Moin und Hallo,
nachdem ich vor geraumer Zeit hier im Forum von einem ersten Outing
(sich en femme zeigen) in unserer direkten Nachbarschaft berichtete
Eine Neue Leichtigkeit des Seins ?! - Outing im Wohnumfeld
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möchte ich heute, wie in obigem Beitrag angekündigt, von meinem nächsten Schritt,
dem offiziellen Outen gegenüber all unseren Nachbarn (Eigentümer- und Interessen-
gemeinschaft, insg. 8 Parteien/Häuser) berichten.
Und ja "¦. auch hier ist wieder Sitzfleisch äh Durchhaltefähigkeit beim Lesen gefragt!!
Für all diejenigen, die obigen (seeehr langen) Bericht nicht gelesen haben bzw. sich nicht
wieder vor Augen führen möchten, hier in Kurzform nochmal meine Beweggründe zu
diesem Schritt.
Ich will mich einfach nicht mehr in unserem Haus als Mel verstecken müssen!
Möchte auch mal unsere Terrasse und Garten en femme betreten dürfen, ohne mich um
die Nachbarn scheren zu müssen. Möchte fertig gestylt das Haus verlassen können,
um geplante Mädels-Vorhaben direkt von zu Hause aus starten zu können.
Und ja, die Zeit auf Erden ist endlich, die Sechzig steht kurz bevor und wer weiß schon,
was unsereins morgen erwartet.
Wem bin ich Rechenschaft schuldig? Doch nur mir und meiner Frau / Familie gegenüber!
Diverse Diskussionen begleiteten uns rund um dieses Thema! Immer und immer wieder.
In erster Linie mit meiner Frau, aber auch mit unseren besten Freund-en/-innen, bei den
Treffen in Hamburg, mit ebenfalls Betroffenen, die diesen Weg schon gegangen sind und
uns/mich damit auch ermutigt haben, es ihnen gleich zu tun (Danke an dieser Stelle an Regina
und Juliane nebst ihren Partnerinnen).
Am Ende jeder Diskussion stand immer der Satz:
"Die Entscheidung zum Outing kannst nur DU (also der/die Betroffene) selbst treffen!"
Ergänzt von meiner Frau wie folgt:
"Egal wie du dich entscheiden solltest, Ich stehe hinter Dir und gehe den Weg mit!"
Und so hatte es sich denn Ende Juni ergeben, dass ich - nach einem Kurzurlaub nebst
verlängertem (Mädels-) Wochenende in Hamburg mit Teilnahme am Treffen der
dortigen crossdresser - für die Heimfahrt entschied:
Ich fahre heute im Mel-Modus nach Hause.
"¦"¦"¦"¦"¦. siehe Bericht "¦"¦"¦.
Am Ende jenes Tages war ein kleiner Teil der Nachbarn schon mal fürs Erste eingeweiht.
Wir erwähnten diesen gegenüber, dass wir beabsichtigen, in naher Zukunft alle direkten
Nachbarn (7 Familien) zu einem Kaffeenachmittag einzuladen, um so allen die Gelegenheit
zu geben, die für sie neue (feminine) Seite ihres-r Nachbarn-in kennen zu lernen. Gleichzeitig
wollte-n ich/wir ihnen damit die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen bzw. ihnen das Thema
Trans* etwas näher zu bringen.
Dies erfolgte dann tatsächlich 14 Tage später und hier mein Bericht dazu:
Die Einladung zu jenem Kaffeenachmittag erfolgte in schriftlicher Form und wurde von
mir 4 Tage vorher in die Briefkästen der Nachbarn verteilt.
Die Einladung sollte nicht zu viel vorweg nehmen, gleichzeitig erhoffte ich mir, dass auch
bei den bis dato unwissenden Nachbarn die Formulierung nebst Fotos in die von mir
gewünschte Richtung weisen würde und entsprechendes Interesse hervorriefen.
Text und Form habe ich hier beigefügt.
[image][/image]
Der Sonntag kam, das Wetter war phantastisch, wir hatten auf der Terrasse eingedeckt,
meine Frau und ich hatten uns schick zurecht gemacht und wir erwarteten dann ab 1500Uhr
das Eintreffen der Gäste.
[album][/album]
2 Familien hatten aufgrund anderer Vorhaben (Camping/Radtour) abgesagt und 2 weitere
angekündigt, etwas später zu kommen. Schade, aber alle unter einen Hut zu bringen konnten
und durften wir auch nicht erwarten, unabhängig vom Grund der Einladung, zumal bei diesen
sommerlichen Wetterverhältnissen,
Tja und dann warteten wir, "¦. und warteten "¦.
Als nach 1 Stunde noch immer niemand da war, waren wir doch ziemlich beunruhigt und
fragten uns, ob wir mit unserem Vorhaben so danebengelegen und die Nachbarn falsch
eingeschätzt haben!
Aber dann, gegen 1615Uhr klingelte es - endlich - und die Nachbarn erschienen dann
geschlossen, bewaffnet mit Blumensträußen, Wein und sogar 1 Lippenstift für Mel.
