Der Reiz der Verwandlung - CD/Transe vs. TS
Der Reiz der Verwandlung - CD/Transe vs. TS - # 7

Lebensplanung, Standorte
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ExUserIn-2026-04-08
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Re: Der Reiz der Verwandlung - CD/Transe vs. TS

Post 91 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hallo Gerda Joanna,
sich tendenziell nicht ganz in eine Frau hineinversetzten können.
Wie kommst Du darauf und was soll das auch sein ? Frauen, und natürlich auch Männer, sind so individuell, dass sich mMn gar keine Möglichkeit besteht, sich "in Frauen" hinein zu versetzen. Aber Empathie kann ich auch nur für eine Einzelperson entwickeln und nicht für eine heterogene Gruppe von Menschen.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Violetta Arden
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Re: Der Reiz der Verwandlung - CD/Transe vs. TS

Post 92 im Thema

Beitrag von Violetta Arden »

...das bezog sich hauptsächlich auf diverse Äusserungen (ich kann jetzt nicht alle Posts durchgehen) dass sich Frauen Reizwäsche etc. anziehen um sich selbst "geil" zu machen. Das wird es im Einzelfall geben aber doch meist nur ,um den Partner anzuheizen. Das speziell haben wir gestern mal diskutiert.
LG Gerda
Mein weibliches Ich ist ein Teil von mir und lässt sich nicht mehr unterdrücken. Ungenützte Zeit lässt sich nie mehr zurückholen.
Lebe Dein Leben.

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Michi
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Re: Der Reiz der Verwandlung - CD/Transe vs. TS

Post 93 im Thema

Beitrag von Michi »

Es wird langsam mal Zeit, den angekündigten zweiten Teil hier einzustellen.
Hier noch der Link zum ersten, wenn jemand noch mal nachlesen möchte.

Noch etwas vorab ...

Mir ist klar, dass eine bestimmte "Fraktion" die nachfolgend geschilderten Erfahrungen selektiv lesen wird, als Bestätigung ihrer Vorurteile gegen die Menschen im Nicht-Cis-Spektrum, die nicht den ihrer Meinung nach einzig richtigen Weg aus Hormonen, Vornamensänderung und GaOP gehen. Aber bei solchen Vorurteilen, und wenn sie meinen, sich (empathie-befreit) darin suhlen zu müssen, dass natürlich niemand so sehr leidet wie sie, kann ich wohl nichts machen. In gewisser Weise ist das als selbsterfüllende Prophezeiung sogar zutreffend, selbst erschaffenes Leid. Aber das ist dann nicht mein Problem. :wink:


Teil 2 - Eigene Erfahrungen

Dieses wundersame Gefühl, irgendwie auch Mädchen sein zu wollen, begleitet mich, so weit ich zurück erinnern kann. Allerdings konnte ich es damals im Alter zwischen dem 4. und 5. Geburtstag noch nicht so genau benennen wie heute. Ich hatte durchgängig das Bedürfnis nach weiblicher Kleidung, empfand es irgendwie ungerecht diese nicht haben zu dürfen, und habe dem Bedürfnis auch im Rahmen des Möglichen nachgegeben. :?

Bereits vor der Pubertät war es so, dass mein An- und Ausprobieren von Mädchen-/Frauen-Kleidung von extremer Heimlichkeit, großer Scham und dementsprechend panischer Angst vor dem Entdeckt-Werden geprägt war. Mir war von frühester Kindheit an bewusst, dass ich Wünsche und Bedürfnisse habe, die irgendwie nicht normal sind, und die ich besser ganz für mich behalte, wenn ich mich nicht zum Gespött machen und die Liebe meiner Familie verlieren will. :?

