Fa. Strato möchte etwas Eskalation :)
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Jaddy
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Fa. Strato möchte etwas Eskalation :)

Post 1 im Thema

Beitrag von Jaddy » So 8. Sep 2019, 20:35

So langsam arbeite ich alle Firmen und Institutionen ab, mit denen ich zu tun habe. Mein Name ist ja geblieben mit der Personenstandsänderung, aber die meisten haben das mit der neutralen Anrede für Menschen mit dritter Option noch nicht auf der Kette.

Häufig bekomme ich positive, vertröstende Reaktionen, weil es gerade bei größeren Läden länger dauert, alle Prozesse und Systeme zu erweitern.

Raiffeisen-Shop.de hat beispielsweise innerhalb von acht Minuten reagiert und zwar mit
Guten Tag,
da haben Sie natürlich vollkommen Recht, vielen Dank für den Hinweis.
Ich werde es an unsere Geschäftsführung weiter leiten.
Und tatsächlich wird teilweise noch manuell geändert und andere haben es dann irgendwann soweit. Mühsam nährt sich das Eichhörnchen.

Aber manche sind da irgendwie extra beratungsbedürftig. Gestern hatte ich an Strato geschrieben:
190907_Strato_1.png
Die Reaktion heute fand ich mehr als dürftig:
190907_Strato_2.png
Daher habe ich noch mal etwas nachdrücklicher nachgesetzt und bin gespannt :)
190907_Strato_3.png
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MichiWell
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Re: Fa. Strato möchte etwas Eskalation :)

Post 2 im Thema

Beitrag von MichiWell » So 8. Sep 2019, 23:13

Hallo Jaddy,

gerade weil ich erst wieder zum Ausdruck gebracht habe, wie ich den verbreiteten Drang zur Angepasstheit finde, möchte ich nicht die andere Seite außer Acht lassen und sagen:

Ich finde es gut, dass es Menschen wie dich gibt. (yes)

Ich selbst bin noch nicht ganz so weit wie du, arbeite mich aber langsam immer weiter voran.


Liebe Grüße
Michi
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Re: Fa. Strato möchte etwas Eskalation :)

Post 3 im Thema

Beitrag von Jasmin_35 » Mo 9. Sep 2019, 06:51

Hab gerade mal nachgesehen, Domainfactory kann und macht auch schon viel, aber da sind die auch noch nicht aufgestellt.
Dafür hat man die Auswahl zwischen Herr/Frau Dr., Prof., Prof. Dr. und sogar Komm. R. was für Kommerzialrat steht und ein Österreichischer Titel ist. Ich glaube, wenn die nicht darauf aufmerksam macht, wird es sich auch nicht von allein ändern.
Liebe Grüße Jasmin

P.S.: Ja, die Haare sind echt :D (weil ich inzwischen dauernd überall gefragt werde ;))

NikolaAusR
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Re: Fa. Strato möchte etwas Eskalation :)

Post 4 im Thema

Beitrag von NikolaAusR » Mo 9. Sep 2019, 08:50

Hallo Jaddy,
ich bin da, obwohl selbst weiblich, in konkreten (Registrierungs-) Fällen gute Staatsbürgerin :lol: , achte auf die Einhaltung des AGG und bemängele die fehlende Option.
Im Falle der Therme Erding ist 'Divers' jetzt möglich. :mrgreen:

Liebe Grüße
Nikola
„Wer richtig urteilen will, muss vollständig ablassen können von jeder Glaubensgewohnheit,
die er von Kindheit an in sich aufgenommen.
Die allgemeine Meinung ist nicht immer die wahrste.“

Giordano Bruno
gest. im Jahre 1600 UZR, Scheiterhaufen

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Re: Fa. Strato möchte etwas Eskalation :)

Post 5 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » Mo 9. Sep 2019, 09:55

Klasse Jaddy und Danke!
Ich bin sehr gespannt, wie es in der Sache weiter geht. Halte uns gern auf dem Laufenden.

Liebe Grüße
Michelle
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Mein Leben dreht sich um´s leben, nicht um trans.

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Re: Fa. Strato möchte etwas Eskalation :)

Post 6 im Thema

Beitrag von Jaddy » Mo 9. Sep 2019, 12:35

Es bleibt seltsam. Immerhin gibt es jetzt ein Ticket. Aber!
190909_Strato_1.png
Ich habe noch mal zart hingewiesen ;)
190909_Strato_2.png
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Re: Fa. Strato möchte etwas Eskalation :)

Post 7 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Mo 9. Sep 2019, 13:34

Hallo Jaddy,

er ist ja herzerfrischend, dieser Schriftverkehr. Danke dafür!

