Alltagstest
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Momo58
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Alltagstest

Post 1 im Thema

Beitrag von Momo58 » Mi 15. Mai 2019, 19:32

Ich habe meinen Alltagstest vor 3 Tagen begonnen. Die Therapeutin ist super, beachtet jedes Detail. Sie wird den Alltagstest ein Jahr mit mir durchführen, dann bekomme ich ein Gutachten für die Hormonbehandlung. Ich hatte vorher keine Ahnung was auf mich zu kommt, hab mir allerlei Horrorvorstellungen gemacht, aber es war alles nur mein eigenes Kopfkino. Die Realität sah ganz anders aus.

Tag 1: Meine nuttigen Minikleider im Schrank hängen gelassen, die hatte ich ohnehin nur am Anfang meiner Transsexualität getragen. Slip, BH, Strumpfhose, Damenhose und Oberteil angezogen. Haarnetz über den Kopf, Perücke drüber, Haarband über die Perücke und super geschminkt. (Schminken hatte ich vorher schon öfter geübt). Zuerst natürlich den Bart gut rasiert. Den Bartschatten mit Camouflage abgedeckt, dann mit Flüssig-Makeup drüber und zuletzt Fixierpuder drauf. Etwas Rouge auf die Wangen, aber nur ganz dezent. Die Lidschatten bereiten mir noch etwas Mühe, aber das wird noch. Nun hatte ich noch die Qual der Wahl, Pumps oder Ballerinas. Ich hab mich für die Pumps entschieden. So nun noch die Handtasche kontrolliert, ob alle Schlüssel, Handy, Geldbörse und Verteidigungsspray (Hundespray) am Platz ist. Dann ging´s los. Zuerst auf die Bank, Geld abheben, ohne Probleme bestanden. Danach zur Tankstelle. Getankt, zur Kasse: Tanksäule 3 bitte. Macht 49 Euro, möchten sie einen Beleg. Nein danke. Auf Wiedersehen. Wieder ohne Probleme bestanden. Da ich mit meiner Therapeutin vereinbart hatte, dass ich nicht mehr heimlich im Internet bestelle, sondern in den Geschäften selbst einkaufe, habe ich das auch noch umgesetzt. Ich brauchte sowieso noch ein paar alltagstaugliche Oberteile. Wieder keine Probleme im Umgang mit dem Personal oder mit zufällig anwesenden Kunden. Am Tagesende hab ich mich für meine Erfolge mit einer Praline belohnt.

Tag 2: Styling wie gestern, dann ab zum Reifenwechsel. Die kannten mich bisher nur als Mann. Ich kam rein: keine Angst; ich bin nur transsexuell geworden, aber das ist nicht ansteckend. Zuerst Verwunderung, dann aber wurde ich ganz normal behandelt. Danach ins Café, Kaffee und Kuchen bestellt. Die junge Auszubildende hatte erst mal Probleme, weil sie nicht wusste, wie sie die Situation einschätzen sollte, aber sie hat das gut gemacht. Ich beobachte das Verhalten der Mitmenschen ganz genau. Am Tisch gegenüber saßen 4 junge Mädels, etwa 12-14 Jahre alt. Die haben es zur Kenntnis genommen und das war´s dann auch schon. Kein Gekicher, keine Reaktion. Am Nebentisch ein älteres Ehepaar, ewig gestrig gepolt. Leises Getuschel, aber dann lenkte ich das Gespräch mit meiner Tischpartnerin auf das Problem des Transsexuellengesetzes und am Nebentisch gab es nur noch laaange Ohren.

