ich heiße Phi (nicht wirklich
In der Schulzeit fing ich irgendwann an, mir lange Haare wachsen zu lassen. Ich war oft bei einer Freundin, mit der ich ihren Kleiderschrank hoch und runter anprobiert habe, wir haben uns geschminkt, Nägel lackiert - am liebsten hätte ich das die ganze Zeit so gehabt. Gegen Ende meiner Schulzeit habe ich mir meinen ersten eigenen Rock gekauft. In der Zivi-Zeit kamen weitere hinzu, und natürlich Strumpfhosen.
Im Studium hatte ich endlich die Freiheit, alles so zu machen, wie ich es wollte - ein wilder Mix aus Hippie, Gothic, Mädel und Junge - mal gänzlich das eine, mal irgendetwas dazwischen. Was das alles zu bedeuten hatte, war irgendwie nicht interessant für mich. Manchmal dacht ich, ich sei schwul - und tatsächlich war ich auch mal in Jungs verknallt, aber eben auch in Mädels - ich hatte jedoch nie eine richtige Beziehung, beziehungsweise nicht einmal einen richtigen Anfang. Das lag meistens an mir, denn wenn es hätte los gehen können, habe ich mich zurückgezogen. Gegen Ende meines Studiums war ich fast der Meinung, dass ich einfach nicht fähig sei, eine Beziehung einzugehen - und dann habe ich meine Freundin kennen gelernt (nach einem Jahr verlobt, ein weiteres Jahr später verheiratet). Wir wurden damals öfter für ein lesbisches Pärchen gehalten. Wir sind bis heute ein tolles Paar und ich liebe sie sehr!
Dann kam der Eintritt in's Arbeitsleben: keine Röcke, keine Kleider, nicht schminken - einfach seriös sein. Haare wurden kurz geschnitten (schon im Studium hatte ich auch mal Glatze und bis vor kurzem auch einige Jahre). Ich habe aber weiterhin Leggings oder Strumpfhosen unter der Hose getragen, weil ich eine Frostbeule bin - und natürlich weil sie einfach schön sind. Später trug ich sie wenigstens ausserhalb der Arbeit auch wieder offen mit z.B. halblangen Hosen. Nach über fünf Jahren habe ich meinen Arbeitsplatz gewechselt (gleicher Bereich bzw. Fach, aber anderes Haus). Ein paar Jahre später, fing ich einfach wieder an, privat Röcke zu tragen, eigentlich nur noch Röcke. Und kurze Zeit später eben auch bei der Arbeit - seither sind Hosen bei mir praktisch ausgestorben. Ich schminke mich auch wieder (Mascara praktisch immer, häufig auch Lidschatten, gelegentlich dezenter Lippenstift - und eigentlich fast immer Nagellack in dezenten Rosé-Tönen, gern auch mit Schimmer). So bin ich seither 24/7, egal ob privat, bei Arbeit, bei Fortbildungen, Dienstreisen, im Ausland. Meine Frau fragte mich einmal, ob ich nun lieber "sie" sein wolle - das war für mich überraschend, darüber hatte ich mir nie wirklich Gedanken gemacht: "Nein, warum?"
In den letzten Wochen ging mir diese Frage häufiger durch den Kopf, vornehmlich wegen äußerer Faktoren: manche Menschen, mit denen ich beruflich zu tun habe sehen mich als jemanden, der auf dem Weg zur Frau ist; manche Kinder/Jugendliche in unserer Wohnumgebung sehen mich als den, der eine Frau sein möchte (das habe ich im Vorbeigehen gehört). Und ich? Ich fühle mich nicht so recht "hier" oder "dort"... aber das war und ist nicht schlimm für mich. Ich habe nichts dagegen, als Frau oder Mann oder "weder noch" oder als Hybrid gesehen zu werden. Wenn ich das alles als Spektrum betrachte, dann sehe ich mich irgendwo in der Mitte, aber mehr auf der femininen Seite.
Vielen Dank für's durchhalten bis hier her
Liebe Grüße
Phi