Vorbild für die Gesellschaft sein
Vorbild für die Gesellschaft sein - # 3

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
nicole.f
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Re: Vorbild für die Gesellschaft sein

Post 31 im Thema

Beitrag von nicole.f »

"Vorbild", klingt so verbindlich und man könnte meinen, dass das etwas sei, was zum Nachahmen animieren solle?

Ich denke, solange ein Vorbild nicht dogmatisch betrachtet wird, im Sinne von richtig und falsch, solange kann jede_r Vorbild sein - denn es wird schließlich nicht erwartet, dass man es ihnen gleich tut. Vorbild können sie dennoch sein. Vorbilder sind für mich auch nicht wie reproduzierbare Abziehbilder. Es geht nicht darum, selbst wie das Vorbild zu sein oder zu werden. Ein Vorbild kann schlicht als positiv betrachtete Eigenschaften verkörpern.

In diesem Sinne denke ich, ja, uns fehlen in dieser Gesellschaft trans* Vorbilder, auch manchmal im Neu-Deutschen "Role Model" genannt. Wenn ich mich an meinen Weg bis zum Coming Out erinnere, so war es recht genau das, was mir fehlte: Vorbilder, Role Model oder schlicht Identifikationsfiguren. Alles was ich fand, was in Teilen meine Empfindungen wiederspiegelte, stieß mich eher ab, was zu einem sehr negativen Selbstempfinden führte. Darüber hinweg zu kommen war entsprechend hart, der Druck musste erst so hoch werden, dass selbst diese negativ besetzten Bilder begannen akzeptabel zu erscheinen. Ist doch blöde, oder?

Wir brauchen mehr offen lebende trans* Personen, Personen, die damit kein Problem haben, dass die Gesellschaft weiß, dass sie trans* sind. Denn nur wenn die Gesellschaft es erkennen kann, können die kruden Bilder über trans* Personen endlich verschwinden, denn es gibt dann eben jene anderen, nämlich derer, die offen jeden Tag vorleben, wie es ist. Diese werden es dann auch sein, die für eine neue Generation von trans* Menschen Vorbilder und Role Model werden und es damit dieser Generation leichter machen werden, mit sich selbst ins Reine zu kommen. Wenn die Vielfalt der trans* Personen auch den Alltag durchdrungen hat und so vielfältig sichtbar wird, wie es eben trans* Personen gibt, dann haben alle gewonnen - die Gesellschaft und wir.

Vorbild oder Role Model sein? Ja! Geh raus, sei sichtbar, zeige Dich, so wie Du bist! Verstelle Dich nicht und versuche nicht das zu sein, was Du meinst, das andere von Dir erwarten könnten. Sei authentisch, die beste Version von Dir selbst, die Du Dir vorstellen kannst - auch wenn das nicht in die Konzepte der Gesellschaft zu passen scheint.

Die letzten Jahre zeigen zumindest in Deutschland und einigen weiteren Ländern glücklicherweise in eine für uns gute Richtung. Die Gesellschaft öffnet sich mehr für uns, wird achtsamer und akzeptierender. Dies können wir nutzen, indem wir die uns gebotenen Freiräume jetzt besetzen, indem wir da sind, uns zeigen, sichtbar und ansprechbar werden. Dialog ist der einzige Weg zu Verständigung und Dialogpartner_innen findet man erst, wenn sie auch sichtbar sind.

Sichtbarkeit ist für mich der ultimative Schlüssel zur Lösung unserer Probleme. Eine schweigende unsichtbare Minderheit wird nie etwas verändern. Sichtbare und zum Dialog bereite Menschen schon.

...und bevor mir das wieder vorgehalten wird: Nein, dies ist keine Aufforderung an alle so sein zu _müssen_. Das kann niemand verlangen, denn ja, wir sind noch lange nicht so weit, dass man überall ungeschoren sichtbar sein kann. Die, die es nicht können, haben mein Mitgefühl, denn sie sind dem Druck vor ihrem Coming-Out hoffentlich entkommen, finden sich aber nun wieder unter Druck, nicht sichtbar oder auffällig zu sein.