Tag 3: Styling wie jeden Tag, Hausarbeit, danach ab zur Krankengymnastik. Ich kam die Treppe in die Physio-Praxis hoch, die Tür stand offen und meine Physiotherapeutin erkannte mich erst gar nicht. Ich mit gehobener Stimme: die Frau XY kommt nicht erst, die Frau XY ist schon da. Dann erklärte ich ihr, dass ich nun immer als Frau komme und auch als Frau angesprochen werden möchte. Das war gar kein Problem. Sie bewunderte mein Makeup und sie war nicht die einzige, denn die Sprechstundenhilfe meiner Therapeutin war ebenfalls neidisch darauf. Noch kurz Mineralwasser gekauft und bei meiner Lieblingskassiererin bezahlt. Auch sie erkannte mich gar nicht. Im Laden gab es einen neugierigen Blick einer Kundin, mehr nicht. Danach wieder auf die Bank, da ich noch eine Rechnung bezahlen wollte. Auf dem Weg dort hin eine Gruppe Islamisten. Da war mir nicht ganz wohl, aber ich hatte ja das Hundespray in der Tasche, das gab ein Gefühl der Sicherheit. obwohl ich im Ernstfall keine Chance gehabt hätte. Aus meiner Transsexuellen-Selbsthilfegruppe kannte ich das ja schon, Vorsicht bei Nazis und Islamisten, die können gegenüber Transsexuellen gewalttätig werden. Das musste ich erst mal verdauen, also ab ins Café um emotional runter zu kommen. Realistisch ist, dass 99 Prozent der Mitmenschen Transsexuelle normal behandeln. Hihi, heute Abend war ich mit meiner Partnerin in unserem Stamm-Eiscafé. Reinkommen, hinsetzen, die Kunden waren mit ihrem Eis beschäftigt, haben uns gar nicht bemerkt. Die Bedienung kam, nahm die Bestellung auf und erkannte mich gar nicht. Sie wunderte sich nur, warum meine Frau mit ihrer Freundin da war, was sonst doch nie der Fall war.

Morgen ist wieder Hausarbeit und Krankengymnastik in Eigenregie dran. Der Nazi, der bei uns im Haus wohnt kann so gar nicht damit umgehen, dass ich von heute auf morgen plötzlich als Frau lebe. Wenn ich in den Keller gehe um Müll zu entsorgen, geht er mir aus dem Weg. Die Nachbarn nehmen es gelassen, sie grüßen mich sogar, obwohl es ihnen noch schwer fällt mich mit Frau XY anzusprechen.
Am Wochenende ist Schlechtwetterprogramm angesagt, da geht's ab ins Museum. Ich bin Kunstbanause, aber ich will wissen, wie die Menschen, die dort hin gehen auf mich reagieren.

Ich habe ich in der Rolle als Frau so wohl gefühlt wie noch nie. Die ganze Last, die ganze Selbstbestrafung, das selbst verletzende Verhalten war alles vergessen. Da ich im fortgeschrittenen Alter bin, wächst mein Kopfhaar nicht so, dass ich eine natürliche Frauenfrisur hin bekomme. Hab mir noch eine weitere Perücke zugelegt. nun muss ich noch Perücken-Shampoo und Conditioner kaufen um die Perücken richtig zu pflegen.

Bin mal gespannt, was sonst noch so auf mich zu kommt, wie ich mich damit fühle. Bisher bin ich positiv überrascht über mich selbst.

Liebe Grüße
früher Momo, heute Manuela

PS Momo war der Name, den ich mir gab, weil ich mich zwischen Mann und Frau fühlte Momo kann als Name für Jungen und Mädchen verwendet werden. D a ich mich nun mehrheitlich als soziale Frau fühle (körperlich bin ich es ja noch nicht) habe ich mir den Namen Manuela gegeben.
Die Vergangenheit ist meine Wurzel, der Stängel ist die Gegenwart, die Zukunft ist die Blüte

juli
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Re: Alltagstest

Post 2 im Thema

Beitrag von juli » Mi 15. Mai 2019, 19:44

Hey Manu,

das hört sich doch alles gut an!
Glückwunsch, ich wünsche dir noch viele der Tage ....

