Nun bin ich schon fast 70 und war die letzten Jahrzehnte kaum noch in der Szene, weil ich für den Alltag längst meinen bewährten Weg gefunden habe und andere Dinge wichtiger wurden als die Genderei. Zeit, jetzt doch nochmal meine langjährigen Erfahrungen an andere Betroffene weiter zu geben, bevor mich irgendwann ein Herz- oder Hirnschlag dahinrafft... Ein paar Leute werden mich möglicherweise noch von zwei alten Vorträgen kennen, deren Skripte immer noch im Internet herumgeistern: "Zwischen den Geschlechtern" und "Trans-Sexualität" von W. H. Greiner.
Ich bin transsexuell (m2f), habe erst relativ spät (so um 1990, da war ich also schon 40) meinen transsexuellen Weg gefunden, und lebe trotzdem öffentlich bis heute in der männlichen Rolle. 1998 habe ich mir - nach jahrelanger, vergeblicher Hormontherapie - die Brust aufbauen lassen (immerhin 480 ml pro Seite - ich staune bis heute immer noch darüber, wie problemlos es von Anfang an war und bis heute ist, damit in der männlichen (!) Rolle zu leben und zu arbeiten). Den Unterleib habe ich gelassen, wie er war. Sexuell stehe ich ausschließlich auf Frauen und bin jetzt seit 11 Jahren zum zweiten Mal (und zum ersten Mal glücklich) mit einer Bio-Frau verheiratet. Auch auf diesem Feld erwiesen sich die Brüste als problemlos - und mehr als das: seit mein Körper meine zweigeschlechtliche Seele unübersehbar (jedenfalls im intimen Kontakt) auch nach aussen dokumentiert, hatte ich erstmals überhaupt Chancen und Erfolge bei der Sorte Frauen, für die ich schon seit meiner Jugend immer besonders geschwärmt habe. Ich könnte mich heute in den Hintern beißen, dass ich das nicht schon 20 Jahre früher gemacht habe - abgesehen von dem viel besseren Selbstgefühl wären mir gerade in puncto Partnerschaft verdammt viele, verdammt traurige Erfahrungen erspart geblieben.
So weit zu den Basics. Zu den einzelnen Erfahrungen schreibe ich dann in den Themenspalten.
Herzlichen Gruß
Wally