Selbstbewusstsein - Die große Hürde
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Lebensplanung, Standorte
Frieda
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Re: Selbstbewusstsein - Die große Hürde

Post 1 im Thema

Beitrag von Frieda »

Beeindruckender Schreibstil liebe Lia und du bist erst (sry) 19,5 Jahre alt...alle Achtung!
Ich weiß, ich als Bio-Frau und dazu auch noch als "Oldie" kann dir nix hilfreiches beisteuern zu deinem Anliegen. Mir war es trotzdem wichtig (entschuldige falls unpassend), dir auf dein Geschriebenes zu reagieren.
Schüchternheit bzw Momente in denen man sich eher, wie ein scheues Reh fühlt kenne ich auch!
In deinem Fall, ich selbst kenne dieses Thema auch persönlich von einen meiner besten Freunde...Transmann, wo Schüchternheit immer wieder ein Thema war/ist. Diese Hürde kann niemand dir abnehmen, und ich bin überzeugt, dass du dies auch selbst weißt. Auch die Worte in deiner Fußnote, zeigen es für mich klar, dass du kein Dummerchen bist.
Natürlich ist es wichtig, dass du auf deine Emotionen hörst und fühlst welcher Weg wichtig und richtig für dich ist.
Nur unsere Gedanken sind wie eine Horde junger Schimpansen, die gebändigt werden wollen. Achte auf deine Gedanken! Wähle deine Gedanken achtsam aus, immer und immer wieder.
Ich selbst weiß es auch, wie geschwätzig mein Äffchen (mein Hirn) "stille" Selbstgespräche führt, aber ich habe (mit Meditation) gelernt und lerne es weiter, mein Äffchen zu zähmen. Und es sind auch nicht alle Gedanken von uns immer richtig. Oft genug treffen unsere erfundenen Geschichten, überhaupt nicht ein. Manchmal sage ich dann auch selbst zu mir: "Nicht denken, nur tun!"
Ich als Mutter bin zu der Erkenntnis gekommen, anstatt zu lehren WAS man denkt, sollte man lehren WIE man denkt...und genau daran halte ich mich in bezug auf mich und auch meine Kids.

Bei dir liebe Lia habe ich das Gefühl, dass du ganz ganz viel davon gelernt hast, "WAS" zu lernen ist. Du aber noch nicht viel darüber gelernt hast "WIE" du für dich lernen kannst.
Achte auf deine Gedanken liebe Lia, und vielleicht wird dir irgendwann bewusst, dass deine Äffchen dir unwahre Geschichten auftischen, die du ganz schlicht und einfach immer wieder aufs neue trainieren musst, um sie kontrollieren zu können, denn momentan sieht es für mich leider so aus, als kontrollieren deine Gedanken dich!
•Liebe & Mitgefühl sind die höchsten Formen von Intelligenz.
•Du musst selbst zu der Veränderung werden, die du in der Welt sehen willst. Mahatma Gandhi
•Irgendwo ist Jemand glücklich mit weniger als du hast!

*Wer mag, ich bin gerne da mit 💖,👂und📝*
ChristinaF
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Re: Selbstbewusstsein - Die große Hürde

Post 2 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Hallo Lia,
all deine Fragen stellten sich vor einiger Zeit auch die schon "lebenserfahrenen" transsexuellen Frauen. Mir gings ebenso. Die Antworten darauf haben sich auch nicht nennenswert geändert. Vielleicht hat sich im Laufe der Zeit die allgemeine Aktzeptanz unserer Situation etwas verbessert; aber die Grundintension bleibt die Gleiche.
Das herauszufinden, was frau ist, obs das Richtige ist, was passiert wenns weitergeht, all dies kannst du nur selbst finden. Hilfe gibts ja reichlich. Angefangen bei SHG's, oder Foren wie diesem, und nicht zuletzt dann die Hilfe bei div. Psych.
So dumm ist klingen mag, aber du bist ja mit deinen Jährchen noch superjung und hast somit noch einiges Kapital an Zeit. Und das wirst du auch brauchen; denn so ein Entwicklungsprozess kann bei der einen oder anderen schon dauern.
Liebe Grüße
Christina
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Selbstbewusstsein - Die große Hürde