Ich musste ein wenig grinsen beim "Nazi im Haus" ... der geht dir natürlich aus dem Weg weil du die Stärkere bist ... das spüren die Glatzen ganz schnell
Mit dem Spray würde ich aufpassen
1. es macht dich unter Umständen schwach, > du brauchst keine Hilfsmittel wenn du selbstsicher auftrittst
2. es könnte auch gegen dich verwendet werden ... bei Gegenwind zu Bsp

Liebe Grüsse Juli
Ohne Regen keinen Regenbogen

Anne-Mette
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Re: Alltagstest

Post 3 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Mi 15. Mai 2019, 19:52

Guten Abend,
Momo58 hat geschrieben:
Mi 15. Mai 2019, 19:32
Sie wird den Alltagstest ein Jahr mit mir durchführen, dann bekomme ich ein Gutachten für die Hormonbehandlung.
"Wenn es Dir gut tut", würde ich sagen...

Ein Jahr "Alltagstest" und dann ein "Gutachten für die Hormonbehandlung", das hört sich für mich befremdlich an, aber vielleicht ist sie besonders "gründlich".

Herzliche Grüße
Anne-Mette

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Re: Alltagstest

Post 4 im Thema

Beitrag von Marlin » Mi 15. Mai 2019, 19:58

Liebe Manuela,
Das sind doch tolle Erlebnisse! Davon wünsche ich dir noch viel mehr!
Ich habe den Alltagstest nie als solchen empfunden. Es war für mich eher so, als würde ich endlich eine Maske fallen lassen. Klar gucken die Leute. Aber das mache ich auch, wenn ich etwas Neues sehe. Ich habe bisher auch nur gute Erfahrungen gemacht.
Neulich war eine ältere Dame aus dem Haus bei mir, mit der ich vorher noch nie gesprochen habe. Sie machte eine Unterschriftenaktion. Ich sagte nur, dass ich aber mit meinem neuen Namen unterschreibe. Daraufhin sie: „Das ist so toll, dass Sie zu sich stehen! Dafür muss ich Sie jetzt einfach drücken.“ Das hat sie dann auch gemacht. Ich war sehr erstaunt, fand es aber echt lieb vin ihr. (he)
Es passieren in der Zeit der Transition immer wieder auch richtig schöne Sachen!

Ich wünsche Dir auch viele solche Erlebnisse!

LG
Marlin

Edit: Ich gebe Anne-Mette Recht: Ich habe meine HRT begonnen, lange bevor ich als Frau unterwegs war.

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Re: Alltagstest

Post 5 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » Do 16. Mai 2019, 06:28

Meine Therapeutin hat sich auch 1 Jahr Zeit gelassen mit den Hormonen und mir auch gesagt, das sie wirklich ganz sicher sein will. Mit 42 Jahren habe ich damals mein Leben innerhalb von 6 Monaten umgekrempelt.

Liebe Grüße
Michelle
Brauchst Du Hilfe oder einfach jemanden zum quatschen? Schick mir ´ne PN!

Weihnachtsmarkt ist das Wacken für Büroangestellte!

Jasmin_35
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Re: Alltagstest

Post 6 im Thema

Beitrag von Jasmin_35 » Do 16. Mai 2019, 06:50

Ich bewundere euch, das ihr das anstandslos mitgemacht habt bzw mitmacht. Klar, wenn sich jemand nicht 100%ig sicher ist oder möglicherweise den Eindruck macht und ergebnisoffen zu einem Therapeuten geht, um herauszufinden, was Sache ist, dann kann das absolut sinnvoll sein. Andererseits kommt man ja nicht einfach so aus einer Bierlaune darauf. Ich könnte es jedenfalls nicht, von heute auf morgen von Mannmodus in den Fraumodus zu schalten und besonders dann nicht, um jemanden was "zubeweisen". Sowas kann auch, denke ich zumindestens, bei dem einen oder anderen einen psychischen Druck auslösen. Ich bin jedenfalls froh, das es auch anders gehen kann und man sukzessive eine Evolution durchmacht. Ich wäre jetzt nach 7 Monaten an einem Punkt, an dem ich nicht weiterkommen würde, wenn ich keine Medikamente bekommen würde. Sind zwar erst gut 4 Wochen, aber ich merke, das ich mich innerlich veränder und das hilft mir soviel mehr weitere Schritte zu gehen, in meiner sozialen Umwandlung, auch allein wegen der Gewissheit, das man die Medikamente bekommen darf (medizinisch). 12 Monate können echt lang sein und wenn man beim Bart entfernen und anderen Dinge z.b. auf die Krankenkasse angewiesen ist, kann das unheimlich belastend werden. Ich merks ja auch bei mir, trotz das Bart recht dünn geworden ist (selbstzahler), nervt der mich aktuell noch am meisten, weil es auch einfach so ewig lange dauert, bis der mal ganz weg sein wird.

