Guten Morgen Cybill,
ich fürchte, du hast meinen Beitrag nicht so aufgefasst, wie er gemeint war. Den Rabulismusvorwurf kann man machen, ich find ihn aber nicht zutreffend. Letztlich geht es doch darum genau hinzusehen, um irgendein Problem oder Phänomen zu verstehen. Das sieht oft nach Spitzfindigkeit aus, ist es aber doch gar nicht (denke ich).
Du hast ja Recht, wenn du sagst, dass zunächst nicht die Ursache das Problem ist, sondern das Leiden selbst, das es zu lindern gilt. Auch deiner Sicht, dass dem Leiden eine Erkrankung zugrundeliegen muss, kann ich erstmal folgen.
Für mich ergeben sich zwei Fragen (die ich nicht als Spitzfindigkeiten zu lesen bitte, sondern als Teil der (meiner) Thesenbildung und gern auch als Diskussionsgrundlage)

:
Ist das Leiden, das z.B. ich an mir selbst eben nicht im Sinne eines Leidens feststelle*, ein 'echtes' Symptom von trans-irgendwas?
Ergibt sich das Leiden, ganz oder teilweise, aus dem individuellen Umgang mit der eigenen Abweichung von der gegebenen 'Normalität'?
Das ein Leiden behandelt werden muss, ist absolut klar. Aus meiner Sicht muss man dazu aber auch die Ursachen finden. Je nach dem welche der Fragen man mit 'Ja' beantwortet, kommen unterschiedliche 'Therapieansätze' und auch unterschiedliche 'Patienten' heraus (das Individuum oder/und die Gesellschaft) . Wenn man beide mit 'Ja' beantwortet, kommen beide Ansätze heraus.
Hoffentlich ist das jetzt nicht wieder missverständlich.
Wenn du Zeit und Lust hast, können wir das Thema am Wochenende gern weiter bearbeiten (oder auch nur zusammen was trinken

). Am Samstagabend im Sonntagsclub? Oder am Sonntagabend bei der Reformbühne Heim&Welt (dort vielleicht mit Jakob Hein)? Oder am Montag nach der Anhörung zur Dritten Option?
Hab's gut
Marielle
*) Klar, an manchen Stellen könnte mein Dasein einfacher sein als es ist. Aber das ist nichts was ich als 'Leiden' empfinde. Den üblichen 'vomTischputzer', dass man ohne dieses Leiden eben nicht trans- ist, lasse ich nicht gelten, solange es keine beinharte, unabhängige Diagnose zu trans- gibt.