- Aber bedenke bitte: Das mit dem Ändern der Software ist sehr kompliziert. Der Auftrag dazu muss erst einmal nach Indien. Nur dort gibt es Menschen, die eine so hoch qualifizierte Aufgabe für weit weniger als den Mindestlohn erledigen. Dann kommt das Ergebnis auf Englisch hier an, und der streng binär orientierte Google-Übersetzer macht den größten Unsinn daraus. Also geht es mehrmals hin und her, bis es am Ende vielleicht einmal passt.

Bedenke doch bitte die Not unserer armen, von sozialen Umständen geplagten Großkonzerne, die vielleicht auf einen kleinen Anteil ihrer Milliarden-Gewinne verzichten müssten.

Liebe Grüße
Nicole
Jeder glaube an was er will. - Also sprach Zarathustra.

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Re: Fa. Strato möchte etwas Eskalation :)

Post 8 im Thema

Beitrag von sbsr » Mo 9. Sep 2019, 15:10

Hallo zusammen,

da muss man aber tatsächlich sagen, so eine "Kleinigkeit" verursacht unter Umständen einen riesigen Programmieraufwand in größeren EDV Systemen. Die Anreden tippt niemand per Hand ein, noch nicht einmal in einer Email, sondern diese werden automatisch anhand der Daten aus der Kundendatenbank erzeugt. M ergibt "Sehr geehrter Herr", W ergibt "Sehr geehrte Frau XY", ggf. wird noch ein Titel wie Prof. oder Dr. eingefügt, sofern in der Datenbank gespeichert. Ein Mitarbeiter im Support, der die Email verschickt, kann die Anrede also unter Umständen gar nicht beeinflussen.

Es ist wohl ein leichtes, in einer Datenbank einen zusätzlichen Eintrag einzufügen, der dann dem Benutzer als Auswahlmöglichkeit für das Feld Anrede zur Verfügung steht. Neben M und W auch noch D als Option einzutragen ist verhältnismäßig einfach.

Viel schwieriger ist es, die Logik in so einem Programm zu ändern. Bislang kannte die Datenbank nur entweder M oder W, darauf basieren zahlreiche Auswertungen, wie eben auch die Anrede in einem Anschreiben. Hier eine dritte Option zu verarbeiten erfordert, die gesamte Software nach Stellen zu durchsuchen, wo der Programmcode auf diese Option zugreift. Überall dort, und das können ziemlich viele Stellen sein, muss das Programm angepasst werden.

Ich habe mir das von einem Programmierer zeigen und erklären lassen. [!Achtung, Wissenschaft!] es gibt eine Schreibweise, mit der man zwei Fälle unterscheiden und basierend darauf einen Wert setzen kann. Diese wird sehr gerne verwendet, weil es kurz und übersichtlich ist, kann aber nur wenn-dann-sonst.
Anrede = Wenn M, dann "Sehr geehrter Herr", sonst "Sehr geehrte Frau"
Hat man nun eine dritte oder mehrere Optionen, muss man diese Kurzschreibweise durch einen viel längeren Code Baustein mit Fallunterscheidungen ersetzen.

Nach einer solchen Änderung muss der betreffende Programmteil noch auf alle Eventualitäten hin getestet werden, weil bereits ein vergessenes Komma in einem Programmcode dazu führen kann, dass nichts mehr geht.

Ungeachtet dessen, dass es an der Zeit ist, mindestens die dritte Option umzusetzen, verstehe ich Unternehmen, die sagen sie brauchen noch etwas Zeit dafür. Denn ganz ehrlich, als Verantwortlicher für ein großes EDV System würde ich persönlich auch klar sagen, erst wenn das Programm die dritte Option durchgängig fehlerfrei verarbeiten kann, wird das freigeschaltet. Ein flächendeckender Ausfall, und ja dieser kann wegen jeder noch so kleinen Änderung im Programm passieren, bedeutet Ärger mit weit mehr Kunden als wie wenn wenige auf die dritte Option warten müssen.