Liebe Grüße
nicole
Ich bin trans* - und das ist gut so!
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Joe95
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Re: Vorbild für die Gesellschaft sein

Post 32 im Thema

Beitrag von Joe95 »

nicole.f hat geschrieben: So 27. Jan 2019, 22:17...Nein, dies ist keine Aufforderung an alle so sein zu _müssen_...
Es wäre auch aus meiner Sicht ein Widerspruch zu dem, was du vorher sagst, denn zu "sich geben wie man wirklich ist" kann auch durchaus gehören dass man ungeoutet bleibt.
Egal ob aus Rücksicht auf Job oder Familie, aus Angst oder weil man es einfach nicht möchte.
Für mich ist zu leben mit meiner Erscheinung, wohl eher non-binary oder androgyn, die einzige Möglichkeit überhaupt.
Zum einen weil ich mich nicht verstellen kann, zum anderen weil ich ohne meine neu gewonnenen Freiheiten (durch die Erkenntnis eine Frau zu sein) nicht mehr leben kann.

Ich kann nicht wirklich sagen warum das so ist, aber auch die besten Make-ups schaffen es nicht immer die "männliche Vergangernheit" zu verbergen, obwohl diejenigen teilweise hübscher sind und femininer wirken als so manche cis-Frau. Alleine die Angst vor einer solchen "Enttarnung" wäre mir schon zu viel. Hier habe ich einen gewaltigen Vorteil, quasi die Flucht nach vorne, denn was jeder sehen kann kann niemand entdecken.
Denen, die gerne raus möchten, sich aber nicht trauen, sei gesagt "seht her, es geht". Denen, die uns nicht kennen, sei gesagt "seht her, es gibt uns".
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...
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Re: Vorbild für die Gesellschaft sein

Post 33 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-01-22 »

lilijana hat geschrieben: Di 22. Jan 2019, 20:35 ich stelle mir heute schon den ganzen Tag die Frage, "Wie kann ich als transsexuelle Frau ein Vorbild für die Gesellschaft sein?". Für mich im kleinen, als einzelne Person.
Mir geht es jetzt nicht primär was unsere "Gesellschaft"* machen tut, mit z.B.: Demonstrationen, sondern was jede Person im einzelnen tut, damit ein positives Bild der "Gesellschaft"* bei den "normalen" ensteht?
Ich halte es so: nicht im Mittelpunkt stehen, stattdessen ein solides Leben führen. Ich hasse arrogantes Auftreten und dieses ständige im "Mittelpunkt-stehen-wollen" (das beste Beispiel dafür ist Helene Fischer...). Auch halte ich es für falsch ständig seinen Willen durchsetzen zu wollen und sich über die beschweren, die mit dem Trans/CD/Frausein nichts anfangen können. Wem stört das, daß einige in der Gesellschaft nichts damit anfangen können? Ich halte auch von vielen Dingen nichts und da bin ich auch Tolerant gegenüber unseren "Gegnern/Zweiflern".

Vorbild zu sein bedeutet für mich in erster Linie Einsteigern zu helfen, bzw. meine bisherigen Erfahrungen an andere weiterzugeben.

Jennifer
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Aktueller Beziehungsstatus: Jennifer ist verliebt !-!-!

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Simone 65
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Re: Vorbild für die Gesellschaft sein

Post 34 im Thema

Beitrag von Simone 65 »

Vorbild , bin ich ein Vorbild ?
Ich weiß , ich habe einige Menschen inspiriert. Aber bin ich dann ein Vorbild?
Ich gehe jeden Tag in die Welt als Simone. Ich rede mit Menschen . Selbst im braunen Büdingen bin ich freundlich.
Menschen setzten sich zu mir und wir reden .
Ich bin ein Mensch
Simone hat so viel erlebt .
Liebe Grüße Simone
Ich weiss ,ich bin ein Mensch und nur Das zählt.
Ich bin nur ein kleines Licht , aber ich leuchte .
Alle Menschen sollen mich sehen .
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Re: Vorbild für die Gesellschaft sein

Post 35 im Thema

Beitrag von Ronda_PTL »

