Eure Erfahrungen im Umgang mit Männern und Frauen - in der Öffentlichkeit
Eure Erfahrungen im Umgang mit Männern und Frauen - in der Öffentlichkeit - # 3

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
ChristinaF
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Re: Eure Erfahrungen im Umgang mit Männern und Frauen - in der Öffentlichkeit

Post 31 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Ich finde, dass Männer generell große Schwierigkeiten mit dem Thema TS haben. Sie suchen dann nach richtigen Worten, was bei dem einen oder anderen auch klappt. Im Vergleich dazu, diejenige, wo's nicht funktioniert. Da können dann ganz schön "heftige" (Schimpf)-Wörter fallen. Ganz offensichtlich um ihre Unsicherheit nicht bloßzustellen.
LG Christina
Vincent
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Re: Eure Erfahrungen im Umgang mit Männern und Frauen - in der Öffentlichkeit

Post 32 im Thema

Beitrag von Vincent »

Hallo,
nach meinem Erlebnis heute morgen bin ich über diesen Thread gestolpert...

Vorweg, mittlerweile fällt es mir nicht mehr auf, dass ich außer gelegentlich ein paar längeren Blicken keinerlei Reaktionen auslöse, weder von Männern, noch von Frauen.

Selbst wenn ich, als offensichtlicher Mann, in einem Kleid, im Supermarkt an der Kasse warte, erhalte ich bestenfalls mal einen längeren Blick, aber keine direkte Reaktion. Die Fälle, ich denen ich darauf angesprochen wurde wie ich mich kleide, kann ich an einer Hand abzählen.
Man bemerkt meine abweichende Kleidung, wie mir erst beim Einkaufen klar wurde, als man mir unverblümt Herren und Damenabteilung angeboten hat, oder als in der Arbeit mein Kleid zum Thema wurde (anderer Thread).

Aber keiner sagt etwas, weder positiv, noch negativ.
Als ich die ersten zaghaften Schritte wagte, hatte ich das Gefühl jeder würde mich wegen der kleinsten Kleinigkeit anstarren und dumme Kommentare abgeben. Mittlerweile denke ich, man kann machen was man will es ist allen egal - schon fast unheimlich

Heute morgen hatte ich gerade meinen Sohn im Kindergarten abgegeben und ein anderer Vater hielt mir beim Gehen die Türe auf und sah mich an. Unvermittelt platzte er heraus, das sei ja mal cool, etwas anders ein bisschen "rittermäßig"
Wie er auf Ritter kam kann ich nicht sagen - ich trug grau gemusterte Leggings, kniehohe Stiefel ein längeres schwarzes Shit und eine lange Weste.
Ich war ehrlich überrascht, dass jemand eine Bemerkung zu meiner Kleidung machte, aber für mich war damit der Tag gleich ein wenig freundlicher.

Liebe Grüße
Vincent
steffiSH
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Re: Eure Erfahrungen im Umgang mit Männern und Frauen - in der Öffentlichkeit

Post 33 im Thema

Beitrag von steffiSH »

gertraudeZ hat geschrieben: Mo 3. Dez 2018, 22:54 (he) Gegenüber Frauen: ...alles (fast alles) im grünen Bereich.
Gegenüber Männer: ...oft große Probleme! Ich denke so: Mann sieht Frau im tollen weiblichen Outfit vorbeilaufen und denkt "einfach geil", beim Weiterlaufen macht es bei ihm "Klick" und er merkt, dass es sich um eine Transe ( seiner Meinung nach gleichbedeutend schwul) handelt. Unterdessen hatten sich aber seine Gehirnzellen und Gefühle bereits auf "scharfes Weib" eingestellt und er ist somit spontan enttäuscht. Seine Persönlichkeit als Mann sieht er urplötzlich verletzt und das so stark, dass seine Emotion in "Wut" ausbricht. Er reagiert ganz plötzlich homophob, so dass er schnell weitergeht, in einem eventuellem Gespräch "bockig" reagiert oder sogar Schimpfworte gebraucht. Und wenn derartige Männer noch zusammenstehen z.B. an einer Imbissbude, dann fallen oft Pfiffe und unschöne Zurufe wie z. B. Hallo Pippi usw.
gertraudeZ
(pl)
Das ist genau auch meine Beobachtung.
Trotzdem kann man natürlich nicht alle Frauen und alle Männer über einen Kamm scheren. Ich bin auch schon sehr ablehnenden und auch irritierten Frauen begegnet.
sum sum sum - no Latein
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Re: Eure Erfahrungen im Umgang mit Männern und Frauen - in der Öffentlichkeit