Ob das Unternehmen gewillt ist, ausreichend Menpower an Programmierern bereitzustellen, damit die Angelegenheit zeitnah umgesetzt werden kann, oder ob man sich das Personal spart oder lieber für "wichtigere Dinge" einsetzt, steht natürlich auf einem anderen Blatt.
LG, Svenja

Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

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Re: Fa. Strato möchte etwas Eskalation :)

Post 9 im Thema

Beitrag von lexes » Mo 9. Sep 2019, 15:48

sbsr hat geschrieben:
Mo 9. Sep 2019, 15:10
Hallo zusammen,

da muss man aber tatsächlich sagen, so eine "Kleinigkeit" verursacht unter Umständen einen riesigen Programmieraufwand in größeren EDV Systemen.

Viel schwieriger ist es, die Logik in so einem Programm zu ändern. Bislang kannte die Datenbank nur entweder M oder W, darauf basieren zahlreiche Auswertungen, wie eben auch die Anrede in einem Anschreiben. Hier eine dritte Option zu verarbeiten erfordert, die gesamte Software nach Stellen zu durchsuchen, wo der Programmcode auf diese Option zugreift. Überall dort, und das können ziemlich viele Stellen sein, muss das Programm angepasst werden.
Nicole Doll hat geschrieben:
Mo 9. Sep 2019, 13:34
Hallo Jaddy,

Bedenke doch bitte die Not unserer armen, von sozialen Umständen geplagten Großkonzerne, die vielleicht auf einen kleinen Anteil ihrer Milliarden-Gewinne verzichten müssten.

Liebe Grüße
Nicole
Das ist ja gaaaanz entzückend..

Die von Nicole (zynisch) und von Svenja (realitätsnah) dargestellten EDV-Probleme sind natürlich Grund für diesen Koks ( und keinesfalls Unwillen der Sachbearbeiter/in ).

Ich war kürzlich in Norddeutschland und hab‘ ein Plakat vor‘m örtlichen Lidl fotografieren können.

Schick das Bild doch bitte mal mit dem Kommentar :

„ LIDL hat schon 3 Geschlechter , Ihr kriegt nicht mal 2 verhackstückt“ an die Strato-Bande.

Wenn der hiesige Discounter so eine „schwere Aufgabe“ schon grundsätzlich angeht ( und damit ggf. später Problene eliminiert) => dann sollte Strato‘s QM da vielleicht nachrüsten.

Liebe Grüße , Lexi

D559C737-9661-4A3A-8EB7-CE69D82317DF.jpeg
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Re: Fa. Strato möchte etwas Eskalation :)

Post 10 im Thema

Beitrag von Jaddy » Mo 9. Sep 2019, 16:17

Also, ich verdiene mir ja meine Euros mit Software machen :) Von daher kenne ich den Kram. Ich kenne durch meinen Job auch die Prozesse und wie sie häufig gar nicht miteinander verknüpft sind.

Aktuelles Beispiel: Raiffeisen-Shop.de, wo ich letzte Woche Pellets bestellt habe.
  • Bestelleingabe, Profil anlegen, da ist die binäre Abfrage (die ich gleich danach per Kontaktformular gemeldet habe)
  • Die automatische Bestätigung der Bestellung: Keine Anrede
  • Die Versandmeldung: "Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde,", im Block Lieferadresse ohne Anrede
  • Die Rechnung - und hier wird es lustig - "Sehr geehrte/r Frau/Herr <Nachname>"
  • Das angehängte PDF der Rechnung: Adressblock ohne Anrede
  • Ah und Klarnas Bestätigung der Direktüberweisung: "Lieber Kunde". Ich hatte bei Raiffeisen "Frau" angekreuzt...
Im ganzen Vorgang wird die abgefragte Anrede also überhaupt nicht verwendet. Amazon, Paypal und viele andere fragen es daher schon länger gar nicht mehr ab.

Raiffeisen ist damit nicht allein. Bei Esprit hatte ich das auch. Zwangsabfrage, die ich inzwischen nach Münzwurf beantworte, und auf dem Mailverkehr und selbst dem Adressaufkleber der Pakete steht "Herr/Frau <Vorname> <Nachname>". Also gut für nix.

Gerade weil sehr viele Prozesse gar keinen Gendermarker übertragen, mogeln sich die weiter flussabwärts liegenden Software-Teile zwangsweise darum herum.

