zunächst einmal vielen Dank für die Statements. Ich glaube, ich kann Eure Sichtweisen sehr gut verstehen. Mir ging es auch weniger um die die Frage nach einem kann oder muss, sondern mir geht es tatsächlich um die Beschreibung, wie sich die Gefühle äußern, die auf die Sehnsucht oder das "Muss" hinweisen. Dass der innere "Drang", die Weiblichkeit oder im umgekehrten Fall die Männlichkeit, zu leben (in welcher Form auch immer), vorhanden ist, ist klar.
Ich habe für mich persönlich festgestellt, in dem Augenblick, in dem ich versuche, meine Gefühle nicht nur diffus, sondern differenziert zu betrachten, für mich selber immer gewonnen habe. Wally hat schon Recht, dass man die nicht so einfach in Worten ausdrücken kann. Aber darin liegt ja auch ein Reiz, wie ich finde. Es ist beständiges "Bohren" und Suchen.
Mir schwebt dabei auch kein "Vergleich" vor, wie ihn Aria anspricht, sondern der Austausch kann neue Horizonte eröffnen. Es ist ein bisschen wie gemeinsam Wein trinken. Jede/r hat eigene Eindrücke und der Austausch darüber kann in mir weitere Eindrücke hervor rufen. Ich habe einmal meine Tochter als sie noch klein war, an meinem Glas riechen lassen. Ihre spontane Reaktion war: "der riecht nach Ananas". Ich hatte das noch gar nicht wahr genommen, aber sie hatte Recht. Im Wein war eine klare Ananasnote. Analog geht es mir hier ähnlich.
Ich bin davon überzeugt, die differenzierte Betrachtung der eigenen Gefühle mich viel weiter bringt. Der Austausch darüber noch einmal. Wally hat z.B. den Zusammenhang zur Sexualität in die Diskussion geworfen. Das finde ich einen spannenden Ansatz. Wo hören nicht-sexuelle Gefühle auf, wo fängt die Sexualität an ?
Wikipedia schreibt zum Thema Sexualität:
Hier ist also, neben dem zwischenmenschlichen Aspekt, ein auf sich selber bezogener Ansatz beschrieben. Ich denke, dass wird häufig vernachlässigt, wenn man sagt, der Wunsch nach der eigenen Weiblichkeit/Männlichkeit hat nichts mit Sexualität zu tun. Ich empfinde das als Einengung. Meine weiblichen Emotionen sind im Sinne des Zitats eher reine Sexualität. Wally beschreibt z.B. ein anderes Körperempfinden von Mann und Frau. Ich kann das nur bestätigen. Wobei ich den Eindruck habe, dass die mit dem Altern verbundenen Veränderungen, vor allem der Hormonspiegel, ebenfalls eine Bedeutung haben. Ich habe entweder "nicht-sexuelle" oder sexuell-weibliche Seite. Die männliche Seite ist unterrepräsentiert.Im weiteren Sinn bezeichnet Sexualität die Gesamtheit der Lebensäußerungen, Verhaltensweisen, Empfindungen und Interaktionen von Lebewesen in Bezug auf ihr Geschlecht.
Die Scham und die Angst, die Kelly anspricht, hat für mich vor diesem Hintergrund eine etwas differenziertere Bedeutung. Wir haben eine Kultur, in der man über Sexualität nicht spricht. Der Ausdruck der eigenen Sexualität ist in diesem Sinne auch eher "peinlich". "Normale" Männer und Frauen drücken zwar ihre Sexualität aus, aber das ist ja "normal" und findet kaum Beachtung. Platt ausgedrückt: Männer suchen Sex, Frauen suchen Liebe. Oder: Männer sind schwanzgesteuert, weiblicher Sex ist kompliziert. Wenn aber ein Cis-Mann sich weiblich gibt oder eine Cis-Frau männlich, drückt sie/er die Sexualität (im oben genannten Sinn) explizit aus. Man ist quasi "nackt". Das wird wahr genommen. Das "Passing" wird wichtig, um nicht nackt zu sein. Vielleicht liegt hierin auch ein Grund, weshalb sich TS sich zurück ziehen. Sie sind "komplett" Frau und wollen ihre Sexualität nicht mehr öffentlich dargestellt wissen. Aber das ist nur eine Vermutung.
