Roman „Herida Duro", über Schwurjungfrauen in Albanien
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zu den Themen Crossdressing, Transgender, Transident...
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Marlene K.
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Roman "Herida Duro“, über Schwurjungfrauen in Albanien

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Beitrag von Marlene K. »

https://www.taz.de/Roman-Herida-Duro/!5 ... 6XTQ0IKAu8
In der heutigen TAZ ist dieser Roman vorgestellt worden:
Roman "Herida Duro"
Nicht Frau und nicht Mann

Die Virgjineshë in Albanien sind als Frauen geboren, leben aber als Männer. Michael Roes schreibt über ihr Leben zwischen den Geschlechterrollen.

Es gehört zu den Paradoxien des Patriarchats, dass die Gesellschaften mit den starrsten Geschlechternormen manchmal die erstaunlichsten Formen von gender-bending hervorbringen. Neben den afghanischen Batscha Poschi (wörtlich: "die sich als Männer kleiden") und den transidenten Hijras, die auf dem indischen Subkontinent als drittes Geschlecht rechtlich anerkannt sind, zählen dazu auch die albanischen Schwurjungfrauen.

In einer vom mündlich überlieferten Gewohnheitsrecht Kanun streng reglementierten Welt, die sich seit dem Mittelalter kaum verändert hat, konnten Mädchen und Frauen, um einer arrangierten Ehe zu entgehen oder um in einer Familie ohne männliche Nachkommen die Stellung des Familienoberhaupts einzunehmen, bis ins 20. Jahrhundert durch den Eid ewiger Jungfräulichkeit in die Männerwelt übertreten.
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Eine von ihnen ist Herida Duro, deren Geschichte Michael Roes in seinem neuen Roman erzählt. Herida wächst als einziges Kind von Zef Duro in einem der unzugänglichen Bergdörfer Nordalbaniens auf. Frauen gelten hier als "Schlauch", "in dem Besitz gelagert wird", dazu bestimmt, die Kinder ihres Mannes auszutragen. Sie selbst bleiben im Besitz ihrer Väter und Brüder.

Aus dieser Entrechtung befreit sich Herida, als sie durch den Eid ewiger Jungfräulichkeit zu Marijan wird — und entkommt ihm doch nicht, denn als Frau bleibt sie den Männern gegenüber verletzlich. Nach dem Tod des Vaters wird sie von ihrem illegitimen Halbbruder Fisnik vergewaltigt und geschwängert. Zwar lässt Herida/Marijan das Kind in der nächsten Kreisstadt abtreiben, doch im Dorf hat sich der Eidbruch längst herumgesprochen.
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Auf die Frage des Roma-Jungen Moses, ob sie denn nun ein Mann oder eine Frau sei, antwortet Herida: "In meinem Dorf hat man mich als Mann betrachtet. Was ich hier bin, weiß ich selber nicht."

Michael Roes gießt Heridas Geschichte in die Gattung des Entwicklungs- und Künstlerromans, bringt innerhalb des etablierten Erzählmusters aber eine neuartige Perspektive zum Ausdruck. Wie die Schwurjungfrau dabei selber spricht, wie sie sich und ihre Lage zu verstehen sucht, wie sie ihren Körper und ihre Sexualität erfährt — das wird erfahrbar und verständlich. Die Verletzungen, die Herida erlebt, ihre Vergewaltigung und die Abtreibung werden mit Empathie dargestellt. Dabei wird der Roman nie voyeuristisch oder denunziatorisch gegenüber seiner Heldin, sondern verdeutlicht vielmehr, welch hohen Preis Herida für ihre non-konforme Identität zahlt.
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Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
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