Sprache - die Endung macht's. Ein alter Hut!
Sprache - die Endung macht's. Ein alter Hut! - # 2

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
Jaddy
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Re: Sprache - die Endung macht's. Ein alter Hut!

Post 16 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Vielen Dank an alle, die sich schon beteiligt haben. Eigentlich brauche ich nicht mehr viel zu schreiben, aber das Thema ist mir schon wichtig.

Vielen Dank Michelle, die beiden binären Anreden sind mir auch als erstes aufgefallen :) Bei der positiven, persönlichen Anrede habe ich auch noch keine tolle Lösung gefunden. Vielleicht könnt ihr nachvollziehen, dass ich fast alle (nett gemeinten) Anreden nehme, solange sie eben nicht auf männlich, weiblich, sächlich hinauslaufen. Lieb*, liebx, lieb_ sind alle nicht besonders originell, aber sie zeigen Respekt.

Ihr kennt es vermutlich aus eurer Situation. Es scheint einfach zwischen den Zeilen durch, ob sich jemand Mühe gibt mit Namen, Anrede, Pronomen oder die Befindlichkeiten der betreffenden Person ignoriert.

Ich denke, wer meine Beiträge hier kennt weiss, dass ich versuche sinnvollen Inhalt zu transportieren, möglichst verständlich für möglichst viele Lesende. Ich habe Schwächen bei der Kommasetzung, aber achte auf verständliche Rechtschreibung und Grammatik, verlinke auf Erklärungen zu Fremdwörtern, usw. Das ist für mich einfach Höflichkeit gegenüber denjenigen, denen ich ja etwas mitteilen möchte.

"Nach Lust und Laune" verwende ich die neuen genderneutralen Formen, weil es eben noch keine allgemein akzeptierten Formen gibt, aber Menschen wie ich, die sich - mit den Worten von Anne-Mette - ihr richtiges und in diesem Fall nicht-binäres Geschlecht "hart erarbeitet haben", sehr großen Wert darauf legen, auch in der Sprache entsprechend vorzukommen.

Für die meisten von euch ist das kein Problem. Egal ob ihr euch in eurem Geburtsgeschlecht wohl fühlt, ihr nervenaufreibend binär wechselt oder mal so, mal so geht: Es gibt die Sprache für euch. Für Menschen wie mich nicht. "Sehr geehrte Damen und Herren", "Liebe/r Kunde/in", "[_] Herr / [_] Frau"? Nope.

Aber auch Frauen kommen häufig nicht wirklich vor, denn tatsächlich, Bianca: Wahrnehmungspsychologische Studien zeigen, dass auch mit Binnen-I Baggerfahren mit Männern (ausser bei älteren Personen aus Ostdeutschland, wo die Realität bereits anders war) und Kindergarten mit Frauen verknüpft wird. Die Geschlechterstereotype in den Köpfen bleiben unangetastet.

Mit anderen Worten: Das generische Maskulinum ist Tradition, aber es blendet nachweislich in den Köpfen alle nicht-männlichen Menschen gedanklich aus. Dass dies Männern nicht auffällt ist irgendwie nicht sonderlich verwunderlich. Hier im Forum hätte ich etwas andere Sensibilität erhofft.

Sehr seltsam finde ich das mit der "Volkserziehung". Lann Hornscheidt - ohne Pronomen übrigens - hat betont, dass dies Vorschläge sind. Bei mir auch. Niemand muss diese Formen benutzen. Niemand muss meine Beiträge lesen.

"Gendergerechtes Geschreibsel" nervt meiner Vermutung nach, wenn persönliche Bequemlichkeit und "Einfachheit" wichtiger sind als Gerechtigkeit, Empathie und Solidarität. Wenn mir jemand erklärt, bestimmte Bezeichnungen als persönlich verletzend, diskriminierend, ausgrenzend wahrzunehmen - zum Beispiel "Fräulein" - und mir Alternativen anbietet - "Frau" - dann sagt es etwas über mich aus, ob ich höflicherweise die Alternativen nutze, oder meine gewohnten Bequemlichkeiten beibehalte. Ich kann auch sicher sein, dass meine Wahl von den Betroffenen wahrgenommen wird.

Wir haben diese wunderbare Freiheit der Sprache. Das ist genau das Gegenteil der von oben verordneten, aufs gröbste vereinfachten[sic!] Neusprech in Orwells "1984", mit der ganz bewusst bestimmte Dinge nicht mehr sagbar und nicht mehr denkbar sein sollten. Ich denke, Orwell dachte Wittgenstein: "Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt". Hier geht es aber um eine Erweiterung der Sprache, um mehr von der Welt denken und beschreiben zu können.
Jaddy
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Re: Sprache - die Endung macht's. Ein alter Hut!

Post 17 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Bianca D. hat geschrieben: Di 10. Sep 2019, 18:27Das ganze gendergerechte Geschreibsel macht es nur nervig, einen Text zu lesen,der Lesefluss ist einfach gestört. Statt Sprache zu vereinfachen, wird es durch solch Mumpitz nur noch komplizierter.
Bildschirmfoto 2019-09-11 um 02.45.45.jpg
(https://twitter.com/tinawirnsberger/sta ... 3595711498)

(moin)
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Re: Sprache - die Endung macht's. Ein alter Hut!

