Autogynophilie
Autogynophilie - # 3

allgemeiner Austausch
Marlene K.
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Re: Autogynophilie

Post 31 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Noch eine spöttische Bemerkug fällt mir dazu ein. Da ich mich selber als schwuler Mann nicht ehrlich, authentisch und attraktiv fand: War ich jetzt Autoandrophil oder war ich es nicht? Wenn ich es nicht war, bin ich denn garantiert nicht narzistisch?

Unwichtige Fragen über nichtsagende Fragen...
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Nicole Fritz
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Re: Autogynophilie

Post 32 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Ralf-Marlene hat geschrieben: Do 30. Mai 2019, 11:19
Nicole Doll hat geschrieben: Do 30. Mai 2019, 10:49 ...
Wenn ich mich aber von dem sexuell motivierten Hobby-Transvestiten distanzieren will, als den man mich immer wieder abwertend ansieht, suche ich nach Erklärungen.
...
LG Nicole
Liebe Nicole,
ich bitte Dich und andere, die dies lesen es nicht als Angriff auf Euer Begehren von Weiblichkeit zu lesen oder als nicht Verstehen Eurer Verletzung durch eine Zuschreibung von außen. Die kann ich sehr gut verstehen.
Aber bei mir als Männlichkeit begehrenden Menschen kommt auch etwas anderes an und daraus ergeben sich folgende Fragen, die ich mir übrigens auch selber stellen musst, denn ich bin ja auch von dieser Gesellschaft geprägt:

Wer ist dieser Mensch und was für Eigenschaften hat er für Dich, da Du es ja für ehrverletzend hälst mit einem solchen in eine falsche, wohl doch verachtenswerten Richtung, abweichenden Menschen in einen Topf geworfen zun werden?

Was unterscheidet ihn von Dir? Warum teilst Du anscheinend die Verachtung der Dich verachtenden Menschen?

Wie viele Anteile dieses Urteils sind Deine und was sagt das über den Menschen aus, den Du ja als unter Dir stehend ansiehst?
Hallo Ralf-Marlene,

diesen Menschen gibt es im wirklichen Leben überhaupt nicht. Er ist das abwertende Bild, das in Teilen unserer Gesellschaft ganz allgemein zu Transgender-Personen gezeichnet wird. Und von dem grenzen sich die "echten" Trans-Frauen ab, indem sie sich möglichst vollständig an das weibliche Geschlecht angleichen lassen und komplett in die Rolle als Frau wechseln. Begründung: Ich BIN eine Frau! Und wer das nicht bis zur letzten Konsequenz mit macht, gehört eben nicht dazu. Entweder - oder - und sonst nichts, amen.

Ich empfinde es einfach nur diskriminierend mit einem solchen negativen Bild in Verbindung gebracht zu werden.

LG Nicole

PS: Jetzt hast Du mich aber ordentlich geärgert (moin) . Das war jetzt bestimmt der fünfte Anlauf für eine Antwort. Wer ist dieser Mensch? - Woher soll ich das wissen, wenn es den überhaupt nicht gibt? (smili)
Marlene K.
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Re: Autogynophilie

Post 33 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Nicole Doll hat geschrieben: Do 30. Mai 2019, 17:16 LG Nicole

PS: Jetzt hast Du mich aber ordentlich geärgert (moin) . Das war jetzt bestimmt der fünfte Anlauf für eine Antwort. Wer ist dieser Mensch? - Woher soll ich das wissen, wenn es den überhaupt nicht gibt? (smili)
Liebe Nicole,
ich möchte Dich nicht ärgern, sondern uns alle zum Nachdenken bringen.

Ich denke, es gibt Teilzeitfrauen, Crossdresser, die sich aus sexuellen Erwägungen ab und an als das manchmal auch schräge Bild einer Frau kleiden.

Diese werden sich durch dieses ebenso schräge Bild in unseren Köpfen des sexuell begründeten Hobbytransvestiten noch mal mehr abgewertet fühlen, als sie es vermutlich selber tun.

Selbst wenn Du überzeugt bist, dass es diesen Menschen so nicht gibt, könntest Du sich angesprochen fühlende verletzen. Männer begehrende Trans*Menschen werden noch einmal mehr und häufiger in diese Ecke geschoben.

Ich finde es sinnvoller mich von den die Zuschreibung aussprechenden abzugrenzen als von den Menschen, die sich von einer Zuschreibung gemeint fühlen könnten.

Ich weiß, es ist eine kleine und wenn ich nicht Männer begehrend bin unwichtig erscheinende Unterscheidung. Aus meiner Sicht ist es ein himmelweiter Unterschied.

Du weißt, ich schätze Deine offene und ehrliche Art sehr, auch wenn ich manche Deiner Anteile nicht nachvollziehen kann. Aber das ist für Dich und für mich ja auch nicht nötig.
Liebe Grüße (dr)
Marlene

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Nicole Fritz
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Re: Autogynophilie

Post 34 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo Ralf-Marlene,

vielleicht ärgert es mich einfach innerlich, dass man mich ständig als Schwul ansieht, obwohl ich Frauen begehre. Ich wurde schon von Männern begrapscht. Das fühlt sich nicht gut an, wie es sicherlich auch viele Frauen bestätigen werden. Und so kommen da wohl unbewusst emotional diese Klischees hoch. Wenn ich wirklich etwas gegen Homosexualität hätte, wäre das ein Problem für mich, da ich ja als Frau lesbisch bin.