Zum Teil liegt es wohl auch daran, dass es ja kein einheitliches Format gibt. Ob jetzt wie in Deinem Beispiel binär gespeichert wird, d.h. "1 = männlich", "0 = alles andere", oder als Zeichen ("m", "w"? "M", "W"? "H", "F"?), groß oder klein, oder vielleicht SAP-Style als Indexzahl auf eine Systemtabelle, etc. ist vollkommen offen und wird meistens je Prozessentwicklung festgelegt.

Von einer Partei, deren Support hilfreicherweise meinen Gendermarker intern manuell geändert hat, bekomme ich Post aus der Bundesorganisation mit "Unbekannt <Vorname> <Nachname>". Wenn sie Daten an den Landesverband geben, wahlweise "U <Vorname> <Nachname>" oder "Frau <Nachname>".

Bei letzterem ist klar, dass jemand nicht aufgepasst hat beim Übernahmeskript und dachte "Och, alles mit Kennzeichen "M" kriegt "Herr", alles andere "Frau". Die einfach gedachte straight-forward-Lösung.

Das "U" ist vermutlich schon schlauer. "Wenn "M" dann "Herr", wenn "W" dann "Frau", ansonsten weiss ich nicht und geb es einfach so aus wie es kommt". Ein vorsichtiger Mensch :)

Und beim "Unbekannt" haben sie wohl immerhin eine Stringtable dahinter. Nützt aber ja auch nix :D

Sowohl der vorsichtige Mensch, wie auch die mit dem "Unbekannt", hätten das Problem ganz einfach und zufriedenstellend lösen können: Wenn es nicht eindeutig ist, anderen Textbaustein nehmen mit "Guten Tag <Vorname> <Nachname>". It's that easy.

Bei Strato hat mich diese Abwimmelei aufgreregt. "Kann ich nicht, Ende". Das kennen wir hier aber schon. Der Strato Support wird vermutlich nach Anzahl Antworten bezahlt. Bloss nicht zu lange damit beschäftigen. Die armen Leutchen haben meist gar keine echten Hilfsmöglichkeiten, können nicht rückfragen, nichts einsteuern. Und wenn sie von sich aus eskalieren, erzeugen sie erhöhte interne Kosten. Manche Firmen lagern das sogar extern aus, da ist dann alles zu spät.

Meine Antwort aktivierte dann vermutlich automatisch die zweite Ebene, die auch eine leicht aufgepeppte Standardmail verschickte - "Wenn Kund*in insistiert: Ticket aufmachen, Standardmail mit Freitextzusatz ("wann die gewünschte Anrede...") zurücksenden". Aber dass da oben wieder "Herr ..." stand zeigt eben, wie wenig sich die Leute inhaltlich mit den Anfragen beschäftigen. Und das betrifft ja nicht nur Anreden, sondern auch technische und vertragliche Probleme.

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Re: Fa. Strato möchte etwas Eskalation :)

Post 11 im Thema

Beitrag von Jaddy » Mo 9. Sep 2019, 16:26

lexes hat geschrieben:
Mo 9. Sep 2019, 15:48
Ich war kürzlich in Norddeutschland und hab‘ ein Plakat vor‘m örtlichen Lidl fotografieren können.
Ja, das "(m/w/d)" kriegen die meisten hin. Dafür haben die Rechtsabteilungen gesorgt, die keine Abmahnungen riskieren wollen. Leider reicht es dann meist nicht weiter. Ich wäre mal gespannt, wie die Lidl-Leute beim Vorstellungsgespräch reagieren, wenn sich eine Person auf das "d" bezieht. Das rappelt dann von der Personalabteilung, EDV, interne Kommunikation, Anreden, etc. bis runter zur Toilettenfrage. Vermutlich mit dem Effekt, der Person ein paar Minuspunkte wegen zu viel Aufwand zu geben und das "Problem" damit zu umgehen.

Und dann gibt's da noch die andere Firma, die sich irgendwas ganz anderes zu denken scheint:
https://mastodon.cloud/@Jaddy/102758566204895746

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Re: Fa. Strato möchte etwas Eskalation :)

Post 12 im Thema

Beitrag von Jaddy » Fr 13. Sep 2019, 11:51

Die Rechtsabteilung der Fa. Strato meint, Menschen mit der dritten Option auch weiterhin binär anreden zu dürfen.
Bildschirmfoto 2019-09-13 um 10.49.50.png
Das sehe ich natürlich nicht so und werde deshalb Trans*Recht e.V., Antidiskriminierungsstelle und meine social media Kanäle aktivieren.