In der Pubertät kam dann das, was bei Jungs nun mal so kommt ... die sexuelle Erregung, bei mir noch zusätzlich mit Testosteron-Spritzen angekurbelt, weil die Ärzte wohl der Meinung waren, dass es bei mir nicht nach Plan lief. Diese Spritzen in Verbindung mit der Heimlichkeit und der damit verbundenen Anspannung hatte natürlich erheblichen Einfluss und heizte den Trieb regelrecht an. Durch den allgegenwärtigen Zeitdruck und die Angst vor Entdeckung konditionierte ich mich zwangsläufig darauf, mich der schönen Kleider nach dem ungewollten Lustgewinn schnell wieder zu entledigen. Ich kam geradezu in einen Teufelskreis von dem Wunsch, meinen weiblichen Gefühlsanteilen mit entsprechender Kleidung für mich selbst ein Gesicht zu geben, und dem Schamgefühl vor mir selbst, speziell ob des Ablaufs, von dem ich mich nicht befreien konnte. Die nur kurzen, eher seltenen Gelegenheiten trieben mich immer wieder dazu, die nächste Gelegenheit geradezu zwanghaft auszunutzen und mich hinterher doch wieder nur schlecht zu fühlen. :cry:

Später, als ich beruflich öfter unterwegs war, hat sich das erstmals spürbar verändert. Ich konnte nun entspannt genießen, mehrere Stunden in meiner (wenigen) geliebten weiblichen Kleidung zu verbringen. Trotz gelegentlicher leichter Erregung fühlte ich mich nun anders ... deutlich wohler und entspannter. Der frühere Druck war nicht mehr da, auch wenn ich hin und wieder Angst vor Entdeckung durch Kollegen, Kunden oder das Hotelpersonal hatte. Wenn ich jedoch länger keine Dienstreisen hatte, und dementsprechend keine wirklich ungestörte Zeit zum Dressen, dann merkte ich, wie das alte Muster wieder zurückzukehren drohte. Ich musste wieder die Gelegenheit nutzen, wenn sie sich gerade bot. Und dementsprechend war der Druck wieder da, der auf mir lastete, der mich ungewollt erregte. :cry:

Nach der Trennung von meiner Frau wurde es wiederum besser und in meiner Zeit als Stubentranse normalisierte sich der Umgang mit weiblicher Kleidung. Ich hatte nicht tagelang, aber gut planbare Zeiten. Ich zog dann an, wonach mir war, konnte mich dabei emotional entspannen und einfach nur wohl fühlen. :D

(Einen kleinen Rückschritt gab es nochmals, als ich anfing, als Frau gekleidet auch nach draußen zu gehen, und wieder die Angst vor Entdeckung verspürte.)

Heute, nach ein paar Jahren Outdoor-Erfahrung bin ich wesentlich entspannter geworden. Obgleich ich es immer noch sehr genieße, und auch ein Wohlgefühl, eine ganz leichte Erregung verspüre, so ist dieses Gefühl doch ein völlig anderes geworden. War es früher die sehr lokalisierte männliche Erregung, die mir Unbehagen bereitete und mir die wenige Zeit des äußerlichen Frau-Seins regelrecht vermieste, so ist diese heute einem allgemeinen wohligen Gefühl am ganzen Körper gewichen. Mein leicht angeregter Kreislauf lässt mich in leichter weiblicher Kleidung spürbar weniger frieren als in den üblichen dicken Männerklamotten. :)


Wem von euch ging es ähnlich?
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Re: Der Reiz der Verwandlung - CD/Transe vs. TS

Post 94 im Thema

Beitrag von Christiane04 »

Danke für deine Offenheit Michi,

Ehrlich und auch selbstkritisch ist der Blick auf deine Jugend. Buchstäblich erschreckt hat mich
Der deiner Schilderung nach unkritische Testosteroneinsatz von ärztlicher Seite. Das kommt mir
Sehr dubios vor, mich würde da die Diagnose interessieren und was es nach Meinung der Ärzte hätte
Bringen sollen....und du tust mir leid, intramuskulär das ölige Zeug hat sicher weh getan......
Ansonsten habe ich durchaus ähnliches erlebt und getan und erkenne mich teilweise wieder. Jeder
Lebenslauf ist ein bisschen anders (moin) .
Fände es gut, wenn du noch so in dem Stil weiterschreibst!

