gestern habe in meinem Bürorechner eine Mail von unserer Gleichstellungsbeauftragten im Posteingang gehabt. Es geht um einen Entwurf zum geschlechtergerechten Schreiben in unserer Verwaltung ...
Dort wird der Genderstern als Zeichen der Wahl beschrieben und da die Mitarbeiter nach Ihrer Meinung gefragt wurden, habe ich mal so richtig losgelegt ....
Früher, als ich mich mit dem Thema noch nicht intensiv beschäftigt hatte, war ich von dem Stern recht begeistert ... muss aber heute eindeutig sagen, das der Unterstrich die bessere Symbolkraft hat, denn es geht ja nicht um die binäre/trinäre Ansprache Mann/Frau/Sonstiges sondern um die gesamte Bandbreite zwischen den beiden Bezeichnungen. Ein Sternchen ist für mich quasi eine Punkt, aber der Unterstrich eine Linie, die Platz zwischen den Begriffen bietet für alle Menschen dazwischen. Trans ..., Inter ... Nonbinär sind nicht eins und gehören nicht in einen Topf, finde ich. Für die Einen oder Anderen ist das sicher nicht nachzuvollziehen, warum man sich überhaupt damit beschäftigt und halten das Ganze für "Wortklauberei"... aber ich habe in den letzten Jahren einige Menschen kennenlernen dürfen, für die das eben wichtig ist.
Natürlich geht es auch darum die Sprache weitgehend zu "entgendern" und neutrale Formulierungen zu finden - das finde ich persönlich übrigens klasse; merke aber auch, wie schwer mir das selbst im Alltag fällt ... hier muss ein Lernprozess angestoßen werden ... Doch ich denke viele Abfragen von "Geschlecht" "Anrede" und auch deren Verwendung in der Verwaltung sind völlig irrelevant für die Sache selbst. Wech damit ...
Ein weiterer Kritikpunkt meinerseits ist die Verwendung der Bezeichnung (m/w/d) in Ausschreibungen. Ich finde das ist totaler Blödsinn und hat höchstens einen symbolischen Charakter, den ich aber mit ein wenig Text in der Ausschreibung viel besser formulieren könnte! Wenn es doch eh egal ist, ob m/w/d und alle Menschen mit der entsprechenden Qualifizierung angesprochen werden sollen, dann lass ich das Geschlecht doch gleich weg ... es spielt ja keine Rolle!
Im Gegenteil ich empfinde das "d" für "divers" nach der Änderung des Personenstandsgesetztes letztes Jahr als diskriminierend, denn es ist juristisch mit "d" jetzt nur eine kleine Gruppe von Menschen gemeint ... viele Andere sind einfach ausgeschlossen und das (m/w/d) in der Stellenausschreibung suggeriert wieder nur das körperliche Geschlecht ... doch genau darum geht es doch gar nicht - oder liege ich falsch?
Mich würden Eure Meinungen und Perspektiven dazu interessieren ....
... denn jetzt kann ich ja vielleicht auch noch etwas Einfluss auf die zukünftige Schreibweise in unserem Hause nehmen ...
Liebe Grüße
Vanessa