@Jennifer & Simone:

Ich hab zwar Eure letzten Beiträge schon geliked, möchte aber an dieser Stelle noch betonen, dass ich mit Euren Positionen sehr verbunden fühle. 👍🏼😘

GLG Ronda 👩🏻
"Life is what happens, while you're busy making other plans." [† John Lennon]

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Simone 65
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Re: Vorbild für die Gesellschaft sein

Post 36 im Thema

Beitrag von Simone 65 »

Ein kleines Erlebnis am letzten Sonntag . Es ist schönes Wetter. Ich gehe wie so oft durch den kleinen Ort , Reichenbach an der Fils. Ich gehe zum Cafe Schill. Etwas essen , Kaffee trinken , die BAMS lesen . Danach schnell zum Bahnhof zum Bus , der Bus fährt am Sonntag nur alle zwei Stunden . Es sind schon zwei Jungs da , etwa 8 bis 10 Jahre alt . Den einen habe ich schon öfter gesehen . Sie habe beide kleine Zöpfe und sind leicht geschminkt . Ich setzte mich daneben und warte auf den Bus . Da fragt mich der eine Junge ,, Dürfen sich Jungs auch Schminken? " , ich ,, na klar , warum nicht " . Sie schauen mich an . Da sagt er ,, zu Hause wird über mich geredet und seine Mutter findet es toll , das ich mich auslebe " . Ich bin erst etwas verdutzt . Ich frage nochmal nach . Ja, ich bin Gesprächsthema im Ort . Die Beiden haben noch viele Fragen , aber der Bus ist da . Ich denke aber , wir werden uns wiedersehen , so groß ist der Ort nicht .
Liebe Grüße Simone.
Ich weiss ,ich bin ein Mensch und nur Das zählt.
Ich bin nur ein kleines Licht , aber ich leuchte .
Alle Menschen sollen mich sehen .
ExuserIn-2020-07-10
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Re: Vorbild für die Gesellschaft sein

Post 37 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-07-10 »

Vorbilder

Zurzeit schaue ich mir gerne Rupauls DragRace an.

Es ist erfrischend wie die Männer mit ihrer weiblichen Seite ganz locker umgehen.

Gestern hab ich mich gefragt wie es wohl wäre, wenn der Vater eine DragQueen wäre. Da hätte man sich zb. dann das Schminken beibringen können. Es wäre einfach sich selbst auszuleben.

Momentan sind die DragQueens klare Vorbilder für mich, weil sie aufzeigen wie es auch ohne HRT und OPs geht, sich weiblich zu geben. Dabei leugnen sie aber auch nicht das sie Männer sind und da finde ich mich momentan wieder. Sie dehnen die Rolle vom Mann, so das sie darin Platz finden und mit ihnen zahlreiche weitere, statt wie ich es empfinde sich in der Rolle der Frau neu unterdrücken zu lassen.

Ich sehe halt die Rolle als Mann extrem einengend und daher bin ich um jeden Person dankbar die nicht transitioniert sondern die Rolle des Mannes aufdehnt.

Wir müssen dafür aktiv Plätze besetzen. Frauen nehmen schnell Dinge ein und dann ist es aufeinmal wie verboten für Männer z.b. Leggins zutragen. Dadurch ist in den Jahren die Rolle des Mannes immer einengender geworden, obwohl ja die Gesellschaft toleranter geworden ist. Ein Widerspruch. Daher finde ich es so wichtig das der Mann sich wieder Dinge zurück holt ohne das es dann gleich Meggings heißen muss. Es heißt ja auch nicht Feggings oder Womensbun.

Daher dickes Lob an Simone. Genauso sollte es laufen. Du hast dich damit für die Befreieung dieser Jungs eingesetzt.
ExuserIn-2019-12-22

Re: Vorbild für die Gesellschaft sein

Post 38 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-22 »

Man wird nicht zum Vorbild für die Gesellschaft wenn man sich nur einem Geschlecht zuordnet oder eine Zuordnung ablehnt.
Man wird zum Vorbild durch seine Handlungen. Courage, Herzlichkeit, Tolleranz, sich auch mal aufopfern.
Bei Missständen nicht einfach wegschauen, sich für schwächere einsetzen. Und und und...