Post 34 im Thema

Beitrag von gertraudeZ »

ChristinaF hat geschrieben: Di 4. Dez 2018, 11:45 Ich finde, dass Männer generell große Schwierigkeiten mit dem Thema TS haben. Sie suchen dann nach richtigen Worten, was bei dem einen oder anderen auch klappt. Im Vergleich dazu, diejenige, wo's nicht funktioniert. Da können dann ganz schön "heftige" (Schimpf)-Wörter fallen. Ganz offensichtlich um ihre Unsicherheit nicht bloßzustellen.
LG Christina
Und genau so sehe ich das auch: Die Schwierigkeiten mancher Männer gegenüber CD/TS sind verursacht durch ihren geringen Bildungsgrad. Man sieht den Unterschied schon bei pubertierenden Jungs, ob sie gerade aus der Hauptschule kommen oder aus einem Gymnasium und bei den Erwachsenen, ob es sich um eine Brigade Bauarbeiter oder ein Ingenieurteam handelt. Und da es sich eben als Mann nicht gehört, irgendwelche Unsicherheiten, Schwächen oder Bildungslücken sichtbar werden zu lassen, poltert man eben mit völlig unqualifizierten Schimpfworten los und ist dann stolz, den anderen es mal gezeigt zu haben. ... So ähnlich reagieren Männer aber auch in anderen Lebenssituationen, z.B. wenn eine alte Frau plötzlich die erhoffte Parklücke wegnimmt!
triona
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Re: Eure Erfahrungen im Umgang mit Männern und Frauen - in der Öffentlichkeit

Post 35 im Thema

Beitrag von triona »

Vincent hat geschrieben: Di 4. Dez 2018, 14:01 ... cool, etwas anders ein bisschen "rittermäßig"
Wie er auf Ritter kam kann ich nicht sagen - ich trug grau gemusterte Leggings, kniehohe Stiefel ein längeres schwarzes Shit und eine lange Weste.

Wundert mich nicht. Als ich so vor 20 bis 25 Jahren - damals trotz Kaltwellen-Lockenfrisur noch recht eindeutig als "Mann" erkennbar - fast jeden Tag mit Leggins + Stiefel + langes Oberteil herum lief, bin ich öfters schon mal mit "Robin Hood" angesprochen worden. Das mag wohl zusammen hängen mit diesen Filmen mit Robin Hood & Co in Strumpfhosen. Oder auch mit der Männermode des Adels vom 16. bis 18. Jahrhundert, wie man sie von zahlreichen Gemälden und Darstellungen in Schulbüchern usw kennt.

Etwas anderes - aber doch ähnliches - lustiges habe ich in dieser Zeit (Anfang 1990-er-Jahre) mal erlebt, als ich in einer Gaststätte saß, bekleidet mit giftgrünen Glanzleggins und einem längeren Pullover mit einem wilden Paisly-Muster in eben solcher Farbe. Ein sehr junger Mann saß neben mir. Nach einiger Zeit fragte er mich plötzlich recht unvermittelt: "Bist du Sportler? Oder hast du nur kein Geld?" (Zur Erklärung: Bei Sportlern waren quietschbunte Leggins auch damals schon gang und gäbe. Und billig waren sie auch, wenn man nicht gerade irgend welches überteuertes Markenzeugs kaufte.) Da mir dies aber nicht gleich klar war, mußte ich wohl recht blöd drein geschaut haben, und habe ich ihn gefragt, wie er denn darauf käme. Da sagte er, wegen meiner Kleidung.


liebe grüße
triona
Cybill
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Re: Eure Erfahrungen im Umgang mit Männern und Frauen - in der Öffentlichkeit

Post 36 im Thema

Beitrag von Cybill »