LG Nicole
Marlene K.
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Re: Autogynophilie

Post 35 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Nicole Doll hat geschrieben: Do 30. Mai 2019, 18:01 Hallo Ralf-Marlene,

vielleicht ärgert es mich einfach innerlich, dass man mich ständig als Schwul ansieht, obwohl ich Frauen begehre. Ich wurde schon von Männern begrapscht. Das fühlt sich nicht gut an, wie es sicherlich auch viele Frauen bestätigen werden. Und so kommen da wohl unbewusst emotional diese Klischees hoch. Wenn ich wirklich etwas gegen Homosexualität hätte, wäre das ein Problem für mich, da ich ja als Frau lesbisch bin.

LG Nicole
Ich habe ja schon gesagt, dass ich diese Verärgerung nachvollziehen kann, aber sich dann von Männer begehrenden Trans*Menschen/sexuell begründeten Transvestiten zu distanzieren zielt nur ungenau in die richtige Richtung und bringt "Kollateralschäden".

Um es noch mal deutlich zu sagen: Ich empfinde mich nicht als "sexuellen Hobbytransvestiten", werden aber auch von queeren Menschen unbedacht so eingeordnet...
Eins kannst Du mir glauben: Der ständige Gedanke, ob Du nur ein Fetisch bist oder als Mensch gesehen wirst macht das kennen lernen nicht leichter... und die Einsamkeit nicht erträglicher.
Danke für Deine wohlwollende Antwort :)p
Marlene

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Re: Autogynophilie

Post 36 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-11-01 »

Ralf-Marlene hat geschrieben: Do 30. Mai 2019, 18:12 ...
Eins kannst Du mir glauben: Der ständige Gedanke, ob Du nur ein Fetisch bist oder als Mensch gesehen wirst macht das kennen lernen nicht leichter... und die Einsamkeit nicht erträglicher.
Das gilt ja leider auch für Frauen mit transsexueller Vergangenheit... Da hilft dann manchmal nur ein dickes Fell...
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Re: Autogynophilie

Post 37 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Hach je... Mit so Fragen nach Ursache und Herkunft unterschiedlicher Vorlieben schlage ich mich nun schon Jahrzehnte herum. Mein Enby Coming Out ist ja nicht das erste, sondern das dritte oder vierte oder so. Und jedes Mal finde ich in den entsprechenden Communities diese Ursachenforschung. Meist gibt es auch Fremdwörter und Erklärungsmodelle unschiedlich guter, aber meist übertriebener Pathologisiererei.

Mir erscheint die Warum-Frage inzwischen so sinnlos und unergiebig, weil sie nicht ändert, was wir sind. Wir wissen inzwischen, dass weder geschlechtliche Identität, noch sexuelles Begehren wegtherapiert werden kann. Insofern löst auch eine scheinbare (weil nie beweisbare) Klärung der Ursache nichts. Sie löst insbesondere auch nicht die häufigsten Konflikte, wie die Ablehnung durch die Mitmenschen oder die eigene Reibung an den anerzogenen Konventionen.

Viel wichtiger finde ich, ob unser jeweiliger Umgang damit ethisch vertretbar ist. Nicht nur gegenüber anderen, sondern auch gegenüber uns selber. Die Frage lautet für mich ganz einfach: Wem schadet es - und wie viel Individualität müssen meine Mitmenschen einfach aushalten, weil ich auch ihre aushalte. Bonus: Wie viel Respekt und Toleranz kann ich auch einfordern, weil vor fast 3 Generationen sehr humanistisch Menschenwürde und freie Entfaltung in die Grundrechte getextet wurden, und ich zu sein mein verdammtes Recht ist.

Pathologisieren, mit Fremdwörtern und psychologischen Modellen versehen werden muss eigentlich eine ganz andere Frage: Wenn ich an meinem Begehren leide, warum ist das so? Woher kommt der Konflikt und wie kann ich den lösen? Ich bin sehr dafür, nicht das konkrete Begehren zu thematisieren, sondern warum es eigentlich ein Problem sein soll.

Kleiner Exkurs: So um 1994 herum gab es eine kleine Revolution. Im DSM IV, dem Katalog psychischer Erkrankungen der US Psychiater*innen, der auch weltweit viel verwendet wird, wurde u.a. BDSM nicht mehr per se als psychische Störung klassifiziert. Bei anderen Paraphilien war es glaube ich ähnlich, aber ich kenne aus persönlichen Gründen eben den SM-Part besonders gut. Neben dem A-Kriterium, dem Beschreiben des Begehrens, gibt es seitdem das geänderte B-Kriterium, dass nämlich das Begehren zu haben bzw. auszuleben dem betroffenen Menschen Stress, Leid verursacht und/oder seine soziale Integration beeinträchtigt. Bedenklich und behandlungsbedürftig ist das B-Kriterium. Zum Vergleich: Das Problem an Alkohol ist nicht, mal Alkohol zu trinken, sondern sich und den Konsum nicht im Griff zu haben.

Im DSM V von 2013 wurde das ganze für viele Paraphilien noch mal präzisiert: "The DSM-5 was released in May 2013, its contents marking a victory for the NCSF, Bannon, and Baldwin. The final language states: "A paraphilia is a necessary but not a sufficient condition for having a paraphilic disorder, and a paraphilia by itself does not necessarily justify or require clinical intervention." ([1], s.a. [2] und [3]).

Also: Problematisiert nicht eure Wünsche, euer Begehren, sondern warum ihr damit ein Problem habt. Meist wird die Ursache ausserhalb von euch selbst liegen.
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