Lg Christiane
"Ein Mann kann anziehen, was er will, er bleibt doch nur ein Accessoire der Frau. " Coco Chanel
Jaddy
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Re: Der Reiz der Verwandlung - CD/Transe vs. TS

Post 95 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Die Testo-Sache finde ich auch sehr merkwürdig, Michi. Hast Du mal nen Check machen lassen? Chromosomen, Hormonstatus und dergleichen? OK, würde nicht viel Unterschied machen, aber so als Hintergrund vielleicht interessant.

Was mich am meisten bedrückt ist Dein Gefühl damals, nicht normal zu sein, etwas verbotenes zu tun.
Michi
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Re: Der Reiz der Verwandlung - CD/Transe vs. TS

Post 96 im Thema

Beitrag von Michi »

Jaddy hat geschrieben: Do 27. Sep 2018, 20:39 Die Testo-Sache finde ich auch sehr merkwürdig, Michi. Hast Du mal nen Check machen lassen? Chromosomen, Hormonstatus und dergleichen? OK, würde nicht viel Unterschied machen, aber so als Hintergrund vielleicht interessant.
Merkwürdig, ja. Checken lassen habe ich nichts, da ich gar nicht wüsste, warum. Ich bin gesund, habe keinerlei Beschwerden, habe problemlos ein Kind gezeugt.
Jaddy hat geschrieben: Do 27. Sep 2018, 20:39 Was mich am meisten bedrückt ist Dein Gefühl damals, nicht normal zu sein, etwas verbotenes zu tun.
Ja, das beschäftigt mich noch immer. Es war Anfang der 1970er Jahre, und ich kann mir bis heute nicht wirklich erklären, woher ich bereits als Kindergartenkind diese Klarheit genommen habe, dass das irgendwie falsch ist, was ich mir wünschte. Ich hatte eine etwas jüngere Schwester, und da war diese klare Unterscheidung der Geschlechter, und ich war ja in den Augen der Anderen zweifellos ein Junge, und sie das Mädchen. Ich denke auch nicht, dass das in dieser Hinsicht bei uns zu Hause irgendwie übertrieben betont wurde. Wenn ich das als Erwachsener so beobachtet habe, als in der Familie und bei Freunden die Kinder kamen, da war das genau so. Den Zwergen wird von klein auf signalisiert, was sie sind und zu sein haben, ohne dass da jemand drüber nachdenkt (ausgenommen ich und vielleicht noch ein paar andere Betroffene).


Liebe Grüße
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Re: Der Reiz der Verwandlung - CD/Transe vs. TS

Post 97 im Thema

Beitrag von Jenina »

Michi,

also ähnlich ergehen ist gut - mal vom Testosteron abgesehen ging es mir eigentlich ganz genauso.

Ich bin ja auch aus einer Generation, wo man "über solche Sachen" gar nicht gesprochen hat. Sexuelle Aufklärung gabs in der Schule, mehr auf dem Schulhof als im Unterricht. Und alles was nicht "normal" war für einen Jungen war schwul, was damals ein fürchterliches Schimpfwort war. Glücklicherweise fand ich zu Hause das Buch "Mann und Frau intim" im Bücherschrank und habe es einfach gelesen. Da kam das Zauberwort darin vor: "Devianz". Und plötzlich hatte ich ein Wort, das meine Gefühle beschreiben konnte ohne dass ich Angst haben musste etwas ganz schreckliches zu tun und zu sein. Ich darf also die Sachen meiner Schwester ausprobieren, meine "Normabweichung" ist natürlich und liegt innerhalb der Norm. Und da waren plötzlich auch die Gefühle von Erregung gar nicht mehr schlimm.