Post 18 im Thema

Beitrag von Frieda »

Jaddy hat geschrieben: Mi 11. Sep 2019, 02:50 Bildschirmfoto 2019-09-11 um 02.45.45.jpg
https://twitter.com/tinawirnsberger/sta ... 3595711498
... (888) Wow ich konnte es auch lesen. 🤔
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Re: Sprache - die Endung macht's. Ein alter Hut!

Post 19 im Thema

Beitrag von Frieda »

Jaddy hat geschrieben: Mi 11. Sep 2019, 02:31 "Gendergerechtes Geschreibsel" nervt meiner Vermutung nach, wenn persönliche Bequemlichkeit und "Einfachheit" wichtiger sind als Gerechtigkeit, Empathie und Solidarität.
👍👍👍👍🌈💖

Sehr gut Jaddy, in meiner Wahrnehmung absolut richtig❣️


(Wem halt was wichtig ist! ☝️) sry
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Re: Sprache - die Endung macht's. Ein alter Hut!

Post 20 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin,

...also im Bergmännischen Bereich gibt's da keine Probleme mit Endungen. Knappe bleibt Knappe und Bergmann bleibt Bergmann, auch wenn es historsich z.B. auch für den Harzer Bergbau belegt zu sein scheint, dass gelegentlich auch Frauen in früheren Zeiten zur Arbeit unter Tage eingefahren sind. Heute sind Frauen im Montanbereich nicht mehr exotisch und es gibt auch diverse weibliche Steiger.
Ähnlich ist es auch in der Seefahrt gelagert, Kapitäninen gibt es eigentlich nicht, auch wenn ich kürzlich in einer Stellenausschreibung so etwas gesehen habe.
Ich denke aber, dass es einen Wendel in dem Gebrauch der Sprache auch in diesen Bereichen in der Zukunft geben kann und vielleicht auch wird. Dem stehten immer aber Gewohnheiten und Traditionen zunächst entgegen. Warum soll es nicht auch Bergfrauen und Matrosinnen geben; dem steht doch eigentlich nichts im Wege... :wink:

Grüße, Ulrike-Marisa, (auch Bergfrau im Harzer Bergbau und Montanwesen)
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Re: Sprache - die Endung macht's. Ein alter Hut!

Post 21 im Thema

Beitrag von steffiSH »

Anne-Mette hat geschrieben: Di 10. Sep 2019, 16:54 Gut in Erinnerung ist mir noch der Gedankengang des Autors (Karl May), dass der Kapitän in der Geschichte "Der blaurote Methusalem" (Karl May Verlag Bamberg 1962)
"perfekt chinesisch" zu sprechen vorgab und an die gewohnten Worte einfach ein "ing" anhängte, um sie "chinesisch zu machen".

So neu ist die "Technik" also nicht! )))(: (smili) (888)
Erzähl das mal den Kindern von heute die gerne an alle möglichen und unmöglichen Sachen ein -ing anbhängen um hip zu sein, daß ihre tolle Idee schon einer vor über 100 Jahren hatte.
sum sum sum - no Latein
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Re: Sprache - die Endung macht's. Ein alter Hut!

Post 22 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

lexes hat geschrieben: Di 10. Sep 2019, 21:19 "Liebx Jaddyx" ..
Hallo liebe_r/*x Lexi_*x?,

ich befürchte, Du hast es immer noch nicht so ganz verstanden: "Hallo Jaddy" und am Ende "viele liebe Grüße" wäre korrekt. So geht es ohne sprachliches verbiegxen oder vemurkxen (gallisch-lateinisch: diliriaxt, oder wie Asterix immer sagt: diliraintux romanix). Aber das ist schwer. In einem Geschäftsbrief funktioniert es bei mir derzeit nur mit den Chinesen. Die schreiben "Hi Nicole". Sonst heißt es immer "Sehr geehrter Herr ...".

Und was das Anhängen einer Endung angeht, sei hier noch die Erbsensprache erwähnt:

Lerbsen irbsen erbsen berbsen erbsen Gerbsen rerbsen ürbsen ßerbsen erbsen
Nicole
ExuserIn-2019-12-22

Re: Sprache - die Endung macht's. Ein alter Hut!

Post 23 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-22 »

Ich bin für mehr X im deutschen Sprachgebrauch!
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Re: Sprache - die Endung macht's. Ein alter Hut!

Post 24 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Das macht nix (um es mal auszuprobieren) (smili)
Nicole Fritz
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Re: Sprache - die Endung macht's. Ein alter Hut!

