Einmal mehr möchte ich eine Diskussion aus einem anderen Thread hier aufgreifen, um den dortigen Rahmen nicht zu sprengen.
Selienne, wenn Du einverstanden bist, würde ich mich gerne diesbezüglich hier weiter mit Dir austauschen. Die Sichtweise einer kritischen Ehefrau wäre mir sehr wertvoll, und vielleicht kannst Du mir helfen zu erkennen, wie oder warum meine Äußerungen "auf der anderen Seite" so missverständlich ankommen.
Eine Anmerkung, die ich in dem Zusammenhang wichtig finde, ich persönlich möchte keine Frau werden, Hormone und OP kommen für mich nicht in Frage. Ich habe grundsätzlich kein Problem damit ein Mann zu sein, ich habe nur ein Problem damit das zu erfüllen, was gemeinhin von Männern erwartet wird. Insbesondere in Sachen Kleidung und anderer Äußerlichkeiten.
Ich bitte im Vorfeld schon mal um Entschuldigung, wenn die folgenden Ausführungen etwas umfangreicher werden.
Selienne hat geschrieben: Do 6. Dez 2018, 16:56
Voll am Thema vorbei. Es geht nicht darum, dass sich Crossdresser nun endlich Sillis ankleben wollen oder nicht, sondern dass Partnerinnen nunmal eine Gewöhnungsphase brauchen, und es völlig normal und menschlich ist, sich solche Fragen zu stellen.
Vielleicht solltest du dir die halt auch mal ganz ernsthaft stellen. Oder möchtest du behaupten, du würdest sofort himmelhochjauchzend "Toll! Lass mal schauen, wer von uns den längeren Bart kriegen kann" ausrufen?
Das sind zwei verschiedene Dinge. Zunächst, vollkommen verständlich, dass die Frau zunächst komplett überfordert ist. Nur darum ging es mir nicht, sondern ich habe das Gefühl, dass ein wenig das Verständnis fehlt (auch nachvollziehbar, woher sollte es kommen wenn man selbst nicht "so" ist), was das trans* sein für uns bedeutet. Es geht nicht um Bart weg oder dran, auch nicht um Silikonbrüste. Es geht um Gefühle, Selbstwahrnehmung und oftmals um die Flucht aus einer ungeliebten Rolle. Mich verletzt das sehr, wenn das mit Bart ankleben und Socken in der Hose abgetan, ja ich möchte fast sagen lächerlich gemacht wird.
Es ist schwierig für mein trans* Level ein Pendant zu finden. Langhaarperücke, Makeup, Kleid und Pumps (ich verwende keine Silikoneinlagen), würde umgekehrt bedeuten, kurze Haare, kein Makeup, Hose und Pullover, und Turnschuhe. Genau wie meine Frau tagtäglich. Nur hinkt der Vergleich an dieser Stelle genauso, wie die Bart Sache. Eine Frau wird durch kurze Haare und Hosen nicht zum Mann, und ein Mann wird mit Perücke und Kleid nicht zur Frau. Der Unterschied ist nur, eine Frau brauchst sich für diese Erscheinungsform in keinster Weise zu rechtfertigen, selbst wenn die Sachen aus der Herrenabteilung stammen, ein Mann aber schon. Ich weiß, dass es in unserer Gesellschaft halt nunmal so ist, aber ich verstehe nicht warum, und sehe es deshalb als unfair an, wenn meine Frau mir deshalb Geistesgestörtheit vorwirft und unser Leben anzweifelt.
Selienne hat geschrieben: Do 6. Dez 2018, 16:56
Schon wieder am Thema vorbei. Es geht nicht um Monster oder nicht - gerade in der Art wie Maria hier schreibt ist sie ganz weit weg davon, ihren Mann als Monster zu betiteln.
Es ist aber nunmal eine völlig andere Seite, die sich da auftut. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie unterschiedlich Christine und Chris sind. Das fängt schon bei der Art an, wie Christine auftritt. Da ist eine komplett andere Ausstrahlung vorhanden als normal. Die Körpersprache ist komplett anders und die Figur ist dann auch noch eine ganz andere.
Nach - wie in diesem Fall - 18 Jahren (!) Beziehung ist man der Meinung, seinen Partner in- und auswendig zu kennen. Das geht mir mit meinem Mann auch so, und wir hatten ein bisschen mehr als die Hälfte der Zeit um, als er sich geoutet hat.
Und auf einmal, zack, für mich wie aus dem Nichts: Christine. Mit allen o.g. Eigenschaften.
Würdest du da nicht an allem zweifeln, was du über deine Beziehung weißt? Immerhin konnte da jemand über Jahre hinweg eine so große und wichtige Seite von sich komplett verstecken. Ich finde, das ist eine völlig normale Reaktion, vor allem am Anfang.
Das Monster war bildlich gesprochen, um zu verdeutlichen, wie stark der Unterschied dargestellt wird. Insbesondere liest man immer wieder, dass "alles in Frage" gestellt wird. Ich weiß nicht ob Du schon einmal beobachtet hast, wie sich Menschen in verschiedenen Umfeldern verhalten. Zu mir hat eine Arbeitskollegin einmal gesagt, wenn sie mich nicht auch privat kennen würde, würde sie mich bei der Arbeit manchmal für ein ganz schönes **Schimpfwort mit A** halten.