Trotzdem war die Gesellschaft eben noch nicht so weit. Die kleinbürgerliche Moral hatte immer noch die Priorität. Deshalb habe ich auch viele Jahre verheimlicht. Wenn ich dann die seltenen Gelegenheiten nutzen konnte explodierte die Erregung. Das wurde ganz anders nach meinem Outing und allem was danach kam. Da trat endlich Ruhe ein, auch wenn das lange gebraucht hat und nicht einfach war.

Heute ist für mich ein ganz normales Leben an den Randausläufern der Normkurve. Und wenn ich mich style habe ich schöne Gefühle, ich nenne es immer mein streben nach "Schönheit", die im Modus en femme einfach leichter ist. Aber auch als Mann mit androgynen Äußerlichkeiten fühle ich das. Das ist etwas agnz anderes als die Erregung von früher, viel schöner, weil viel ruhiger und wärmer.

Etwas mehr Kribbeln kommt freilich bei den Ausgängen dazu. Die sind nicht so oft und vielleicht liegt es daran. Trotzdem ist auch da viel Selbstverständlichkeit. Und das war schon so bei meinem allerersten Auftritt, was ich damals als sehr seltsam empfand. Aber offenbar ist darin etwas, was zu mir gehört und meiner Devianz. Und deshalb bin ich auch so zufrieden und versuche das zu vermitteln. Auch wenn das einigen aus der Communitiy nicht zu passen scheint.

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Re: Der Reiz der Verwandlung - CD/Transe vs. TS

Post 98 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Hi,
Jaddy hat geschrieben: Do 27. Sep 2018, 20:39 Was mich am meisten bedrückt ist Dein Gefühl damals, nicht normal zu sein, etwas verbotenes zu tun.
Das kenne ich auch so. Warum verwundert dich das ? Die Gesellschaft sagt da ziemlich eindeutig etwas falsches zu tun. Und die Kinder sind unsicher und unerfahren und können sich solchen Sachen schlecht wiedersetzen und dem eigenen moralischen Kompass aufzubauen geschieht doch viel später ;)

VlG
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Re: Der Reiz der Verwandlung - CD/Transe vs. TS

Post 99 im Thema

Beitrag von Céline »

Hallo,
Das war damals doch völlig normal und ich habe es so hingenommen und aktzepiert.Und dann .....ein halbes Leben lang mit Scham und Angst verbracht damit ja niemand etwas mitbekommt.Ich kann mich noch daran erinnern das ich als Kind einmal verzweifelt etwas über die Thematik zum lesen gesucht habe.Ich fand in einem älteren Medizinlexikon die Aussage:"......Mann der Frauenkleidung trägt ist psychisch krank und muss Psychatrisch in der Klinik behandelt werden" so ungefähr habe ich es noch in Erinnerung und diese Angst dann entdeckt zu werden hat mich im Grunde genommen ca30 Jahre lang verfolgt.Selbst als das Internet verbreitet wurde ging die Heimlichkeit weiter ,ich traute mich auch da noch nicht auf Ursachenforschung zu gehen....es könnte ja jemand durch Zufall sehen was im Netz angeschaut wurde.
Zum Glück ist die Gesellschaft heute offener obwohl viele immer noch denken es gibt nur schwarz und weiß.
"Sprache und Worte können mich nicht verletzten...nur der Mensch und seine Absicht dahinter"
C.B.
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Re: Der Reiz der Verwandlung - CD/Transe vs. TS