Post 25 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Jaddy hat geschrieben: Mi 11. Sep 2019, 02:50 Bildschirmfoto 2019-09-11 um 02.45.45.jpg
.. h13r isst w1ehder d3utlixh zu erk2nn4n weih Leggasthennicker s2hnell lehsen lärnen. - So ähnlich sieht das bei mir ohne Rechtschreibprüfung aus. Da einzelne Buchstaben vor unseren Augen nur herum tanzen, erfassen wir Wörter und ganze Satzteile immer als eine Einheit. Das geht beim Lesen sehr schnell. Beim Schreiben kommt allerdings dann so etwas heraus wie vorstehend - es interessiert eben nur der Gesamteindruck. Und dann geht darin auch das ganze genderneutrale Bemühen mit _/*? komplett unter.

Nur so nebenbei: Den sieg Cäsars habe ich wohl unbewusst absichtlich klein geschrieben. Ich dachte sicherlich an den zweifachen Wall der Römer mit Todesstreifen und das verhungern Lassen der gallischen Zivilbevölkerung bei der Schlacht um Alesia (siehe: Gaius Iulius Caesar, De Bello Gallico (buch) ) . Ein zweifelhafter sieg also.

LG Nicole
Jaddy
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Re: Sprache - die Endung macht's. Ein alter Hut!

Post 26 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Der Journalistinnenbund hat eine Seite namens https://www.genderleicht.de/ gestartet.

Dort gibt es prakische Beispiele und Erklärungen zu den verschiedenen Formen :)
Marlene K.
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Re: Sprache - die Endung macht's. Ein alter Hut!

Post 27 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

https://taz.de/Archiv-Suche/!5622487/
Immerhin ist die Diskussion in den Köpfen angekommen. Mal sehen, ob wir, je mehr wir in den Mainstream aufgenommen werden (...welche Gnade...) wie die Homosexuellen Menschen angepasst werden an alte Normen oder ob wir uns unsere Stärke und Andersartigkeit, unsere Unbequemlichkeit ein Stück weit zum Nutzen aller beibehalten können...

Ich hoffe, dass, wie in der gleichgeschlechlich liebenden Welt, beides möglich wird.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Jaddy
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Re: Sprache - die Endung macht's. Ein alter Hut!

Post 28 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Oh, ein schöner Text. Besonders der Schluss liegt voll auf meiner Linie:
Warum nur werden Schüler:nnen die sprachgeschichtlich recht neuen Satzzeichen als schwere, starre Regeln beigebracht? Warum zeigt man ihnen nicht, wie schön sie Sätze machen können, wie sie nicht nur Verständnis, sondern auch Witz in unsere Sprache bringen?

Wie der Punkt (punctum) entstand, indem die Römer das Satzende in die Wachstafeln punktierten, also stachen? Warum konnten sie uns nicht erzählen, dass dieser Punkt ursprünglich auf halber Höhe stand und heute noch in dieser Form zwischen den Worten existiert, wenn man im Text die Steuerzeichen sichtbar macht? Dass das Fragezeichen einfach die steigende Stimmführung am Satzende symbolisieren sollte, warum sollten wir das nicht erfahren?

Ich bin überzeugt, dass man mich mit diesen Geschichten von und der Geschichte der Interpunktion sehr für die Zeichensetzung hätte begeistern können. Bei der Deutschmüller lernten wir nur, wie unendlich sich 45 Minuten anfühlen können. So blieb die Interpunktion immerhin ein Geschenk, das ich in der zweiten Lebenshälfte für mich entdecken konnte.
Nicole Fritz
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Re: Sprache - die Endung macht's. Ein alter Hut!

Post 29 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo Ralf_Marlene,

die Deutschmüller mit ihren K-Nummern lässt merkwürdige Erinnerungen bei mir noch kommen - und damit lande ich irgendwie wieder beim Gallischen Krieg (zum Vergrößern bitte anklicken):

Gallischer_Krieg.JPG

Hier der Link dazu: https://www.amazon.de/Gallische-Krieg-R ... 3150010128

So wie ich mich dunkel an das Lesen und Übersetzen des Originals erinnere, erscheint mir diese Übersetzung recht frei, also in ein gut lesbares Deutsch übertragen. Bei anderen Autoren wie Sallust oder Cicero ist es zudem noch ausgeprägter. Aber das altrömische Komma-Schachtel-Prinzip ist noch zu erkennen.

Statt stumpfsinnig Nummern suchen zu lassen sollte man Schüler*innen vielleicht etwas über die gestalterischen Möglichkeiten einer richtigen Interpunktion vermitteln. Hier ein Beispiel:

Er will sie nicht.
Er will, sie nicht.
Er: will sie nicht?
Er will sie, nicht?


Ohne die korrekte Zeichensetzung könnte es hier doch leicht zu einem Missverständnis kommen. Aber Lehrer*innnen und künstlerisch freie Gestaltung widersprechen sich wohl meistens.

Hier noch mein Vorschlag für die Verwendung des Gendersternschens zur einfachen Relativierung des in der deutschen Sprache tief verwurzelten generischen Maskulinums:
Stellenausschreibung:
"Suche ambitionierten* und innovativen* Koch* (m/w/d) für mein streng veganes Steak-Restaurant."

LG Nicole
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Post 30 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Kommas können Leben retten: "Komm rein wir essen Opa" ...
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