Drachenfrau hat geschrieben: So 27. Jan 2019, 15:39
Doch man kann nur eine gute Beziehung zu anderen aufbauen, wenn man an sich selbst erfahren hat, was eine gute Beziehung ist.
Also zuerst eine gute Beziehung zu sich selbst haben, dann gelingt sie mit anderen zauberhaft einfach.
Hallo allerseits, hallo Ulla,
wie sollte ich eine gute Beziehung zu mir selbst aufbauen, wenn ich immer nur alles falsch machte, sobald ich mein selbst versuchte auszuleben. So trat an die Stelle meines Selbst ein unbeholfenes, unselbständiges Muttersöhnchen, das nur nach außen den starken Mann spielte. Um Sympathie zu erlangen machte es letztlich immer nur das, was Mama, Lehrer oder Chefs von ihm erwarteten - nur geliebt wurde es so nie!
Es wird von anderen nicht geliebt, liebt sich deshalb selbst nicht, und kann auch keinen anderen lieben.
Meine Eltern haben es nie gelernt sich selbst zu erfahren und konnten es mir entsprechend nicht vermitteln. Meine Mutter meinte, sie müsse unentwegt für mich da sein, weil ich ja einfach ums Verrecken nicht kapieren wollte, was für mich "richtig" war, und mein Vater zeigte überhaupt keine Gefühle. Ich hoffte mir Liebe erkaufen zu können, indem ich den Sohn, Schüler oder Ingenieur spielte, den man von mir erwartete. Mit Schule und Beruf funktionierte das noch. Bei Ehe und Kindern scheiterte es schließlich, weil ich einen unglücklichen Vater, der kein Vorbild für seinen Nachwuchs sein kann, nicht spielen wollte. So etwas hätte ich meinem Kind nicht antun können. Damit wurde alles, wofür ich lebte, sinnlos. Begriffen habe ich das aber erst nach dem Tod meiner Mutter, als Nicole erwachte.
Ob aus der heterosexuellen körperlichen (Fetisch?-)Liebe zu mir selbst als Frau jemals so etwas wie echte Liebe werden kann, weiß ich nicht. Dazu müsste ich erst einmal erfahren, wie sich so etwas überhaupt anfühlt. Zur Zeit ist es bei mir gespalten. Da ist Nicole, für die ich da sein möchte. Dann ist da aber noch der ganze Trümmerhaufen, der von meinem Leben als Mann übrig geblieben ist. Und da ist es meiner Seele völlig egal, was mit den Trümmern geschieht, oder ob dieser verhasste Kerl verreckt.
Selbst wenn ich den materiellen Trümmerhaufen komplett entsorge, bleiben da doch die alten Verhaltensmuster, die dann das alte Chaos immer wieder neu entstehen lassen. Was braucht also Nicole wirklich außer schönen Klamotten zum Anziehen, Makeup und Frisör? Ich weiß es nicht! Ich weiß nur, dass es etwas anderes ist, als man üblicherweise für wichtig im Leben ansieht. Daran ist ja der Mann bereits verzweifelt.
Nun verkrampft nach einer Partnerin zu suchen, bringt sicherlich überhaupt nichts. Das beobachte ich zu Zeit bei einer Facebook-Freundin, die ständig beteuert wie unglücklich sie ist. Welche Frau sucht aber eine Transfrau mit HT und OP als Partnerin?
Also wo ist sie nun, diese gute Beziehung zu mir selbst? Wie komme ich da hin? Und wie fühlt sich überhaupt wahre Liebe an?
LG Nicole