Post 3 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hi Lia,

ich habe nur ein paar Bemerkungen bzw. Fragen:
Was habe ich davon, viele Menschen zu haben, die mich lieben, wenn ich mich selbst nicht leiden kann?
Wenn Du Dich nicht lieben kannst, kannst Du auch nicht Dein wahres Ich zeigen. Wie können Dich da die Menschen lieben. Sie sehen ja etwas ganz anderes ... ?
bin "erst" mit 17 auf den Trichter gekommen, dass ich transsexuell sein könnte. Da ich ja nun zur jüngeren Generation Transsexueller gehöre, ist das kein so toller Schnitt,
Warum machst Du Dich so schlecht ? Es ist egal, wann es soweit ist. Es kommt ans Tageslicht, wenn der richtige Zeitpunkt erreicht ist. Du machst ja schließlich kein Wettrennen ...
Mein Exfreundin hat mir damals gesagt: "Ich glaube nicht, dass du Transgender bist."
Offensichtlich kennt sie Dich nicht besonders gut. Ich habe von einer früheren Freundin ähnliches gehört. Ich fand das sehr verletzend, weil sie mich nicht ernst genommen hat. Heute habe ich eine Frau an meiner Seite, die mich nimmt, wie ich bin. Und letztlich lande ich wieder bei meiner ersten Anmerkung. Aus meiner Sicht geht es darum, sich selber anzunehmen, wie man ist. Die Menschen, die das erkennen und akzeptieren, sind richtig für mich. Für mich war, und ist es manchmal heute noch, Aufgabe Nr. 1. Google 'mal nach Charlie Chaplins Gedicht "Selbstliebe". Mir hat es die Augen geöffnet.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Céline
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Re: Selbstbewusstsein - Die große Hürde

Post 4 im Thema

Beitrag von Céline »

Hi Lua,
Erstmal großes Lob zu Deinem Geschriebenen.
Ich kann Dir von mir sagen das ich nie sehr großes Selbstbewusstsein hatte,ich hatte Menschenfurcht und wahr in jungen Jahren sehr verschlossen.Mittlerweile,vielleicht liegst auch am Alter aber definitiv daran das ich endlich die bin die ich im Grunde schon immer war.Es erforderte aber sehr sehr viel Überwindung und Mut so weit zu kommen wie es jetzt bin aber es war jede Mühe wert.Ich habe nur eines nicht gemacht:etwas überstürzt!Ich habe jeden Schritt doppelt und dreifach überlegt und bin meinen Weg sehr sehr langsam gegangen.Denn wenn ich schon 40 Jahre gebraucht habe um zu verstehen wer ich in Wirklichkeit bin, wie soll den dann meine Umwelt in kurzer Zeit damit zurechtkommen?
Ich bin den Weg von immer mehr androgyn zu feminiem gegangen und so hatten alle Zeit sich an die Veränderungen zu gewöhnen.Und genau durch diese langsamen Schritte ist auch mein Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl gewachsen.
Heute ist es mir größtenteils egal ob ich mit Schuhen größer bin als Andere oder ob ich in einem schicken Outfit auffalle,es ist mein Leben und das geht Niemand etwas an.
Und zu Menschen die einen lieben,ich hatte nie viele Freunde.Es war mir eigentlich egal....
Heute ist das genau das Gegenteil,ich habe so viele neue Freunde und Bekannte weil ich einfach ich bin und ganz anderst auf Menschen zugehen
Lebe einfach Dein Leben,es ist Deines, ich hoffe Dir ein bisschen positives vermittelt zu haben
Liebe Grüße
Kelly
"Sprache und Worte können mich nicht verletzten...nur der Mensch und seine Absicht dahinter"
C.B.
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Re: Selbstbewusstsein - Die große Hürde

Post 5 im Thema

Beitrag von Simone 65 »

Hallo Lia. Du bist jung , nutze das . Ich habe mich 40 Jahre versteckt . Seit zwei Jahren geht Simone raus. Ich lebe jetzt . Wenn Du von mir liest , dann weisst Du , ich habe Selbstbewusstsein . Stopp , auch ich habe immer wieder Zweifel , nachdenken .
Nein , es tut so gut Simone zu sein .
Ich BIN DA .
Liebe Grüße Simone
Ich weiss ,ich bin ein Mensch und nur Das zählt.
Ich bin nur ein kleines Licht , aber ich leuchte .
Alle Menschen sollen mich sehen .
Anja
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Re: Selbstbewusstsein - Die große Hürde

