Liebste*r Yvette,Yvette hat geschrieben: Mo 25. Feb 2019, 15:18 Liebe Silke,
vielen, herzlichen Dank für Deinen Beitrag, der nach meinem Empfinden den Nagel auf den Kopf trifft. Mit Deiner Kernaussage:hast Du eloquent den Wesenskern dessen getroffen, was ich mit meiner, ich gebe es zu, Polemik ausdrücken wollte: nicht von oben verordnete, sondern auf die geänderten Verhältnisse reagierende Sprache ändert sich.Silke61 hat geschrieben: Mo 25. Feb 2019, 14:12 Nicht von der gerechten Sprache zu den gerechten Verhältnissen, sondern umgekehrt.
Wie schnell das gehen kann, zeigte in den Siebzigern und Achtzigern die Sponti-Sprüche, witzig, frech, zuweilen geistreich... Viele von ihnen sind in die Alltagssprache gewandert, auch deswegen, weil die gesellschaftliche Realität eine andere geworden war als in den autoritären Fünfzigern und (bis '68) Sechzigern.
Nochmals Danke,
Yvette
Liebster(r) Ralf-Marlene: ich glaube, dass wir uns nichts weiter zu sagen haben.
keiner zwingt Dich, mich zu lesen. Ich hoffe, Du möchtest mich nicht von einer öffentlich geführten Diskussion ausschließen oder gar zensieren?
Wie gut es funktioniert, ohne das die Sprache und das damit verbundene Denken zu ändern, zeigt die grundgesetzlich verankerte Gleichberechtigung. Auf politischer Ebene haben wir die ja erst seit 1918. Auf rechtlicher Ebene ist sie erst seit 1949 in Deutschland verankert. Da können die ganzen Kritiker*Innen sich doch wirklich etwas in Geduld üben.
Ich sehe es, wie auch schon weiter oben von mir gesagt, nicht als möglich oder wünschenswert an, Sprache per Gesetz zu verordnen. In Formularen und offiziellen Akten können Formulierungen eingebracht werden und so langsam auch die Wahrnehmung verändern. In der Alltagssprache ist der tolerante und humorvolle Umgang wohl wirklich eher das Mittel der Wahl.
Falls ich Dich, Yvette, nicht mit Argumenten sondern in Deiner Person angegriffen habe, tut mir dies Leid. Aber ich stehe dazu, dass Nazibezüge von allen Parteien als absolutes Totschlagargument benutzt werden und finde dies in den meisten Fällen eine Verharmlosung der Geschichte und Verhöhnung der Opfer. Nicht mehr und nicht weniger wollte ich ausdrücken. Den Vorwurf von einer bestimmten Richtung des Populismus hast Du hineingelesen und Dir angezogen, ich sprach nur von Populismus im Sinne von Vereinfachung. Das gibt es in vielen Parteien.
Liebe Silke,Silke61 hat geschrieben: Mo 25. Feb 2019, 14:12
Meine Hoffnung ist, daß sich Sprache als Abbild der Verhälntnisse von selbst ändern wird, wenn es nicht nur normal ist, eine Bundeskanzlerin zu haben, sondern auch Wirtschaftsbosse (-bossinnnen?) Uni-Rektorinnen usw. Das wird eine Weile dauern aber Sprache wird sich daran anpassen.
Genau aus diesem Grund finde ich den Weg der feministischen Sprachkritik auch genau den falschen Weg: Nicht von der gerechten Sprache zu den gerechten Verhältnissen, sondern umgekehrt. Dann geht es nämlich viel leichter.
Das wird auch an den aufgeführten Nazi-Beispielen deutlich: Die herrschenden Nazis haben eine zu ihnen passende Sprache hervorgebracht aber die Nutzung der verbleibenden Reste dieser Sprache macht uns heute nicht zu Nazis (jedenfalls nicht automatisch). Wie hier aus der Unterdrückung die Unterdrückungs-Sprache hervorgegangen ist und nicht umgekehrt, so kann auch heute aus einer gender-gerechten Welt eine passende Sprache hervorgehen. Wir werden aber die gender-gerechte Welt (die es ja noch nicht gibt) nicht hervorbringen, indem wir die Sprache ändern.
Das schließt nicht aus, ab und zu auch mal mit einer kleinen Provokation den Finger in die zweifellos vorhandene Wunde zu legen. Warum nicht einfach mal in einem Vortrag oder sonst bei einer Gelegenheit konsequent nur die weibliche Form nutzen? "Liebe Zuhörerinnen...", ganz ohne "Zuhörer", ohne großes "I" oder sonstige Krücken. Die anwesenden Männer sind natürlich mit-gemeint
LG
Silke
ich bin oben schon zum Teil auf Deine Argumente eingegangen. Die Idee mit dem Mitdenken der Herren hatten auch schon die bösen Genderwissenschaftler, die autoritären, die mit diesem autoritär sein ja in Richtung Faschismus gehen.
Ich denke, wir sind uns einig, dass Sprache auch unbewusste Ideen weiter trägt und deren vergiftete Ideen so am Leben hält. Nicht jede*r, der ohne Nachdenken eine Formulierung der Nazis benutzt ist ein Nazi. Aber er erhält unseelige Ideen lebendig. Ich für meinen Teil versuche, Sprache bewusst einzusetzen und über unbewusste Vorurteile nachzudenken, ohne dabei den Humor zu verlieren.
Wie selbst Yvette weiter oben zugegeben hat
Ich finde die Wirkung von Sprache auch zu wichtig, um diese Diskussion in Angiftungen untergehen zu lassen.Yvette hat geschrieben: Mo 25. Feb 2019, 00:03 Wie positiv die Sache mit dem Nachdenken ist, wirst auch du erkennen, wenn du einmal deine Aussage wendest: könnte es nicht genau umgekehrt sein: dass nicht Sprache das Denken beeinflusst sondern Sprache (nur) das Ergebnis eines Denkprozesses ist (wobei ich gewisse gegenseitige Interdependenzen nicht ausschließen möchte)?