Ich würde es nach 6 Monaten einfach nochmal ansprechen, das du dich (sofern es zutrifft) bereit fühlst zum Endokrinologen zu gehen und ob du eine Indikation bekommen kannst, zumal du sowieso dort wohl auch noch 3-6 Monate vorlauf zum Termin haben wirst, weil die Überlastet sind, so jedenfalls meine Erfahrung.

Wie gesagt, ich bewundere euch, das ihr so einen Alltagstest 12 Monate durchhaltet. Ich drück die Daumen, das alles positiv verläuft.

Naja zum Thema: Deine Erfahrung kenne ich, man achtet auf so vieles mehr, aber je länger man das durchzieht, desto egaler werden einem die Blicke der anderen und man wird selbstbewusster. Oft interpretiert man auch einfach nur zuviel in die ganze Sache rein. Gestern beim Make Up einkaufen bei Müller hatte ich auch das Gefühl beobachtet zu werden, tatsächlich gucken die Leute aber oft nur durch einen hindurch und 99% interessieren sich sowieso nicht so sehr für einen wie man denkt.
Nur manchmal guckt man leute an und man sieht regelrecht Fragezeichen im Gesicht und die wissen nicht, wie sie einen einsortieren sollen. Jeder Schritt ist ein Schritt vorwärts, egal in welche Richtung man geht :)
Liebe Grüße Jasmin

Anja
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Re: Alltagstest

Post 7 im Thema

Beitrag von Anja » Do 16. Mai 2019, 09:47

Moinsen (moin)
Momo58 hat geschrieben:
Mi 15. Mai 2019, 19:32
Sie wird den Alltagstest ein Jahr mit mir durchführen, dann bekomme ich ein Gutachten für die Hormonbehandlung.
Ich dachte diese altbackene Vorgehensweise hätte sich langsam überholt. Anscheinend legen viele Therapeuten immer noch Wert darauf. Aber vorgeschrieben ist dieser Test meines Wissens nicht.
Wozu soll der denn gut sein? Falls man es sich nach 4 Monaten oder 11 Monaten noch mal anders überlegt? Das könnte ja auch nach 14 Monaten passieren, wenn der Therapeut glaut, das diese Möglichkeit bestünde :roll:
Das einen der Therapeut erstmal kennenlernen will / muss, kann ich akzeptieren. Aber der Alltagstest gehört ins Museum...
Ich hab die Indikation für die Hormontherapie nach dem 4. oder 5. Besuch bei meiner Psychologin bekommen.

Ich würde das Thema auf jeden Fall nach ein paar Monaten wieder aufgreifen.

Grüße
die Anja
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Re: Alltagstest

Post 8 im Thema

Beitrag von Svetlana L » Do 16. Mai 2019, 10:03

Alltagstest? Ich kann mich nicht erinnern, dass ich so etwas wissentlich mitmachen musste ;-)

