Was würde ich mir selber raten, wenn ich mich mit 20j treffen würde
Was würde ich mir selber raten, wenn ich mich mit 20j treffen würde - # 2

allgemeiner Austausch
Laila-Sarah
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Re: Was würde ich mir selber raten, wenn ich mich mit 20j treffen würde

Post 16 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Da fällt mir ein Songtext von Shakespear's Sister ein:
Live is a strange thing. Just when you think you know how to use it, it's gone.
Was ich mit 20 getan habe, habe ich aus Überzeugung getan. Ich würde mir da nicht reinreden lassen sondern würde versuchen mein jetziges Ich zu überreden nicht so ein "Blödsinn" zu erzählen ;)

VlG
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Nicole Fritz
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Re: Was würde ich mir selber raten, wenn ich mich mit 20j treffen würde

Post 17 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Inga hat geschrieben: Di 30. Jul 2019, 22:22 Was würde ich heute raten? - So nicht mehr.

Mit 20 würde ich heute im Internnet recherchieren, Selbsthilfegruppen ausfindig machen und besuchen. Mit anderen darüber reden. Leute suchen, die Verständnis haben. Auf mich und mein Herz lauschen. Ich würde mir ordentliche Klamotten und Schuhe, die mir gefallen, auch zulegen und Gelegenheiten finden mich darin zu zeigen und im Alltag zu leben. Mich gegenüber Bekannten und Verwandten outen. Und ich würde zum CSD gehen, mitmachen, mitfeiern und mich noch mehr informieren.
Hallo allerseits,

genau das würde ich HEUTE mit 20 auch machen. Aber wie Inga schon schrieb: Wo gab es vor 40 Jahren die nötigen Informationen? Zu welchem CSD hätte ich gehen sollen? Also blieb ich als männlich-hetero mit meinem Fetisch allein, outete mich nicht und versuchte einfach immer verzweifelter irgendwie in meiner Rolle zu funktionieren. Klamotten oder Schuhe, die mir gefielen, gab es in der Herrenabteilung nicht, und mit Kleidung für Damen wagte ich nur zum Karneval in die Öffentlichkeit.

Hätte ich mir also geraten: "So nicht!", wo hätte mich das hin geführt? - Ich vermute in ein ähnliches soziales Abseits wie das, in dem ich mich heute befinde - ohne familiäre oder berufliche Perspektive. Heute mit fast Rentenalter kann mir das egal sein - aber als junger Mann?

Und ich denke immer wieder: Es war wohl gut, dass ich mich auch damals nicht als Frau im falschen Körper fühlte. Dann hätte ich wahrscheinlich aus falscher Hoffnung und Verzweiflung den Trans-Weg mit HT, OP und allem sonst komplett durchgezogen. Ob ich damit glücklich geworden wäre, bezweifle ich heute sehr. Zumindest dabei hat mich wohl mein Herz richtig geleitet - auch ohne irgendwelchen Rat. Den Begriff "Enby" kannte damals noch keiner.

LG Nicole
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Re: Was würde ich mir selber raten, wenn ich mich mit 20j treffen würde

Post 18 im Thema

Beitrag von Christiane »

Oh Gott!

Der damalige 20jährige (1986) hätte mich nicht ernst genommen und mich wahrscheinlich alten Klugscheißer genannt.
Er hätte mir auch nicht geglaubt, dass es Viele von uns gibt und hätte wahrscheinlich versucht so schnell und so viel Abstand wie möglich zwischen sich und mich zu bringen. :?

Christiane
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Nicole Fritz
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Re: Was würde ich mir selber raten, wenn ich mich mit 20j treffen würde

Post 19 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Christiane hat geschrieben: Mi 31. Jul 2019, 12:48 Der damalige 20jährige (1986) hätte mich nicht ernst genommen ...
... ganz genauso sehe ich das auch. Mein heutiges Ich hätte ich wohl damals als total bescheuerten Idioten angesehen, der sich als Klugscheißer(*in ?? :? :roll: ) aufspielt.
Josii
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Re: Was würde ich mir selber raten, wenn ich mich mit 20j treffen würde

Post 20 im Thema

Beitrag von Josii »

Vor kurzem konnte ich mich erinnern an eine Artikelserie im Stern oder Spiegel, genau weiß ich es nicht mehr, ca. Mitte der 70er über die damals noch sog. Geschlechtsumwandlung. Diese Artikel haben mich total fasziniert, daß so was überhaupt möglich ist, und es hat mich sehr erregt. Damals anscheinend die einzige Klinik in der Nähe von Europa in Casablanca, in der Ärzte die OP durchgeführt haben.

