ich bin bei meiner Recherche nach Antworten auf dieses Forum gestoßen.
Kurz zu mir:
Ich werde in wenigen Monaten 30 Jahre jung. Komme aus dem Raum Frankfurt am Main und das bei meiner Geburt festgestellte Geschlecht ist männlich.
Aber ich wäre nicht hier, wenn es dort kein Problem geben würde.
Seit ich mich erinnern kann wollte ich gerne weiblich sein.
Ich habe das im Kindergarten das erste Mal bemerkt. Ich habe lieber mit den Mädchen gespielt, bis einige Jungs mich damit aufgezogen haben.
Von dem Zeitpunkt an habe ich nur noch mit den Jungs gespielt.
Als ich älter wurde habe ich das Vergangene als Phase abgestempelt und versucht zu verdrängen.
Kurz vor der Pubertät holte mich das wieder ein. Dort war ich einmal so weit zu akzeptieren, dass ich nicht nur gerne ein Mädchen wäre, sondern mich wie ein Mädchen fühle. Ich hatte sogar einige Klamotten. Ich wurde von meinem Vater einmal in diesen erwischt. Und er reagierte so negativ wie man überhaupt reagieren konnte. "Was stimmt mit dir nicht? Geht dir dabei einer ab? Das ist krank ... sollen wir dich am Montag in dem Aufzug in die Schule schicken?" Sogar von Kinderheim war die Rede.
Ich heulte furchtbar und konnte ihn überzeugen nur mal neugierig gwesen zu sein.
Seit diesem Tag ist das Verhältnis zwischen mir und meinen Eltern sehr schlecht geworden.
Die Pubertät war die Hölle. Ich bin südländischer Abstammung und mein Körper ist behaart wie der eines Affen.
Meine Teengarzeit war geprägt von Alkohol und Drogen. Der falsche Freundeskreis. Ich habe mich irgendwann wieder gefangen. Ich stand vor dem Abschluss an der Realschule, hatte schulterlange Haare und fand keine Ausbildung. Mein Vater hat mich gezwungen mir die Haare wieder kurz zu schneiden. Und ich habe die erst beste Ausbildung angefangen die ich bekommen konnte. (KFZ-Mechatroniker) Wieder mir kurzen Haaren, einem Körper der sich mehr oder weniger zum Mann entwickelt begann meine zweite große Phase in welcher ich mich selber belogen habe.
"Du bist ein Mann, du stehst auf Frauen, du interessierst dich für Autos" und was man sich sonst noch alles einredet.
Ich beendete die Ausbildung und habe einige Jahre gearbeitet, als die innere Unzufriedenheit immer größer wurde.
2013 habe ich die Abendschule besucht. Und 2015 gekündigt und ein Studium angefangen. Ein von Männern dominierter Bereich. Maschinenbau. Ungefähr zu dieser Zeit wurde mein Kopfhaar immer lichter und ich habe mir einen Entschluss gefasst und ab diesem Zeitpunkt eine Glatze rasiert. Zeitgleich ließ ich mir den männlichsten Vollbart wachsen den mir Mutter Natur ermöglicht. Nach außen sagte ich immer. Ich muss ja das Gleichgewicht halten.
Mit dem Bart hatte ich zum ersten Mal Selbstbewusstsein als Mann. Neidische Komplimente von anderen Männern und auch bei den Frauen funktionierte es auf einmal besser. Ich war nie in der Lage eine Beziehung einzugehen, weil ich meinen Körper hasse. Aber ab diesem Zeitpunkt fühlte ich mich erstmals als Mann. Im Nachhinein betrachtet hat das für mich jetzt vieles nur noch schlimmer gemacht. Den jetzt bin ich verunsichert. Seit einem Jahr habe ich massive Schlafstörungen. Ich liege nachts im Bett und starre Löcher in die Dunkelheit. Ab und an muss ich weinen. Mein Leben wurde zur Quahl. Vor allem da ich wegen finanzieller Gründe wieder zu meinen Eltern ziehen musste. Vor wenigen Tagen ist mein ganzes Kartenhaus an Lügen welche ich mir selber seit Jahren erzähle zusammengebrochen.
Ich arbeite in einer Tankstelle, weil das Studium nicht mehr Zeit hergibt für einen anderen Job. Der Job macht mir Spaß und wenn ich auf der Arbeit bin, dann vergesse ich für eine Weile meine Ängste, Sorgen und Sehnsüchte. Es war gerade viel los, vor mir stand eine junge Dame um die zwanzig Jahre. Aber an ihr war etwas besonderes. Es war eine Transfrau. Körperbau, Stimme, Gesichtszüge waren bei genauerem Betrachten doch noch maskulin. Aber ein Lächeln so hübsch das ich glaube mich ein wenig verliebt zu haben. Da Kartenzahlung mit Lastschrift habe ich eine Unterschrift benötigt. Ich legte Ihr den Beleg hin und fragte mit einem Lächeln nach einem Autogramm. Ein Lächeln ihrer Seite mit einem "Wenn du so nett fragst, dann will ich mal nicht so sein." Die Stimme war schon etwas tiefer als man auf den ersten Blick erwarten würde. Als sie sich umdrehte wünschten wir uns noch ein schönes Wochenende. Als der Kunde hinter ihr bemerkte, dass es eine Transfrau ist machte er irgendeine homophobe Bemerkung welche ich nicht ganz verstanden habe. Sie lächelte einfach weiter und wünschte dem Herrn ebenfalls einen schönen Tag. Er blieb verdutzt stehen zur Belustigung mehrere anwesender Kunden.
Diese Selbstsicherheit und das souveräne Auftreten dieser jungen Frau haben mich den Rest des Tages nicht mehr losgelassen. (Sie fuhr einen schwarzen Audi A3 neuren Baujahres mit kölner Kennzeichen. Evtl. ist sie ja sogar hier anwesend und erkennt sich wieder.) Ich möchte ihr für diese Begegnung danken. Denn es machte mir so deutlich wie noch nie. "Ich möchte das auch!" Ich will auch selbstsicher als Frau leben und auftreten können.
Ich habe für mich den Entschluss getroffen das Studium zu beenden, vollzeit arbeiten zu gehen und eine Therapie anzufangen welche mir hilft Angst und Zweifeifel zu beseitigen.
Einer jahrelangen guten Freundin konnte ich mich bereits anvertrauen. Sie hat es sehr positiv aufgenommen und ist bereit mich mental dabei zu unterstützen.
Ich habe mich letztendlich hier angemeldet um unter gleichgesinnten Menschen Kontakte zu knüpfen und um Erfahrungen auszutauschen. Denn niemand versteht unser Leid und unsere Sorgen so gut wie Männer und Frauen welche den gleichen steinigen Weg vor sich haben.
Sorry, ist etwas länger geworden.