Bei mir war es so, dass ich ein knappes Jahr lang an Gruppengesprächen, die die psychologische Praxis angeboten hatte, teilgenommen habe. Begonnen habe ich damit im April 2016 und bin dann (vermutlich mehr oder weniger regelmäßig) ein knappes Jahr einmal monatlich zu diesen Gruppengesprächen gegangen. Im Dezember 2016 war dann mein Outing auf Arbeit - seitdem lebe ich als Frau. Im Oktober 2018 hatte ich meinen ersten Termin beim Endo und habe mir dann im November noch die gewünschte Bescheinigung von der Psychologin geholt, damit die Hormontherapie beginnen konnte. Das ging in einer 20-minütigen lockeren Plauderei und war vollkommen unkompliziert. Sowohl Endo beim ersten Termin als auch die Psychologin haben mir bestätigt, dass ich sehr authentisch bzw. sehr stimmig auf sie wirke. Seit Anfang Dezember 2018 nehme ich jetzt Hormone. War das jetzt ein Alttagstest oder war das Alltag? Ich tendiere zu Letzterem ;-)
Liebe Grüße aus Berlin
Svetlana

Christiane.LE
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Re: Alltagstest

Post 9 im Thema

Beitrag von Christiane.LE » Do 16. Mai 2019, 10:41

Liebe Manuela
Ich Wünsche Dir viel Kraft und Selbstbewusstsein ,das wirst Du brauchen für dein Abenteuer das nun beginnt und wie bei mir
kein zurück gibt und es sich im Alltäglichen ergibt und Du irgendwann kaum mehr weißt wie das noch war so als Mann.
Und du wirst viel Spass haben und es wird oft sehr schwer werden aber das ist unser Leben.
Am Ende hoffe ich kannst du sagen ich bin angekommen ,ich bin Zuhause!
Viele Liebe Grüße Christiane
Nach 50 Jahren stehe ich nun meinen Mann als Frau.
Das Leben ist eine Baustelle .
Reißt Mauern ein und baut Brücken.

ChristinaF
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Re: Alltagstest

Post 10 im Thema

Beitrag von ChristinaF » Do 16. Mai 2019, 15:37

Liebe Manuela,
da gehts mir wie meinen Vorschreiberinnen auch. Ein einjähriger Alltagstest und erst dann die HRT? Ist mir ehrlich zum einen völlig neu und zum anderen versteh ich nicht, welche Kriterien du denn erfüllen müsstest und wie die Therapeutin dies "kontrolliert". Auch deine seelischen Belange könnten hier nicht unbedingt vor Freude jubeln, denn du wirst in der nächsten Zeit sicher bemerken wie sich deine physische und auch psychische Verfassung hin zur Frau ändern wird.
So oder so ich wünsche dir ganz herzlich, dass alles für dich sich zum besten wenden wird.
Liebe Grüße
Christina

Toni Smith
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Re: Alltagstest

Post 11 im Thema

Beitrag von Toni Smith » Do 16. Mai 2019, 18:24

Anja hat geschrieben:
Do 16. Mai 2019, 09:47
Moinsen (moin)
Momo58 hat geschrieben:
Mi 15. Mai 2019, 19:32
Sie wird den Alltagstest ein Jahr mit mir durchführen, dann bekomme ich ein Gutachten für die Hormonbehandlung.
Ich dachte diese altbackene Vorgehensweise hätte sich langsam überholt. Anscheinend legen viele Therapeuten immer noch Wert darauf. Aber vorgeschrieben ist dieser Test meines Wissens nicht.
Wozu soll der denn gut sein? Falls man es sich nach 4 Monaten oder 11 Monaten noch mal anders überlegt? Das könnte ja auch nach 14 Monaten passieren, wenn der Therapeut glaut, das diese Möglichkeit bestünde :roll:
Das einen der Therapeut erstmal kennenlernen will / muss, kann ich akzeptieren. Aber der Alltagstest gehört ins Museum...
Ich hab die Indikation für die Hormontherapie nach dem 4. oder 5. Besuch bei meiner Psychologin bekommen.

Ich würde das Thema auf jeden Fall nach ein paar Monaten wieder aufgreifen.

Grüße
die Anja
Ich empfand den Alltagstest auch als Zumutung, deshalb hab ich zugesehen, dass ich "transfreundliche" Therapeuten aufsuche die mir auch ohne Alltagstest ne Indikation ausstellen. Aber was hat es mir gebracht?