Beim Traum es zu machen ist es geblieben, kein Gedanke daran in der Realität. Ich kann mich auch noch an die Schlußsätze des Artikels erinnern bei dem ein Mann auf dem Weg zur Frau von den Journalisten begleitet wurde: Er wollte schon immer Tänzerin werden, heute tanzt sie.

Eine schöne Erinnerung ---)))

Josii
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für diesen einen Augenblick
....um zu spüren wie wertvoll Leben ist! - Unheilig
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Re: Was würde ich mir selber raten, wenn ich mich mit 20j treffen würde

Post 21 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin,

ja, was täte ich mir raten: Infos sammeln zur eigenen Erkenntnis und loslegen. Heute geht das, so wie ich es mit 57 dann endlich tun konnte. Damals vor 45 Jahren gab es das nicht als allgemeines Thema, no go und so. Nur ganz wenige hatten Kenntnis davon.
Der Rest ist hier in vielen einzelnen Themen beschrieben..

Grüße, Ulrike-Marisa ))):s
ExuserIn-2019-12-18
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Re: Was würde ich mir selber raten, wenn ich mich mit 20j treffen würde

Post 22 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-18 »

Der ewige Wunsch nach einer Zeitreise, um sein Leben zu verschlimmbessern? Oder einfach der Wunsch zu reflektieren? Tatsächlich habe ich bislang solche Gedanken nicht wirklich gehabt. Alles, was geschehen ist in meinem Leben, hat mich geprägt und hierher geführt. Eine Identität wächst, verändert sich und bricht in Teilen oder ganz zusammen, um danach neu aufzuerstehen.
Ich würde mir raten, tatsächlich in jedem Moment zu leben und das zu tun, was mir gerade richtig erscheint.
So wurde ich erzogen und so habe ich mein Kind erzogen.
Wenn wir nur fliegen könnten, würden wir die vielen kleinen Dinge auf unserem Weg nicht bewundern können. Und neben ganz schlimmen Dingen habe ich auch ganz viele zauberhafte Erlebnisse und Momente genossen.
Aber ich bin nicht Maß der Dinge anderer ....

Liebe Grüße
Vanessa
Whoopy Highfly
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Re: Was würde ich mir selber raten, wenn ich mich mit 20j treffen würde

Post 23 im Thema

Beitrag von Whoopy Highfly »

Hallo,
Ein Leben im hier und jetzt ist immer anzustreben.
Was nützt es, was wäre wenn "¦.
Der Weg ist das Ziel. Egal was ich empfinde.

Das sind die Worte von meinem Therapeuten. Ich halte mich daran. Ab und an denke ich an das "was wäre wenn".
Vertane Chancen sind weg und kommen nicht mehr wieder.
Bin auf dem Weg. Bitte sucht mich nicht.
Melde mich demnächst wieder.

Bye
Mirjam
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Re: Was würde ich mir selber raten, wenn ich mich mit 20j treffen würde

Post 24 im Thema

Beitrag von Mirjam »

Hmm schwierig ... -- "träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum" vielleicht? Wie ich darauf wohl reagiert hätte?
Oder besser "nur", dass Verdrängen, Nicht-Wahrhaben-Wollen oder zu glauben, mit weniger zufrieden sein zu können, auf Dauer nicht funktionieren wird?
Oder doch so, wie es eine gute Freundin bei mir schließlich "geschafft" hat -- immer wieder die Frage danach stellen, wer oder was du eigentlich bist?

Nein, ich denke da jetzt doch lieber nicht mehr drüber nach, ich glaube es tut mit nicht gut :?

LG, Mirjam
Anabelle
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Re: Was würde ich mir selber raten, wenn ich mich mit 20j treffen würde

Post 25 im Thema

Beitrag von Anabelle »

Also ich tue mich schwer mit solchen "was wäre wenn"-Szenarien, besonders, wenn sie sich mit der abgeschlossenen, unveränderlichen Vergangenheit befassen.
Die vergangenen Ereignisse meines Lebens haben mich genau dahin gebracht, wo ich jetzt bin. Und die schmerzlichsten Krisen verschafften mir die größten Wachstumsimpulse,
auch wenn ich das erst Jahre später sehen konnte. Was also gäbe es da zu bedauern ?
Ich versuche lieber mit meiner ganzen Energie im Hier und Jetzt das momentan Beste für mich zu tun.

