Tatsächlich, da wollte irgendjemand etwas von ihnen.
Das Auto hatte gebremst und gewendet und fuhr jetzt langsam zurück bis die beiden am Kanalufer, Valerie und Erwin, halbnackt wie sie waren, voll im Licht der Scheinwerfer standen. Valeries Herz begann schneller zu schlagen, als sie das Blaulicht erkannte, und instinktiv hielt sie die Hand vor Augen, um diese vor der Blendung zu schützen, dann zog sie hastig ihr Höschen hoch und suchte nach ihren Jeans. Erwin begriff zunächst gar nichts, baute sich aber schützend vor Valerie auf, ganz Mann, ganz der Beschützer.
"Jetza "¦hey"¦hoppla"¦ wos iss"˜n jetzt passiert"¦ wos wuin denn die Saukerle von uns?"
kam es wütend von ihm. Erwin hatte sich die Hose hochgezogen und ging sofort in Kampfbereitschaft über.
"Sieht aus wie die Polizei" stieß Valerie hervor, und damit behielt sie leider Recht. Zwei dunkle Gestalten in dunkelblauen Uniformen und Basecaps stiegen aus dem Auto und bewegten sich auf sie zu. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Noch während Valerie Hosenbeine ihrer Jeans entwirrt hatte, hörte sie von irgendwo her ein Gehechel und Geschnaufe, dann baute sich ein großer Polizeihund vor ihr auf und knurrte sie an. Die geknurrte Botschaft war unmissverständlich:
"Gib sofort auf, andernfalls beisse ich zu".
"Arrete Nero"¦ arreate Nero" pfiff ihn seine Hundeführerin dann aber streng zurück, um sich und ihren Kollegen kurz und knapp vorzustellen:
"Gendarmerie Nationale"
Zwei starke Taschenlampen leuchteten sie ab. Valerie war noch immer gelähmt vor Schreck und konnte noch nicht richtig denken. Es waren die Polizisten, die dann erstmal anfingen, die Situation zu klären.
"Quest-que- c"™est passé ici? (was ist hier eigentlich los)?
Als sie keine Antwort erhielt, trat die Polizistin näher an Valerie heran und fragte sie, ob ihr vielleicht etwas geschehen sei. Etwas weniger streng im Ton, halblaut, fast vertraulich. Ob der Mann sie belästigt habe, ihr nachgestellt? Eine versuchte Vergewaltigung etwa?
Erwin verstand offensichtlich nicht viel, aber Valerie war jetzt vollkommen verwirrt, ganz von der Rolle sozusagen. Sie versuchte klarzukommen im Kopf, was schwierig war bei dem vielen Alkohol, den sie intus hatte. Sie begann zu lächeln, kicherte dann sogar und schüttelte dann den Kopf. Dieses Lächeln, zumal in dieser missverständlichen Situation, war vielleicht der entscheidende Fehler.
"Ahhh"¦non, je suis d"™accord avec ce monsieur"¦ On vient d"™un bal champetre"¦ et violà après, on a fait un peu d"™amour"¦ on est adulte"¦ pas des problèmes pour vous, non??"¦"
(ach nein"¦ wir sind im gegenseitigen Einverständnis"¦ wir waren auf einem Ball im Freien"¦ und naja, später habe wir hier halt ein wenig rumgemacht, wir sind erwachsen"¦ kein Problem für Sie, oder??)
Beide mussten ihre Papiere vorzeigen, dann zog die Polizistin ihren Kollegen zur Seite. Valerie hörte, wie sie eifrig auf ihn einredete
"C"˜est une pute, qui a trouvé un touriste allemand pour faire une partie des jambes en l"˜air"
(das ist eine Prostituierte, die sich einen deutschen Touristen geangelt hat für eine kleine Freiluft-Nummer)
Valerie hörte noch die Bemerkung, konnte aber nicht mehr reagieren, denn dann ging alles sehr schnell, und noch ehe sie protestieren konnte, hörte sie die Handschellen klicken, spürte die Kälte des Metalls an den Handgelenken, die Beamtin zog sie ins Auto und Valerie stieg ein, viel zu konsterniert um noch irgendetwas sagen zu können.
Erwin durfte nachhause gehen, die Polizisten versuchten sogar noch herauszukriegen, in welchem Hotel er wohnte.
"Your hotel, mister"¦ where?? "¦. You know, your bed, where u sleeping???
Aber Erwins Englisch war nicht gut genug um die Frage zu beantworten, vielleicht wollte er auch nichts mehr sagen. Auch für eine Verabschiedung blieb keine Zeit mehr, die Tür des Polizeiautos schloss sich und somit schien auch dieser Abend eher unschön zu enden, besonders für Valerie.
Sie saß im Polizeiauto hinten, die Hände gefesselt, die Polizisten vor sich auf den Vordersitzen und in ihrem Genick hechelte Nero, der Hund. Der Sprechfunk war geöffnet, und das wenige, das Valerie verstand, war beunruhigend genug, offenbar wurde die Zentrale angewiesen, eine Zelle freizumachen. Es war ja auch schon spät, deutlich nach Mitternacht.
"NAR 567"¦" Die Polizistin griff zum Handmikro und meldete sich bei ihrer Zentrale.
"On emportera une autre chandelle de trottior, nour arriverons dans une petite minute"
(Wir bringen nochmals eine Bordsteinschwalbe, Ankunft gleich, etwa eine Minute"
Fortsetzung wie üblich nächstes Wochenende, hier in diesem Theater. Lob und likes werden immer gerne gesehen.
L.G. Valerie