Durch die Hormontherpie veränderte ich mich und ich wurde auch in Männerkleidung als Frau gelesen. Das wollte ich zwar aber sobald ich, weiblichere Kleidung in der Öffentlichkeit trug, bekam ich Panikattacken. Zu dem war die Hormontherapie nicht die besagte Wunderkur.
Mit einem verbindlichen Alltagstest vor der Indikation hätte ich mir vielleicht klarer mit mir selbst werden können.
Ich hätte alternative Wege erforscht, wie Fitness und Ernährungsumstellung, Frisuren etc. Die Hormontherapie ist eine Unterstützung aber niemals die Transition selbst.

Dabei verstehe ich den Alltagstest als ein langsam ansteigenden Veränderungsprozess und keine plötzliche Verwandlung.
Also JA zum Alltagstest.

Ach übrigens, ich bin detransitioniert.

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Re: Alltagstest

Post 12 im Thema

Beitrag von Diva » Do 16. Mai 2019, 19:26

Momo58 hat geschrieben:
Mi 15. Mai 2019, 19:32
Ich habe meinen Alltagstest vor 3 Tagen begonnen. Die Therapeutin ist super, beachtet jedes Detail. Sie wird den Alltagstest ein Jahr mit mir durchführen, dann bekomme ich ein Gutachten für die Hormonbehandlung.
Das Thema wurde vor etlicher Zeit in epischer Breite an anderer Stelle auseinandergenommen. Der Alltagstest ist m.E. noch immer Bestandteil der uralten MDK-Richtlinien (korrigiert mich, wenn das inzwischen außer Kraft ist), nur richten sich die sog. 'transfreundlichen' Ärzte nicht danach, d.h. die psychologische Indikation wird ganz normal nach Abschluss der Probatorik getroffen. Und das sind 5 Termine, die kein Jahr dauern.
Die nicht 'transfreundlichen' Ärzte nutzen den Alltagstest oftmals als Sperrfeuer gegen Trans*, mit denen die PatientInnen meist erfolgreich vertrieben werden, weil sie das - wie hier geäußert - meist als Zumutung empfinden.

Ich war vor gar nicht so langer Zeit auch scharfe Gegnerin des Alltagstests. Inzwischen sehe ich das differenzierter, denn ich hielt es damals nicht mehr aus und begann bereits vor der HET mein Leben als 'Vollzeitfrau'. Insofern hab ich doch eine Art Alltagstest gemacht - einen zwangsläufig selbstverordneten. Ein Doppelleben erschien mir unerträglich. Ich musste ins kalte Wasser springen - und schwimmen. Allerdings gab es vorher ein paar Monate lang eine 'androgyne' Phase, sodass die äußerliche Frauengestalt - zuerst freilich mehr schlecht als recht - als eine Art logische Konsequenz gelten konnte. Aber meine Umgebung sah das alles andere als 'logisch' ...

