangsläufig schlechter im Umgang mit Zahlen.
-- ähnliche Studien gab es schon häufiger. Der Effekt nennt sich Priming und funktioniert nicht nur bei Genderstereotypen. Und er funktioniert tatsächlich auch anders herum.Das Dramatische ist, dass Klischees nicht nur einen Einfluss darauf haben, wie Menschen von anderen wahrgenommen werden, sondern auch, wie sie sich selbst sehen - und das gilt auch für positive Klischees. Eine Studie der Tel Aviv University hat vor Kurzem gezeigt, dass Frauen, die man zuvor daran erinnert hatte, dass Angehörige ihres Geschlechts per se mütterlicher und warmherziger seien, schlechter bei Mathetests abschnitten.
-- Hervorhebung von mir.Das menschliche Gehirn funktioniert so, Menschen tragen ihre Vorurteile mit sich herum, selbst wenn sie es nicht wollen. Zuerst denkt der Personalverantwortliche oder die Führungskraft vielleicht: Frau = detailorientiert. Dann aber muss er lernen, sich seiner eigenen Vorurteile bewusst zu werden und sich selbst infrage zu stellen.
Und ganz wichtig für mich das Fazit, dem ich 100%ig zustimme:
https://www.sueddeutsche.de/karriere/fr ... -1.4592127Geschlechterklischees engen ein. Was macht eine Frau, die nicht detailorientiert ist, sondern in großen Maßstäben denkt, wie sich das für Chefs gehört, die keine Mikromanager sind? Weil es sie eigentlich nicht geben darf, wird sie sich vielleicht nicht trauen, ihre große Gedanken zu äußern. Geschlechterklischees beengen übrigens auch Männer, die nicht den alten Standards entsprechen, weil sie nicht rechnen, kickern oder einparken können. [...] Wer wahre Diversität will, muss zulassen, dass Menschen anders sind als die Klischees - und dass die wirkliche Bereicherung in der individuellen Vielfalt liegt.
(1) Als Kommentar gekennzeichnet, also explizit nicht journalistisch ausgewogen.