Post 6 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin) Lia,

ich finde du hälst dich zu sehr an Fakten fest. So und so alt, so und so groß, Stirn, Schultern, Stimme...
Na und? Ich habe meine HT mit 38 begonnen, war also ziemlich genau doppelt so alt wie du. Ich bin 1,85m groß und bin auch nicht nur breit, sondern habe auch Übergewicht.
Alles das spielt doch keine Rolle. Wenn du eine Frau bist, dann bist du eine Frau. Egal wie deine Stimme sich anhört oder wie deine Stirn ausschaut.
Trotz meiner ganzen Makel (und da fallen mir noch mehr als die obigen ein) kann ich, sofern ich nicht spreche, ziemlich unauffällig durchs Leben gehen, ich werde ganz normal als Frau wahrgenommen.
Das, was mich am meisten genervt hat, waren nicht die großen Hände oder meine männliche Stimme, sondern das die Haare ewig zum Wachsen brauchten.
Auf meinem Avatar sind sie ziemlich genau 3 Jahre gewachsen. Die Übergangszeit von kurz zu lang empfand ich teilweise echt gruselig, wenn ich in den Spiegel schaute... Aber da scheinst du ja schon Fortschritte gemacht zu haben, wenn ich das richtig gelesen habe.
"Der Weg", wie du ihn beschreibst mit riskanten, medizinischen Eingriffen ist kein Muss. Jeder kann das machen, womit er sich wohl fühlt. Ich z.B. habe großen Respekt vor jeglicher OP bzw. den Risiken (selbst meine Nasenscheidewand hab ich nicht richten lassen). Ich nehme seit 2,5 Jahren Hormone und fühle mich komplett wohl so wie es ist.
Ein "überzeugendes Ergebnis" wird es nicht geben, denn du veränderst dich dein ganzes Leben lang. Du bist mit der HT nicht irgendwann "fertig".
Das mit dem Kleid rausgehen habe ich nicht verstanden. Ist man nur eine Frau, wenn man ein Kleid trägt uns so rausgeht? Gerade zu Anfang, wenn man noch sehr nach seinem Geburtstgeschlecht ausschaut, wird das doch eher ein Spießrutenlauf als ein schönes Erlebnis. Zieh dich an wie du dich wohl fühlst und nicht wie andere es gerne hätten.
Wenn du dich unwohl fühlst, fällt das auch deiner Umgebung auf bzw. du fällst deiner Umgebung auf. Und das möchtest du doch eigentlich vermeiden?
Gehe den Weg mit dem du dich wohl fühlst. Und umgebe dich mit Menschen, die dich so mögen wie du bist. Nicht wie du zu sein scheinst. Sei du selbst.
Das Selbstbewußtsein kommt dann ganz von allein...

Grüße
die Anja
Fällt der Apfel weit vom Stamm, kommt wenigstens mal Sonne dran!
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Re: Selbstbewusstsein - Die große Hürde

Post 7 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Lia~Nima hat geschrieben: Mo 10. Sep 2018, 08:16 Genau so gut ist aber die Frage umgekehrt: Was habe ich davon, viele Menschen zu haben, die mich lieben, wenn ich mich selbst nicht leiden kann?
Hallo LIa~Nima,

ich habe ein halbes Jahrhundert den Mann gehasst, dessen Rolle ich gespielt habe. Und wer hasst, sinnt auf Zerstörung. Es fiel mir immer schwerer in meiner Rolle zu "funktionieren". So brach schließlich alles zusammen: Partnerschaften, Job, Freundschaften. Unterbewusst habe ich mich vom Hass getrieben selbst kaputt gemacht. Bis ich mich mit 58 Jahren geoutet habe.