Was ich aus heutiger Sicht dagegen halten muss: Kein noch so gründlicher 'Test' hätte mein aktuelles Scheitern an mir selbst und den Verhältnissen verhindern können. Der gepredigte 'Schutzeffekt' wäre ins Leere gegangen.
Denn wie innere und äußere Welt aussehen, wenn die Schmetterlinge nicht mehr fliegen, keine Blumen mehr blühen und nur noch Kälte herrscht, kann auch kein 'Alltagstest' vorwegnehmen ...
Toni Smith hat geschrieben:
Do 16. Mai 2019, 18:24
Durch die Hormontherpie veränderte ich mich und ich wurde auch in Männerkleidung als Frau gelesen. Das wollte ich zwar aber sobald ich, weiblichere Kleidung in der Öffentlichkeit trug, bekam ich Panikattacken. Zu dem war die Hormontherapie nicht die besagte Wunderkur.
Ich mag nicht widersprechen, da ich dich nicht kenne, aber ein paar Zweifel tun sich schon auf, wenn ich das lese:
Auf der einen Seite das angeblich derart 'perfekte' Passing, sogar in Männersachen eindeutig als geborene Frau gelesen zu werden, auf der anderen die Bemerkung, die HET sei keine Wunderkur. Wenn du das geschafft hättest, dann wäre es DIE Wunderkur ...
Ergänzend ein paar Zitate von dir, die m.E. zeigen, dass sich deine Erinnerungen an die Zeit der Transition offenbar leicht verschoben haben:
Toni Smith hat geschrieben:
Di 2. Apr 2019, 15:27
Ebenfalls habe ich zum Schluss festgestellt, dass es halt keine soziale Anerkennung geben wird. Man wird immer der Mann bleiben der "nur in die Rolle der Frau wechselt". Zumindest für die die einen kennen. So hatte ich den Eindruck.
So isses - keine Frau in Männersachen.
Toni Smith hat geschrieben:
Do 4. Apr 2019, 09:46
Hätte ich die HRT weiter gemacht, hätte ich jetzt vermutlich bis auf die Stimme ein super passing. Rein Emotional hat es mich aber komplett fertig gemacht.
Eben - hätte - könnte - wäre - aber ist nicht. Was erreichbar gewesen wäre, wirst du wegen der Detransitionierung nie erfahren. Nichts für ungut - Erinnerungen trügen und werden oft schon nach kurzer Zeit komplett verfälscht im Hirn abgebildet - manchmal als eine Art Schutzmechanismus, um Probleme zu deckeln, an die sich noch gar nicht herangewagt wurde ...

-Diva
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Re: Alltagstest

Post 13 im Thema

Beitrag von Aria » Do 16. Mai 2019, 19:43

Toni Smith hat geschrieben:
Do 16. Mai 2019, 18:24
Mit einem verbindlichen Alltagstest vor der Indikation hätte ich mir vielleicht klarer mit mir selbst werden können.
Kann sein, kann aber auch ebenso gut nicht sein. Wer weiss das denn schon? Du hast bestimmte Erfahrung durch die Wirkungen der HRT gemacht, und du hättest bestimmte Erfahrungen im Alltagstest vor der HRT gemacht. Diese gegenüberzustellen, kommt einem Äpfel-Birnen-Vergleich sehr nahe. Mir ist nicht klar, was du durch den Alltagstest hättest lernen können. Du sprichst von Fitness, Ernährungsumstellung und Typveränderung. In Kombination mit dem Alltagstest hättest du dadurch die gleichen Erfahrungen gemacht, wie ohne das alles aber mit HRT??? Das kann ich wirklich nur ganz schwer glauben. Aber vielleicht verstehe ich auch nur nicht, was du sagen möchtest....

Ich empfinde den Alltadstest, ebenso wie Anja, als altbacken und eine Zumutung für jede Transperson. Nicht nur, weil er vorschreibt, wie weiblich/männlich sein soll, sondern, weil er ohnehin psychisch fragile Personen in Situationen bringt, die sich manch anderer nur zu Fasching, mit entsprechen hochprozentiger Unterstützung traut. Es gibt gewiss andere Methoden, bzw. Umstände, um herauszufinden, wieviel trans in einem steckt. Wenn ich mal so zurückdenke, dann war es, einerseits der Erfahrung meiner Therapeutin, andererseits schlichtweg dem Zeitfaktor zu verdanken, dass ich diesen Weg gehen konnte. Sie sagte mir später, dass sie das schon ziemlich schnell an mir gesehen hat, lediglich ich brauchte die Zeit, um mir wirklich sicher zu sein. Sie fand es stellenweise amüsant, wie sehr ich alles hinterfragte, mich wieder und immer wieder abklopfte, bis ich plötzlich anfing von alleine zu handeln, weil ich mein derzeitiges Leben einfach nicht mehr aushielt.

