Da das meiner Ansicht nach eigentliche Thema etwas in den Hintergrund geraten ist, möchte ich noch mal erläutern, worin ich die zwei großen Probleme sehe.
Punkt 1: Eine non-cis Person wird sprachlich in den Beschreibungen nicht als solche, sondern gemäß des ihr bei Geburt zugewiesenen Geschlechts beschrieben und damit offenbar so aufgefasst.
Übersetzt: Bunce wird als Mann beschrieben, der ab und zu eine Frau darstellt. Das wird der Selbstbeschreibung als gender-fluid sicher nicht gerecht. Ich denke, dazu habe ich alles gesagt. Ich würde mir wünschen, dass non-cis Personen in Artikeln auch als solche erkennbar sind, also nicht irgendetwas "darstellen", sondern etwas anderes (als cis) sind. That's all.
Der zweite Punkt ergibt sich aber aus dem ersten:
Punkt 2: Eine Person, die sicher auch mit Vorurteilen und Ausgrenzungen zu tun hat, wird auf eine Liste gesetzt, die aus bestimmten anderen Gründen für eine andere, strukturell benachteiligte Gruppe geschaffen wurde.
Übersetzt: Bunce ist keine Frau, weder cis, noch trans, und hat deshalb mAn auf einer Liste für Frauen auch nichts zu suchen. Bunce ist auch kein Mann, stimmt. Aber Bunce ist auch nicht farbig oder schwul oder körperbehindert, und hätte deshalb nach meinem Dafürhalten auch auch dann nichts auf einer Liste für PoC oder Homosexuelle zu suchen, wenn er gelegentlich mit farbigen Teint auftreten oder gelegentlich auch Sex mit Männern hätte oder manchmal im Rollstuhl fahren würde, wenn es ihm gefällt.
Abgesehen davon, dass ich solche Listen eh für schwierig halte - Stichworte Feigenblatt, subjektiv, ausspielen von marginalisierten Gruppen gegeneinander - geht es jeweils um die Aufmerksamkeit für die spezifischen Diskriminierungen, Vorurteile, Marginalisierungen einer bestimmten Gruppe. Für Frauen sind das andere als für alle anderen. Wohlgemerkt: Die spezifischen. Natürlich gibt es auch Gemeinsamkeiten mit anderen Gruppen gegenüber der cis/het/white/male privilegierten. Zum Beispiel aus den Seilschaften ausgeschlossen zu sein, etc.
Aber Bunce ist meiner Ansicht nach aus jenen Gründen noch zu nah an der privilegierten Gruppe, die ich in meinem
ersten Beitrag genannt hatte: Erstens hat P. die Führungsposition vor dem Coming Out erreicht, nämlich als "er", ohne die Nachteile einer marginalisierten Gruppe, zweitens ist "er" häufig genug in seiner alten Rolle als cis/het/white/male unterwegs, dass über "ihn" bevorzugt als "Mann in Frauenkleidern" geschrieben wird, wie oben erklärt.
Frauen haben diese Möglichkeit nicht, weder cis, noch trans. PoC auch nicht. LGBTI* auch nicht. Das kan man nicht ablegen und umziehen wie Klamotten.
Dass diejenigen, die von Anfang an mit den Vorurteilen gegen sie zu kämpfen hatten, und die nicht die Möglichkeit haben, sich jederzeit aus der marginalisierten in die privilegierte Gruppe zu reintegrieren nicht glücklich über die Nominierung einer Person aus der strukturell priviligiertesten Gruppe sind, kann ich deshalb durchaus nachvollziehen.
Mir ist klar, dass diese Unterscheidung nah an der TERF-Argumentation vorbei geht. Der Unterschied liegt meiner Ansicht nach in der Möglichkeit der Wahl und der Reintegration. Transfrauen können wohl kaum im Job einen Mann spielen, ohne zu leiden. Wie das bei P.Bunce aussieht weiss ich nicht, dazu sind die Artikel einfach zu sehr mit Blick auf die männliche Identität geschrieben, die P. ja offenbar auch weiterhin lebt.
Trotzdem finde ich es natürlich gut, dass Bunce öffentlich sichtbar ist, von der Firma wohl unterstützt wird, ob als Feigenblatt oder nicht, und dass damit non-cis, queere Menschen sichtbar genauso valide und leistungsfähig sind. Schade, dass es ausgerechnet eine Bank ist