Und glaubst Du wirklich, die anderen lieben dich, wenn Du nur die Rolle spielst, die sie von dir erwarten? Sie geben dir vielleicht dieses Gefühl, wenn Du immer schön brav alles in deren Sinne machst, und nutzen dich in Wirklichkeit nur aus. Selbst wenn sie dich lieben sollten, kannst Du diese Liebe nicht erwidern. Du hasst diese Rolle und damit unterbewusst auch alle, die dich da hinein drängen.

Du bist noch jung. Nutze das und gehe DEINEN WEG. Was Du jetzt dazu brauchst, ist erst einmal ein selbstsicheres Auftreten. Das kann man sich antrainieren, mit der Hilfe guter Freunde oder eventuell mit professioneller Hilfe. Echtes Selbstbewusstsein entwickelt sich erst, wenn es ein Selbst gibt, das man leiden kann, und zu dem man stehen kann. Falls dich dein Umfeld wirklich bedrohen sollte, was ich befürchtete, aber dann gar nicht eintrat, wechsle den Wohnort. Mit Menschen, die dich bedrohen, wirst Du niemals glücklich.

So viel von mir zu diesem einen "kleinen" Aspekt.

Liebe Grüße
Nicole
lexes
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Re: Selbstbewusstsein - Die große Hürde

Post 8 im Thema

Beitrag von lexes »

Mit 19 habe ich mit Sicherheit nich ein solches Potenzial zur Selbstreflexion gehabt ...

Da haste Dich aber ordentlich über Dinge geärgert um solche Denkroutinen zu implementieren .. mein lieber Scholli.

Du siehst : Unsicherheit ist in dem Fall gar nicht mal so falsch .. wärst Du im HAuRuck-Mir-doch-egal-Verfahren drangegangen wäre Dir sicher ein großer Teilweiser Denkweise ( die sich noch auf andere Bereiche wie Empathie etc... ausdehnt ) wahrscheinlich für immer verschlossen geblieben... Es ist nicht immer alles schlecht

Man kann das Problem mit Sicherheit stark vereinfacht so darstellen :

Deinen Weg hast Du schon erkannt , wenn auch in Deinen Augen ein wenig zu spät.

Der Zeitpunkt der Erkenntnis ändert aber nichts am Inhalt der Sachlage... Philosophieren wir also nicht über das "wann und warum" sondern nur über das "ob"...

Und "ob" Du TS bist ist ja schon geklärt ... Also sind die weiteren Fragen ( eine vernünftige Frau abgeben... und das ist grundsätzlich eine seeehr gute Frage ) tatsächlich obsolet

Dein TS-Sein ist nicht diskutierbar , damit ist es Dein Weg ( hin zum Frau-Sein ) effektiv auch nicht.

Du kannst Dich natürlich ( semi-erfolgreich für eine gewisse Zeit ) davor verschließen ... Die Aufarbeitung des Ergebnisses darfst dann aber sicher auch in einigen Jahren mit nem Psychologen machen.

Und sind wir mal ehrlich : Auch mit 19 biste noch lange nicht "fertig" ( körperlich ) .. da passiert noch sooo viel was ohne Testosteron nicht passiert,

=> Dein Problem wird damit psychologisch und körperlich über die Zeit nur größer. Damit kommen wir zurück zum Anfang :

Eigentlich hast Du selbst alles gesagt : Du bist TS. Du solltest eine Frau sein, natürlich ist das ein sehr schwerer Schritt, die Alternative ist aber auf jeder Ebene eine Katastrophe dagegen...

Rein logisch ( und sehr un-emotional ) ist es das .... Deine doch recht herausragende geistige Reife sollte Dir hier zusätzlich in die Karten spielen

Du weist das Du Dir zu viele Sorgen machst und rational betrachtet ist nur der Weg zu Dir der richtige .....

Ich hoffe Du findest hier viel Unterstützung und viele Freundinnen ...