Post 100 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)
Jenina hat geschrieben: Fr 28. Sep 2018, 08:01 meine "Normabweichung" ist natürlich und liegt innerhalb der Norm.
Schön gesagt!
Ich habe kürzlich irgendwo im Zusammenhang mit uns das Wort "Normvariante" gelesen, das fand ich eigentlich ganz passend:
Wikipedia hat geschrieben:Mit dem zusammengesetzten Begriff Normvariante (englisch normal variant) wird in der Medizin alles das bezeichnet, was nicht üblicherweise, sondern lediglich bei einem kleineren Teil einer vergleichbaren Bevölkerungsgruppe auftritt. Das Wort setzt sich zusammen aus "Norm" im Sinne eines vereinbarten oder festgelegten Standards (Normwert). Dabei wird alles als normal bezeichnet, was in einem hohen Prozentsatz bei Gesunden vorliegt oder gefunden wird. Ferner ist enthalten der Begriff "Variante" im Sinne einer "abweichenden Ausführung", "Spielart" oder "Abwandlung".
Ich finde das klingt so schön locker, nicht so ernst und angespannt, wie häufig mit unserer Thematik umgegangen wird. Irgendwie bunt (flo)
Ich bin also ein Sondermodell :wink:

Grüße
die Anja
Fällt der Apfel weit vom Stamm, kommt wenigstens mal Sonne dran!
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Re: Der Reiz der Verwandlung - CD/Transe vs. TS

Post 101 im Thema

Beitrag von Michi »

Christiane04 hat geschrieben: Do 27. Sep 2018, 19:14 Buchstäblich erschreckt hat mich
Der deiner Schilderung nach unkritische Testosteroneinsatz von ärztlicher Seite.
Hallo Christiane,

es ist bald 40 Jahre her, und ob die Hormongabe unkritisch war, kann ich schwer beurteilen, geschweige denn jetzt noch irgendwas herausfinden. Sie war auf jeden Fall nicht von ausführlichen Erklärungen mir gegenüber geprägt, und ja, die Spritzen waren einige Zeit danach noch schmerzhaft spürbar.

Liebe Grüße
Michi
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Re: Der Reiz der Verwandlung - CD/Transe vs. TS

Post 102 im Thema

Beitrag von Michi »

Zur Begrifflichkeit ...

Die Bezeichnung 'Normvariante' finde ich persönlich sehr angenehm, und verwende sie bereits zunehmend in der Kommunikation mit anderen.

Denn erstens gibt es nun mal nicht "den Menschen", sondern jeder weicht in irgendeiner Eigenschaft mehr oder weniger vom Mittelwert ab, und wo will man die Grenze ziehen? Ist ein Mensch unnormal, wenn er kleiner als 1,60 oder größer als 1,90 ist? Sind rote Haare oder grüne Augen unnormal, nur weil sie sehr selten vorkommen?

Zum anderen signalisiert die Verbindung aus den Worten 'Normal' und 'Variante' deutlich, dass es nicht nur eine Ausführung gibt, sondern mehrere, und dass es in Ordnung (im Sinne von normal) ist, so zu sein, wie man eben ist.


Liebe Grüße
Michi
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Jaddy
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Re: Der Reiz der Verwandlung - CD/Transe vs. TS

Post 103 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Varianten, Variabliltät und Variationen finde ich eh gut. Auch Variantenreichtumg, facettenreich, Diversität, Vielfalt. Alles tolle, angenehme Worte. Und "leben und leben lassen". Ich denke, ich fühle mich in einer variantenreichen Umgebung wohler, als in einer normierten, (zwangs)normalisierten Monokultur, weil sie wie Michi schon schrieb, deutlich macht, dass es okay ist, so zu sein, wie man eben ist.
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Re: Der Reiz der Verwandlung - CD/Transe vs. TS

Post 104 im Thema

Beitrag von Helen52 »

MichiWell hat geschrieben: Do 27. Sep 2018, 18:19 Wem von euch ging es ähnlich?
Hallo Michi,
vielen Dank für diese offenen und ehrlichen Sätze, diese haben mir sehr gut getan, aber auch Danke an alle in diesem Tread für diese offenen Worte, denn nach etwas Abstinenz in diesem tollen Forum schreibe ich gerne etwas dazu.