Gäbe es etwas, was was ich meinem 20-jährigen Ich raten könnte, ich würde eher darauf achten, dies ab sofort selbst umzusetzen.
Für mich heißt das ganz konkret meine Neigungen/Identitätsunsicherheit nicht mehr in einer Beziehung zu verschweigen, auch wenn das bedeutet alleine zu bleiben.
Ich möchte mich auch nie wieder selbst verleugnen, dem lieben Frieden willen, oder der Beziehung oder irgendeinem anderen Grund wegen.
Und obwohl mir das so wichtig ist, macht es mir Angst, daß ich keine Liebesbeziehung mehr deswegen haben könnte.

Ganz liebe Grüße,
Anabelle :woman:
Aus dem Herzsutra: Gate, gate, paragate, parasamgate, bodhi, svaha !
(Gegangen, gegangen, hinübergegangen, vollends hinübergegangen, sein wahres Wesen verwirklicht !
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Re: Was würde ich mir selber raten, wenn ich mich mit 20j treffen würde

Post 26 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Ratschläge sind auch nur Schläge ...

Aber wenn es etwas gibt, was für mich von Interesse wäre, dann dies:
Werde Bootsbauer, baue ein Boot, segle um die Welt und baue dann bessere Boote. Riskiere mehr und spüre das Leben.
Komisch, wenn ich das Leben spüre, ist die Frage des Geschlechts ziemlich egal. Da gibt es keinen Zweifel und keine Scham. Trans ist für mich eine Ablenkung vom wesentlichen, vielleicht sogar eine Flucht davor. Im Kajak auf dem Wildwasser unterwegs, mit dem Segelboot auf das offene Meer oder mit klopfendem Herz das Mädchen anzusprechen, dass mir gefällt. Und zu den eigenen Gefühlen auch zu stehen.

Es wäre besser gewesen, das viel früher zu tun. So wie ich den Regen in Nordschweden gespürt habe oder den Tau in den korsischen Bergen. Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass die Erlebnisse in der Natur für mich prägend waren. Und das Erschaffen mit den eigenen Händen aus der eigenen Kreativität heraus.

Trans ist Teil meines Lebens, aber es dominiert es manchmal sehr stark und das ist nicht gut für mich. So wichtig es auch ist, ich habe das Gefühl, dass es durch seinen exklusiven Status wichtigere Dinge in meinem Leben ausschließt, z.B. den Kontakt zu anderen Menschen, die mir wichtig sind. Es kapselt mich von der Welt ab und lässt mich nur meine eigene, innere Welt spüren.

Trans ist ein Widerspruch. Nicht wegen männlich/weiblich, sondern viel mehr in den eigenen Gefühlen. Heute denke und empfinde ich so, morgen anders und übermorgen wieder wie am Anfang. Dieses ständige Hin und Her zermürbt mich. Das habe ich noch nicht gelöst, was soll ich mir denn da als 20-Jährigem (oder meinem Sohn) sagen ?

Vielleicht das:
Sei ein Trüffelschwein und wenn Du die Trüffel gefunden hast, esse sie auf und lasse sie Dir nicht nehmen...
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Andrea aus Sachsen
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Re: Was würde ich mir selber raten, wenn ich mich mit 20j treffen würde

Post 27 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

.
In jungen Jahren hatte ich massive Probleme, eine Partnerin zu finden. Meine Trans*-Neigung geriet dadurch weit in den Hintergrund. Heute weiß ich, dass es vor allem meine nicht vorhandene bzw. negative Ausstrahlung war, die mich bei Frauen so unattraktiv machte.
Da ich aber keine konkreten Hinweise geben kann, wäre es reine Spekulation, ob dieses Wissen mir geholfen hätte, eine passende Partnerin zu finden. Natürlich ist auch klar, dass diese Partnerschaft über kurz oder lang zum Scheitern verurteilt gewesen wäre, weil ich meine Transsexualität auf Dauer nicht hätte unterdrücken können.
Also sich gleich zur "richtigen" Identität bekennen und diese schon frühzeitig ausleben? So hätte ich allerdings auf eine Familie und eigene Kinder, was mir damals viel bedeutete, verzichten müssen. Außerdem soll es zu DDR-Zeiten sehr schwierig gewesen sein, seine Transsexualität offen auszuleben.
Unter diesen Umständen habe ich, ungeachtet dessen, dass es nur um ein Gedankenspiel geht, echt keinen Plan, was ich mir hätte raten sollen.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Re: Was würde ich mir selber raten, wenn ich mich mit 20j treffen würde

Post 28 im Thema

Beitrag von Michi »

Andrea aus Sachsen hat geschrieben: Fr 2. Aug 2019, 12:24 Außerdem soll es zu DDR-Zeiten sehr schwierig gewesen sein, seine Transsexualität offen auszuleben.
Hallo Andrea,

so pauschal würde ich das nicht sagen. Dr. Schnabel hatte bereits in den 1970ern über TS geschrieben, und 1988 gab es einen halbseitigen, sehr offenen Artikel über eine junge Transsexuelle in der Jungen Welt. Ich kann mich gut daran erinnern, denn ich war gerade bei der Armee, und habe den Artikel mehrfach heimlich gelesen .. durfte ja niemand mitbekommen, was mit mir los ist.