Jede/r von uns kann ein Vorbild sein. Selbstbewusstes Auftreten als Transfrau in der Öffentlichkeit. Dragqueen und Spaß dabei haben. Oder einfach als Mann "Frauenkleider" zu tragen. Egal wo wir uns selber einordnen. Für irgendjemanden können wir zum Vorbild werden.

Ich z.B. bewundere Menschen die blind sind, im Rollstuhl sitzen oder sonstige körperliche Einschränkungen haben und ihr Leben trotzdem meistern. Ihren Lebensmut nicht verloren haben. Rettungskräfte, welche teilweise ihr eigenes Leben riskieren um Menschen in Not zu helfen.
Das sind doch die wahren Vorbilder der Gesellschaft.
Ronda_PTL
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Re: Vorbild für die Gesellschaft sein

Post 39 im Thema

Beitrag von Ronda_PTL »

Toni Smith hat geschrieben: Di 19. Feb 2019, 09:03
Wir müssen dafür aktiv Plätze besetzen. Frauen nehmen schnell Dinge ein und dann ist es aufeinmal wie verboten für Männer z.b. Leggins zutragen. Dadurch ist in den Jahren die Rolle des Mannes immer einengender geworden, obwohl ja die Gesellschaft toleranter geworden ist. Ein Widerspruch. Daher finde ich es so wichtig das der Mann sich wieder Dinge zurück holt ohne das es dann gleich Meggings heißen muss. Es heißt ja auch nicht Feggings oder Womensbun.
Toni, Du sprichst mir aus dem Herzen!

Neben dem Kampf um die Anerkennung von TG/TI Menschen als ganz normale Variante der Natur, brauchen wir wirklich genau diesen Abriss der Normierung, der goldenen Käfige der Konvention, der Normierungen in der konventionellen Männerwelt. Es bedarf eines strukturellen Wandels in den Denk- und Wahrnehmungsmustern für Männer, die sich oftmals freiwillig mehr selbst beschneiden, als sich der vermeintlich weiblichen Seite im Inneren zu öffnen!

Männer müsssn lernen das dies eine Bereicherung ihres Seins ist, keine schuldbeladene Perversion. Dann wird sich auch das gesellschaftliche Klima verbessern.

Rebellische Grüße
Ronda 👩🏻🙏🏼
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ExUserIn-2026-04-08
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Re: Vorbild für die Gesellschaft sein

Post 40 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Ich finde Vorbilder schrecklich und möchte auch keines sein.

Warum dieser provokante Satz ?

Vorbild bedeutet, dass meine Form zu leben, für andere als Maßstab dienen soll/kann/muss (?). Es bedeutet aber letztlich, dass es eine Einschränkung beinhaltet. Und genau das lehne ich ab. Jede(r) soll die eigene Art zu leben, finden.

Das bedeutet nicht, dass es keine Regeln gibt. Das betrifft die Art, in der man zusammen lebt und hat nichts mit Vorbild zu tun. Das ist für mich selbstverständlich. Aber warum soll meine Art en femme auf die Straße zu gehen ein Vorbild für andere Trans sein ? Das verstehe ich nicht.

Es fiel der Begriff "Inspiration". Das trifft mMn die Sache viel besser. Wenn meine Art zu leben, andere ermutigt, den eigenen Weg zu finden, fände ich das prima. Auch wenn das Ergebnis lauten würde, dass sei nicht ihr Ding. Ich glaube auch, dass Eltern, die in inspirierender Weise ihre Kinder erziehen, auch wenn sie von der eigenen Art zu leben abweichen, tun das beste für sie. Lebe ich nach dem Vorbild eines anderen Menschen, bin ich nur ein Abklatsch von ihm.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
ExuserIn-2019-12-22

Re: Vorbild für die Gesellschaft sein

Post 41 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-22 »

Vorbilder inspirieren. Das bedeutet nicht das man eine exakte Kopie von seinen Vorbildern sein möchte. Ich würde richtungsweisend als passendes Wort verwenden.
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