Tessa schreibt:
Mit Deiner Vermutung hast Du vielleicht sogar Recht. Ich habe das noch nicht so gesehen. Oder besser gesagt, etwas drängt mich Schritte zu tun, aber ich weiß noch nicht welche. Auf der anderen Seite ist die (rationale ?) Vorsicht, die bremst. Die Anspannung, die ich in mir spüre ist genau dieser Konflikt, Antrieb und Bremse. Ich glaube, dass das differenzierte Betrachten der Gefühle dazu führt, dass man nicht mehr in der Weise weiterlebt, wie man das vorher gemacht hat. Es ist ein unumkehrbarer Schritt. Und ich bin überzeugt, es hilft, die richtigen Schritte zu finden. Die Gefühle und vor allem die Macht, mit der sie sich ausdrücken, sagen, es ist eine Entwicklung notwendig. Panta rhei, alles fließt. Ich muss Veränderungen annehmen oder sie überrollen mich. Vielleicht sind die Gefühle vor der bewussten Wahrnehmung, dass mir das En-femme-Ausdrücken" wichtig ist, ein Ausdruck für "akzeptiere Dich, sonst überrolle ich Dich". Kim schrieb in einem anderen Beitrag, dass sie nach der Hormoneinnahme viel weniger die Notwendigkeit sieht, ihre Weiblichkeit auszudrücken. Sie hat möglicherweise den inneren Konflikt aufgelöst. viewtopic.php?f=16&t=16149&p=213444&hilit=kim#p213444Die Frage die Du stellst, ist wohl eine, die man sich stellt, bevor man den grossen Schritt wagt. Ich verdränge sie in der Regel mit aller Macht... noch...
Joe bringt es ganz schlicht auf den Punkt:
Das ist nicht das Ende des Wegs, sondern der Anfang eines neuen. Oder wie Diana es ausdrückt:Es ist für mich nicht der Wunsch nach dem anderen Geschlecht, sondern, ganz im Gegenteil, der Wunsch nach dem eigenen Geschlecht.
Mal sehen, was da noch kommt.Da wünscht man sich, dass das gesamte Paket so passen würde.
Edit: In der Zwischenzeit ist noch Jeninas Beitrag dazu gekommen. Vielen Dank dafür.
Ich habe bei Arias Bemerkung auch erst gestutzt und beschlossen, nicht so empfindlich zu sein. Ich denke, sie hat gar nicht so Unrecht. Es sind Tagträume, denen ich nachhänge, so lange ich die Dinge im "virtuellen" Raum hängen lasse. Ihre Empathie funktioniert auf mich bezogen richtig. Mein Inneres scheint ja zu sagen, "ändere was" und der Hasenfuß in mir steht auf der Bremse. Da bleiben nur Träume. Reichen die ?
Übrigens sagen nicht nur TS, es habe nichts mit Sexualität zu tun. Ich finde den Tenor auch bei anderen Transmenschen. Vielleicht sollte man "Sexualität" durch"sexuelle Orientierung" ersetzen.
Es ist merkwürdig, wie sich die Dinge ähneln. "Judith in Jena" ist mir entgangen. Ich werde mir das genauer anschauen. Ich habe auch schon sehr viele Fotos von mir gemacht und den den Umgang mit Photoshop ist mir auch nicht fremd. Ich hatte von einer früheren Freundin Aktaufnahmen gemacht und so habe ich sie genutzt, mir Vicky bildlich vorzustellen (Nein, ich werde die Bilder nicht zeigen). Zuerst war es seltsam eigentümlich. Aber je länger ich sie habe, um so mehr gefallen sie mir. Und die körperliche "Angleichung" Tape statt OP kenne ich auch zur genüge. Seit einiger Zeit sind mir eng sitzende Jeans lieber als Röcke spricht eine deutliche Sprache.Du schreibst:
finde ich richtig. Ich werde mir auch Zeit lassen, denn es kommt immer wieder Neues hinzu und anderes tritt zurück. Es ist wie ein spannender Film, nur mit dem Unterschied, dass man es nicht konsumiert.Damit bin ich nicht schnell fertig.
Auf Deine "Provokation"