ChristinaF hat geschrieben: Di 4. Dez 2018, 11:45 Ich finde, dass Männer generell große Schwierigkeiten mit dem Thema TS haben. Sie suchen dann nach richtigen Worten, was bei dem einen oder anderen auch klappt. Im Vergleich dazu, diejenige, wo's nicht funktioniert. Da können dann ganz schön "heftige" (Schimpf)-Wörter fallen. Ganz offensichtlich um ihre Unsicherheit nicht bloßzustellen.
LG Christina
Schließlich stellt unser gesamtes Dasein, ihr bereits fragiles Selbstbild vollständig in Frage. Ich gebe zu bedenken, dass wir in einer Zeit leben, in der das überlieferte Patriarchat nur noch auf wackeligen Füssen steht. Ich sehe sogar eine Wende angekommen, da Männer in den Bereichen Bildung und Studium seit langem nicht mehr die Mehrheit stellen. Es bleibt nur noch abzuwarten, bis dies vollständig in der Gesellschaft angekommen ist.

Wenn wir dann auch noch als "Verräter" an der Männlichkeit selbstbewusst in der Öffentlichkeit auftreten, dann ist das quasi der vollständige Untergang des "Mannes im üblichen Sinn".*

Cybill

*ist auch nicht so schlimm, finde ich
Scio quid nolo! - Ich weiß was ich nicht will!

Im Übrigen: Ich bin nicht hauptberuflich transsexuell!
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Re: Eure Erfahrungen im Umgang mit Männern und Frauen - in der Öffentlichkeit

Post 37 im Thema

Beitrag von triona »

Das spielt natürlich auch eine große Rolle. Und dabei ist es wohl einigermaßen egal, ob gleichzeitig Homosexualität unterstellt bzw vermutet wird oder nicht.


liebe grüße
triona
Vincent
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Re: Eure Erfahrungen im Umgang mit Männern und Frauen - in der Öffentlichkeit

Post 38 im Thema

Beitrag von Vincent »

Cybill hat geschrieben: Fr 7. Dez 2018, 07:04, dann ist das quasi der vollständige Untergang des "Mannes im üblichen Sinn".*

Cybill

*ist auch nicht so schlimm, finde ich
Ganz im Gegenteil - zumindest das, was ich damit verbinde hat der Gesellschaft und der Welt mehr Probleme als Nutzen gebracht.
LG

Vincent
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Re: Eure Erfahrungen im Umgang mit Männern und Frauen - in der Öffentlichkeit

Post 39 im Thema

Beitrag von triona »

Das siehst du so.
Aber sehen es diese Männer genau so?
Falls sie denn überhaupt darüber nachdenken ...


liebe grüße
triona
Cybill
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Re: Eure Erfahrungen im Umgang mit Männern und Frauen - in der Öffentlichkeit

Post 40 im Thema

Beitrag von Cybill »

Triona, was ist denn so schlimm, wenn man/frau/trans homosexuell ist?

- Cy
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Re: Eure Erfahrungen im Umgang mit Männern und Frauen - in der Öffentlichkeit

Post 41 im Thema

Beitrag von triona »

Gar nichts. Habe ich auch weder gemeint noch geschrieben.
Aber es gibt Männer, die haben anscheinend etwas gegen Homosexuelle. Das könnten durchaus die selben sein, die auch Probleme im Umgang mit TS (besonders MzF) haben. Und um diese ging ja die Diskussion hier zu einem großen Teil, und auch um mutmaßliche und mögliche Ursachen dafür.

Und außerdem habe ich mich auf Vincents letzten Beitrag bezogen, wo gesagt wurde, daß das Gegenteil von deiner vorangegangenen Aussage zutreffen würde.


liebe grüße
triona
FallenMycraft

Re: Eure Erfahrungen im Umgang mit Männern und Frauen - in der Öffentlichkeit

Post 42 im Thema

Beitrag von FallenMycraft »

Hallo zusammen,

ich glaube hier passt das am besten rein. Ich war ja an Weiberfastnast en femme mit meiner Frau unterwegs und da haben wir auch kurz unsere Kosmetikerin getroffen. So richtig kennt sie den Hintergrund noch nicht.
Jedenfalls habe ich mir gestern Termine in Vorbereitung auf das XXL-Treffen geholt. Maniküre / Pediküre ist halt wichtig ;-)