Ganz viel Erfolg

Lexi
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Re: Selbstbewusstsein - Die große Hürde

Post 9 im Thema

Beitrag von Marlin »

Liebe Lia,
vielen Dank für deinen Beitrag. Was Du beschrieben hast kann ich wirklich sehr gut verstehen. Viele dieser Gedanken hatte ich und habe sie teilweise noch. Ich glaube ja, wenn man nicht an sich selbst zweifelt, bleibt man stehen. Durch Selbstreflexion, aber auch durch einen guten Rat kommt man dann weiter.
Und daher mein großer Dank an alle, die hier geantwortet haben. Ich hoffe, Ihr habt mit euren Antworten Lia genauso gute Denkanstöße gegeben, wie mir.
LG
Marlin
Joe95
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Re: Selbstbewusstsein - Die große Hürde

Post 10 im Thema

Beitrag von Joe95 »

Lia~Nima hat geschrieben: Mo 10. Sep 2018, 08:16...Bei mir ist das meistens aus der Angst begründet, dass aus mir "keine überzeugende Frau mehr werden kann". Körpergröße über 1,80 m, deutlich hervorstehender Stirnwulst, breite Schultern und natürlich das Masterproblem: Die Stimme. Dazu mein eher unmodischer Kleidungsstil (das hat sich gebessert, aber mit 15 war ich echt unmöglich).
Ich war viele Jahre lang überzeugt davon keine Transsexuelle sein zu können, weil ich mit meinem Aussehen doch alles bin, nur nicht weiblich.
Das "Passing" erschien mir unheimlich wichtig, wie soll jemand in mir eine Frau sehen wenn ich mit dem Körper eines sechzigjährigen LKW-Fahrers rumlaufe?
Irgendwann habe ich begriffen worum es bei mir geht: Ich muss nicht eine Frau "darstellen"! Ich muss leben wie ich mich fühle und es ist sch... egal was der Idiot, der mich da anglotzt denkt.
Will ich wirklich mein Leben davon bestimmen lassen was irgendwelche Deppen gerne hätten?
Nein.
Mit den Leuten, die mir wichtig sind, kann ich reden. Ich hoffe ich bin ihnen auch wichtig genug dass sie mich akzeptieren wie ich bin.


Sollte der Leidensdruck typischerweise nicht so stark sein, dass man alles andere in Kauf nimmt? Soziale Ausgrenzung, Verlust der Arbeitsstelle, riskante medizinische Eingriffe? Theoretisch schon. Natürlich im vollen Bewusstsein und nur mit psychotherapeutischem Gutachten. Aber theoretisch schon. Ist mein Leidensdruck also nicht hoch genug? Doch, ist er.
Nicht nur der Druck in die eine Richtung.
Du schreibst das du schüchtern bist, nicht mit Kritik umgehen kannst und angst vor Ablehnung hast.
Kann ich gut nachvollziehen, ich bin was man "Harmoniesüchtig" nennt.
Du hast also Druck, der dir entgegen wirkt und Druck, der dich voran treibt. Dazwischen du.
Den Druck auf der einen Seite erhöhen klingt logisch, aber schmerzhaft.
Wäre es nicht besser den Druck auf der anderen Seite abzubauen?
Ich würde es versuchen. Sicher kostet es erst mal überwindung, aber wäre es nicht toll dein eigenes Leben MIT deinen Menschen leben zu können?

Auf jeden Fall würde ich dir zu professioneller Hilfe raten.
Anscheinend habe ich mit meinem Therapeuten großes Glück gehabt, denn er ist mir wirklich "Hilfe zur Selbsthilfe".
Was ich jedoch von anderen (nicht nur hier) höre klingt oft furchtbar, deswegen scheint mir das wichtigste dass du mit deinem Therapeuten (bzw. er mit dir) kompatibel bist.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...
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Re: Selbstbewusstsein - Die große Hürde

