Moin,
Nicole Doll hat geschrieben: So 24. Mär 2019, 13:13
Da dürfte sich erheblich mehr Frau-Gefühl einstellen als ich das wohl jemals erleben werde.
ein interessanter Aspekt. Aber was verstehst Du unter "Frau-Gefühl" ? Erst neulich habe ich gelesen, dass das Gefühl bei Trans-Menschen, die sich ganz als Frau verstehen, keine besondere Auffälligkeit im Hormonspiegel bez. des Geburtsgeschlechte haben. Ist das dann nicht ein Widerspruch ?
Diva hat geschrieben: So 24. Mär 2019, 12:42
jetzt würden mich die Konsequenzen interessieren. Da bin ich ganz unverblümt

neugierig.
Mir geht es hierbei um den zeitlichen Aspekt in der Entwicklung. Jeder Mensch startet an einem eigenen Punkt ins Leben. Es gibt Talente, soziales Umfeld, etc. Was die Situation des Einzelnen bestimmt. Theodoer Storm schrieb einmal:""Man muss sein Leben aus dem Holz schnitzen, das man zur Verfügung hat". Alles folgende ist Entwicklung. Der Blick geht also nicht zurück oder besser gesagt, bleibt nicht darin verhaftet, sondern ist aus der aktuellen Situatin nach vorn gerichtet. Die Frage lautet nicht "Was habe ich verpasst?", sondern "Was kann/will ich erreichen ?" Ich habe Jahrzehnte gebraucht, bis ich kapiert habe, dass ich nir so aktiv leben kann. Und aktiv leben ist das Lebenselexier schlechthin.
Natürlich erlaube ich mir auch einen Blick zurück. Aber er ist nicht bedauernd, sondern wohlmeinend. Ich habe in jedem Zeitpunkt meines Lebens die Entscheidungen getroffen, die ich vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen und Möglichkeiten treffen konnte. Diese Sichtweise ist für mich extrem erleichternd geworden. Ich sehe dadurch mein Leben positiv. Viele, nicht nur hier, klagen, was sie alles nicht haben, was sie verpasst haben oder was ihnen vorenthalten wurde. Habe ich früher auch.
Bezogen auf Deine Situation sehe ich das ganz genau so. Du hast Dir Freiheiten erarbeitet, hängst aber scheinbar an einem Punkt der Unzufriedenheit, da Dinge nicht so sind, wie Du sie gerne hättest. So klingt es jedenfalls für mich. Wie wäre es, wenn Du die Perspektive wechselst ? Du hast das Holz geschnitzt, dass Dir zur Verfügung stand. Und Du schnitzt immer noch. "Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist" Warum sich mit Dingen aufhalten, die man nicht ändern kann ? Im Sinne einer Analyse kann ich Deine Worte nachvollziehen. Aber was folgt für Dich persönlich daraus ?
Unsere Entwicklung zur Frau (bei mir eben nicht zur vollständigen Frau) verläuft in anderen Bahnen und dauert wesentlich länger. Mit "Frau" meine ich jetzt nicht das Lebensgefühl, das intrisisch in einem/r steckt, sondern den Prozess der Akzeptanz des eigenen Ichs, der Durchsetzung der eigenen Gefühle in der äußeren Welt. Jungs und Mädchen, Männer und Frauen werden ständig beeinflusst, Dinge zu tun und zu lassen und trotz aller Emanzipation ist das auch heute noch so. Wir haben für uns einen Prozess angestoßen, der uns die Freiheit bringt, in der Öffentlichkeit das zu tun, was wir wollen. Wir müssen nur aufpassen, dass wir nicht von einem Gefängnis in das nächste kommen.
Ich glaube nicht, dass wir eine Pubertät vom Mädchen zur Frau brauchen. Frauen und Männer gehen in ihrer Entwicklung in ein neues Gefängnis. Es ist nicht selbstbestimmt, sondern folgt Regeln. Auf Arte gibt es einen Film über die Vulva
Darin beschreiben Frauen recht konkret die Einengungen des weiblichen Lebens. Für Männer könnte man wahrscheinlich gleiches tun. Kernfrage: "Wer oder was bestimmt Dein Leben?" Sind das die Meinungen im Kaffeekränzchen (wer ist Meinugsfürerin?) oder im Feuerwehrverein (Wer ist der Macker?") oder kann man sich frei äußern ? MMn ist die Emanzipation des/r Einzelnen das Entscheidende. Und hiermit schließt sich der Kreis. Wir schnitzen das Holz, das uns zur Verfügung steht. Damit können wir viel weiter sein als viele andere Menschen. Und das macht uns für "Meinungsmacher" gefährlich. Wir gefährden die Meinungshoheit und müssen bekämpft werden. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Die einzige Chance, die wir haben, ist selber zum Meinungsmacher zu werden. Meinungsmacher in eigener Sache.
Das ist mein "Einhorn". Es ist nicht nur rosa, sondern kunterbunt...