In meinen Augen presst der Alltagstest Leute in etwas hinein, zudem sie vielleicht noch gar nicht bereit sind und schreckt somit sogar wahrhaftige Transmenschen davor ab, weiter sich selbst zu erforschen. Oder er verleitet gar dazu einen Weg zu beschreiten, der für einige gar nicht vorgesehen ist. Schliesslich gibt es ja auch einige, denen es sogar Spass macht aber im innersten gar nicht wirklich transidente Gefühle haben.
Musst du nicht verstehen, ist halt einfach so!

Mandy74
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Re: Alltagstest

Post 14 im Thema

Beitrag von Mandy74 » Do 16. Mai 2019, 23:09

Hallo Manuela, spannend der Bericht und ich finde es toll das Du Deinen Weg gehst und so mutig dabei bist!
Ganz viel Kraft und Erfolg auf Deinem Weg!
LG Tina die Stubentranse (den Begriff habe ich hier kennengelernt und liebe ihn!)

VanessaL
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Re: Alltagstest

Post 15 im Thema

Beitrag von VanessaL » Fr 17. Mai 2019, 07:27

Psychiatrisch / psychotherapeutisch begleitete Alltagserprobung (Alltagstest)

Alltagserprobung im Identitätsgeschlecht und psychiatrische / psychotherapeutische Behandlung greifen Hand in Hand. Der sogenannte Alltagstest (full-time real-life experience) bezeichnet eine Selbsterfahrung bzw. Selbsterprobung im Identitätsgeschlecht, indem der Betroffene durchgängig in allen sozialen Bezügen in der angestrebten Geschlechtsrolle lebt. Die Alltagserprobung soll sozi- al verträglich angelegt sein und nicht als durchzustehender „Härtetest“ verstanden werden. Die All- tagserprobung soll die innere Stimmigkeit des Identitätsgeschlechtes in seiner individuellen Ausge- staltung und die Lebbarkeit der gewünschten Geschlechtsrolle zeigen und sollte zu einem Zuge- winn an Lebenszufriedenheit führen. Die Dauer der Alltagserprobung ist abhängig von den Erfor- dernissen des Einzelfalles und der jeweils beantragten geschlechtsangleichenden Maßnahme.

Dabei sind Unterschiede zwischen früh manifestierten „primären“ und spät manifestierten „sekundä- ren“ transsexuellen Entwicklungen sowie Unterschiede zwischen den oft unkomplizierten Frau-zu- Mann gegenüber oft konfliktreicheren Mann-zu-Frau Entwicklungen zu berücksichtigen.
(https://www.mds-ev.de/fileadmin/dokumen ... x_2009.pdf)

Gibts noch ....

aber ....
Alltagserfahrungen mit dem Wechsel von der bisherigen Geschlechtsrolle in eine an- dere stellen keine notwendige Voraussetzung für den Beginn körpermodifizierender Be- handlungen zur Unterstützung einer Transition dar.
Konsensbasierte Empfehlung
Konsensstärke: Starker Konsens
(https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitl ... 019-02.pdf)

Man achte mal bitte auf die verschiedenen Daten ....

Ein 24h Alltagstest entspricht einem (ggf. gezwungenen, nicht selbsbestimmten) Outing. Grade bei Menschen, die sich noch unsicher sind, ist dies nicht nachvollziehbar und wirklich als Grenzwertig zu sehen. das hat dann wenig mit Erproben zu tun. In der S3-Richtlinie wurde das bereits erkannt und "fachkundige Psychologen" werden in der Regel auch Urlaube und Ausflüge in das öffentliche Leben als Alltagstest sehen.
Dass jemand, der noch gar nicht vor der Tür war und geschlechtsangleichende Maßnahmen bekommen sollte, finde ich persönlich aber auch nicht richtig.
Im Grunde sind wir alle Einzelfälle und es liegt am Fingerspitzengefühl der Begleitung mit jedem von uns individuell umzugehen.

Wer sich näher damit beschäftigen möchte, kann die Richtlinien nachlesen. Und das empfehle ich persönlich sehr, wenn man den Transweg gehen möchte, denn dass die Krankenkassen die Richtlinien und Spielregeln kennen, ist eher unwahrscheinlich.

Liebe Grüße
Vanessa

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