Der ganze Thread: https://mastodon.cloud/@Jaddy/102784444360326342
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Re: Fa. Strato möchte etwas Eskalation :)

Post 13 im Thema

Beitrag von Jaddy » Mo 16. Sep 2019, 15:37

Und zum Schluss noch zwei mal facepalm oder Kopf-Tisch:

Meine freundliche Mail an den Support, dass ich kein Verständnis habe, Verweis auf den Vornamen der Supportperson und deren Reaktion:
190913_Strato_1_an.png
Was hättet ihr vermutet beim Vornamen Banu? Männlich? Weiblich? Ich kannte den nicht.
190916_Strato_1_an.png
Immerhin kriegt sie unten die Feststellung "Frau" hin, aber nicht die korrekte Anrede oben. Das deute ich also mal als Absicht.

Über Twitter und Mastodon hatte ich Strato auch die Reaktion meines Finanzamts gezeigt:
190913_Finanzamt_Anrede_anon.jpg
und immerhin das social media team ist wohl öffentlichkeitsbewusst genug:
Bildschirmfoto 2019-09-16 um 15.34.38.png
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Re: Fa. Strato möchte etwas Eskalation :)

Post 14 im Thema

Beitrag von Jaddy » Do 26. Sep 2019, 17:05

Die Antidiskriminierungsstelle ist meiner Meinung:
Grundlage unserer Beratung ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Dieses Gesetz verbietet Benachteiligungen vor allem im Erwerbsleben und bei bestimmten anderen zivilrechtlichen Schuldverhältnissen (§ 19 Abs. 1 AGG). Webpräsenzen und Domains zur Verfügung zu stellen stellt unserer Einschätzung nach ein Schuldverhältnis dar, das vom AGG erfasst ist.

Eine Benachteiligung wegen des Geschlechtes ist bei der Durchführung solcher Schuldverhältnisse unzulässig (§ 19 Abs. 1 Nr. 1 AGG). Der Geschlechtsbegriff des AGG umfasst neben dem männlichen und weiblichen auch das dritte Geschlecht. Dies war sogar schon vor dem Urteil des BVerfG so. Natürlich hat dieses Urteil aber bestärkt und definitiv festgestellt, dass die Rechtsordnung ein drittes Geschlecht anerkennt.

Eine Anrede, die die Geschlechtszuordnung verkennt, stellt unserer Ansicht nach eine Benachteiligung wegen des Geschlechts dar. Ein sachlicher Grund, aufgrund dessen die Ungleichbehandlung ausnahmsweise zulässig wäre (§ 20 AGG), ist nicht ersichtlich. Die Firma Strato hat auch keine Angaben dazu gemacht, warum sie die Änderungen nicht vornehmen.

Auch die Profildaten nicht zu ändern dürfte eine unzulässige Benachteiligung darstellen.

Bei einer unzulässigen Benachteiligung können die betroffenen Personen gegenüber dem Vertragspartner Schadensersatz- und Entschädigungsansprüche nach § 21 Absatz 2 AGG geltend machen. Zudem können sie gemäß § 21 Abs. 1 AGG die Beseitigung und das zukünftige Unterlassen der Benachteiligung verlangen.

Der Anspruch muss innerhalb von zwei Monaten gegenüber dem Vertragspartner geltend gemacht werden. Ihnen wurde mit der Mail vom 13. 09. 2019 mitgeteilt, dass Änderung nicht vorgenommen werden. Dies ist der Zeitpunkt indem die Frist zu laufen beginnt. Aus Gründen der Beweisbarkeit sollten die Ansprüche schriftlich geltend gemacht werden. Im Anhang sende ich Ihnen Formulierungsanregungen für die Geltendmachung.

Zu Ihrer Unterstützung können wir versuchen, eine außergerichtliche Einigung zu vermitteln. Hierzu würden wir die Gegenseite anschreiben und um eine Stellungnahme zu dem von Ihnen geschilderten Sachverhalt bitten. Für die Gegenseite besteht allerdings keine Pflicht, auf unsere Bitte zu antworten.
Die Unterstützung werde ich in Angriff nehmen und dann mal schauen, wie ich die Ansprüche beziffere. Zum Beispiel Arbeitsaufwand für den Umzug meiner Domains, etc.
Strato_190926_1.png
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Lisa-Weber
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Re: Fa. Strato möchte etwas Eskalation :)

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Beitrag von Lisa-Weber » Do 26. Sep 2019, 17:24

Da bin ich gespannt wie das ausgeht.
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