Das Echo bei der Begrüßung war - bis auf einen älteren Herrn (70), dem Ehemann
der Nachbarin, die uns/mich 14 Tage zuvor als erstes im Mel-Modus kennen gelernt
hatte - durchweg offen und freundlich.
Eben jener Herr begrüßte mich doch ziemlich grantig (wir kennen uns seit 25 Jahren!),
drückte mir ne Flasche Rotwein in die Hand mit dem Hinweis, er wüsste ja nicht, was
"Frau" so trinkt und außerdem hätte er Probleme damit, mich mit meinem weiblichen
Vornamen anzureden, was seine Frau ihm aber extra aufgetragen hätte. Wenn ich mich
wenigstens Erna o.ä. nennen würde, dann könne er noch halbwegs was damit anfangen,
wenn es denn schon eine weibliche Ansprache geben soll/muss "¦.
Ich versuchte das gleich zu entschärfen mit dem Hinweis, dass ich diese Vorgabe nicht
explizit gemacht habe, sondern seinerzeit nur die Frage seiner Frau nach meinem weib-
lichen Namen beantwortet hatte und es schön fände, wenn ich als Mel angesprochen
werde, wenn ich im en femme Modus angetroffen werde.
Nachdem dann alle ihre Plätze eingenommen und mit einem Begrüßungssekt versorgt
waren, setzte ich zu einer kleinen Rede an und wollte in eigentlich 5-6 Sätzen den
Grund unserer Einladung und meines Erscheinungsbildes darlegen.
Aber bereits nach 2 Sätzen fiel mir der Grantler zu meiner rechten ins Wort, lies auch nicht
nach und brachte mich damit aus dem Konzept. Somit fiel die Rede länger aus als
beabsichtigt und ging schon viel zu sehr in Details, immer wieder unterbrochen vom
Nachbarn zu meiner Rechten.
Mir sprang dann meine Frau zur Seite und meinte, lasst uns doch erst mal den Kuchen
anschneiden und wir können dann ja weiter reden.
Daraufhin meinte der Lebenspartner meiner direkten Nachbarin zur Linken, er fände es
absolut bewundernswert, dass ich diesen Schritt so gewagt habe und stellt sich das ungemein
belastend vor, Jahre- oder besser Jahrzehntelang ein solches Geheimnis mit mir rumge-
tragen zu haben.
Und so wurde etwas Dynamik aus der Sache heraus genommen und es folgte ein Austausch,
der zwar nicht ganz so verlief, wie ich es mir im Vorfeld gewünscht/erhofft hatte, aber dies
lässt sich wohl auch nicht in Gänze vorherplanen.
Da eine Familie ihr kleine Tochter von 16 Monaten dabei hatte, waren die Aufmerksam-
keiten noch zusätzlich unterschiedlich verteilt.
Negativ wirkte sich auch aus, dass die Zeit aufgrund des späten Erscheinens realtiv
knapp bemessen war, da wir ja zum Kaffeenachmittag und nicht auch zum Abendessen
geladen hatten. Daher verließen die ersten Gäste bereits um 1745Uhr den Saal, äh die
Terrasse. Die Letzten gingen gegen 1830Uhr.
Zusammenfassung dieses Nachmittags:
Also bis auf den Grantler (70 Jahre, krank, mehrere Herz-Op's, seither sehr verändert und mit
den meisten Nachbarn mittlerweile ein eher angespanntes Verhältnis, jedoch bis dahin nicht
mit uns) haben es wohl:
+ alle gut aufgefasst
+ zeigten Mitgefühl, ob meines jahrelangen sich Versteckens (müssen)
+ finden es toll, dass ich nun zu mir stehe
+ ich den Mut aufgebracht habe, mich in dieser Form zu outen
+ und sind der Auffassung, dass ein jeder das Recht habe, sein Leben so zu gestalten und
zu leben, wie er/sie empfindet und es seinem/ihrem Seelenheil gut tut.
Mir/uns wurde ebenfalls versichert, dass sich an dem bisherigen Verhältnis zu mir/uns nichts
ändern wird.
Dem Grantler wiederum fehlt es an Verständnis, warum ich diese meine Neigung in dieser
Form (Einladung) publik mache. Dass es gar Foren gebe, in denen man/Frau sich über
"solche Themen" austausche, einfach unmöglich!! Er hätte - wie vermutlich jeder Mensch -
auch Geheimnisse, die maximal nur ihn und seine Frau was angingen"¦
Ihm wäre es sch"¦egal, in welchen Klamotten ich mich wohlfühl/rumlaufe, aber das muss
man doch nicht öffentlich machen"¦!!
Und warum ich ihm jetzt solche Probleme vor die Füße rolle, denn schließlich sei er ein
verantwortungsbewusster Mensch, der sich wiederum um die Mitmenschen in seinem
direkten persönlichen Umfeld Gedanken mache. Auf Nachfrage dazu meinte er, es müsse
mir doch bewusst sein, dass dies nun Kreise ziehen und publik werden könne/würde "¦
So würde es ja nun auch schon sein Sohn wissen (der mit unserem gemeinsam aufgewachsen
ist) "¦!