Natürlich verändern wir uns dementsprechend auch, der eine mehr, der andere weniger, ich denke auch ganz stark abhängig von der Ausprägung des trans* Seins. Und ja, das kann einer Partnerin Angst machen, ihren Mann zu verlieren, oder es kann den Eindruck machen, man lebt (Achtung, Metapher) mit einem Alien zusammen. Ich kann an dieser Stelle nur von mir sprechen, was ich auch ich weiß nicht wie oft versucht habe meiner Frau zu verdeutlichen, das wichtigste an uns war nicht gelogen oder gespielt, nämlich die Zuneigung und Liebe zu unseren Frauen und unseren Familien.
Selienne hat geschrieben: Do 6. Dez 2018, 16:56
sbsr hat geschrieben: Do 6. Dez 2018, 16:12Wichtig wäre gerade in dieser Situation, in der die Partnerin wirklich hilflos da steht, dass sie Ihrem Mann glaubt, was er sagt. Da ist dieses Misstrauen, er hat mich jahrelang belogen und betrogen und erzählt jetzt was von alles halb so wild. Die Reaktion ist verständlich, nur ist sie kontraproduktiv. Wir (also zumindest gehe ich da von mir aus) würden Euch gerne alle Eure Fragen beantworten, aber dazu müsst ihr uns glauben und vertrauen.
Ich wage zu behaupten, dass keine wirklich so denken will. Aber es lässt sich anfangs einfach sehr sehr schwer vermeiden. Mir war auch klar, dass das nicht produktiv ist und ich habe bis vor einem halben Jahr noch meine Zweifel gehabt, ob es jetzt beim Crossdressen bleibt oder nicht. Macht mich das jetzt also auch zu einem bösen Wesen, dass Christine nicht akzeptieren kann?
Dazu möchte ich kurz und klar sagen, niemand ist deshalb ein böses Wesen! Auch Frauen, die ihre Männer deshalb verlassen, empfinde ich nicht als böse. Mir geht es nur darum, dass dem Mann eine faire Chance gegeben wird. Nach einem missglückten Outing besteht oft eine "einmal Dieb, immer Dieb" Moral, auch im Zusammenhang mit dem oben erwähnten "alles in Frage stellen". Er hat mich in einer Sache belogen, also lügt er immer, egal was er sagt.
Du sagst ja selber, Du wolltest nicht so denken. Deshalb war es mir wichtig, diesen Punkt anschaulich darzustellen, damit Frauen wie Maria ihre Denkweise hinterfragen und wenigstens versuchen, dem Mann zuzuhören und vor allem zu glauben.
Selienne hat geschrieben: Do 6. Dez 2018, 16:56
So wie mir deine Antwort jetzt gerade scheint, bist du einfach drei Schritte weiter als eine Partnerin, die sich grade frisch mit dem Thema auseinandersetzt (-setzen muss). Natürlich ist es wichtig, auch zu verdeutlichen, dass jemand, der Frauenkleider trägt kein Monster ist und ich verstehe auch, dass gerade jemand, der solche Zurückweisung erfahren hat, das ganz stark in den Fokus rücken möchte. Mir wäre das auch wichitg, wäre ich wegen einiger meiner Eigenschaften von meinem Mann verlassen worden.
Leider wirken einige Antworten - deine inbegriffen - nicht so, als habest du versucht, dich in Marias Position zu versetzen.
Da habe ich tatsächlich ein Problem, das muss ich zugeben. Nicht, dass ich es nicht versucht hätte, aber ich muss gestehen es gelingt mir nur sehr bedingt. Der Grund dafür ist nicht, dass ich drei Schritte weiter bin, sondern ich sehe das von meiner Seite aus wesentlich neutraler. Wie beschrieben geht es bei mir vorrangig um Kleider und Äußerlichkeiten. Ich war selbst total überrascht, welche Welle das bei meiner Frau ausgelöst hat, die nicht verstehen kann, dass es mit den Klamotten getan ist.
Nichtsdestotrotz, ich mache meiner Frau, wie auch allen anderen Frauen, die mit einem Crossdresser nichts zu tun haben wollen, keinen Vorwurf. Wenn meine Frau ihre Androhung wahr macht und sich scheiden lassen will, wäre ich traurig, aber nicht zornig. Mir ist nur wichtig zu verdeutlichen, dass auch ich unsere Ehe nicht absichtlich kaputt gemacht habe. Maria hatte den Wunsch geäußert, ihr Mann soll doch einfach wieder ihr Mann sein, das ist für ihn nicht machbar. Wir würden uns von unseren Frauen wünschen, sie könnten uns akzeptieren, für viele ist dies eben auch nicht möglich.
Selienne hat geschrieben: Do 6. Dez 2018, 16:56
Bis hierhin aber finde ich, dass sie absolut toll mit dem Outing ihres Mannes umgeht.

Trotz aller Verwirrung und Zweifel hat sie immerhin den Weg ins Forum gefunden, tauscht sich hier mit anderen - sowohl Partnerinnen als auch.. heißt das jetzt Betroffene..? - aus, ohne da einen großen Unterschied zu setzen und spricht auch ganz offen ihre Zweifel und Sorgen an.
Absolut, dafür ehrlichen Respekt und mindestens beide Daumen hoch! Ich wäre überglücklich, wenn meine Frau wenigstens einen Bruchteil so weit mitgehen könnte wie Maria oder Du.
Selienne hat geschrieben: Do 6. Dez 2018, 16:56
Und falls es dann, wenn alles ein bisschen gesackt ist, immernoch solche tiefen Zweifel bleiben, dann würde ich es begrüßen, würdest du noch einmal genau so ansetzen wie jetzt.
Das verstehe ich nicht, vor allem den letzten Halbsatz?