Lange habe ich irgendwie darunter gelitten das nicht sein kann was nicht sein darf:
Sich überwiegend als Frau definieren aber manches Mal "männlich" auf die eigene weibliche Erscheinung reagieren. Aus Mangel an Informationen bzw. ehrlichen Aussagen hatte sich dieses "Tabu" in mir festgesetzt.
Eigentlich fragte ich mich bis heute "ist das nur bei dir so" - wie kann es sein, das ich mich weiblich fühle aber - bis vor einiger Zeit - manches Mal männlich erotisiert auf mein weibliches Spiegelbild reagierte.
Mit dem Beginn der Adoleszenz, ich war ca. 13-14 Jahre, zog mich der Kleiderschrank meiner Mutter magisch an. Ich wusste irgendwie instinktiv dass ich mit niemanden darüber sprechen konnte. Die Expeditionen in die großen Weiten der Kleiderschränke meiner Mutter (was Mode betraf war sie äußerst konsumorientiert) waren immer mit großer Anspannung verbunden.
Zuerst war es nur ein probieren einzelner Kleidungstück, aber mit der Zeit - ich nutzte jede Gelegenheit wenn ich allein in der Wohnung war - wurde meine äußerliche Verwandlung immer perfekter, dazu hatte ich zeitgemäß Anfang der 70er schulterlanges blondes Haar.
Dieser Ausflüge waren oft mit gegenläufigen Empfindungen verbunden - diese Diskrepanz verwirrte mich, denn einerseits beruhigte mich das Mädchen im Spiegel doch dann obsiegt manches Mal das Testosteron. Danach konnte ich mich nicht schnell genug der weiblichen Kleidung entledigen.
Ich bin mir nicht sicher ob diese Empfinden bzw. Verhalten nur am "Testosteron" fest zu machen ist.
In diesen Momenten hasste ich mich jedenfalls dafür, es war als würde ein kleines Monster im meinen Kopf das Mädchen in den Keller sperren. Ich wollte doch nur das Mädchen im Spiegel sehen, sie strahlt eine solche innere Zufriedenheit aus und gab mir ein so warmes wohliges Gefühl — es waren (und sind immer noch) die schönen Momente "des Abkommens" .
Liebe Grüße
Helen
Ich glaube ich war zulange auf diesem Planeten mit Östrogen-Atmosphäre.
Rechtschreibfehler sind im Sinne der Autorin künstlerisch wertvoll
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Re: Der Reiz der Verwandlung - CD/Transe vs. TS

Post 105 im Thema

Beitrag von gertraudeZ »

Einfach ein Superbericht und daher auch nicht verwunderlich, wenn es so viele ausführliche Kommentare gibt.
Man kann daraus schließen: CD zu sein ist keinesfalls eine Untugend, wie es mitunter homophob orientierte Leute gerne bezeichnen, die es zu bekämpfen gilt, sondern ausschließlich eine emotionale Angelegenheit. Es ist eben ein Drang oder ein Reiz, wenn ich mir selbst sage "morgen fahr ich mit der S-Bahn nach Leipzig!"...ja und dann mache ich das eben so. Und wenn ich dann zurückfahre weiß ich, was so alles passierte, eigentlich garnichts aber: Bauarbeiter an der Imbiss-Bude pöbelten "hee Pippi", junge Männer riefen "haste nen Bimmel?", aber ein Herr mit Schlips und Kragen lud mich freundlich in ein Cafe ein und spendierte außer Kaffee noch Eis und Whisky, eine Verkäuferin war "saufreundlich" zu mir und selbst die Fahrkartenlocherin, selbst viel Schmuck tragend, bewunderte meine an allen Fingern vorhandenen nostalgischen Silberringe mit großer Hingabe. Und die übrigen mir entgegenlaufenden und in der S-Bahn sitzenden Leute, vor allem die Damen, zollten mir befürwortende Blicke.
Ja, und genau das wollte ich. Somit war es für mich ei erfüllter Tag!
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