Post 11 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)
Joe95 hat geschrieben: Do 4. Okt 2018, 07:30 Ich war viele Jahre lang überzeugt davon keine Transsexuelle sein zu können, weil ich mit meinem Aussehen doch alles bin, nur nicht weiblich.
Das "Passing" erschien mir unheimlich wichtig, wie soll jemand in mir eine Frau sehen wenn ich mit dem Körper eines sechzigjährigen LKW-Fahrers rumlaufe?
Das liegt halt daran, das wir tun, was wir immer getan haben, so wie alle anderen auch.
Man guckt sich an und definiert sich über das was man sieht. Von Außen. So wie es seit unserer Geburt jeder mit uns gemacht hat.
Sich davon zu lösen und sich selbst über seine Gefühle zu definieren, unabhängig vom Äußeren, ist ein großer Schritt. Denn dafür müssen wir begreifen, das Optik und Geschlechtempfinden eben auch (stark) voneinander abweichen können.
Vor dem Spiegel zu stehen, einen Jungen / Mann zu sehen und sagen zu können: "Ich bin eine Frau" ist garnicht so leicht. Ich wollte es ja selbst auch nicht wahrhaben. Dieser geistige Schritt braucht seine Zeit.
Aber wenn man so weit ist, ist es (fast) egal, was man im Spiegel sieht. Damit möchte ich nun nicht sagen, das mir mein Spiegelbild egal wäre. Ich möchte ja schon halbwegs nach was aussehen. Aber ich gucke nun halt eher nach dem Aussehen und eben nicht nach Geschlechtsmerkmalen. Mein Geschlecht definiere ich mir selbst, egal was andere an meinen Äußerlichkeiten festmachen (sollten).

Grüße
die Anja
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Re: Selbstbewusstsein - Die große Hürde

Post 12 im Thema

Beitrag von Joe95 »

Lange Zeit hatte ich den Wunsch zu leben wie ich nun mal bin.
Allerdings war ich mir nie so ganz sicher wie das denn nun genau ist.
Ein Mann im Rock? Ja... Jein...
Crossdresser? Auch nicht so ganz...
Was androgynes? Wirds wohl sein, weil ne Frau mit dem Körper is ja nich möglich...
Es hat sehr lange gedauert bis ich erkannte dass das Leben, das ich führen wollte, das Leben einer Frau ist.
Nicht mehr ganz so lange hat es gedauert bis ich erkannte das es nicht darauf ankommt wie andere mich sehen, sondern darauf wie es in meinem Inneren aussieht.
Anja hat geschrieben: Do 4. Okt 2018, 09:47...Aber wenn man so weit ist, ist es (fast) egal, was man im Spiegel sieht. Damit möchte ich nun nicht sagen, das mir mein Spiegelbild egal wäre. Ich möchte ja schon halbwegs nach was aussehen. Aber ich gucke nun halt eher nach dem Aussehen und eben nicht nach Geschlechtsmerkmalen. Mein Geschlecht definiere ich mir selbst, egal was andere an meinen Äußerlichkeiten festmachen (sollten)...
Nun, Anja, bei dir ist es klagen auf hohem Niveau. Ändert aber nix daran das du völlig recht hast.
Dazu kommt noch das es eine Art Wechselwirkung zu haben scheint.
Irgendwie finde ich mein Spiegelbild nicht mehr ganz so extrem wie früher.
Vielleicht läßt das "mich selbst akzeptieren" auch einfach einen gelasseneren Umgang mit mir selber zu.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...
ExuserIn-2018-12-09
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Re: Selbstbewusstsein - Die große Hürde

Post 13 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-12-09 »

Anja hat geschrieben: Do 4. Okt 2018, 09:47 Moinsen (moin)
Joe95 hat geschrieben: Do 4. Okt 2018, 07:30 "Ich bin eine Frau" ist garnicht so leicht. Ich wollte es ja selbst auch nicht wahrhaben. Dieser geistige Schritt braucht seine Zeit.
(sollten).

Grüße
die Anja
Wenn es aber soweit ist und im Spiegel-egal welches Aussehen ich eine Frau sehe.
Als ich genau das meiner Ex sagte sah sie mich (so glaube ich) aus einem anderen Blickwinkel.

Das tut sowas von gut und es ist seit dem immer so.
Wir müssen es zulassen uns selbst dazu bekennen, es hilft alles etwas leichter zu sehen.
Auch die Schritte die vor einem liegen.
Anja
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Re: Selbstbewusstsein - Die große Hürde

Post 14 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)
Joe95 hat geschrieben: Do 4. Okt 2018, 11:02 Nun, Anja, bei dir ist es klagen auf hohem Niveau.
🤔
Wie meinst du das?

Grüße
die Anja
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Joe95
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Re: Selbstbewusstsein - Die große Hürde

Post 15 im Thema

Beitrag von Joe95 »

Hallo Anja, wenn ich deine Bilder so anschaue brauchst du dir wirklich keine Angst haben nicht weiblich rüber zu kommen. :wink: (ki)
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
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