Ich interpretiere das mal so: WAS werden die Leute nun von mir denken..?!!
Als wenn ich mir vor diesem Schritt keine Gedanken gemacht hätte! Da scheint der
Gute ja keine hohe Meinung von meinem geistigen Horizont zu haben"¦
Und klar ist davon auszugehen, dass diese meine "neue" Seite nicht auf den Kreis der
Nachbarn begrenzt bleiben wird, zumal doch bekannt ist, dass seine Frau so etwas wie
die Pressestelle des Ortes ist!
Ich werde niemandem den Mund verbieten können und ich gehe auch davon aus, dass dies
weiter getragen wird. Dies war mir/uns durchaus bewusst und hat mich auch im Vorfeld
lange beschäftigt, liegt nach diesem outing nun aber nicht mehr in meiner Macht.
Wie ich im Nachhinein erfahren habe, hat eins der beiden verhinderten Paare wohl gekniffen,
da hier die Partnerin Probleme mit meiner weiblichen Erscheinungsform hat. Klar haben sie
tatsächlich eine länger geplante Radtour mit Schwa(ä)ger/in gemacht, aber wäre die nicht zu
verschieben gewesen?! Den Mann habe ich 2 Tage später getroffen und er sprach mich ob der
Einladung an, entschuldigte sich nochmals aus besagtem Grund und war eigentlich nur voll
des Lobes über mein outing und zeigte reges Interesse ob meiner weiblichen Seite.
Ein Paar, unsere direkten Nachbarn zur rechten (Camper) fehlen noch, aber dies wird sich in
den kommenden Wochen wohl mal ergeben. Vermute aber, dass es schon bis zu ihnen
durchgedrungen ist.
Zwischenzeitlich weiß ich, dass auch die erwachsenen Kinder / Enkel unserer Nachbarn von
Mel Kenntnis erlangt haben, aber neben Erstaunen wohl nur positives feedback dazu kam.
Jedenfalls war es mir ein Anliegen, es diesem Personenkreis in meinem / unserem unmittel-
baren (Wohn-) Umfeld nicht bei einer zufälligen Begegnung bewenden zu lassen, sondern mir
wie ihnen im direkten Austausch Gelegenheit zu geben, sich mit meiner weiblichen
Erscheinungsform und der Thematik darum zu befassen und in Teilen zu erklären.
In der doch vorhandenen Euphorie des Kaffeenachmittags mit den Nachbarn ergab es sich,
dass wir noch am Abend ein befreundetes Ehepaar aus unserem Kegelclub hier aus dem Ort
zu uns einluden.
Sie hatten sich telefonisch aus dem Urlaub zurück gemeldet und wir fragten, ob sie nicht
spontan zu uns rüber kommen wollen, gaben dabei aber den Hinweis, dass sie mich in nicht
alltäglichem gewohnten Erscheinungsbild antreffen würden.
Kurzum, es war die Holzhammermethode, aber sie haben es schadlos überlebt. Während die
Frau sich gar nicht mehr ein bekam vor lauter Ah und Oh, ist ja ein Ding, wie toll, etc. dauerte
es bei ihm doch einige Minuten, bevor er den Mund wieder zu und er zu einer ersten
Äußerung fähig war.
Kurz darauf meldeten sich unsere besten Freunde via whatsapp und als ich diesen antwortete,
dass wir hier gemütlich beisammen sitzen und ich im Mel-Modus, da standen sie 15 Minuten
auf der Matte. Sie wissen zwar schon seit mehr als 4 Jahren von Mel und haben bestimmt
schon um die 100 Fotos von mir en femme gesehen, aber eben noch nie live!!
Auch hier wieder mehrfach die Bemerkung: Ist ja der Hammer! Unglaublich!
Nochmal ein ganz anderes Empfinden zwischen Bildern und Mel live erleben.
Das wurde dann noch ein richtiger gelungener Abend und schöner Abschluss dieses erlebnis-
reichen Sonntags.
Mittlerweile sind ja schon einige Wochen vergangen, aber bis dato habe ich noch
keinerlei negative Auswirkungen wahrgenommen oder bemerkt, dass man zu mir auf
Distanz gegangen ist.
Gleichwohl fehlt mir die Info, wer denn schon alles davon Kenntnis erlangt hat.
Aber das ist wohl normal, der/die Betroffene erfährt es zuletzt und wer würde
mich schon direkt darauf ansprechen "¦.?!
Natürlich sind es auch 2 Paar Schuhe, das Eine, was dem/der Betreffenden direkt
gesagt wird und das Andere, was gedacht oder hinter vorgehaltener Hand anderen
mitgeteilt wird.
Ich bin weit davon entfernt zu glauben, alle und jeden für unsere Sache überzeugen
und bekehren zu können, gleichwohl bin ich davon überzeugt, nur durch sichtbar
machen / sich zeigen und eine gewisse Offenheit können wir für mehr Toleranz und
Akzeptanz bei Nichtbetroffenen werben.
In diesem Sinne, schönes Wochenende
Mel