Liebe Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
SylviaM
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Re: Was würde ich mir selber raten, wenn ich mich mit 20j treffen würde

Post 29 im Thema

Beitrag von SylviaM »

Hallo ihr lieben

erstmal vielen Dank für die vielen Beiträge. Ich wollte schon viel früher geantwortet haben, doch irgendwie ist mein Folgebeitrag auf einer Bahnfahrt im Münsterland verloren gegangen.

Einige haben gefragt, warum 20j. Ehrlich gesagt habe ich das rein willkürlich gewählt. Als Teenager findet man eh noch zu sich selbst und mit 20j fängt man an sein zukünftiges Leben auszurichten. Doch ob 16, 20 oder 25 ist im Grundsatz egal.

Das ganze ist ein Gedankenspiel und der Vergleich mit einer Zeitreise gar nicht schlecht. Ich habe mir überlegt, wo würde ich heute stehen, wenn ich damals anders agiert hätte. Ja, es klingt etwas düster. Ich bin halt eher der nüchterne Analyst, als ein Optimist, das ist richtig. Und ich habe hier auch die Rückmeldungrn eingearbeitet, die ich aus vielen Forenbeiträgen gelesen haben. Dumm nur dass das mit der Analysen bei meiner Einschätzung als TV,DWT nicht geklappt hat und ich mir erst seit drei meiner Mitte Fünfzig Jahre eingestehe, dass es nichts gibt, was mich von meinem Drang befreit.

Für mich zeigt auch das Gedankenspiel, dass ein Outing und die ersten Jahre danach erst der Anfang sind und sich viele Probleme noch auftuen, die wir aktuell nicht sehen können oder wollen. Dies beobachte ich bei der "Tochter" der Nachbarin, bei der die Transition relativ schnell ging, sie jedoch ohne jegliche Nachbetreuung in ein tiefes Loch fiel, weil hält sich nicht alles zum besseren wendet.

Ich bin froh dass es dieses Forum gibt und hatte es mir schon vor 30jahren gewünscht, und ich hoffe wir erreichen auch die jungen unter uns, um ihnen zur Seite stehen zu können, dass ist etwas, was mir gefehlt hätte damals
Andrea aus Sachsen
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Re: Was würde ich mir selber raten, wenn ich mich mit 20j treffen würde

Post 30 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

.
MichiWell hat geschrieben: Fr 2. Aug 2019, 23:32 Dr. Schnabel hatte bereits in den 1970ern über TS geschrieben, und 1988 gab es einen halbseitigen, sehr offenen Artikel über eine junge Transsexuelle in der Jungen Welt.
Ja, Dr. Schnabl, in seinem Buch "Mann und Frau intim" werden Transsexuelle und Transvestiten kurz erwähnt. Dadurch wusste ich, dass ich mit meinen Gedanken und Gefühlen nicht allein bin und konnte dieses Thema relativ gelassen sehen. Den Autor durfte ich übrigens bei einem Vortrag im damaligen Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) mal persönlich kennenlernen.
Den Artikel in der "Jungen Welt" kenne ich leider nicht, weil ich diese Zeitung nur bis 1987 abonniert hatte. Da das Ausleben meiner Neigung zur damaligen Zeit für mich noch völlig undenkbar war, kenne ich die entsprechende Situation in der DDR nicht persönlich, sondern nur aus Berichten anderer Betroffener, die erst nach der Wende öffentlich zu ihrer "wahren" Identität stehen konnten oder vorher ausgereist waren. Mag sein, dass es auch positive Beispiele wie in dem Junge-Welt-Artikel gab.
Leider fand ich in oben genanntem Buch nichts über Menschen, die massive Probleme bei der Partnersuche haben. In dieser Beziehung kam ich mir wirklich wie der einzige vor, der davon betroffen war. Selbst bei einem Besuch in Dr. Schnabls Institution, der Ehe- und Sexualberatungsstelle im damaligen Karl-Marx-Stadt, konnte ich dazu keine brauchbare Hilfe bekommen. Von Love-shyness (Liebesschüchternheit) oder Absolute Beginners schien man dort noch nie etwas gehört zu haben.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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