Da meinte meine Kosmetikerin zu mir:
Ich hätte Sie ja nicht erkannt. Hat es denn Spaß gemacht? Ja? Das sollten Sie öfters machen, sie sehen echt gut aus, sehr überzeugend.
Na wenn das nicht mal ein kompliment ist. :D

LG Daniel (flow)
Frl_Astrid

Re: Eure Erfahrungen im Umgang mit Männern und Frauen - in der Öffentlichkeit

Post 43 im Thema

Beitrag von Frl_Astrid »

FallenMycraft hat geschrieben: Sa 16. Mär 2019, 08:31 Hallo zusammen,

ich glaube hier passt das am besten rein. Ich war ja an Weiberfastnast en femme mit meiner Frau unterwegs und da haben wir auch kurz unsere Kosmetikerin getroffen. So richtig kennt sie den Hintergrund noch nicht.
Jedenfalls habe ich mir gestern Termine in Vorbereitung auf das XXL-Treffen geholt. Maniküre / Pediküre ist halt wichtig ;-)

Da meinte meine Kosmetikerin zu mir:
Ich hätte Sie ja nicht erkannt. Hat es denn Spaß gemacht? Ja? Das sollten Sie öfters machen, sie sehen echt gut aus, sehr überzeugend.
Na wenn das nicht mal ein kompliment ist. :D

LG Daniel (flow)
huhu ,das ist schon mehr als ein Kompliment ,schon fast ne Aufforderung den Namen usw zu ändern
mit lieben Grüssen und ein baldiges kennenlernen

Astrid (dr)
Simone 65
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Re: Eure Erfahrungen im Umgang mit Männern und Frauen - in der Öffentlichkeit

Post 44 im Thema

Beitrag von Simone 65 »

Ich sitze am Stuttgarter Schlossplatz und genieße die Sonne. Ein Mann setzt sich zu mir. Er hat Interesse an mir . Wir unterhalten uns. Er merkt wie ich bin. Ich stehe aber auf Frauen und habe auch eine Partnerin. Er fragt mich höflich. Ich erzähle und auch das ich froh bin in Deutschland zu leben. Er ist Italiener. Es war schön mit ihm zu reden.
Liebe Grüße Simone.
Ich weiss ,ich bin ein Mensch und nur Das zählt.
Ich bin nur ein kleines Licht , aber ich leuchte .
Alle Menschen sollen mich sehen .
Diva
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Re: Eure Erfahrungen im Umgang mit Männern und Frauen - in der Öffentlichkeit

Post 45 im Thema

Beitrag von Diva »

Die Diva und der Apotheker

I.

Zum Feierabend hin überkam mich Fieber. Es hatte wohl keiner gemerkt, denn ich brachte die Projektsitzung mit gewohnter Contenance zum Ende, verabschiedete die Leute und schaltete Beamer und PC aus. Verflixt, bloß nicht krank werden! Meine VÄ/PÄ war noch nicht durch und ich hatte keinen Arzt. Lieber verrecken, als ein Outing bei einem Arzt durchzuziehen. Das entwürdigte mich. Also fuhr ich zur Apotheke. Es war so klar, dass auch der nette junge Mann hinterm Tresen stand. Er kam förmlich angerannt, um seinen gelangweilten Kolleginnen zuvorzukommen. Ich deckte mich mit den üblichen nicht verschreibungspflichtigen Drogen ein.
"Aber Sie wissen schon, dass das nicht die Ursache bekämpft?"
Er lächelte und ließ kein Auge von mir. Schau nicht so genau hin! Mein Make-up war zwar noch relativ frisch, aber das Fieber trieb mir mehr Röte auf die Wangen, als es schicklich war.
"Na dann geben Sie mir was, das die Ursache bekämpft! Es muss was Freiverkäufliches sein. Ich will nicht zum Arzt!", maulte ich.
Der Apotheker verschwand kurz an seinen tausend Schubladen und kam mit ein paar Schächtelchen zurück.
"Alles homöopathisch - zum Abschwellen der Schleimhäute in Rachen und Nase. Sie können die Packungen komplett leeren, Nebenwirkungen gibt's keine."
Misstrauisch beäugte ich die Medikamente, nahm sie in meine spitzenumspannten Hände.
"Gut, das ist genau das Richtige für mich: Alles leer machen und schnell gesund werden. Nehm' ich!"
Er kassierte mich ab - und es knisterte. Ginge es mir nicht so dreckig, hätte er mich auf einen Café eingeladen - oder ich ihn? Schließlich war ich eine emanzipierte Frau und nicht verlegen, mir zu nehmen, was ich wollte.
"Dann wünsche ich Ihnen gute Besserung! Werden Sie schnell wieder gesund!"
Er verabschiedete mich überschwänglich.

II.

Dann kam der schwarze Monat, in dem ich ein Geschenk zurückgeben wollte. Die Hoffnungslosigkeit hatte den Zenit überschritten. Ich lebte nicht mehr, funktionierte nur noch, zog Meetings und Sitzungen durch und verschwand dazwischen auf der Toilette, um den letzten Rest Nahrung von mir zu geben. Schnell das Make-up um den Mund rum und den Lipstick erneuern - und weiter ging's. Äußerlich perfekt sein, keine Emotionen zeigen.
Meine Hormone waren alle und die verfluchte VÄ / PÄ noch immer nicht durch. Ich hatte die Neubeschaffung schleifen lassen, weil ich nicht davon ausgegangen war, nochmals etwas zu benötigen. Auf dem Rezept stand wie immer die Anrede 'Frau' kombiniert mit diesem fremden, männlichen Vornamen - ekelhaft.
Die Sonne schien und es waren milde zehn Grad. Ich lavierte meine 6m-Karre in eine enge Parklücke, um möglichst nahe am Eingang zu stehen. Denn ich zog meine süße Rosen-Pelzjacke nicht drüber, sondern stolzierte erhobenen Hauptes im blütendurchwirkten Spitzenoberteil durch das Center. Die Volants meines langen 50er-Jahre-Rocks wippten. Da fielen etlichen Damen und Herren die Augen raus. Glotzt nur, ich bin das schönste Monster weit und breit!
Ja, ja, ich wusste es eigentlich besser, dass sie nicht wegen Trans glotzten, sondern wegen meines Outfits. Das hatte ich bei gleicher Klientel mit weniger auffälligen Klamotten schon getestet. Aber ich hatte keine Kraft mehr, die Dinge zu sehen, wie sie waren.

Was, wenn der nette junge Mann da wäre? Verflucht, daran hatte ich gar nicht gedacht! Der würde die komische Kombination von Anrede und Vornamen lesen und sofort die schriftliche Bestätigung bekommen, dass ich keine geborene Frau wäre! Damit war die Aussicht auf einen gemeinsamen Café gestorben. Niemals würde der sich mit einer Kreatur einlassen, jetzt, wo er es schriftlich hatte.
Und wie befürchtet, stand der nette junge Mann am Tresen, erkannte mich sofort und strahlte mir entgegen. Komischerweise kam es nicht zur erwarteten Gesichtsentgleisung, als er das Rezept las. Hatte er das jetzt nicht gecheckt? Verstand ich nicht. Zu allem Unglück war das Zeug ausgerechnet heute nicht da. Als Trostpflaster suchte er mir eine große Probe einer hochwertigen Duschpflege heraus. Merkwürdiger Vogel — hassen sollte er mich! Zumindest müsste er mich verachten, verlachen! Anscheinend ging ich ihm dermaßen am Arsch vorbei, dass es noch nicht mal dafür reichte. Ich war dermaßen gleichgültig, dass ich weder Hass noch Ablehnung auszulösen vermochte. Anpflaumen wollte ich ihn, warum er weiterhin dermaßen scheißfreundlich tat und mich permanent anlächelte? Doch es war nur ein stummer Schrei. Ohne ein Wort machte ich auf dem Absatz kehrt und ging mit meiner ohnmächtigen Wut hinaus. Ich war fertig mit der Welt.
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